Griffanpassung: Material, Vorgehen

  • Ich habe in den Beiträgen zu dem Thema "Zeigt...die bearbeiteten LP-Griffe" gestöbert. Mich haben insbesondere die zur Griffanpassung verwendeten Materialien interessiert. So wurden einige als flüssig, cremig, zäh oder bröselig beschrieben.

    Ich würde für die Griffanpassung einen 2k-Epoxidharz für Holz oder einen 2K-Polyesterharz für Holz nehmen. Einen wasserlöslichen Holzkitt würde ich nicht in Betracht ziehen.

    Mit 2K-Epoxidharzen habe ich einige Erfahrungen gesammelt. Danach kommt es sowohl auf das Produkt als auch auf die Verarbeitung an, um mit dem Material zurechtzukommen.

    Der Epoxy-Stick - eine Art Wurst von 56 g aus 2 Lagen (Basiskitt + Härter) - hat enttäuscht. Ich wollte damit eine kleine Griffanpassung in der Daumenauflage durchführen. Er war zäh und bröselig - damit nicht leicht zu verarbeiten

    Besser ging es mit dem Apoxie Sculpt Epoxy von Aves Studio. Er wird in 2 Dosen in unterschiedlich großen Gebinden in unterschiedlichen Farben (u.a. Braun) geliefert. Die Verpackung enthält auch eine Gebrauchsanleitung, auf deren Befolgung es wesentlich ankommt. Die Entnahme der Komponenten soll mit getrennten Werkzeugen erfolgen. Die Komponenten sollen zwei Minuten lang geknetet werden bis die Farbe der Knete gleichmäßg ist. Danach soll eine fünfminütige Ruhezeit eingelegt werden. Die Knete ist anschließend ein bis zwei Stunden lang formbar. Sie ist in der Konsitenz zwischen cremig und zäh. Mit diesem Material habe ich eine kleine Griffanpassung im Bereich des Mittelfingers vorgenommen.

    Aus dieser Erfahrung habe ich den Schluß gezogen, daß der Epoxy Stick ein unausgegorenes Produkt darstellt, da eine gegenseitge Kontamination der 2 Komponenten in dem Gebinde inherent ist. Sobald ein Stück von der Wurst mit dem Messer abgeschnitten wird, reagiert der Rest. (Molto bietet den 2K-Epoxid-Holzersatz in zwei Tuben an, aus denen jeweils ein gleichlanger Strang zum Mischen entnommen werden kann. Allerdings gibt es diese Produkt nur in der Farbe Natur bzw, Beige.)

    Mit 2K-Polyesterharzen habe ich noch keine Erfahrungen gesammelt. Das steht mir noch bevor, denn ich möchte eine größere Griffanpassung im Bereich der Finger vornehmen. Dieses Material ist fast genau so stabil wie das Epoxidharz. Es ist allerdings nicht so empfindlich, was das Mischungsverhältnis angeht. So läßt sich über die Zugabe des Härters die Konsistenz der Formmasse in gewissen Grenzen variieren.

    Ich habe mir zwar schon vor einiger Zeit eine Dose mit Härter zur Griffanpassung angeschafft, aber die Dose dann doch zur Seite gestellt, da es mir zunächst nur um kleinere Vorhaben ging.

  • um zielführend und zeitnah weiterzukommen, sollte die 2K-masse cremig sein, so dass sie sich unter der Kraft der geschlossenen Hand von selbst bewegt,
    andererseits fest genug,um nicht einfach davonzurinnen.
    und das ganze muss binnen max 10min aushärten. denn: die hand bleibt während der aushärtezeit in der 2K-masse. und das will wohl keiner stundenlang...

  • Unsere sehr geschätzte Anpasserin nimmt 2K Dental-Silikon. Vorteil - lässt sich gut entfernen und ist gut 10 Minuten verarbeitbar. Hier mein LuPi-Griff:

  • Die Griffanpassung mit dem 2K-Silikon kann doch nur ein Provisorium sein. Letztendlich muß das Material durch ein Kunstharz ersetzt werden.

