Nachwuchsleistungssportkonzept 2020

  • Das blaue Zitat in Wilhelms Posting ist aufschlussreich. Gerade jetzt in den Jubiläumstagen. Es ist nämlich ein Blick zurück: DDR 1984 - und nicht Deutschland 2014.

  • Um jemand für eine Mitgliedschaft in einem Sportschützenverein gewinnen zu können muss dem Interessierten ein Angebot gegenüberstehen, deren Annahme ihm einen Mehrwert verspricht, grundsätzlich seine Erwartungen und Bedürfnisse erfüllt.


    Das kann ich 100% unterschreiben und gilt für JEDES Neumitglied, egal ob im Kinder- Jugend- oder Erwachsenenalter.

    Ich kann auch AxelAs Hinweis nachvollziehen, denn Kinder und Jugendliche bringen dem Verein kurzfristig selten Kohle rein, sondern kosten auch noch Zeit, Geld und sonstige Ressourcen. Dann springen sie auch noch ab, sobald die Lehre oder Studium anfängt ... und kehren eventuell und mit viel Glück so im Alter von 25 bis 50 zum Schießsport zurück, aber bei einem anderen Verein, dann noch eventuell sogar außerhalb des heiligen DSB... Ojeh!

    Nein, wir müssen natürlich mehrgleisig fahren, um dem potentiellen Neumitglied, wie Wilhelm anmerkte, einen Mehrwert zu versprechen - immer mit dem Ziel der langfristigen Erhaltung unseres Hobbies / Sportes - und somit der Vereine, der Schießstände ...

    Für die WERBUNG neuer Mitglieder im Kinder- und Jugendalter kommen dann aber auch noch die Wünsche und Bedürfnisse der Eltern hinzu, die bedient werden müssen. Denn sie bezahlen dafür ja einen gewissen finanziellen Beitrag, müssen ihre eigene Zeit und Freizeit neu planen ("Tourniertrottel"), ggf. Sportausrüstung finanzieren usw. usf.

    Eltern bekommt man gut mit dem ständigen Verweis (über verschiedene Medien!), daß der Schießsport ein Konzentrationssport ist, der die Koordinationsfähigkeit, Konzentration und das Erlernen komplexer Abläufe auch außerhalb des reinen Schießsportes fördert. So mancher schlechte Schüler konnte sich bereits durch diesen Sport auch schulisch verbessern. Das kann der Schießsport wesentlich besser als zum Bleistift Fußball. Es gibt wohl kaum einen Sport, der das besser kann, nicht mal Schach. Man muß das nur in die Köpfe reinbekommen!

    Und dann muß man die Kinder nur noch begeistern. Ein Kinderspiel!

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Das Kinderspiel auf der einen und das Nachwuchsleistungssportkonzept (nominiert für das Unwort des Jahres 2014!) auf der anderen Seite. Das kann ich inhaltlich nicht miteinander sinnvoll verbinden.

    Wo fängt Leistungssport an? Doch nicht im Kindesalter und erst recht nicht im Schießsport? Oder doch - unter welchen Bedingungen?

  • Das Kinderspiel auf der einen und das Nachwuchsleistungssportkonzept (nominiert für das Unwort des Jahres 2014!) auf der anderen Seite. Das kann ich inhaltlich nicht miteinander sinnvoll verbinden.

    Manchmal wird man von den eigenen Argumenten eingeholt.

    Zitat


    Wo fängt Leistungssport an? Doch nicht im Kindesalter und erst recht nicht im Schießsport? Oder doch - unter welchen Bedingungen?

    Schau Dir mal ein Fußballspiel in der "Pampersliga" an und du hast die Bestätigung dass dem so ist. Warum Lichtschießen wenn Dir 12 für den Einstieg zu alt ist?

    Wenn ich mit dem Sport früh beginne ist es doch nur sinnvoll wenn man dann auch mit dem ersten Tag zielorientiert arbeitet.

