• Ich bin sicher niemand will den tragischen Todesfall missbrauchen.

    Es ist sehr traurig wenn ein junger Mensch geht, der noch vieles hätte erleben können.

    Ihr könntet ein Gedächtnisschießen veranstalten jedes Jahr und

    damit an den guten Fußabdruck erinnern, den er hinterlassen hat.

    Linksschütze
    EVO 10E
    GSP Atlanta
    FWB 900
    Anschütz 1807Z, 1807L, 2013

  • Nachdem ich lange Zeit wieder nur der stille Mitleser war....

    Und ja ich blicke als Lehrer an einem Sportgymnasium manchmal anders auf gewisse Dinge und Hintergründe und manche werfen mir vor, dass ich zu wenig von der Sportart: Schießen verstehe (was bei mir definitiv nur Hobby ist).

    Aber hier habe ich mich mal wieder echt geärgert so was zu lesen.

    Zuerst aber einmal meine Grüße an BennySVW - viel Kraft Dir und deiner Trainingsgruppe und dem Verein (und der Familie von Joshua) beim verarbeiten.

    Und ich finde es einfach unschön (andere Worte verbieten sich mir) hier eine Impfdiskussion so nanchalant einzubringen.


    Zu dem Test an sich, der hier von manch User angezweifelt wurde nur mal ein Vergleich zum nachdenken (ich nehme mal den 45 Minuten Lauf, der hier auch explizit erwähnt wurde):

    45 min. durchlaufen mit einer Minimum-Strecke Jungs: 6,5km und Mädels: 5,5km

    Das entspricht einer Geschwindigkeit von: Jungs 8,67 km/h und Mädels 7,33 km/h

    Vergleichen wir das einmal mit dem Deutschen Sportabzeichen, welches für die "normale" Bevölkerung ist - nicht explizit für Leistungssportler. Um den DOSB zu zitieren: "Die Leistungsanforderungen für das Deutsche Sportabzeichen sind mit ein wenig Training für alle zu schaffen (Quelle: DOSB Informationsbroschüre Stand 2024)"

    Hier gibt es den 10 km Lauf - also die Leistung ist um 3,5 km oder 4,5 km länger als beim DSB Test.

    Wenn ich die Geschwindigkeiten von oben auf 10 km umrechne (ohne Geschwindigkeitsverlust wohlgemerkt!, der bei einer längeren Strecke bestimmt bei den meisten auftritt) laufen die Jungs 69:12 Minuten und die Mädels 81:51 Minuten - bei dem Tempo welches sie für den DSB Test zum bestehen benötigen.

    Vergleichen wir das einmal mit den Anforderungen des Sportabzeichen Tests:

    Männer - in den Altersklassen 18-19, 20-24, 25-29 ist das nicht mal Bronze ; 30-34, 35-39 ist es wenigstens Bronze ; 40-44, 45-49, 50-54, 55-59 ist es Silber und ab 60!! ist es Gold.

    Frauen - in den Altersklassen 18-19, 20-24, 25-29, 30-34, 35-39, 40-44 ist es Bronze ; 45-49, 50-54, 55-59, 60-64, 65-69 ist es Silber, ab 70!! ist es Gold.

    Wir haben also eine schwierigere Disziplin (10 km statt 5,5km oder 6,5km) und eine vom DSB geforderte Leistung die beim Sportabzeichen von 60 bzw 70 jährigen zu erbringen ist.


    Hier dem DSB vorzuwerfen, dass man zwar befürwortet Athletik zu trainieren (im positiven Fall, im negativen wird der Sinn komplett abgesprochen) - dann aber eine Messlatte als zu hart ansieht, die für nicht Leistungssportler im hohen Alter noch erfüllbar ist, ist wirklich absurd.


