Beiträge von Carcano

    Gute Photos gibt's viele. Schlechte noch viel mehr.

    als Selbstdarstellung gelungen ist z.B. die Facebookseite von Heena Sidhu. Mit ihrem Pfunde lässt sich trefflich wuchern, und schießen tut sie auch noch gut.
    https://www.facebook.com/HeenaShootingOfficial/photos/a.120679751443678.21750.120675571444096/319780881533563/?type=1&theater

    In anderer Weise gut ist eine Event-Seite der ISSF zum IWK Suhl. Nicht wegen der jungen Frau (die als solche auch nett und ansehnlich ist, aber nicht mein Typ), sondern weil das sehr überlegt komponierte Photo tatsächlich enorm viel vom Sport transportiert. Die üblichen Lemminge werden natürlich über den etwas unorthodox-verspannten Anschlag lästern. Diejenigen, die denken, werden wissen warum, und den Anschlag interessant finden:
    https://www.facebook.com/events/776252212491537/

    Dann muss ich dann wohl doch den ins Spiel gebrachten Ball aufnehmen. Gegen mein obiges Negativbeispiel war ("aus der Mitte des Forums", we es immer so schön heißt) ein anderes Plakat gestellt worden, nämlich eines von Kogges Verein.
    Nun ist keines der beides jetzt das geniale Vorbild schlechthin, und man kann natürlich auch in der Ankündigung des Schützenvereins Gelb-Blau Bremerhaven 2002 e.V. Fehler oder Verbesserungswürdiges finden. Wenn man will.

    Aber der entscheidende Unterschied ist, dass letzteres Plakat seinen Zweck (einigermaßen) erkannt und erfüllt hat und ersteres nicht. Der ESV Weil am Rhein (Sportschützenabteilung) hat vielmehr alles falsch gemacht, was man so überhaupt falsch machen kann. Und das kumulativ und in erschreckender Negativvorbildlichkeit.


    Erstens: niemandem im ESV Weil ist offenbar klar, WARUM man überhaupt einen "Tag der offenen Tür " abhält oder eher abhalten soll (das letztere Gefühl ist dort wohl der entscheidende Faktor). Also der inzwischen schon sarkastisch so genannte Ziel-im-Visier-Effekt: man muss es halt irgendwie lustlos machen und will eigentlich überhaupt nicht. Und dieses Gefühl der oktroyierten Sinnlosigkeit überträgt sich auch überdeutlich auf den Betrachter des Plakats. Man spürt sofort, dass hier etwas pflichtmäßig-Langweiliges durchgezogen werden muss. Klingt ziemlich genau wie:

    Zitat

    "Die Versandabteilung der Schnickundschnack GmbH beehrt sich, die werte Belegschaft aller Abteilungen zum alljährlichen heiteren Fastnachtsabend einzuladen. Einlass von 18:45 bis 19:10 in der Versandhalle III, Eingang durch die alte Sanitätsabteilung; kein Vorverkauf außer am Montag in der Mittagspause in der Kantine. Ein närrischer Imbiss wird gegen Entgelt gereicht; es herrscht Kappenzwang!"


    Zweitens: "ein Tag der offenen Tür" soll eigentlich der Werbung dienen. Der Werbung für den Schießsport ganz allgemein ebenso wie für den eigenen konkreten Verein. Was oft übersehen wird, ist dass bereits das Plakat und andere Werbemittel (Flyer, Anzeigen, Webpage, FB-Eventankündigung) für und in sich selbst schon diesem Zweck dienen.
    Noch einmal ganz klar: auch bei denen, die an dem Tag NICHT kommen oder kommen können, soll die Werbung etwas transportieren (Informationen) oder etwas auslösen (Gefühle, Interesse, irgendwann-später-einmal-Ausprobierenwollen). Das wird häufig übersehen, Werbung sollte deshalb orginell und einprägsam sein. Typographische Schönheit schadet nicht, ist aber auch nicht zwingend vonnöten.