    Karl


  • Das kann ich 100% unterschreiben und gilt für JEDES Neumitglied, egal ob im Kinder- Jugend- oder Erwachsenenalter.

    Und wie löst du das Problem der limitierten Ressourcen um ALLE Zielgruppen anzusprechen?

    Axel

  • Manchmal wird man von den eigenen Argumenten eingeholt.

    Schau Dir mal ein Fußballspiel in der "Pampersliga" an und du hast die Bestätigung dass dem so ist. Warum Lichtschießen wenn Dir 12 für den Einstieg zu alt ist?

    Wenn ich mit dem Sport früh beginne ist es doch nur sinnvoll wenn man dann auch mit dem ersten Tag zielorientiert arbeitet.

    Karl


    Hallo Karl,

    das mit dem Lichtschießen hast du glaube ich noch nicht verstanden.

    Wenn Lichtschießen im vorwaffenrechtlichen Alter ins Spiel kommt, dann doch nicht mit dem Primärziel einen Olympiasieger zu orten. Ob sich ein Kind überhaupt nach vier Wochen mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten im Verein noch wohl fühlt, das Schießen noch interessant ist, kann doch nicht vorausgesetzt werden. Ziel ist doch eine Vereinsbindung zu erreichen. Das Kind muss sich dort Wohlfühlen, akzeptiert fühlen. Kinder spielen gerne, dementsprechend kann die Heranführung an den Schießsport auch nur über diesen Weg gehen.

    Dabei hätten die Vereine - natürlich nur mit entsprechendem Personal - und Kompetenz im Umgang mit Kindern die Chance gegenüber der negativ eingestellten Gesellschaft zum Schießsport zu Punkten.

    Die Kinder stark machen, sie über den Einsatz des Schießsports entsprechend ihrer Fähigkeiten und Veranlagungen Freiräume für ihre Entwicklung bieten:

    Es ist anspruchsvoll - vielleicht zu anspruchsvoll

    http://www.punktgenau-zielsport.com/nachwuchssportler/

    http://www.punktgenau-zielsport.com/zielsport/
    http://www.punktgenau-zielsport.com/aktuelles-1/
    http://www.punktgenau-zielsport.com/referenzen-1/
    http://www.punktgenau-zielsport.com/kontakt/

    „Achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte.
    Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Gefühle.
    Achte auf deine Gefühle, denn sie werden dein Verhalten.
    Achte auf deine Verhaltensweisen, denn sie werden deine Gewohnheiten.
    Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
    Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal/dein Leben.
    Achte auf dein Schicksal/dein Leben, indem du jetzt auf deine Gedanken achtest.“
    Aus dem Talmud

    Schießsport ist wertvoll - man muss den Wert nur erkennen!

  • Wo fängt Leistungssport an? Doch nicht im Kindesalter und erst recht nicht im Schießsport? Oder doch - unter welchen Bedingungen?


    Sprechen wir in dem Bereich am besten von „leistungsorientiertem Breitensport“. Der Leistungssportler kristallisiert sich ggf. dann da raus. Oder eben nicht.Waffenrechtlich ist natürlich jeder Wettkampfsport Leistungssport, sportpolitisch und mit gesundem Menschenverstand eher nicht. Man muß also vorher definieren, was man genau mit dieser oder jener Vokabel meint.

    Und wie löst du das Problem der limitierten Ressourcen um ALLE Zielgruppen anzusprechen?


    Ich persönlich habe schon mehrere zahlungskräftige Erwachsene für den Schießsport begeistert und diese sind dann auch Vereinsmitglieder geworden. Ohne genau diese Basis ist Kinder- und Jugendarbeit nicht finanzierbar. Das weiß ich. Ich selbst bin ja auch erst im schon fast greisenhaften Alter von weit über 30 zum Schießsport gekommen.

    Tja, wie begeistert man Erwachsene? Erstens, man muß selber brennen, um Feuer weiter geben zu können. Dann kommt es auf die Interessenlage des zukünftigen Mitgliedes an.

