Beiträge von Carcano

    Vor Jahren schon wurde immer wieder darauf hingewiesen und belegt, dass man zwischen 30,00 € und 80,00 € Jahresbeitrag keinen Verein richtig führen kann.

    Ich denke, man kann. Sogar sportlich sehr erfolgreich. :)
    http://www.svkwh.de/wir-uber-uns/beitrage/

    Eine der dortigen Rahmenbedingungen ist wohl, dass der Verein eine in Gemeindeeigentum stehende und von der Gemeinde unterhaltene Raumschießanlage nutzt, zusammen mit zwei weiteren Vereinen ?

    Carcano

    Man muss es anders herum aufziehen. Auch wenn - beispielsweise - ein Delegiertentrag oder eine Mitgliederversammlung dem Verein oder Verband förmlich aufgäbe (als Willensbekundung der Mitglieder), *keinen* Insolvenzantrag zu stellen, so könnte das den Vorstand nicht von seiner Pflicht entbinden und ihn nach außen hin (ggü. Insolvenzgläubigern) nicht persönlich haftungsmäßig entlasten. Siehe Reichert, Rn. 3433 am Ende.

    Nach innen hin (Haftung der Vorstandsmitglieder ggü. dem eigenen Verband) wäre ein solcher vorangegangener Beschluss, wenn aufgrund zutreffender und umfasssender Informationen gefasst, allerdings wohl entlastend. Aber darin liegt bei einer (hypothetischen) Insolvenzlage weniger das Problem.

    Hypothetisches Beispiel:
    Der Gartenzwergezuchtverein X ist überschuldet. Der allein vertretungsberechtigte Obergartenzwergemeister versammelt die 12 Zwergenmeister des Erweiterten Vorstandes um sich. Er teilt (zutreffend) mit, dass große Schulden bestehen und weitere Kredite unsicher seien, selbst die Rückzahlung der bisherigen z.Zt. bedroht erscheine, dass er aber persönlich zuversichtlich sei, dass sich alles irgendwie wieder bessern werde. Man habe schon schlimmere Stürme durchgestanden. Er sei bereit, Insolvenzantrag zustellen, wenn dies gewünscht würde, dies würde aber den Untergang des Gartenzwergewesens in der Region zur Folge haben. Es wird förmlich abgestimmt. Wie erwartet, wird der OGZM mit 12 Stimmen bei seiner eigenen nominellen Gegenstimme beauftragt, so wie bisher weiterzumachen. Dem kommt er nach und stellt keinen Insolvenzantrag.

    Der Verein wird später insolvent.

    Dann haften alle 12 (vermutlich sogar der OGZM selbst, weil seine gesetzliche Pflicht dem internen Vereinswillen vorgeht), unabhängig davon, ob sie gleich am Tag nach der Sitzung von ihren Zwergenämtern zurückgetreten wären oder nicht.

    Zum Verschuldensmaßstab aller (!) Vorstandsmitglieder siehe Reichert, Rn. 3433-3435:
    Man kann sich nicht (!!) damit entlasten, dass man alles auf den Schatzmeisterzwerg abwälzt, dieser sei ja verantwortlich und sachkundig und habe den besten Durchblick.
    Hilft nicht, der Gesamtvorstand ist kollektiv und jeder für sich voll in der Haftung. Er muss darauf hinwirken, dass der Vertretungsberechtigte den ihm obliegenden Insolvenzantrag stellt. Nur durch solches aktives Tun kann sich der Gesamtvorstand entlasten (Beispiel: der besorgte Zwergenkompostmeister Y beantragt förmlich auf der Zwergensitzung, den OGZM durch Gesamtvorstandsbeschluss zu verpflichten, den Insolvenzantrag zu stellen. 11 seiner Kollegen stimmen jedoch dagegen, der OGZM kommt dem "erklärten Mehrheitswillen" nach und tut nichts. Dann ist nur Y aus dem Schneider, alle anderen nicht.)