    Drittens: jeder Verein hat andere Dinge, das er in den Vordergrund stellen oder bewerben könnte. Nur muss man sich überlegen, was oder welche Aspekte das sind. Die Vielfalt des Schießsports in mehreren Verbänden? IPSC? Fröhliches Westernschießen in historisierender Kleidung? Die großen Erfolge der eigenen Bundesligamannschaft? Die mehrfach preisgewürdigte Blaskapelle und das 475jährige Jubiläum der Reiterabteilung? Erfolgreiche MigrantInnen? Die Jugendgruppe mit ihrem über den Schießsport inausgehenden Freizeit- und Betreuungsangebot? Eine große Sportwaffenschau (alles darf unter Anleitung ausprobiert werden, auch und gerade die Großkaliber)? Die neue 300-m-Bahn? Mehrere frühere Olympiateilnehmer am Stand? Ein historisches Vorderlader- (bzw. Modellkanonen-)schießen? Oder oder oder?
    Man kann durchaus mehrere Akzente gleichzeitig setzen, sollte es sogar. Nur setzen muss man sie. Einfach die Tür aufmachen und nicht wissen, warum und wozu - das geht nicht !

    Viertens: wenn man Sportwaffen auf den Plakaten darstellen wlll (was sehr sinnvoll ist), dann sollten es mehrere sein. Außer der Verein schösse ausschließlich Luftgewehr und sonst gar nichts (nicht einmal Luftpistole). Eine gewisse Vielseitigkeit des Sports sollte eine solche Einladung damit ausstrahlen, auch wenn sie Akzente setzt. Das wurde hier in Weil versäumt. Nur 2x Luftpistole, auch noch erzlangweilg abphotographiert.

    Fünftens: Sportler abzubilden ist an und für sich gut. Besser jedenfalls als Oberschützenmeister Rullkötter IV und Schützenmajor Strullerbeck in grüner Schützenuniform mit Hut und Amtskette im Hausmeister-Krause-Stil ("Alles für den Dackel, alles für den Hund!"). Das müssen dann aber dynamische und aussagekräftige, ansprechende Bilder sein. Und damit tun sich Schützen notorisch ganz, ganz schwer, was auch dieses Forum hier immer wieder aufs Neue erweist. Dabei ist es durchaus möglich - die ISSF macht es auf ihrer Website täglich neu vor.

    Was dagegen gar nicht geht: einen bekannten oder gar berühmten Sportler in den eigenen Reihen haben, sie oder ihn dann aber nur von hinten ablichten. In concreto auf dem Plakat war das wohl Mustafa Ustaoglu (wenn ich dessen Nackenlinie richtig identifiziere), aber hier bewusst anonymisiert ohne Gesicht - so etwas ist unmöglich. Ist geradezu eine Travestie. Nun ja, immer noch besser es ist einer der beiden Ustaoglus von hinten, als das verkniffene Mopsgesicht Roberto della Donnas oder die (nicht !) strahlend-mitreißende Dynamik Heidi Diethelm-Gerbers von vorne; aber das sind auch zwei seltene Extrembeispiele von "noch schlechter", das mir einfallen.

    Sechstens: bitte keinen Bratwurstjournalismusstil. Das ist inzwischen eine fest eingeführte Invektive (kommt ursprünglich als Journalismuskritik aus der Blogosphäre). So eine Nullnummer wie "Für Speis' und Trank ist gesorgt" ist ein absolutes no-No-NO. Entweder bietet man etwas Leckeres und nicht ganz Alltägliches an; dann sollte man auch ruhig damit werden (gegrilltes Wild, mexikanisches Buffet beim Westernschießen, großer Kuchenbackwettbewerb mit 40 verschiedenen Kuchen). Oder man hat's nicht, dann erwähnt man es auch gar nicht. Man informiert auf dem Plakat ja auch nicht darüber, dass es bei Regen eine Möglichkeit zum Unterstellen gibgt oder dass auf dem Gelände Toiletten vorhanden sind.

    Siebtens: Schützenhäuser und Schießstände tragen fast durchweg absurde Flurnamens- und Straßenangaben, die kein Mensch kennt und kein Navi findet (für unseres gilt das leider genauso wie jedes andere). Wenn man also NEUE (!!) Interessenten durch einen Tag der Offenen Tür einladen und anlocken will, die eben bisher _nicht_ schon einmal da waren (duh...), dann muss man ihnen auch die Möglichkeit geben, herzufinden. So weit wird bei derlei Plakaten und Flyern leider nur selten gedacht. "Wieso - wir wissen doch, wo unser Verein ist?" Ja eben - IHR !!! Aber nicht die, die ihr ansprechen wollt. Doch da endete das Nachdenken schon vorher. Und der Stand des ESV Weil liegt unmöglich versteckt in einer großen Fahrbahnschleife in einem aufgelassenen riesigen Gleisareal.