    Ist es ein Elternteil unserer Nachwuchsschützen? Wenn ja: Die Wänster brauchen irgendwann (ab 14) ein erlaubnispflichtiges Sportgerät. Vereinswaffen sind Bäh. Was tun? Eintreten, Sportschütze werden, Sachkunde, WBK – und Spaß dran finden.

    Ist es ein „normaler Mensch“ – mitnehmen, schießen lassen, was er/sie will, erklären, unterstützen, coachen – und das breite Grinsen genießen. Irgendwann die Früchte in Form eines Aufnahmeantrages ernten.Hilfreich dabei ist natürlich der eigene Standschlüssel und ausreichend diverse Hardware.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)


  • Hallo Karl,

    das mit dem Lichtschießen hast du glaube ich noch nicht verstanden.

    Wenn Lichtschießen im vorwaffenrechtlichen Alter ins Spiel kommt, dann doch nicht mit dem Primärziel einen Olympiasieger zu orten. ......



    Wilhelm,

    einigen wir und darauf dass ich die Norddeutsche Ausprägung des Schützenwesens, Lichtschießen gehört ja auch dazu, noch nicht vollständig verstanden habe, ich kann Dir aber versichern dass mein Verständnis mit jedem Tag wächst. (Hier ist keine weitere Interpretation durch Dritte erforderlich, ich meine hier genau das was ich geschrieben habe.)

    Es geht doch hier um Nachwuchsleistungssport. An diese Sache gehe ich allerdings anders als Du, von der Seite des Kindes und nicht des Vereins heran.

    Auch wenn ich für mich die Frage ob mein Kind als künftiger Leistungssportler gefördert werden soll nach dieser Vorgabe nicht uneingeschränkt bejahe, ist es doch so dass die Kinder im Sport recht gerne gewinnen, deswegen gibt es ja auch noch den 8. Sieger beim Schischulrennen.
    Was spricht also dagegen wenn wir die Kinder dann auch optimal (natürlich begrenzt durch die Möglichkeiten) fördere. Die nächste Frage ist dann, ob ich wenn bei einem Kind das Talent festgestellt ist (unterstellt das das möglich ist) dann die meist erforderliche radikale Umstellung des künftigen Lebens auf den Leistungssport akzeptieren und fördern will. Nachdem ich vor einigen Jahren über einige Wochen einen 15 jährigen Skiläufer im Sommer beim Heimtraining beobachten konnte, würde ich hier den Wunsch des Kindes dann doch stark in eine Entscheidungsfindung einbinden.

    Karl

  • Zunächst einmal vielen Dank, dass zu diesem Thema doch noch ein Gedankenaustausch zustande gekommen ist.

    So neu ist das Nachwuchsleistungssportkonzept nun auch wieder nicht. Es gab ein im Wesentlichen zuvor gleiches Konzept. Neu ist eben der Teil der Talentsichtung, der mein Interesse geweckt hat.

    Die im Konzept vorgesehen Ansätze mit einer Sichtung auf der sportartübergreifenden und auch vereinsübergreifenden Ebene gefolgt von sportartspezifischen Sichtung halte ich grds. für sinnvoll. Auch für die sportartspezifische Sichtung sollen zukünftig "Sichtungstrainer" nach von den Spitzenverbänden erarbeiteten Standards Talente sichten.

    Eine Verbesserung der Sichtungsmechanismen zumindest in Hessen für Pistole erscheint mir sinnvoll. Hier ist es viel zu sehr vom Zufall abhängig, ob ein Schütze gesichtet wird.

    Ob das Nachwuchsleistungsportkonzept des DOSB insgesamt als sinnvoll angesehen wird, ist durchaus ein lohneswertes Diskussionsthema, war aber von mir hier nicht indendiert.
    Auch das Thema Mitgliedergewinnung ist spannend. Ich würde das aber gerne hier heraushalten und mich auf die Frage der Talentsichtung beschränken.

