Califax und Strindberg haben sich die Mühe nützlicher und nachvollziehbarer Schilderungen gemacht, die ich in vielen Punkten teilen würde. Dankeschön an beide !
Es geht hierbei ja auch nicht darum, den Einen Richtigen Weg mit dem Einzig Wahren Wundermittel ("Echtes Schlangenöl ! Original Italiänischer Theriak !! Das Wahre Universalspezifikum !!!") zu missionieren; den und das gibt es so oder so nicht.
Wohl aber gibt es viele eindeutig FALSCHE Herangehensweisen oder Praktiken, über die Schützen besser Bescheid wissen sollten. Angefangen mit der unsäglichen Boresnake, dem unwürdigen und deutlich schlechteren Nachfolger der militärischen Reinigungsschnur und Reinigungskette.
Das Problem ist, dass es da weithin nicht nur an detaillierterem Sachwissen, sondern sogar an Elementarwissen fehlt, und zwar auich bei Leuten, die es wissen sollten (z.B. Büchsenmachern oder renommierten Schützen mit Meistertiteln).
Bevor man beginnt zu reinigen, zu schmieren und zu pflegen (konservieren), sollte man sich darüber klar werden, mit welchen Belastungen und Anforderungen man es zu tun hat. Für Öle und Fette gilt generell: "wenig hilft viel - zu viel hilft wenig". Und ständig gebrauchte Sportwaffen brauchen keine Konservierung (wie z.B. Sammlerwaffen), die stört nur.
Luftdruckwaffen:
Sind äußerst pflegearm. Wer mag, kann etwaige Dichtungen alle ein-zwei Jahre mit sparsamstem Auftrag eines Pflegemittels behandeln (Empfehlung am besten im Werk erfragen); wirklich nötig ist das nicht. Die Laufseele wird durch den Graphitauftrag der Geschosse bei jedem Schuss neu geschützt. Wer ein Luftgewehr im meeresnahen Untergeschoss eines Leuchtturms für mehrere Jahre ungenutzt aufbewahren will, mag an einen Öl- oder Fettfilm im Lauf denken, sonst aber bitte NIEMAND. Auch die VFG-Filzpellets zum Durchschießen sind reine Geldverschwendung und vollkommen (!) sinnfrei.
Sinnvoll ist es dagegen, einmal im Jahr die Visierung über die ganzen Verstellbreiten hin einmal in die eine und einmal in die andere Richtung zu verdrehen, bevor sie wieder auf Ausgangszustand gesetzt werden; damit die Schmierung nicht verhärtet. Ähnlich wie bei Optik. Das verbindet man dann auch zweckmäßig mit dem Studium, wie sehr sich soundsoviele Klicks auf die Trefferlage auswirken. Denn vielzuviele Schützen trauen sich nicht, die Visierung zu verstellen. Die obige kleine Übung verschafft Zutrauen dazu.
Ansonsten: Nach jedem Handhaben mit einem schwach (!) ölgefeuchteten Läppchen die sichtbaren Metallteile abwischen. LP-Kompensatorreinigung halte ich (anders als bei Feuerwaffen) für überflüssig, lasse mich aber gern belehren, wenn jemand andere konkrete Erfahrungen gemacht hätte.
Kleinkaliberwaffen (vorrangig .22 lfB/lr):
Die Verschmutzungstypik ist eine DEUTLICH andere als bei Großkaliberwaffen. Das muss man wissen, und die Reinigung und Pflege entsprechend darauf einstellen.
- Die Laufseele braucht i.d.R. NICHT gereinigt zu werden, allenfalls mit trockenem Durchbürsten, wenn man subjektiv findet, dass eine bestimmte Patronensorte arg viele Verbrennungsrückstände hinterlassen hätte. Jede Reinigung stört das Schußbild und die Trefferverteilung und es kann (ja nach Waffenlauf und Munition) etlicher Schüsse bedürfen. bis der Lauf sich wieder normalisiert hat. Grund ist die fast stets vorhandene Beschichtung der Geschosse, wobei es von einem weichen fast flüssigen Öl-Fett-Auftrag (Lapua und Schönebeck) über zähere Fettung (Talg und Bienenwachs; so bei Eley, älteren Lapua, älteren RWS) über Hartwachs und Gleitlack alles gibt. Extrem selten sind gänzlich unbeschichtete Geschosse (sehr alte S&B, einige wenige Pobjeda-Chargen).
