Beiträge von Carcano

    Ich hab an verschiedenen Stellen, ich glaub sogar hier in dieser Diskussion, schonmal geschrieben, das in 10 Jahren ca wir 20 - 30% weniger Schützenvereine haben wie jetzt.
    Es geht ja schon los, die ersten vereine wickeln sich mehr oder weniger schon ab und die nächsten folgen mit sicherheit.
    Es fehlt die Basis in den Vereinen, die Schützen zwischen 18 und 45. Die ganzen Schützenvereine sind zu alt, geworden sozusagen.
    Es wurde ca 30 jahre lang versäumt etwas für die Mitgliedergewinnung zu tun und das fangen wir jetzt so langsam an zu spüren.

    Ich finde die Entwicklung in Mitteldeutschland (Ostdeutschland gibt es nicht mehr, das weiß ich) überaus interessant, wiewohl auch besorgniserregend. Michael Eisert hat darüber einen ganz ungewähnlich guten und lesenswerten, geradezu spannenden Artikel in der DSZ 6/2011 geschrieben. Den sollte sich jeder zu Gemüte führen. In den meisten neuen Bundesländern - Ausnahme Sachsen - brechen die nach 1990 zunächst optimistisch neu konstituierten Schützen inzwischen schneller weg als die Dorfkirchen. Das gilt in der Breite *und* in der Spitze (letztere braucht halt erstere).

    Carcano

    @ Carcano: Du gehst also von einem weiteren Schrumpfen des DSB aus. Wie schätzt du mögliche Zukunftentwicklung der anderen Verbände ein? Werden diese in Zukunft ähnlich wachsen wie in jüngster Vergangenheit, so dass sie diesen EInflussverlust ausgleichen können oder werden auch diese früher oder später ihren Zenit erreichen und wieder kleiner werden?

    Ja zur ersten Aussage, und dieser Prozess hat nicht nur demographisch-altersstatistische, sondern auch siedlungsgeographische und soziale Gründe. Ich finde die eigene Zielvorgabe des DSB "1,5 Millionen" im übrigen gar nicht falsch, im Gegenteil. Als Ziel und Motivation ist es vernünftig. Der DSB hat die Zeichen erkannt und bemüht sich tatsächlich, etwas zu tun. Da freilich die falschen Leute daran arbeiten, wird auch (teilweise) das Falsche unternommen, und die Fragen werden bisweilen schon falsch gestellt, wie Wilhelms referierende Postings sehr anschaulich aufzeigen. Mit verfehlten Ansätzen läßt sich aber ein Ziel nur sehr viel schwerer erreichen. (Nötig ist so oder ein SWAP - sector wide approach program).

    PS: Den einfachsten und effizientesten Weg, die Mitgliederzahlen wieder anzuheben, hat noch kein Verband offen ausgesprochen, obwohl er auf Vereinsebene und in anderen Verbänden (z.B. bei der DSU) schon praktiziert wird. Das geht aber nur dann in der Fläche, wenn der Landesverband das mit seinem Gewicht in alle Vereine hineinträgt und durchdrückt. Sonst bleibt es Kleckerleskram.

    Nein zur zweiten Fragen: die Leute, die beim DSB wegsterben oder austreten oder nicht eintreten, kommen in der Masse *nicht* zu uns. Auch nicht zum BDS. Die drei anderen GK-Verbände müssen vielmehr daran denken, sich in der einen oder anderen Form mehr im Schulterschluss anzunähern (bei Wahrung des eigenständigen Profils, versteht sich). Das könnte z.B. eine einheitliche (kollegial verfasste, nicht monarchische) Führungsspitze sein. Die GK-Verbände haben zwar noch etwas Wachstumspotential, aber das liegt meiner Einschätung nach bei 10-25 %.