    Achtens: wer sich schon von selbst für den Schießsport interessiert, der wird nicht auf einen Tag der Offenen Tür warten. Denn an jedem sportlichen Trainingstag ist auch Tag der Offenen Tür, und Interessenten rufen dann an und kommen vorbei. Das ist eben der Unterschied zu Feuerwehr, Polizeiwache oder Trinkwasserspeicher der Stadtwerke. Anziehen möchte ein Schützenverein mit einem "Tag der Offenen Tür" gerade Menschen, die irgendein anderes Beiangebot zum Anlass nehmen, vorbeizuschauen, oder die etwas sehen können / offeriert bekommen, was es sonst NICHT so gibt. Und daran fehlt es bei dem Plakat des ESV Weil vollständig. Man hat sich auch nichts überlegt. Stil:
    "Wir müssen mal wieda n Tach der offnen Tür machen - Ohh nee, war doch erst letztes Jahr! - Na ja, häng wa halt son Plakat aus, hoffentlich komm nich zu viele !"

    Carcano

    Als langjähriger Schriftführer bekommt man irgendwie einen Fehler-Such-Blick. :D

    Du bekamst ihn gerade nicht, im Gegenteil. So meckerst du an einem Plakat herum, das zwar - gewiss - noch verbesserungsfähig ist, aber seinen Zweck erkannte (!) und auch erfüllte, während du eine katastrophale Zielverfehlung - von fast Loriotschem Format, "wo laufen sie denn?" - überhaupt nicht als solche wahrnimmst,

    Califax schrieb:
    "@Carcano, kannst du vielleicht Deine Kritik in Stichpunkten konkretisieren? Das würde helfen, ggf. bessere Werbung zu machen."

    Califax, Du sahst ja sofort, was daran _alles_ (kumulativ) danebengegangen ist, in Form wie Inhalt wie Intention. Du traust Dich nur nicht, es auch auszusprechen. Tu's einfach. :)

    Habt Ihr euch schon mal mit Leuten unterhalten die in frühstem Alter als künftige Leistungsträger gefördert wurden?
    Ich kenne da einige die mit 18 als sie es selbst entscheiden konnten den Ski, das Rennrad oder Tennisschläger für lange Jahre oder immer in die Ecke gestellt haben.

    Ja. Das ist HÄUFIG, und genau damit /de Gründen dafür, und den Schwächen des Konzepts) hat die Sportwissenschaft in den letzten 10 Jahren sich intensiv beschäftigt.

    Nur die Schützen und ihre Verbände kriegen's nicht mit.

    Carcano

    Soweit es die Erarbeitung von Technikmodulen angeht, die dann in einen "Trainings- oder Ausbildungsplan" integriert werden, gebe ich Dir für Jugendliche absolut recht. Das leuchtet mir jedenfalls für Pistole und Flinte ein (bei Gewehr /Büchse während der Wachstumsphase kann ich's physiologisch nicht beurteilen, mangels orthopädischer Kenntnisse).
    Der Gesamttrainingsplan wird allerdings tlw. anders aufssehen, anders zusammengesetzt sein als bei Erwachsenen.

    In dem Thread geht es eigentlich um die Bewertung und gemeinsame Erarbeitung eines Trainingskonzeptes. Ob für Jugendliche oder für Erwachsene, das sei mal dahingestellt.


    Nein, es bleibt sinnvollerweise nicht dahin gestellt. :) Warum nicht? Darum nicht:

    http://www.dsb.de/media/PDF/Publ…eren_anders.pdf

    Nun gelten die dort hervorgehobenen EInschränkungen für Kinder (und zwar im Alter von 8-10) wie man mir entgegenhalten kann. Das stimmt ja auch.
    Auch Jugendliche und Erwachsene können aber nicht a priori gleich trainiert werden. Natürlich kann man aber Module für beide gleichemaßen entwickeln und dann zusammensetzen, und dem kann auch das Ausgangskonzept dieses Threads dienen.

