Beiträge von Carcano

    Was Du meinst, ist ein Tageslehrgang oder Wochenendlehrgang. Solche Module gibt es hie und da bei den großen Landesverbänden. Allerdings zumeist gerade für die Disziplinen, wo man sie am wenigsten braucht, weil es bereits genügend Ausübende gibt.

    Ein Programm auf die Beine zu stellen, wäre nicht schwierig (brauche ich eine halbe Stunde dafür), und einen Verein als Austragungsort zu finden, ist ebenfalls leicht. Das Problem ist, einen Anleitenden / eine Trainerin zu finden:
    Kadertrainer sind sich für so etwas zu gut bzw. wittern "Konkurrenz" für ihren eigenen Stammverein und ihre Schützlinge, :(

    Carcano

    Hallo Oldgunner, was Du zum Teamgeist auch beim Sportschießen gesagt hast, liest sich ja sehr schön:

    Ich meine, wenn man in dem A,B,C oder .. Kader ist, bildet man ein Team, oder ? Dann ist man zusammen, selbst wenn die Disziplinen nicht übereinstimmen, man sitzt abends, mittags zusammen mit dem Kader, in der Besprechnung... es entwickelt sich eine Einheit ... mit der Zeit. Das kann man beeinflussen, mit vielen Dingen, daß sich Teamgeist bildet. Leider hier in Deutschland schwer vorstellbar, wo doch die Minderheit die Mehrheit an allen Enden auch noch gängeln kann und eine Extrawurst gebacken bekommt ..... siehe Einzelkämpferdasein ... Die Identifikation mit dem Land für das ich starte, wird zerredet, wegdiskutiert solange ich nicht als Team auftrete. Denn wenn es dem Team schlecht geht, geht es mir doch auch schlecht, oder wenn das Ansehen des Teams leidet, dann leide ich mit ....


    Die Schweizer sehen es ebenso wie Du. Hier ein interessanter Bericht:
    * * *
    Die Deutsche Ines Michel sprang in die Bresche. Sie berichtet, sie sei exzellent aufgenommen worden im Verband. Im Hinblick auf die Sommerspiele in London verbreitet sie Zuversicht: "Unser Ziel können wir sicher erreichen. Grundsätzlich sind alle fähig, diese angestrebte eine Final-Qualifikation zu schaffen. Aus diesem Grund und weil die meisten in mehr als einer Disziplin starten, ist der Druck schön verteilt. Wir verfügen über einen perfekten Mix zwischen Routiniers, die ihre Olympia-Erfahrungen an die anderen weitergeben können, und Neuen, die eine gewisse Unbeschwertheit einbringen. Die Grösse der Delegation ist ideal. Die Sportler können so gut individuell betreut werden."

    Simon Beyeler kann diese positive Momentaufnahme bestätigen. Er sei in einer Einzel-Sportart tätig, spüre aber einen ausgeprägten Teamspirit im Schweizer Lager. Dies wirke sich beflügelnd aus. Während heute unter den Schützen ein reger Austausch stattfinde und ein angenehmes Klima vorherrsche, habe früher sehr oft jeder im stillen Kämmerlein sein eigenes Ding durchgezogen. Diethelms EM-Titel und Marguets WM-Bronzemedaille habe der ganzen Truppe Selbstvertrauen verliehen. Man gönne sich die Erfolge gegenseitig.
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    Quelle: Mehrere Schweizer Anwärter auf Final-Quali - NZZ.ch, 13.07.2012

    Carcano

    Ja, es ist sicher auch eine Frage der Trainermentalität. Es gibt Trainer, die sehen ihr Amt als ein offenes und öffentliches und freuen sich über jeden Interessenten, der sie um Rat fragt (natürlich im Rahmen der vorhandenen Kapazität und Prioritäten); und es gibt andere mit der Einstellung "was willst DU denn hier, ich bin für den Kader da, dort ist die Tür!"
    :)
    Carcano

    Vor ca 3 Jahren wurden dann durch die ehemalige Landestrainerin unseres LV, jetzt in der Schweiz als Chefcoach tätig, die Talentnester ins leben gerufen. Von der Idee her gut, es gibt etwas Werbung für den Verein. Aber das war es dann auch was von Seiten des Landesverbandes kommt. Die Talentnester erhoffen sich vom LV unterstützung in sachen Trainer usw.


    Ja, die junge Landestrainerin Ines Michel (ein Gegenteil zu vielen alten Knorzbrocken) mochte ich sehr so von der Internet-Erscheinung und von ihren Äußerungen und Initiativem her. Persönlich habe ich sie leider nie kennengelernt. Die Stelle in der Schweiz ist eine schöne Herausforderung. Allerdings ist die dortige Web-Präsenz unglaublich abschreckend und bürokratisiert, da möchte man schreiend wegrennen und nie nimmer nicht sportlich schießen. X(

    Zitat

    Gleichzeitig wurden Stützpunkte im LV eingerichtet, denen haben sie jetzt die Mittel gestrichen. Diese Stützpunkte waren dazu gedacht das die Schützen der vereine im Umfeld gefördert werden.


    a) Den Unterschied zwischen Talentnestern und Stützpunkten verstehe ich jetzt nicht? Oder kann beides zusammenfallen? ?(
    b) Tja, Bassum braucht und verbraucht halt mehr Geld. 8o Was an und für sich auch nicht falsch ist, meine ich.
    c) Und mindestens ein Jahr Gehalt für den/die bis jetzt nicht wieder neu eingestellte/n Landestrainer/in hat man inzwischen auch schon gespart, wenn ich das richtig sehe.