    Carcano

    Bei uns in der Region wurde einem Verein der GK-Stand vor wenigen Monaten vom Schießstandsachverständigen nicht mehr abgenommen und der Verein will die nötigen Investitionen nicht mehr tätigen, weil die Nachfrage zu gering ist. Auch bei uns im Verein hören immer mehr mit GK auf, weil ihnen die Kosten für Munition und Neuwaffen langsam aber sicher zu hoch werden.
    Glaubt ihr denn, dass bis in zwanzig Jahren (ohne mögliches Verbot) noch so viele Schützen wie jetzt

    Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es - aus verschiedenen Gründen - in den nächsten zwei Jahrzehnten zu einem Konzentrationsprozess der Schießstände kommen. Auch eine Reihe kleinerer Vereine werden sich auflösen. Das wird den Sport zunächst (scheinbar) weniger betreffen, bedroht aber die Größe und das politische Gewicht des DSB. Und damit indirekt doch wieder den Sport.

    Carcano

    Man muss immer unterscheiden zwischen Irland und Nord-Irland (letzteres ist Teil von Großbritannien).

    Und noch mehr waffenrechtlich unterscheiden innerhalb des Vereinigten Königreichs zwischen Nordirland, Isle of Man und den Kanalinseln einerseits, und England-Wales-Schottland andererseits.

    Und Nordirland ist nicht (!) Teil von Großbritannien, da wirst Du geteert und gefedert, wenn Du das dort sagst.

    (Aber im UK gibt es ja auch acht Landessprachen. Was auch viele außerhalb nicht wissen. :) )

    Carcano

    Ein Sport oder eine Disziplin sollte nicht danach bemessen werden, ob sie olympisch ist, oder nicht!

    Wird aber. Und damit ist der Wunsch (leider) erledigt.

    Nur unter uns (!) ist es moralisch etc. egal, ob einer Luftgewehr oder .45er schießt. Für die politische Durchsetzung ist das Argument "olympischer Sport" absolut schlagend. Nur so konnte z.B. das Alter von 18 Jahren für den eigenen Waffenbesitz zumindest teilweise gehalten werden, und die Freistellung vom psychologischen Gutachten über unter-25jährige jedenfalls für bestimmte (!) Waffen: § 6 Abs. 3 Satz 2 i.V.m. § 14 Abs.1 S. 2 WaffG -> reine Anknüpfung an die olympischen Disziplinen.

    Carcano

    Zur Ehrenrettung von Irland muss man allerdings wohl auch sagen, dass die dort lange Zeit währende bürgerkriegsähnliche Situation wohl auch Einfluss auf die Gesetzgebung gehabt haben dürfte.

    Im Gegenteil. In Nordirland ist das Waffenrecht liberaler als in der Republik Irland (Eire).

    Aber selbst dort hat vor einiger Zeit der erste Schütze eine Erlaubnis für eine Patronenkurzwaffe erfolgreich durchgefochten (ich glaubte, es sei eine Freie Pistole gewesen, sehe aber nun auf der Website
    Spring Standard Pistol 2008 - Rathdrum ,
    dass schon 2008 ein Schütze eine Walther SSP einsetzte, und die Disziplin "Standardpistole" in Irland also anders als in Großbritannien mit Patronenwaffen geschossen werden kann).

    Andererseits ist so etwas natürlich schlichtweg beschämend:
    "Ten shooters competed in the Air Pistol Nationals" (Website der irischen Sportschützenvereinigung)

    (Für Frank: In vielen Ländern des Common Law Bereichs werden alle Arten von Schusswaffen legal als "firearms"definiert, das nur am Rande - so auch in Indien, wo eine Gerichtsentscheidung, die alle Luftdruckwaffen entgegen der Verwaltungspraxis als erlaubnispflichtig ansieht, jetzt im Mai/Juni 2011 totale Panik verursacht hat)

    Carcano

    Wir haben:
    - Einen Schießstand (von 10m über 25m, 50m KK, laufende Scheibe 50m, bis 100m elektronisch alles da; auch Kipphase);
    - großes parkartiges hoch umzäuntes Grüngelände drumherum, mit Platz für 20 Zelte;
    - großen Parkplatz innendrin;
    - 10 Minuten Fußweg vom Bahnhaltepunkt, ebenfalls 10 Minuten von der Autobahnabfahrt;
    - voll eingerichtete Küche, Sanitäranlagen, fließend Kalt- und Warmwasser;
    - Grillmöglichkeit und Lagerfeuer draußen nach Belieben;
    - Schützenhaus mit Übernachtungsmöglichkeit (Schlafsäcke, Isomatte);
    - statt Dusche einen Biotopteich ;-).