    Carcano

    Califax hat zwar sprachlich knapp, aber inhaltlich sehr umfassend kommentiert, nämlich sowohl bezüglich des Themas "Nachwuchsarbeit mit erwachsenem und mit jugendlichem Nachwuchs", als auch bzgl. "Alters- und Interessentenstrukturen in DSB und in den anderen GK-Verbänden".

    Dabei hat er einige ganz wichtige Sachen gesagt, die unbedingt Wiederholung und Unterstreichung verdienen, damit sie nicht untergehen.

    Soweit hatte Axel in dem eingeschachtelten Zitat ganz recht. Man muss diesen Wandel erst einmal wahrnehmen, sich nicht der Erkenntnis verweigern, nicht wegsehen, nicht sich zu täuschen versuchen: "aber bei uns ist alles ganz anders, und auch der Untergang der Welt kommt hier erst 100 Jahre später" (Bismarck über Mecklenburg).

    Zitat

    Das ist auch ok so.Wir machen es z.T. genau so (bei Erwachsenen), aber bei den Jugendlichen fahren wir zweigleisig:
    Im DSB lernen die Kinder/Jugendlichen das Schießen, nämlich die richtige Technik.

    Das ist meines Erachtens gerade für Kinder und Jugendliche ein richtiger Einstieg. Natürlich ist er auch waffengesetzlich erzwungen, aber die Grundlagen (Stellung, Atmung, Visieren, Abziehen) lernen sich klassischerweise eben in einem guten Verein, der nach ISSF-Regeln schießt. Auch gegen den Einstieg mit Luftpistole oder Luftgewehr ist überhapt nichts zu sagen, vieles spricht dafür. Allerdings muss dann auch so früh wie möglich Schießen mit Feuerwaffen ermöglicht werden.

    Zitat

    Wer Interesse hat, geht zusätzlich in den BDS und kann dort auch Meisterschaften mitschießen - meist mit leichter errungenem Erfolg als beim DSB.

    Das stmmt natürlich. Z.B. wer bei der DSU in der Jugendklasse antritt, bekommt automatisch eine Medaille ;-), beim BDS fast automatisch. Aber auch der DSB bietet ehrgeizigen Jugendlichen, die Erfolge und Bestätigung suchen, außerhalb von LG und KK-Gewehre (wo immer noch einige Konkurrenz besteht) genügend Chancen, rasch bis zur Landesmedaille zu kommen.

    Zitat

    Spätestens ab 17 wird Schießbuch geführt - und der Wunsch, mit 18 eine WBK in der Hand zu haben, wird immer größer.
    Wer dann mit 18 die WBK hat, bleibt in der Regel auch weiterhin dem Verein treu.
    Ist mir doch egal, ob der Verbandsbeitrag dem einen oder anderen Landesverband (oder mehreren) zukommt - mit ist wichtig, einen Sportschützen zu haben, der nicht einfach so wieder im Nichts verschwindet.
    Und das funktioniert. Nicht 100%, aber weit über dem normalen DSB-Schnitt.
    Wichtig ist, den Jugendlichen für "richtige" Waffen zu begeistern. Mit Druckluft allein hält man keine Jugendlichen über die Jahre der Lehre/des Studiums und Familiengründung.

    Das ist der ganz entscheidende Punkt. Und er trifft absolut zu. Es ist zwar - mit enorm viel Aufwand und Einsatz, an Zeit wie an emotionalen Ressourcen - sehr wohl möglich, eine funktionierende Jugendabteilung aufzubauen und aufrechtzuerhalten.
    - Erstens ist diese aber auf eine ständige (!) und hohe Energiezufuhr von außen angewiesen, also ganz anders als z.B. in Schwimm- oder Fuballvereinen. Wenn der Trainer und Hauptmotor ausfällt, löst sich alles auf.
    - Zweitens ist die Feststufe der Jugendlichen in der Regel nach 5-7 Jahren ausgebrannt, dann fällt sie ab. Ist so, und zwar auch und gerade im Leistungsbereich. Die Kaderstatistiken sprechen eine überdeutliche Sprache.

    Der Ansatz von Califax ist der beste, um die Beteiligten auch weiterhin beim Schießsport zu halten. Es lässt sich nur nicht in jedem Verein verwirklichen.