    Das Konzept hatte mich dazu veranlasst beim DSB nachzufragen. Die Antwort war nicht so ganz wie erhofft. Es gibt keinen offiziellen Talenttests im Sinne des DOSB-Konzepts. Allerdings gibt es durchaus Überlegungen, welche Voraussetzungen leistungsbestimmend für das Sportschießen sind. Ich konnte in diesem Zusammenhang an einer Schulung für STEPS (Sportpsychologische Trainings- und Erfassung Programm Sportschießen) teilnehmen. Am STEPS-Projekt und seinen Vorgängerprojekte SensoControl ist wesentlich der Leipziger Sportspsychologe Hannes Kratzer beteiligt. STEPS lässt sich auch für Sichtungszwecke nutzen. Es kann z.B. Reaktionsgeschwindigkeiten messen. Mehr zu STEPS gibt es hier: http://www.iat.uni-leipzig.de/aktuelles/mit-…itzenleistungen
    Dr. Kratzer mahnte aber zu Vorsicht bei allen Talenttests, ob nun physischer oder psychischer Natur. Nicht der ist-Zustand sei allein entscheidet, sondern sehr stark auch die Fähigkeit den Ist-Zustand entwickeln zu können.

    Viel schlauer als vorher bin ich nun also noch nicht. Mithilfe von STEPS kann ich nun die sportpsychologischen Faktoren testen. Ich kann auch die allgemeine Athletik testen. Ob das bei einem einmaligen Test sinnvolle Aussagen zum Talent für das Sportschießen zulässt, darf bezweifelt werden.

    Mein Grundproblem ist damit nicht gelöst. Wir haben nur wenige Plätze für Neuzugänge im Nachwuchsbereich. Da die Talentsichtung wohl eben nicht so einfach ist, muss ich das Risiko eingehen, diese wenigen Plätze an Kinder zu vergeben, die sich dann als wenig begabt erweisen. Das ist unbefriedigend.

    Was die Sichtung auf Landeskaderebene angeht, haben wir zumindest im Pistolenbereich in Hessen ein Problem. Zur Sichtung müssen die Vereine die Nachwuchsschützen anmelden. Viele Vereine wissen gar nichts davon, weil der Ablauf sehr gut auf der Internetseite des Verbands versteckt ist. Nur die auf diesem Weg angemeldeten Schützen werden zur Sichtung eingeladen. Es gibt keinen aktiven Sichtungsprozeß im Verband, sondern nur diesen passiven durch die Meldung der Vereine. Nachwuchsschützen mit guten Leistungen auf der Landesmeisterschaft oder Deutschen Meisterschaft ohne entsprechende Meldung zur Sichtung bleiben so außen vor. Das ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel. Wer also als vielversprechender Nachwuchspistolero im falschen Verein ist, der kommt nicht in den Landeskader.

    Das wäre nur hinzunehmen, wenn sich soviele Bewerber finden würden, dass der Verband sich die besten herauspicken können. Die Realität sieht anders aus. Bei Freie Pistole gibt es meist nicht mal soviel Bewerber wie Plätze. Im Schülerbereich deckt sich die Bewerberzahl geradeso mit den freien Plätzen. Selten mehr. Selbst bei Schnellfeuer lagen die Bewerberzahlen dieses Jahr gerade bei 4 für 3 freie Plätze.
    Bei den Mädchen gabs dieses Jahr für die 3 freien Plätze immerhin 5 Bewerberinnen. Bei dieser Situation wäre die im DOSB-Konzept vorgesehe Sichtungabwicklung aus meiner Sicht zu begrüßen.


  • Die im Konzept vorgesehen Ansätze mit einer Sichtung auf der sportartübergreifenden und auch vereinsübergreifenden Ebene gefolgt von sportartspezifischen Sichtung halte ich grds. für sinnvoll. Auch für die sportartspezifische Sichtung sollen zukünftig "Sichtungstrainer" nach von den Spitzenverbänden erarbeiteten Standards Talente sichten.