    Tja. Nur die Interessenten für ein Trainingslager fehlen noch. :love:

    Carcano

    Richtig, zu dem - juristisch und technisch nicht eindeutig definierten - Schlagwort "Großkaliber" gehört weitaus mehr als die berüchtigte "9 mm Beretta", so z.B. klassische UIT/ISSF-Disziplinen wie Zentralfeuerpistole .30/.38, 300-m-Gewehr und Armee-/Ordonannzgewehr.

    Alle drei Disziplinen waren früher einmal olympisch; jetzt ist es leider keine mehr. Zumeist eine sollte ruhig wieder ins Programm; das würde den Legalwaffenbesitz weltweit enorm stärken.

    Neue Disziplinen nimmt das IOC nur auf, wenn ältere fallen (Doppeltrap und Laufende Scheibe sind schon draußen, sogar ohne Ersatz). Aus rein praktischen Gründe (Schießstandneubau!) ist nur Zentralfeuerpistole olympisch umsetzbar, so gerne ich die anderen mag. Zudem ist diese Disziplin auf nationaler Ebene auch am bedrohtesten.

    Carcano

    Lichtpunktgewehre sollen nur für den Einstieg, für Kinder ab sechs Jahren, sein. Welche Vorteile dies hat dürfte ersichtlich sein, sonst dürften Kinder erst ab 12 Jahren mit dem Luftgewehr schiessen.

    Nein, das ist nicht ersichtlich. Ersichtlich ist vielmehr, dass Deutschland durchaus die vernünftigen französischen Altersregelungen übernehmen sollte. Das hat ja auch der DSB redlich versucht und sich dafür stark gemacht.

    Carcano

    Bei den 20-Sek.-Serien fällt bei mir der erste Schuß nach etwa 5 Sekunden, fertig bin ich bei um die 15 Sekunden.

    Die 10-Sek.-Serie gehe ich etwas schneller an, der erste Schuß bei 2-3 Sekunden, der letzte bei 8 Sekunden, manchmal 9.

    Das allerwichtigste bei den schnellen Serien ist wohl das Einrichten, damit keine Zeit mit der Haltepunktsuche verschwendet wird. Und immer wichtig: Lieber eine oder zwei Zehntelsekunden sauberer abziehen als den Schuß verreißen.

    Um alles drei bemühe ich mich auch.
    In den 20er Serien schieße ich oft noch etwas zu schnell. Die Ergebnisse sind dennoch im Schnitt genauso wie in der 150er Serie (um 180, zwischen 175 und 184). Die Extra-Zeit wätre natürlich nützlich im Fall einer Auswurfstörung (Hülse steht quer).
    Die 10er Serien versuche ich ganz ähnlich wie Du zu schießen.
    Die sichere Zielauffassung ist da ganz wichtig. Wenn ich eine halbe oder eine Sekunde zuviel brauche, um den Haltefläche sicher zu haben, werden die nachfolgenden Schüsse unsicher.

    Carcano

    Im Training machen es sich viele Schützen einfach und übersichtlich (was kein Fehler sein muss) und inkorporieren den Duellablauf für den jeweils ersten Schuss der 20er- und 10er-Serien.

    Das habe ich jetzt auch versucht. Duellschüsse als Serien nicht auf die Duellscheibe, sondern die Präzisionsscheibe. Auch wenn die Schussabgabe für das zielende Auge optisch nicht "gut aussieht", scheint es mir für Standard eine gute Teilübung zu sein und zwar vor allem für den 10-Sekunden-Teil. Wenn man da nämlich versucht, den ersten Schuss "möglichst" gut hinzuzirkeln, wird die Zeit für die anderen knapp, und ein Verreißen droht danach. Die Schnellfeuerschützen finden 10 Sekunden natürlich eine enooooorm lange Zeit, das sagen das auch noch.