    Die Anpassung nach dem Verfahren - erst Material auftragen und dann die Hand darauf drücken, bis das Material aushärtet - wird nicht immer zu Erfolg führen. Ich habe es im Kleinen probiert. Das Material wird an Stellen weggedrückt, an denen es eigentlich Halt geben sollte. Ich vermute, daß das Vorgehen in kleinen Schritten eher Erfolg verspricht. Zuerst: Pistole in die Hand nehmen und fühlen, wo der Griff zu eng, zu schmall oder zu kurz ist. Dann: Etwas Material an den betreffenden Stellen auftragen und nach einiger Aushärtung entweder nochmals etwas Material auftragen oder etwas abschleifen. M.a.W.: Trial and Error. So läuft es bei der Anfertigung eines Griffmodells im Rahmen einer Maßanfertigung.

  • Die Griffanpassung mit dem 2K-Silikon kann doch nur ein Provisorium sein.

    Fangen wir doch hier an: wieso eigentlich?

    Letztendlich muß das Material durch ein Kunstharz ersetzt werden.

    Hier gleich zwei Fragen: wieso eigentlich? Und: ist 2K-Silikon etwa kein Kunstharz?

    Die Anpassung nach dem Verfahren - erst Material auftragen und dann die Hand darauf drücken, bis das Material aushärtet - wird nicht immer zu Erfolg führen.

    Falls du dieses Jahr am olympischen Wochenend der DM in München bist, einfach auf die Griffe vom RSB- und zum Teil Thüringer Kader schauen, da hat es zum Erfolg geführt. Neben der Tatsache, dass man die Silikon-Knete nach der "Aktivator"-Zigabe noch gut 10 Minuten verarbeiten kann, kann man danach immer noch mit Dremel anpassen. Und, im Gegensatz zu meisten Epoxy-Systemen kann man so eine Silikon-Anpassung wieder gut entfernen. Zu guter Letzt kannst du dabei nicht so gut mit Handschuhen arbeiten. Die meisten Epoxy-Härter wirken zumindest allergen.

  • Ich will nicht leugnen, daß man mit einem Griff große sportliche Leistungen erzielen kann, der mit einer Silikon-Griffpaste individualisiert worden ist. Ein großer Vorteil dieses Materials besteht darin, daß sich die Silikonpaste leicht entfernen läßt, ohne den originalen Griff zu verunstalten.

    Andererseits verfügen Epoxidharze sowie Polyesterharze über eine größere Härte und Haftfähigkkeit als Silikonpasten, was sie für die Ausformung von Holzgriffen prädestiniert.

    Auf den Verpackungen wird darauf hingewiesen, beim Mischen der Komponenten zum Gesundheitsschutz Handschuhe zu tragen. Beim Ausformen von Epoxidharzen genügt es die Hände mit Wasser anzufeuchten. Bei Polyesterharzen ist durchweg wegen der von Lösungsmitteln verursachten Dämpfe zusätzlich auf eine gute Lüftung zu achten. Nach der Aushärtung sind Epoxidharze sowie Polyesterharze gesundheitlich unbedenklich.

    (Es gibt tatsächlich auch Silikonharze. Die in der Zahnmedizin und der Orthopädietechnik verwendeten Silikone gehören jedoch nicht zu dieser Produktgruppe, sondern zu den Silikonkautschuk und-elastomeren.)

  • Es gibt tatsächlich auch Silikonharze

    Die Frage oben war aber, ob Silikon ein Kunstharz ist. Polydimethylsiloxan ist nun mal ein flüssiges Kunstharz, egal in welcher Endform. Aber das war ja nicht das Thema.

    Deine Antwort auf mein Bild ließ vermuten, dass Silikonmaterialien sich schlecht zur Griffbearbeitung eignen. Das ist falsch. Auch das mit Härte ist kein Argument. Die bearbeitete Stelle an meinem Griff hat gefühlt mittleren Shore D Bereich, so um die 50. Soll es noch härter sein?