    Das funktioniert in manchen Staats- und Gesellschaftssystemen, und dann in enger Zusammenarbeit mit den Schulen und den Staatsjugendorganisationen. Manchmal stehen auch einige Leute im Ledermantel wohlwollend im Hintergrund, so als Schwert und Schild. :D Seit 1989 sind diese Systeme seltener geworden...

    Wenn allerdings die sogenannten "Bundesjugendspiele" (die wir schon damals als Schüler bescheuert fanden) in eine solche allgemeine sportliche Sichtung für viele verschiedene Sportarten umgewandelt würden, vielleicht noch mit einem attraktiveren Titel (Talent- und Begabungspool oder irgendwie so was), wäre das tatsächlich ein interessanter Ansatz.

    Zitat

    Eine Verbesserung der Sichtungsmechanismen zumindest in Hessen für Pistole erscheint mir sinnvoll. Hier ist es viel zu sehr vom Zufall abhängig, ob ein Schütze gesichtet wird.

    a) Du meinst, ein schon aktiver Kleinschütze in irgendeinem Dorfverein?
    b) Oder irgendeine noch unerweckte zehnjährige Knirpsin in der Schule, in der vielleicht in ein paar Jahren die nächste Heena Sidhu schlummert? (Heena fing mit 16 Jahren von Null an und war mit 17 auf internationalem Wettkampfniveau).

    Zitat

    Mein Grundproblem ist damit nicht gelöst. Wir haben nur wenige Plätze für Neuzugänge im Nachwuchsbereich. Da die Talentsichtung wohl eben nicht so einfach ist, muss ich das Risiko eingehen, diese wenigen Plätze an Kinder zu vergeben, die sich dann als wenig begabt erweisen. Das ist unbefriedigend.

    Du hast von Deinem erfolgreichen Verein einiges erzählt und so können wir euer Problem auch nachvollziehen. Es ist einsichtig. Wenn ich wirklich Nachwuchstalente intensiv "trainieren" und heranbilden will, ist das etwas anderes als eine Herde von 15 Kätzchen zu beaufsichtigen. Die Kapazität ist begrenzt und soll auf diejenigen verwandt werden, bei denen es sich am meisten lohnt. Übrigens nicht nur die Kapazität an Trainern und Obhutspersonen (JuBaLi), sondern auch an Ständen und (meist zu wenigen) Vereinswaffen.

    Zitat

    Was die Sichtung auf Landeskaderebene angeht, haben wir zumindest im Pistolenbereich in Hessen ein Problem. Zur Sichtung müssen die Vereine die Nachwuchsschützen anmelden. Viele Vereine wissen gar nichts davon, weil der Ablauf sehr gut auf der Internetseite des Verbands versteckt ist.

    Meinst du diese hier? http://hessischer-schuetzenverband.de/Sport/Landeska…9FenDKader.aspx

    Zitat

    Nur die auf diesem Weg angemeldeten Schützen werden zur Sichtung eingeladen. Es gibt keinen aktiven Sichtungsprozeß im Verband, sondern nur diesen passiven durch die Meldung der Vereine. Nachwuchsschützen mit guten Leistungen auf der Landesmeisterschaft oder Deutschen Meisterschaft ohne entsprechende Meldung zur Sichtung bleiben so außen vor. Das ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel. Wer also als vielversprechender Nachwuchspistolero im falschen Verein ist, der kommt nicht in den Landeskader.

    Tja. Dafür wird sie oder er dann aber vielleicht Landesmeister, während die Landeskadermitglieder weiter hinten rangieren. Das kann durchaus vorkommen. Wenn es passiert, würde es mir ein sehr inniges Lächeln und Wohlgefallen auf die Lippen zaubern. Ebenso wie wenn - beispielsweise - in den olympischen Disziplinen OSP und FP auf einmal Mädchen und Frauen die Medaillenplätze auf Landesebene belegen würden (geht ja in einigen Landesverbänden, die die Klassen offen ausschreiben).