    Und als kleiner Side-Kick zum Schachspielen:

    https://www.ardmediathek.de/video/morgenma…zY3M2VmZDc3OGZi

    Oder hier ein Artikel (nur vorweg ein Zitat: "Gute Spieler haben eine Ausdauer wie Hermann Maier", sagt der steirische Sportpsychologe Alois Kogler)

    https://www.derstandard.de/story/20001313…ssen-trainieren

  • Zu dem Test an sich, der hier von manch User angezweifelt wurde

    Da ich mich hiermit abgesprochen fühle: was hat das Sportabzeichen mit der Realität im Schießsport zu tun? Es ist ja nicht mal in der Schule obligatorisch. Und wenn ich mir unsere Athleten auf den verschiedenen Meisterschaften ansehe (selbst Landeskader), bezweifele ich, dass diese 6 km am Stück laufen können. Aber schießen können die. Wobei ich eingangs nicht das Laufen, sondern eher die verschiedenen Planks und den Y-Test kritisiert habe.

  • Erst einmal ein Dankeschön an BennySVW für diese Neuanmeldung aus einem so traurigen Anlass. ich hatte mir euren Verein einmal im Netz angesehen, und trotz seines etwas bieder-altdeutsch klingenden Namens seid Ihr recht engagiert, mit einer eher jungen Führungsmannschaft und auch vielversprechenden und geförderten Nachwuchsschützen (Joshua ist ja nicht der einzige).

    Eine hat mich verwundert, und das ist ja keine unbillige Zudringlichkeit oder Neugier hinsichtlich der verstorbenen Person, sondern eher eine generell schießsportliche Frage zum Aufbau jugendlicher Leistungsträger:
    Joshua hat zwar die Ranglistenwettkäpfe mitgeschossen, aber ich konnte ihn weder in diesem Jahr noch im vergangenen bei den Bezirksmeisterschaften und den Landesmeisterschaften irgendwo finden. Normalerweise würde man doch einem Jungschützen relativ rasch diese Möglichkeit zur Selbsterprobung geben, einfach auch zum Ansporn. Jetzt frage ich mich, ob ich ihn übersehen habe, oder ob es dafür irgendeinen wohlerwogenen Trainer-Grund gab - wenn man Dich das fragen darf?

    Dankeschön, Carcano

    Einmal editiert, zuletzt von Carcano (15. Juli 2024 um 11:48)

  • Also diese Nachricht aus den elysäischen Gefilden... ne ne.

    Es geht hier NICHT darum, dass eine gewisse sportliche Grundkondition oder zumindest bescheidene Fitness eine in der Tat gute und vernünftige Grundlage für jeden ist, der irgendeinen Sport leistungsmäßig betreiben will, auch wenn es jetzt kein "Athlet" im engeren Sinne wäre. Gilt auch für Dart, Billiard, Curling.

    Es geht hier auch nicht darum, dass von Kadermitgliedern durchaus erwartet und verlangt werden könnte (das lässt sich jedenfalls begründen), dass sie zum Verbleib im Kaderstufen bzw. für einen Aufstieg innerhalb verschiedener Kader auch einen solchen sportlichen Basissockel mitbringen, dafür kann man durchaus Gründe haben.

    Es geht hier um etwas ganz Anderes. Es geht darum (auch bei Califax, wenn ich ihn recht verstehe), bei einem durchaus talentiert erschienenen jungen Schützen, der relativ rasch seine erste Medaille erzielen könnte und weiter motiviert werden kann, bereits als Voraussetzung (!) für die bloße erste und probeweise (!) Aufnahme in einen Kader eine solche Anforderung a priori zugrundezulegen. Das mag einem Lehrer jetzt vielleicht verständlich erscheinen, den meisten normalen Menschen ohne nachweisliche pädagogische Befähigung aber nicht.
    Die meisten Menschen, sogar sportliche, würden eher dazu neigen, eine bestimmte schießsportliche Leistung als Aufnahmevoraussetzung zu fordern (insbesondere deshalb, weil es ohnehin kaum Bewerber im Jugendbereich mehr gibt, und weil die vorhandenen Kaderplätze in den unteren Etagen überhaupt nicht alle gefüllt werden, sondern vielfach leer bleiben (!!), um dann eben nach einer einjährigen Kaderzugehörigkeit für den weiteren Verbleib dann auch eine gewisse (nicht übertriebene) Grundfitness zu fordern. Das wäre logisch und vernünftig.