    Carcano

    Es ist nur eine Tangente, DIngo, aber doch eine nicht unwichtige: In erheblichem Maße wirken *manche*' internationalen Umstände zurück auf die nationmale Ebene. Dass der Schießsport seit 1896 olympisch ist, hat in vielen Ländern (z.B. Japan) Totalverbote verhindert. Selbst im waffenfeindlichsten Staat Europas können jetzt 5-6 Schützen wieder im Inland mit der .22er Pistole auf London 2012 trainieren, wenngleich nur zu einer Handvoll Termine und unter strenger militärischer Bewachung hinter Stacheldraht.

    Eine Gefahr für das Großkaliberschießen (und zwar für jede Art davon), ist das politisch ausgesprochen häufige Argument "das ist ja gar nicht olympisch". Das ist einer der vielen Gründe, warum ich es begrüßen würde, wenn in den Olympischen Sommerspielen die eh' vollkommen moribunde Schnellfeuerpistole ersetzt würde durch die Zentralfeuerpistole.

    Carcano

    Es gibt zwar *manche* Funktionäre in manchen Landesverbänden (weniger in der DSB-Leitungsebene), die das so sehen, und natürlich viele Trainer (Evelyn Höller im RSB ist die einzige mir bekannte Trainerin, die insoweit toleranter und offener ist). Aber es prägt nicht "den" DSB und "die Atmosphäre in den DSB-Vereinen und Verbänden insgesamt, Gottlob nicht. Die Beispiele des friedlichen und konstruktiven Miteinanders sind häufiger. Und ist Hessen ist der unsägliche Seeger nun auch endlich abgetreten.

    Gruß, Carcano

    Hier liegt, glaube ich, eine Fehlwahrnehmung vor. Mir ist von höheren BDS-Funktionären mehrfach gesagt worden, daß die waffenrechtliche Zusammenarbeit mit dem DSB recht gut funktioniere, insbesondere bei der Abstimmung von Positionen gegenüber der Politik. Jürgen Kohlheim hat zudem in der Öffentlichkeit mehrfach expressis verbis alle vom BVA genehmigten Disziplinen aller Schießsportverbände verteidigt. Deshalb kann m.E. von vollendeten Tatsachen, vor die die übrigen Verbände gestellt würden, keine Rede sein. Zumal ja BDS, BDMP und DSU selbst Mitglied im FWR sind (im Gegensatz zum DSB) und auch auf dieser Schiene Einfluß nehmen.

    Du hast es korrekt beschrieben, Zebo. So verhält es sich tatsächlich.

    Carcano

    Es gibt Vereine die den Blick über den Tellerrand hinaus wagen und Schießen veranstalten, die in der Form in keiner Sportordnung zu finden sind ;) Und das lange bevor man an irgendwelche Untergruppierungen gedacht hat.Das schönste Beispiel findet sich in Saarbrücken. Wer da schon Mal mitgeschossen hat, weiss wovon ich rede. Bilder Westernschießen/ Freizeitvergnügen ohne Streß | Schützengesellschaft Saarbrücken

    Ein sehr gutes Beispiel; genau an das hatte ich sogar auch gedacht. In einem Fall von uns aus dem Jahresbereich 2001 bis 2003 ging es eben darum (Bedürfnis für eine Sharps in .45-90 oder .45-120) und der Schützenverband Saar (Präsidentin damals noch Ute Krämer) hat sich damals voll hinter den Schützen und den Verein gestellt, und sich dafür stark gemacht.

    Carcano

    Der Punkt ist nicht der, dass ältere Schützen sicherer wären (sind sie nicht, familiarity breeds contempt, am sichersten sind die noch relativ frischen und daher ganz sorgfältigen), sondern eben das, was ich schon oben schrieb:

    "[Schießunfälle, die] sich entweder mit Aufsicht ereigneten, oder auch durch Aufsicht nicht verhindert hätten werden können."

    Carcano