    Dem herkömmlichen bzw. überkommenen Kadersystem stehe ich - vor allem aus sportwissenschaftlicher Sicht - zunehmend kritischer gegenüber. Vergleiche die Forschungen von Güllich / Emrich. In so manchen Sportarten ist es dysfunktional geworden. Die Frage ist schlichtweg, warum ein junger Mensch sich das freiwillig antun soll? Genau aus diesem Grund werden ja auch alternative Strukturen entwickelt.

    Gruß, Carcano

  • Was die Sichtung auf Landeskaderebene angeht, haben wir zumindest im Pistolenbereich in Hessen ein Problem. Zur Sichtung müssen die Vereine die Nachwuchsschützen anmelden. Viele Vereine wissen gar nichts davon, weil der Ablauf sehr gut auf der Internetseite des Verbands versteckt ist. Nur die auf diesem Weg angemeldeten Schützen werden zur Sichtung eingeladen. Es gibt keinen aktiven Sichtungsprozeß im Verband, sondern nur diesen passiven durch die Meldung der Vereine. Nachwuchsschützen mit guten Leistungen auf der Landesmeisterschaft oder Deutschen Meisterschaft ohne entsprechende Meldung zur Sichtung bleiben so außen vor. Das ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel. Wer also als vielversprechender Nachwuchspistolero im falschen Verein ist, der kommt nicht in den Landeskader.

    Sorry, aber daß Nachwuchsschützen, die auf Landes- und Deutschen Meisterschaften sehr gute Plätze bringen, aber nicht von ihrem Verein an den Verband gemeldet sind, den Landestrainern partout nicht auffallen sollten, kann ich mir einfach nicht vorstellen. In unserem Landesverband kennt man jeden guten Nachwuchsschützen, der auf überörtlichen Wettbewerben (also auch landesweites Pokalschießen etc.) positiv aufgefallen ist.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Das funktioniert in manchen Staats- und Gesellschaftssystemen, und dann in enger Zusammenarbeit mit den Schulen und den Staatsjugendorganisationen. Manchmal stehen auch einige Leute im Ledermantel wohlwollend im Hintergrund, so als Schwert und Schild. :D Seit 1989 sind diese Systeme seltener geworden...

    Wenn allerdings die sogenannten "Bundesjugendspiele" (die wir schon damals als Schüler bescheuert fanden) in eine solche allgemeine sportliche Sichtung für viele verschiedene Sportarten umgewandelt würden, vielleicht noch mit einem attraktiveren Titel (Talent- und Begabungspool oder irgendwie so was), wäre das tatsächlich ein interessanter Ansatz.


    Angenommen es findet sich ein brauchbares Auswahlverfahren, ist die Frage doch eher wer sich in unserer Gesellschaft dann den Entbehrungen einer Sportlerlaufbahn unterwerfen will?

    Zitat

    a) Du meinst, ein schon aktiver Kleinschütze in irgendeinem Dorfverein?
    b) Oder irgendeine noch unerweckte zehnjährige Knirpsin in der Schule, in der vielleicht in ein paar Jahren die


    Manchmal habe ich den Eindruck dass einige meinen anders ginge es nicht mehr und dass solche Seiteneinsteiger

    Zitat


    nächste Heena Sidhu schlummert? (Heena fing mit 16 Jahren von Null an und war mit 17 auf internationalem Wettkampfniveau).

    nur unglückliche Zufälle sind.

    Zitat

    Mein Grundproblem ist damit nicht gelöst. Wir haben nur wenige Plätze für Neuzugänge im Nachwuchsbereich. Da die Talentsichtung wohl eben nicht so einfach ist, muss ich das Risiko eingehen, diese wenigen Plätze an Kinder zu vergeben, die sich dann als wenig begabt erweisen. Das ist unbefriedigend.

    Zitat


    Die Kapazität ist begrenzt und soll auf diejenigen verwandt werden, bei denen es sich am meisten lohnt.