    Polyesterharzen ist durchweg wegen der von Lösungsmitteln verursachten Dämpfe zusätzlich auf eine gute Lüftung zu achten.

    Von Polesterharzen würde ich persönlich ganz abraten. Das "Lösemittel" drin ist normalerweise der Mitvernetzer Styrol, was ziemlich gesundheitsschädlich ist.

  • Hallo Pistoletti,

    die Silikonpaste kann m.E. bei der Modellierung von Pistolengriffen eine wichtige Rolle spielen. Ich selbst werde sie bei meinem nächsten Vorhaben dazu einsetzen, mir ein Bild über den notwendigen Materialauftrag an dem vorhandenen Griff zu erarbeiten. Gleich mit dem Auftragen des Epoxidharzes zu beginnen, scheint mir nach den bisherigen Erfahrungen aus Gründen der Prozeßökonomie nicht sinnvoll.

    Für die endgültige Modifikation des Griffes würde ich das Epoxidharz dem Polyesterharz vorziehen. Das Epoxidharz ist härter, es haftet besser, es schrumpft nicht so stark wie ein Polyesterharz und es enthält keine giftigen Lösungsmittel.

    Die Frage, vor der ich stehe, lautet, wie gestalte ich den Übergang vom Modell zum Endprodukt. Die Beauftragung einer Kopie des Modells scheint mir inzwischen als zu kostspielig. Möglicherweise würden Fotographien und Zeichnungen des Griffmodells weiterhelfen.

    (Aus dem Bild Deines LP-Griffes mit dem Auftrag einer Silikonpaste geht hervor, daß der relativ geringe Auftrag im Bereich des Handballens erfolgt ist. In diesem Bereich (Rundungen, weiches Handgewebe) werden keine starken Kräfte wirksam.)

  • Aus dem Bild Deines LP-Griffes mit dem Auftrag einer Silikonpaste geht hervor, daß der relativ geringe Auftrag im Bereich des Handballens erfolgt ist. In diesem Bereich (Rundungen, weiches Handgewebe) werden keine starken Kräfte wirksam

    Ja, es sollten nur Hohlstellen ausgefüllt werden, der Griff ist mir sonst etwas zu groß.

  • Auch wenn nur Hohlstellen ausgefüllt werden sollen heisst es nicht dass nicht auch aus dem Vollen das ein oder andere ausgeschliffen werden sollte. Nur aufbauen ist nicht zielführend. Fühlt sich gut an, bedeutet nicht zwangsläufig dass alles ok ist. Druckstellen einfach durch anfüllen re u. Links der Stelle zu entschärfen verschlimmert oft das, Problem.

  • Da gebe ich Matze recht. Grundsätzlich sollte der Griff

    die Handinnenseite möglichst exakt aufnehmen. So werden anfallende

    Kräfte auf größtmögliche Fläche verteilt. Es soll sich saugend eng ohne

    Druckstellen anfühlen.

    Dafür kommt man um eine "cremige" Konsistenz, wie es Murmelchen beschrieben hat nicht herum.

    Man bekommt dann quasi ein negativ der haltenden Hand. Die

    entstandenen Furchen kann man dann, je nach Vorliebe entschärfen.

    Meist muss aber vorher auch erstmal abgetragen werden.

    Das reine Aufbauen mit irgendwelchen Schlangen und Kloppsen

    bringt einen selten weiter.

  • Dafür kommt man um eine "cremige" Konsistenz, wie es Murmelchen beschrieben hat nicht herum.

    Zuviel der Ehre.