    Carcano

    AxelA, der Hessische Schützenverband hat eben einen sehr starren und stieren Blick auf Leistungssport, und innerhalb dessen noch einmal wiederum nur auf die "Olympischen Disziplinen", der Rest zähllt eigentlich nicht.

    Jeder Landesverband hat halt seinen eigenen Stil. Und durch Toleranz und Offenheit hat sich die hessische Schützenorganisation in den letzten 30 Jahren noch NIE ausgezeichnet. Ich sach' nur "Unvereinbarkeitsbeschluss", sachichnur.

    Sorry, ist nun mal so.

    Carcano

    Lieber Strobo89, das ist ein sehr langes und vor allem auch sehr inhaltsreiches Posting (multum, non multa). Ihm gerecht zu werden ist nicht leicht. Ich kann deshalb erst einmal nur einzelne Körner herazuspicken. Für den Mangel an ganzheitlicher Würdigung entschuldige ich mich schon vorweg. :)

    Anderswo kommen die Jugendlichen schon mit 5 oder 6 Jahren unter. Bei uns doch erst später.Und mit Ende-20 bewegt man nur die wenigsten (!) noch in einen Schützenverein, das setzt überwiegend erst viel später wieder ein. So sind da meine Erfahrungen.


    In beiden Punkten hast Du recht. Das WaffG gibt in § 27 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 eine Untergrenze vor, und die lässt sich bis auf 10 Jahre nach unten erweitern. In Frankreich ist der Einstieg etwas früher als hier (ab 8 Jahren).

    Neuer Zuwachs wird überwiegend nicht mehr aus den Altersgruppen "Kinder" und "Jugendliche" kommen (ganz anders als z.B. bei Schwimmvereinen und im Fußball), sondern frühestens ab (AB !!!) Ende 20; das warr mit dem obigen indirekten Zitat wohl auch ursprünglich gemeint.
    Realistisch ist aber ein Neueinstieg und Wiedereinstieg (beides trenne ich erst einmal nicht) in den oberen Dreißigern oder Vierzigern.

    Kinder und Jugendliche kannst Du sinnvoll und zielgerichtet ohne zu hohe Reibungs- und Unterwegsverluste nur noch aus Migranten (ggf. auch 2. Generation) abschöpfen und gezielt aufbauen. Viele andere Sportarten haben das _längst_ begriffen und haben es vor allem auch massiv und offen medial thematisiert. Schützen kapieren's noch nicht.

    Zitat

    Um diesen Trend zu sehen, brauche ich mir nur mal unseren Schützenkreis und -gau anzuschauen. Hier ist es um die Jugendarbeit jeweils nicht so gut bestellt. Und auch bei den Schützen in den 20er sowie 30er Jahren tut sich nichts. Immer weniger schießen noch aktiv. Das sieht man zum einen bei Meisterschaften. Hier kommt noch hinzu, dass ab dem Alter der Schützenklasse fast die Hälfte der gemeldeten Schützen nicht mal bei den Meisterschaften antritt, die Starts einfach ausfallen lässt.


    Absolut richtig in allen zitierten Punkten. In fast allen Disziplinen dominiert die Altersklasse, in vielen gibt es sogar schon mehr in den Seniorenklassen als in der Schützenklasse.

    Und gar im weiblichen Bereich herrscht in vielen Dispziplinen (besonders Pistole) flächendeckend absolut tote Hose. Wenn ich mir ein vierzehnjähriges jezidisches Flüchtlingsmädchen aus dem Wohncontainer hole und sie 1/2 Jahr Sportpistole trainiere, ist die Medaille bei den Landesmeisterschaften automatisch und garantiert. In manchen Landesverbänden auch ohne die Scheibe zu treffen, in anderen mit bescheidener Leistung.

    Zitat

    Und wieso haben wir so einen guten Zulauf? Weil wir etwas dafür tun. Wir haben die Betreuer, die die Jugendlichen motivieren und "einfangen" sowie begeistern können. Wir haben eine gute und klare Linie und wir haben zwei exzellente Schützen, die an den richtigen Stellrädchen bei den Jugendlichen schrauben und sie antreiben über sich hinaus zu wachsen.


    Diese Feststufe ist aber in 5 bis 7 Jahren ausgebrannt, und das wirst Du feststellen. Damit hat sich in den letzten 10 Jahren auch die Sportwissenschaft sehr intensiv auseinandergesetzt; nur sind die Erkenntnisse in vielen Fachverbänden noch nicht angekommen.