    Ein absolut zuverlässige Auswahl wird sich kaum finden.
    Selbst ein Hermann Maier ist durch ein recht gutes Auswahlsystem durchgerutscht.


    Zitat

    Was die Sichtung auf Landeskaderebene angeht, haben wir zumindest im Pistolenbereich in Hessen ein Problem. Zur Sichtung müssen die Vereine die Nachwuchsschützen anmelden. Viele Vereine wissen gar nichts davon, weil der Ablauf sehr gut auf der Internetseite des Verbands versteckt ist.

    Du darfst dabei aber auch nicht vergessen dass mancher nicht gesichtet werden will bzw darf.

  • Generell ist es erstmal gut, wenn man sich Gedanken über Probleme macht und nach Lösungen sucht.

    Aus meiner Sicht ist das Problem aber größer. Solange die Basis die Probleme nicht wahr nimmt und von dort aus an den Problemen gearbeitet wird (mit Unterstützung von oben) wird sich aus meiner Sicht nichts ändern. Das Argument "Das haben wir schon immer so gemacht" wird leider viel zu oft verwendet. Die alten Seilschaften funktionieren einfach immer noch sehr gut. Solange z.B. im Kreisvorstand nicht wahrgenommen wird, das man erfolgreichen Nachwuchs hat, weil warum soll ich mir die Ergebnislisten vom Bezirk oder vom Land ansehen, so lange wird sich daran nichts ändern. Die sind dann schon mal überrascht wenn dort Landesmeistertitel geholt werden. Die Fahren auch zu Vergleichskämpfen nicht mit den Stärksten sondern mit denen aus dem Verein, da man Mittwochs feststellt das am Wochenende Vergleichskampf ist. So lässt sich die Liste beliebig ergänzen.

  • Angenommen es findet sich ein brauchbares Auswahlverfahren, ist die Frage doch eher wer sich in unserer Gesellschaft dann den Entbehrungen einer Sportlerlaufbahn unterwerfen will?

    Da gebe ich dir uneingeschränkt recht. Auch auf deine obige Anmerkung bezüglich des notwendigen Einverständnisses des jugendlichen Talents, sich in ein derart fremdgesteuertes Hamsterrad für mehrere Jahre einsperren zu lassen. Wir leben ja nicht in China. Und nur Weniges ist vergänglicher als der Ruhm der Sieger des Vorjahres - zumindest in weniger zuschaueraffinen Sportarten.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Meine Meinung und Frage

    Wenn Verbände sich auf die Adaption des Nachwuchssportleistungskonzeptes einlassen, sollten sie vorab abwägen, welche Chancen ergeben sich für die vertretene Sportart hinsichtlich der Breiten- und Zukunftsentwicklung des Verbandes und welche Risiken folgen aus dem Grad der Konzept-Unterstützung.

    Bevor diese Fragen durch einen Verband angegangen werden, sollte sich ein Verband m. E. im Klaren sein, welche Auswirkungen sich für die Hauptakteuer, die jungen Sportler/innen, ergeben. Mit welchem Stellenwert und Profil ist die Nachwuchsarbeit selbst innerhalb des Verbandes vertreten und wie wird sie von der Gesamtheit der Mitglieder getragen.

    „Im Mittelpunkt des Nachwuchsleistungssports steht der Athlet/in, der/die sich freiwillig und mit zunehmender Leistungsbereitschaft und Kreativität Ziele steckt und diese anstrebt. Parallel dazu hat er/sie sich den Anforderungen einer nachhaltigen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung zu widmen, damit er/sie sowohl während als auch nach Beendigung seiner/ihrer leistungssportlichen Karriere befähigt ist, eigenverantwortlich ein sinnerfülltes Leben zu führen.“




    Der Einsatz des Lichtpunktschießens im Kindesalter über den spielerischen Ansatz halte ich - unabhängig von jedem verbandspolitisch beanspruchten Zweck - für sehr wichtig. Über Selbsterfahrungen beim „Erreichen von Zielen“ werden Kinder in ihrer freien Entwicklung gestärkt, sie entwickeln ihre eigenen Kompetenzen unabhängig von leistungsorientierten Sollvorgaben. Darauf - abgesehen vom leistungsorientierten Ansatz - geht auch das Konzeptpaier unter der Teilüberschrift „1. Sportmotorische Basis entwickeln ein.