    Kleine, aber nötige rechtliche Korrektur:
    Nicht nur die im formal insolvenzrechtlichen Sinne nach § 42 Abs. 2 Satz 1 BGB antragsverpflichteten Vorstandsmitglieder (also die mit Vertretungsberechtigung nach außen hin), sonden *alle*, also auch Mitglieder eines sogenannten Erweiterten Vorstandes können u.U. zivilrechtlich haftbar sein.
    Und zwar nicht nur dem eigenen Verband ggü. haftbar (qua Regress), sondern den Insolvenzgläubigern (§ 42 Abs. 2 Satz 2).
    Näheres siehe bei Bernhard Reichert: Vereins- und Verbandsrecht, Rn. 3428.

    Selbstverständlich sind Trainer, die in privatrechtlich konstituierten Vereinen und Verbänden angestellt sind, keine Beamte, und können daher auch nicht "nach A16" bezahlt werden.
    Gemeint war vom Kommentator wohl eher die vertragliche Vergütung als Arbeitnehmer, die ein solcher Trainer erhält - einschließlich Zuagen, Aufwandsentschädigung, Familienzuschuss, Reisepauschale, Fortbildungszuschuss etc. Zumeist wird man als Trainer damit nicht reich. Die frühere Landestrainerin Ines Michel, jung und engagiert, ist ja von den Schweizern abgeworben worden, und nunmehr dort nationale "Chefin Spitzensport" (so heißt das im SSV).
    Wie es im NWDSB nun aktuell mit Heinz Janikulla ist, weiß ich nicht. Vorher war er im Thüringer Schützenbund und beim südwestdeutschen LLZ Pforzheim.

    So, und hier ist auch noch der "amtliche" Link zum Rundschreiben der TK des DSB, für alle, die es genau nachlesen wollen.

    Die dortige Aussage "Je Gruppe wird eine offene Einzelwertung und Mannschaftswertung durchgeführt. Die bisherige Altersklasse entfällt." betrifft die Deutschen Meisterschaften des DSB. Die Landesverbände sind frei darin, bis einschließich LM auch weiterhin zu differenzieren, wenn sie wollen.

    http://www.dsb.de/media/PDF/Stat…nnanzgewehr.pdf

    Die wahrscheinlichste zukünftige Entwickung, so aus der Kristallkugel:

    - EIner der beiden laufenden Rechtsstreite hat Erfolg (voraussichtlich als einstweilige Verfügung).

    - Noch mehr Vereine treten aus, bzw. Schützen gliedern sich um.

    - Der Unmut an der Basis steigt.

    . Das alte Präsidium tritt zermürbt zurück oder wird auf einem (außer)ordentlichen Landesdelegiertentag abgewählt.

    - Das neue Präsidium verspricht, alles besser zu machen; u.U. wird gegen Angehörige des alten Präsidiums noch eine Strafanzeige wegen angeblicher "Untreue" erstattet (ob das sinnvoll und gerecht ist, wäre eine andere Frage - aber es ist jedenfalls durchaus möglich).

    - Das neue Präsidium führt Abstimmungsgespräche mit dem DSB; diese verlaufen erfolgreich und harmonisch. Der DSB ist erleichtert.

    - Eine in Auftrag gegebene (und teure) Wirtschaftsprüfung benennt Mängel im Bereich LLZ, unter Umständen im Finanzbereich überhaupt.

    - Das neue Präsidium stellt fest, das es leider keine Alternative zum LLZ *als solchem* gibt und dass es fertiggestellt werden muss.

    - Eine drohende Verbandsinsolvenz kann verhindert werden; zähneknirschend stimmen Bezirksverbände, Kreise und Vereine einer mehrjährigen Umlage zu. Einige Vereine kehren in den Verband zurück.