- Sehr alte KK-Läufe (älter als 60 Jahre) kann man allerdings grundreinigen, wenn die Präzision gar nicht zu stimmen scheint; denn antike Läufe können tatsächlich mal mit Blei zugesetzt sein. Dann sind Bronzebürsten und Chelate das Mittel der Wahl. Danach muss die Laufseele dann wieder ihren Geschosseintrag erhalten.
- KK-Selbstladewaffen (Pistolen und Gewehre) und Revolver verschmutzen schnell und stark. Grund: unverriegelter Masseverschluss einerseits, wo viel nach hinten ausgeblasen wird, Trommelspalt beim Revolver andererseits.
Dies sind Verbrennungsrückstände von Pulver und (i.d.R. bleihaltigem, also giftigem) Anzündsatz sowie reichliche Reste von Geschoss- und Hülsenfettung. Manche Waffen sind fast völlig unempfindlich dagegen (Hämmerlis z.B. und andere Waffen mit nach oben offenem Schlitten), andere zicken schnell (Walther SSP hatte zumindest anfangs diesen Ruf, auch MG ist etwas reinigungsintensiver).
Grobe sichtbare Verbrennungsrückstände werden am besten mit einem steifen Borstenpinsel oder einer alten Zahnbürste vorentfernt - und zwar ohne (!) sie erst mit Öl oder Fett zu einer Pampe mit Abrasivwirkung anzurühren und diese gleichmäßig zu verteilen (leuchtet irgendwo sein). Auch eine Pressluftsprühdose kann dafür hilfreich sein.
Danach sollten innere Metallteile m.E. nur sehr sparsam geölt oder gefettet werden (also NICHT "voll fett einsprühen und langsam abtropfen lassen"), weil der gesamte zukünftige Schmutz sonst anbabbt (schwäbisch: "hebt") und sich verlässlich immer mehr und immer schleifender ansammelt. Gerade die an sich sehr robuste Walther GSP zickt bei Überölung gerne.
WD40 ist als Sprüh-Reinigungsmittel zumal für unzugängliche Ecken durchaus brauchbar, sollte nach dem Sprühen aber möglichst wieder abgetupft werden.
Den Abzug von KK-Waffen lässt man mit Mittelchen völlig in Ruhe, hier kann man nichts verbessern und alles versauen. Aus dem gleichen Grund auch keine Ultraschallreinigung (Gründe dafür siehe das Posting von no.limits über Morini).
BESONDERS zu achten ist bei der Reinigung von KK-Waffen auf:
- Bereich unter der Auszieherkralle (mit Bürste oder Zahnstocher oder Streichholz);
- Gängigkeit des Ausziehers (muss sich gegen den Federdruck leicht etwas abheben lassen)
- Randausnehmung des Stoßbodens im Verschluss (mit Zahnstocher oder geeignetes spitz-scharfes Plastikstück) bzw. die Hülsenbodenvertiefungen in manchen Revolvertrommeln
- Unterseite des Auswerfersterns und korrespondierende Gegenfläche der Trommel bei Revolvern
- Zuführrampe bei Pistolen, und deren Seiten
- Innenseite der gewölbten Magazinlippen, wie überhaupt der Magazinkörper (unglaublicher Drecksammler)
- Schlagbolzenbohrung im Verschuss (setzt sich typischerweise mit Schmutz zu und verlangsamt dann u.U. den Schlagbolzenfall; regelmäßig alle 1000 Schuss durchpusten, mit Luft oder WD40)
- Patronenlager (der einzige Laufbereich, wo die Bronzebürste sinnvoll ist, dort auch dann Chelat-Einsatz; keine ammoniakhaltigen Mittel, kein Robla; normales Öl bzw. CLP-Mix kann dafür zu wenig sein). Es verschmutzt bei Pistolen schnell und Rückstände an der Patronenlagerwand sind insbesondere bei eng bemaßten Matchpistolen die Ursache Nr. 1 für Ausziehverlangsamungen, wieder eingeschobene Hülsen (Stecker), Auswerfhemmungen und sonstige Störungen)
- Unterseite der Rahmenbrücke des Revolvers am Trommelspalt, dort lagert sich oft ein Bleistreifen an, der dann weiter anwächst. Entfernen mit Bronzebürste
- Nicht vergessen: guter Handschutz beim Reinigen (Latex-Einweghandschuhe).
(Kann fortgesetzt werden)