    Zitat

    Dass wir seit 2003 ununterbrochen auch eine gewisse Anzahl an Schützen im Landeskader haben, sei nur mal eine Randnotiz. Frühere "Hochburgen" der Jugendarbeit in unserem Landesverband sind derzeit nur noch ein Schatten der Vergangenheit.


    Ja, und Kader ist auch nicht gleich Kader. Bayernkader oder Hessenkader will schon etwas heißen. In meinem SBSV dagegen können wir die auf dem Papier vorgesehenen Kaderplätze mangels Masse überhaupt nicht besetzen.
    Zudem ist das alte Kadersystem für sich genommen schon überholt und funktioniert vielfach nicht mehr gut. Vor allem schrecken seine Bedingungen den jugendlichen Nachwuchs vielfach ab, statt ihn anzuziehen. Möglcherweise nicht bei Euch, aber diese meine Aussage ist bewusst generalisiert und als solche ist sie dann auch zutreffend (nicht notwendigerweise im Einzelfall).

    Zitat

    Und dann soll man nur halbherzig Jugendarbeit betreiben? Oder zu spät Jugendarbeit betreiben? Oder vielleicht auch gar keine Jugendarbeit betreiben?
    Wenn das der Fall ist, dann habe entweder ich die Zeichen der Zeit falsch verstanden


    WENIGER Jugendarbeit, in der Tat, ANDERE Jugendarbeit, FOKUSSIERTERE Jugendarbeit, EFFIZIENTERE Jugendarbeit. Klingt wie eine Rede bei einem Delegiertentag, gell? :D
    Und vor allem mehr Gewicht auf die Gewinnung und die Betrtreeuung (!) erwachsenen Nachwuchses legen, denn das ist der, den wir haben und zukünftig haben werden. Gilt übrigens auch fürs Weltniveau. Heena Sadhu und mindestens eine der Topmongolinnen haben erst mit 17 oder sogar als junge Erwachsene angefangen. Zwei Jahre und sie hatten den olympischen MQS und schossen auf Weltniveau mit.

    Zitat

    oder aber viele andere verfolgen einen falschen Ansatz oder haben sogar gar keinen.


    Absolut richtig.

    Zitat

    Und wenn nun jemand sagt, dass das zu sehr in Richtung Leistungssport tendiert, dann muss ich betonen, dass nur Leistungssport bzw. Erfolg auch für eine entsprechende Basis an Breitensport sorgt.


    Da gebe ich Dir recht.

    Zitat

    Und wir Schützen dürfen und sollten uns ruhig auch Dinge bei anderen Sportvereinen abschauen und neue Wege gehen.


    Tun die Schützen aber (bisher) nicht. Das Ergebnis ist überall zu sehen.

    Zitat

    Und braucht man dafür unbedingt einen Trainer mit C-, B- oder A-Lizenz? Ich denke, dass es mit entsprechendem Konzept und Eifer sowie Erfahrung auch ohne geht. Wir haben selbst keinen lizenzierten Trainer im Verein bzw. vor Ort und dennoch klappt es bis hin zu besten Erfolgen, sei es im Leistungs- als auch im Breitensport, sehr gut.


    Ihr braucht _einen_ Trainer, ja. Aber nicht notwendigerweise mit C aufwärts, so gut das wäre. Denn das deutsche Lizenzwesen ist verheerend fehlentwickelt und dysfunktional. Überhaupt nicht bedarfsorientiert. Es ist zum Haareraufen.

    Zitat

    Vereinssterben ist aufgrund von mangelnder Jugendarbeit und einer auch dadurch bedingten Überalterung mittlerweile keine Seltenheit mehr und wird wohl vermehrt vorkommen.


    Ja. Es ist andererseits aber auch eine Chance, die man nutzen kann. So versuche ich es zu sehen und damit umzugehen.

    Liebe Grüße und gut Schuss,

    Carcano

    Mancrazy12 schrieb:

    Zitat

    wir haben eine Gruppe in der wir immer schreiben wegen Training usw., und Möglichkeiten bei nem Bezirkstrainer zu trainieren, werden dann immer abgelehnt wegen "Zeitmangel" bla bla oder kurzfristig abgesagt! Irgendwann hab ich erfahren das der eine dann lieber daheim allein vor seiner Playstation sitzt und sich Energydrinks reinballert!