    Alternativszenarien zu diesem relativ realistischen wären natürlich auch denkbar... ;)

    Da hier der eine oder andere mitliest, an dem auch der Papierkram hängenbleibt, vielleicht ein Hinweis:

    Die Landesverbände werden sich zwar bemühen, diese Info nach unten durchzusteuern. Bis sie dann allerdings auch beim letzten Verein angekommen ist...
    Da für die Meldungen zur Kreismeisterschaft eine "Vereinsmeisterschaft" (warum die Anführungsstriche stehen, ist sicherlich klar; manche Vereine schießen eine echte "Meisterschaft" als Wettkampf, andere melden lediglich Ergebnisse) erforderlich ist, sollte bereits der Vereinsverantwortliche seine Meldung mit dem Zusatz "o.V." oder "g.V." versehen, je nach Visierung der Waffe. Sonst muss der Kreissportleiter dann am Wettkampftag noch alles überprüfen und neu eintragen oder abändern - unnötiger Stress.

    Beginnend in diesem Sportjahr (also schon bei den aktuellen anstehenden Kreismeisterschaften) gibt es eine relativ wichtige Änderung beim DSB-Ordonnanzgewehr, also der Disziplin 1.58 (20 Schuss liegend, 20 Schuss stehend).

    Und zwar werden jetzt zwei Unterklassen eingeführt (Schreben der technischen Kommission des DSB vom 5.10.2014), nämlich offene und geschlossene Visierung (wie schon beim BDS). Im Gegenzug sollen wohl die Altersklassen wegfallen.

    Carcano

    Also du weichst der Frage immer noch sehr bewusst aus.
    Das ist auch dein gutes Recht, schließlich geht eure interne Finanzierung erst einmal vor allem eure Mitglieder selbst an.
    Hier im Forum gibt es aber viele Vereine (auch mit eigenen Ständen und den damit verbundenen Unterhaltskosten), die deutich weniger als ihr nehmen, also Beiträge zwischen 50 und 80 € jährlich haben. Und dabei mehr bieten. Die Frage nach den Unterschieden ist insoweit legitim, weil viele Vereine natürlich schauen und vergleichen, was man ggf. von anderen lernen könnte.

    @Kogge
    Na, da würde mich aber mal interessieren, was du mit den 120,- €/Mitglied pro Jahr anstellst, wenn ihr keinen eigenen Schießstand habt, denn die sind meist das Kostenintensive !
    Beiträge an andere Verbände und Versicherungen dürften ja nur einen Bruchteil davon aufbrauchen.


    Und in gleicher Weise hakte auch Karl nach:

    Zitat

    Nachdem hier in München auch Vereine ohne eigene Anlage mit deutlich geringeren Beiträgen überleben können möchte ich dann doch mal wissen was ihr im einzelnen den Schützen bietet.

    Kogge hat die Frage ja bewusst nicht beantwortet, sondern ist ihr erst einmal ausgewichen.
    Wer sich _nur_ aus Beiträgen finanzieren muss, hat es natürlich schwer. Bei uns z.B. - wie bei vielen Vereinen - sind die Bewirtungseinnahmen des Schützenhauses eine ganz wichtige Einkommensquelle. Auch Vermietungen sind möglich. Andere Vereine suchen und finden Sponsoren. Staatliche und gemeindliche Zuschüsse können Sonderausgaben gut abpuffern.
    Aber jetzt bitte doch noch einmal zu der obigen Frage zurück, die ist nämlich wirklich interessant. Erzähl doch mal, wieso du solch einen (nicht extremen, aber doch hohen) Beitrag verlangen "musst".

    Gruß, Carcano

    Spannendes Thema. Ich werde mich mal in den Thread einlesen. Ein konstruktives Gespräch wird aber hier im Forum sich schwerlich ergeben; halten es doch die Meinungs[halb]starken hier schon für eine unsittliche Zumutung, wenn ihr Verein sich über die Luftgewehre hinaus auch nur eine (1 !) Luftpistole leisten soll. Na ja. So ist die Mentalität hier. Von (mangelnder) Einsicht in die Sinnhaftigkeit eines echten Vereinstrainers ganz zu schweigen.

    Ich habe mal etws herumkorrespondiert. Interessanterweise hat schon am nächsten Tag des Präsident des Hessischen Schützenverbandes persönlich geantwortet. Dann habe ich auch noch etwas telefoniert.
    Erfreulicherweise sind inzwischen das Forum Waffenrecht, der Hessische Schützenverband und der Deutsche Schützenbund gemeinsam an der Sache dran. Gut so. :)