    „Vielfältige Spiel- und Bewegungserfahrungen sind nicht nur für die körperliche, sondern auch für die geistige, emotionale und soziale Entwicklung von Kindern unersetzlich. Motorische Grundbedürfnisse wie laufen, springen, werfen, klettern, mit anderen kämpfen und wetteifern sind für körperliche Erfolgserlebnisse unverzichtbar, stärken das Selbstvertrauen der Kinder und bilden eine entscheidende Grundlage für spätere motorische Fertigkeiten im Alltag und im Sport. Deshalb kommen Bewegung, Spiel und Sport als Teil der Bildung und Erziehung von Kindern eine besondere Bedeutung im Zusammenhang mit dem Nachwuchsleistungssport zu und sind dringend zu stärken.“

    Ich bin gespannt, wie sich die Trainer/innen und Verbandszuständigen aus unserem Bereich diesen Anspruch „Deshalb kommen Bewegung, Spiel und Sport als Teil der Bildung und Erziehung von Kindern eine besondere Bedeutung im Zusammenhang mit dem Nachwuchsleistungssport zu und sind dringend zu stärken.“ In der Umsetzung vorstellen.

    Konkret: Wie kann im und aus dem Schießsportbereich heraus die Forderung nach einer dringenden Stärkung von Bewegung, Spiel und Sport der Kinder unterstützt - besser: aktiv gefördert - werden?

  • Ich antworte dir mit Gegenfragen, Wilhelm.

    1. Wo definieren wir die Trennlinie zwischen "einfachem" Leistungssport und Hochleistungssport? Wo der Leistungssport selbst beginnt, ist relativ einfach zu sagen, auch wenn es immer eine Übergangszone sein wird und keine scharfe Linie.
    Aber Hochleistungssport? Meines Erachtens bei der Aussicht auf Medaillenplätze bei deutschen Meisterschaften und auf Teilnahme an qualifikationsabhängigen internationalen Wettkämpfen (also nicht z.B. die Commonwealth Games). Aber vielleicht sehen Fachleute das ganz anders?

    2. Was genau hat das Konzept im Blick? Einfachen Leistungssport, Hochleistungssport, oder beides?

    3. Sind die Diskutanten auch nur in groben Ansätzen bekannt mit dem sportwissenschaftlichen Diskussions- und Forschungsstand der letzten 15 Jahre zum Thema Nachwuchsförderung, Kaderung, Sportelite? Nein? Dachte ich mir.

    4. Besteht Kenntnis der verschiedenen internationalen Leistungssportansätze im Schießsport außerhalb des deutschen Mustopfes ? Wissen die Diskutanten überhaupt, was die gegenwärtig stark aufholenden und überholenden Nationen im Schießsport sind?

    *Stöhn*

  • Hallo Carcano,

    nett, aber Deine Gegenfragen, die gleichzeitig Basisdefinitionen, Wissenschaft und Forschung im Sportbereich ansprechen, kann ich leider nicht beantworten. Ich wüsste auch gerne mehr, auch wie der Schießsport in anderen Nationen in allen dort möglichen Facetten vorkommt.


    Deshalb beschränke ich mich darauf, Ansätze und Lösungen zu finden, die im Wettbewerb der Sportarten untereinander den Schießsport, der u.a. vielen Kindern bei deren Entwicklung Vorteile verschaffen kann, zu unterstützen -nicht Wissenschaftlich aber zum Wohl der Kinder und gleichzeitig zum Wohl des Schützenwesens.

    Wer kann helfen?