    Das war der gute Kulzer Daniel.

    kulzer daniel
    9. März 2025 um 21:22


    Mit bestem Schützengruß

    Murmelchen

  • Unsere sehr geschätzte Anpasserin nimmt 2K Dental-Silikon. Vorteil - lässt sich gut entfernen und ist gut 10 Minuten verarbeitbar. Hier mein LuPi-Griff:

    Und wo ist da die Anpassung? Ich sehe nur eine lieblos aufgebrachte Silikonwurst, die den Spalt zwischen der Auflage und dem Griff verschließt. Der Effekt sich für mich fraglich. Außer dass es den Griff nicht gerade schöner gemacht hat.

    Meisterschütze seit 1989

  • War denn die Tage jemand auf ISAS? Ansonsten dürfte nichts über einen maßgefertigten Griff gehen, oder?

    Maßgriffe nehmen die Maße der Hand auf, nicht aber die Furchen, die Polster, die Knöchel, usw. und sind sehr teuer.

    Mein Königsweg ist Kitten und wenn der Griff perfekt ist und man unbedingt Holz möchte eine Kopie machen lassen.

  • Woran erkennt der Schütze, daß der Pistolengriff paßt?

    Maßgriffe werden bislang nicht durchgehend nach Maß - ausgenommen Griffgröße und Länge der Handkantenauflage - gefertigt, sondern im Wesentlichen nach der Methode "Trial and Error" (Versuch und Irrtum). Es wird geschliffen und gespachtelt bis die Konturen des Griffes in die Hand passen und die Pistole im Anschlag ein gestrichenes Korn aufweist. Trotzdem kann der Griff am Ende zu ballig ausfallen.

    Besondere Schwierigkeiten treten bei Griffen für Sportpistolen mit dem Magazin im Griffrahmen (wie Hämmerli 208 und Feinwerkbau AW 93), aber auch bei Pistolen mit dem Magazin vor dem Abzug (wie Walther GSP und Pardini SP) auf. Die konstruktiven Gegebenheiten setzen der freien Griffgestaltung Grenzen auf.

    Als Schütze mit einer relativ großen Hand und relativ langen Fingern müßte ich bei Walther und Pardini auf eine der Länge nach passende Handkantenauflage verzichten. Der Zeigefinger würde gegen den Magainschacht drücken. Bei der Hämmerli und der Feinwerkbau müßte ich den Griff um den Rahmen bauen, um eine passende Länge (bzw. Dicke) des Griffes nach vorne zu erreichen. Wie könnte ich mittels einer 2k-Formmasse dieses Ziel erreichen? Zu beachten ist dabei, daß der Griff aus zwei Griffschalen besteht, die seitlich befestigt werden.

  • Ein Griff aus dem 3D-Drucker ist ein gute Alternative.

    Der originale Griff muß u.U. gar nicht verunstaltet werden, denn das Modell für den 3D-Drucker kann mittels einer Silikon-Griffpaste geformt werden, die sich leicht vom Griff wieder ablösen läßt.

    Dieses Verfahren eingnet sich besonders für Griffschalen von Sportpistolen. Der 3D-Drucker kann neben der äußeren auch die innere Form der Griffschalen sehr gut kopieren. Bei LP- und einteiligen SP-Griffen müßte der betreffende Griff dazu in der Mitte durchgesägt werden.

  • Als Schütze mit einer relativ großen Hand und relativ langen Fingern müßte ich bei Walther und Pardini auf eine der Länge nach passende Handkantenauflage verzichten. Der Zeigefinger würde gegen den Magainschacht drücken. Bei der Hämmerli und der Feinwerkbau müßte ich den Griff um den Rahmen bauen, um eine passende Länge (bzw. Dicke) des Griffes nach vorne zu erreichen. Wie könnte ich mittels einer 2k-Formmasse dieses Ziel erreichen? Zu beachten ist dabei, daß der Griff aus zwei Griffschalen besteht, die seitlich befestigt werden.

    kleine schrauben werden vor dem Kitten ins Holz geschraubt, geben der 2k-Masse den anfänglichen Halt.
    Zum Besseren abbinden sollte der Griff an dieser Stelle nicht geölt sein, bzw. das ölige holz abgeschliffen werden.