    Carcano

    Ben und Oldgunner, ja, die Tendenzen zum Günstlingstum gibt's in jedem Sport, nicht nur im Schießen. Wer etwa Christian Luschs interessantes kleines Buch liest (Silber in Athen 2004), findet dazu einiges Aufschlussreiche.

    Das Kadersystem ist weit verbreitet, im britischen und Commonwealth-Bereich als "squads". Problem ist, dass es nicht genügend gezielte Förderung im "Mittelbereich" gibt. Und es ist oft dysfunktional. Auch neuere sportwissenschaftliche Forschungen zeigen, dass der oft hohe Sach- und Personalaufwand, die zu geringen Erfolge und sehr hohen drop-out-Quoten der Kaderförderung vielfach nicht in adäquatem Verhältnis zueinander stehen.
    Wer andererseits ausschert oder versucht, sein eigenes Ding besser zu machen, wird oft geschnitten und bewusst ausgegrenzt / ausgebremst. Siehe im Taekwando den skandalösen britischen Fall Aaron Cook bei diesem Olympischen Spielen 2012. Aber wie gesagt, das Problem ist sportartübergreifend.

    Oldgunner: "Ich denke, die Forderung ganz oben eine Veränderung vorzunehmen, wäre sinnvoll - aber dann mit mehr Befugnissen in die Landesebene hinein. "

    Hm. Interessant. Schau' Dir mal die zentralistisch organisierte italienische UITS an. Haben nur 77.000 Mitglieder (wir hingegen 1,39 Millionen, nominell), davon sind aber 40 % Jugendliche und Junioren. Schießstände, dass es jeder Kellerassel graust; kaum ein nennenswertes Trainer(un)wesen. Aber sie haben Medaillen in London geholt und wir nicht. Auf die Größe und die breitensportliche Verwurzelung allein kommt es also nicht an.

    Carcano

    Ich habe mir überlegt, in welches Unterforum das am besten hereinpasst. Da es schwerpunktmäßig ums tatsächliche sportliche Schießen und um bestimmte Disziplinen geht, habe ich dieses gewählt. Bitte gegebenenfalls verschieben, wenn ihr findet, dass es eher woanders hingehört. Die aufgenommenen Zitate stammen nicht von hier, sondern aus Waffen-Online:

    Zitat

    Es scheint so, als sei Euch nicht klar, was die B-Listen eigentlich sind??


    Ja, mag sein; es ist allerdings auch vielen Landesverbänden selbst nicht klar. :)
    Eigentlich müßte man ja unterscheiden:
    - Es gibt nämlich einerseits Platzhalter in der allgemeinen und für alle verbindlichen Sportordnung des DSB selbst, nämlich in der Disziplinenübersicht. Wer die mal durchschaut, stellt mit Interesse und vielleicht mit Freude fest, dass es eine Menge potentiell vorgesehener Disziplinen gibt, in denen die Landesverbände bisher noch keine Wettkämpfe ausgetragen haben; könnten sie aber. Die Numerierung dann folgt insoweit der DSB-Vorgabe.

    - Und dann gibt es andererseits ganz eigenständige (und frei erfindbare) neue Disziplinen der Landesverbände, also die "eigentlichen" Listen B. Egal ob Selbstlader .223 (SBSV, also Südbaden) oder Eimerschießen long distance nach Quigley (nicht bei den DSB-LSBs, aber so bei der DSU).

    Eine Verwirrung entsteht bisweilen, weil manche Disziplinen (z.B. das sportlich voll aufgerödelte GK-Gewehr 100 m liegend) in manchen Landesverbänden in das DSB-Schema an den dort vorgesehenen Platzhalter-Ort eingeordnet werden, und in anderen Landesverbände als eigenständige Disziplin der Liste B auftauchen und dort geregelt sind.

    Zitat

    Da nach dem neuen WaffG aber Wettkämpfe nur nach SpoO geschossen werden dürfen


    Dass ist so nicht richtig dargestellt. Wettkämpfe können beliebig geschossen werden, egal ob auf Luftballons, Blecheimer oder Pfennigmünzen, solange die Waffen nicht nach § 6 AWaffV vom sportlichen Schießen ausgeschlossen sind (Ausnahmen nach Abs. 3 möglich, etwa im BDMP), und solange das Verbot des kampfmäßigen Schießens nach § 9 AWaffV nicht eingreift. Aber ein waffenrechtliches Bedürfnis für Sportschützen gibt es eben nur für Waffen, mit denen Disziplinen aufgrund einer genehmigten Sportordnung geschossen werden können.