    Da hast Du natürlich recht, Mancrazy12, und ich kann Deinen Unmut gut verstehen, vor allem weil Du mehr Ambitionen hast als Deine Mitschützen und dann wiederholt frustriert wirst.

    Du hast den Leistungsanspruch Deines Vaters internalisiert, und die anderen in der Gruppe sehen sich eher als "Hobbyschützen" - also Schießen ja, aber nur wenn's passt, wenn man Lust drauf hat, und solange es nicht anstrengend wird.

    Andererseits nehme ich an, dass Deine Mitschütz(inn)en Dich vielleicht etwas für einen Streber halten, jedenfalls für manifest übermotiviert, und DIch das vielleicht auch schon einmal - direkt oder indirekt - haben spüren lassen. Könnte das sein?

    1. Der Unterschied zwischen Training und Üben ist DIr ja bewusst und ist Dir auch früh beigebracht worden: die meisten aktiven Schützen (die eh' nur eine Minderheit von 10-15 % der Mitglieder sind, so im Mittel) üben nur.

    2. Üben gibt zumeist ein diffus gutes Gefühl ("ich hab' mal wieder was getan", oder "wow, das war mal ein schöner Zehner"); Training dagegen fordert und frustriert auch leicht.

    3. Meines Erachtens sind die meisten (ehrenamtlichen) Trainer zwar engagiert und gutens Willens; sie sind aber oft kene guten Motivatoren. Denn auch das muss man lernen.

    4. Das A und O jedes Trainings ist Selbstdisziplin. Und genau die fehlt natürlich vielen Menschen; Kindern und Jugendlichen verständlicherweise noch etwas mehr.

    4.a. Wenn man z.B. Trockentraining als eine häusliche Pflicht ansieht, die der Coach Euch noch zusätzlich auferlegt hat, dann ist es nervig und unangenehm. Wenn es einem gelingt, das umzudefinieren und zu empfinden (!) z.B. als eine Möglichkeit von "3 Minuten Meditation - konzentriertes Abschalten", die man kurz einstreuen kann, und zwar ohne irgendeinen Erfolgszwang (Ringe sammeln müssen), dann kann man sich u.U. sogar darauf freuen.

    Carcano

    Ersatzteile dürften hier ausgesprochen schwer beschaffbar sein,

    Dieses Schicksal teilt sie zum Beispiel mit so ausgesprochenen SELTENEN Pistolen wie, sagen wir mal, einer Hämmerli 208. :P Ich sag' nur "kurzer Auszieher". Seufz.

    Hans Aicher hat seine Ziegenhahn (Mod. IV) ja anderthalb Jahrzehnte lang in allen Artikeln als Referenzwaffe herangezogen. War das jetzt nur affektiert? ;)

    Carcano

    Durch die chinesischsprachige Website gewühlt, neue Faxnummer ermittelt, endlich rausgefaxt.

    Die Munitionsfabrik gehört zu der China South Industries Group, einer der beiden Hälften von Norinco. Ist aus einem der größten militärischen Arsenalbetriebe (110 Jahre alt) hervorgegangen. Heute natürlich privatisiert.

    "Wenn die Zukunft nicht im Nachwuchs bzw. Zuwuchs liegt, wo denn dann?"

    Ja, das tut sie.
    Aber Du verstehst nicht, wo (= in welcher Altersgruppe) beim Sportschießen zur Zeit und zukünftig der Nachwuchs und Zuwuchs liegt.

    Vieles von dem, was Du schreibst, ist freilich auch für den real existierenden und weiter zu erwartenden, nämlich erwachsenen Nachwuchs richtig und umsetzbar.

    Carcano

    Und man darf deren Qualitätsstreben nicht unterschätzen,grad wenn es darum geht auf einen Markt zu drängen...
    Solche Phasen sollte man nutzen.

    Ja. So ist es.

    Eine Email erbrachte bisher noch keine Antwort binnen 6 Tagen (4 Werktagen).
    Jetzt bekommen sie in Chongqing halt dann die gleiche Anfrage noch einmal als ein Fax mit Briefkopf und allem Tatütata. :)

    LG. Carcano