    Zitat

    Also haben das die Landesverbände übernommen. Manche mehr, manche weniger schützenfreundlich, manche gar extrem widerwillig und schützenfeindlich (siehe z. Bsp. Hessen).


    Und Niedersachsen, und NWDSB, und Westfalen. :-((

    Gruß,
    Carcano

    Allgemein würd mich ja auch interessieren in wieweit die Leistungen der indischen Schützen dort zum Aufschwung des Breitensports führen. Merkt man dort einen Boom?


    Ja, zurückzuführen auf Abhinav Bindra. Die indische Öffentlichkeit kannte ja keinen Sport außer Cricket, da war das ein Durchbruch für die NRAI. Ein katastrophales Waffenrecht und mediokre Judokatur erschweren den Sport aber sehr.

    Heena Sidhu kam auch deshalb in letzter Minute die Olympiamannschaft, um als Schönheit und Sympathieträger den Sport darzustellen. Sie hatte es in anderthalb Jahren von Null auf internationales Niveau geschafft, in unserem Sport geht das halt. :)

    Carcano

    Dass es die ISSF-Disziplinen in den USA nicht leicht haben ist nichts neues.


    Die Gründe sind mannigfach. Ein banaler sind die ENORMEN Reisekosten für jugendliche Sportschützen, die nicht nur in die Tausende, sondern locker in die Zehntausende gehen können. Öffentliche Mittel gibt's fast keine, außer für die winzige Handvoll Berufssportler (AMU und vergleichbare Einheiten, so wie bei uns); an den Colleges gibt es zwar teilweise qualitativ hochwertigen Schießsport mit entsprechenden Teams und Coaches, aber m.E. fast nur für Gewehr.

    Carcano

    Vergleichsweise kleine Schießsportnationen haben da einen wesentlich besseren Durchsatz.


    1. Stimmt völlig. Klar ist die schießsportliche Talententwicklung nicht nur in China und Nordkorea, sondern auch in Indien, Thailand, Malaysia, Iran wesentlich (!) besser als Deutschland. Und die fangen dort auch nicht mit 8 Jahren an, sondern mit 16.
    Sag' ich hier schon ewig. Aber ihr seid ja alle taub.

    2. Zum Thema USA Shooting. Im Gegensatz zu den vorpostenden Beiträgern und ihrer gänzlich wirklichkeitsfremden Naivität kenne ich die Realität des ISSF-Schießsports in den USA etwas. Es ist katastrophal, nichts Minderes. Die (extrem wenigen) amerikanischen ISSF-Sportschützen beneiden uns zu Tode, und sie haben völlig recht damit.

    3. Großbritannien: die eh' schon geringe Förderung des Schießsports wurde nach 2010 drastisch zusammengekürzt. Eine vernünftige, zielgerichtete Olympiavorbereitung war nicht möglich. Schützen mussten sich privat Sponsoren suchen, wie Gorgs Geikie. Die meisten haben aber keine. Nicht einmal ein Ausnahmeathlet wie Mick Gault. Selbst militärische Schützen mussten tausende Pfund aus eigener Tasche zuschießen, um auch nur trainieren (!) zu können.

    Carcano

    Ich habe - wie eigentlich alle - Schießen immer als das typische Gegenteil eines Teamsports aufgefasst. Ist es ja auch. Bei einer solchen Prägung ist es schwer, dann auf Kommando "Teamgeist" entwickeln zu sollen, wie Oldgunner es sich wünscht.

    Carcano

    Ich gebe Dir recht, dass man enttäuscht sein darf. Nicht von den einzelnen Spitzensportlern (es hat ja keiner massiv schlecht geschossen), aber vom Abschneiden insgemein - da haben wir uns wohl alle mehr erhofft.

    Ebenfalls ist es richtig, dass in Fachsportverbänden (nicht allein dem DSB) dies zum Anlass einer ohnehin anstehenden Trainerablösung, oder einer Auswechslung des Sportdirektors führen kann. Die Führungsebene der Verbände betrifft das jedoch nicht, und Ambacher plant ohnehin seinen Rücktritt.

    Carcano

    Dummes Stammtischgeschwätz gibt es nicht nur von den Gerold Schlatters dieser Welt (die dann prompt von den Geronimos in Schutz genommen werden), sondern leider auch noch von den BBFs. Auf dieses Gerotze ernstlich zu erwidern, hieße ihm zuviel Ehre anzutun.

    Soweit es das unerwartete Abschneiden der deutschen Olympiaschützen betrifft, sollte man als SCHÜTZE auf die konkreten Ergebnisse schauen, und nicht auf die Medaillenanzahl allein. Manches ist im System der Spitzensportförderung verbesserungswürdig, das ist wahr. Mit dümmlichem, vorurteilsbeladenem Rücktrittsgeschrei wird man dem aber nicht gerecht.

    Carcano