    Carcano


  • Joshua hat zwar die Ranglistenwettkäpfe mitgeschossen, aber ich konnte ihn weder in diesem Jahr noch im vergangenen bei den Bezirksmeisterschaften und den Landesmeisterschaften irgendwo finden. Normalerweise würde man doch einem Jungschützen relativ rasch diese Möglichkeit zur Selbsterprobung geben, einfach auch zum Ansporn. Jetzt frage ich mich, ob ich ihn übersehen habe, oder ob es dafür irgendeinen wohlerwogenen Trainer-Grund gab - wenn man Dich das fragen darf?

    Dankeschön, Carcano

    Hallo,

    Die Frage beantworte Ich gerne (würde es dann aber auch gerne dabei belassen, ich möchte nicht über das Thema sprechen und habe mich auch nur eingeklinkt um diesen einen Punkt klarzustellen.)


    Joshua hat erst Ostern 2023 angefangen daher war 2023 nicht mehr so viel machbar.

    2023:

    Rangliste

    Sichtungsschießen

    Diverse Kaderveranstaltungen

    Rundenwettkampf Bezirksklasse mit unserer 2. Mannschaft (und war Mannschaftsbester)

    2024:

    Rangliste

    Diverse Kaderveranstaltungen

    Bezirksmeisterschaften Lupi / SpoPi

    Landesmeisterschaften Lupi / SpoPi

    Kaderveranstaltung Qualifikation Nachwuchskader Dsb

    An der Stelle ist bekanntermaßen Schluß.


    Alle diese Möglichkeit bekommen alle unsere Jungschützen. Wir betreiben dafür ziemlich viel Aufwand. Auch unser Vorsitzender ist da sehr sehr engagiert.

    Bei Bezirksmeisterschaften und Landesmeisterschaft findest du ihn Junioren 2.

    Grüße

  • Es geht hier um etwas ganz Anderes. Es geht darum (auch bei Califax, wenn ich ihn recht verstehe), bei einem durchaus talentiert erschienenen jungen Schützen, der relativ rasch seine erste Medaille erzielen könnte und weiter motiviert werden kann, bereits als Voraussetzung (!) für die bloße erste und probeweise (!) Aufnahme in einen Kader eine solche Anforderung a priori zugrundezulegen.

    Dann bleibt halt nur wie beim oben schon genannten Hermann Maier die Qualifikation durch Leistung.

  • Vorweg: Die Diskussion ist zum eigentlichen Thema off-Topic - eventuell ergibt es sich seitens der Forumsleitung den Strang in ein separates Thema zu entkoppeln.


    Der Vergleich mit dem Sportabzeichen dient nur der Deutlichmachung ob der "extremen schwere" des DSB Tests - ich hätte eine Vielzahl anderer Tests nehmen können. Aber das Sportabzeichen kennt irgendwo jeder und kann was damit anfangen.

    Und der Vergleich sollte einfach klar aufzeigen, dass der DSB hier wirklich minimale Grundlagen fordert - die wie oben geschrieben (am Bsp. Ausdauer) mit dem Sportabzeichen im Rentenalter vergleichbar sind.

    Pistoletti ok was hat das alles mit Schießen zu tun... kurz mal in einer bekannten Internetdatenbank gestöbert....

    positiver Zusammenhang zwischen Rumpfkraft (Körperstabilität) und Schießleitung gefunden bei - Ihalainen et al. (2016) / Koley and Gupta (2012) / Satteldecker et al. (2014) / Stambolieva et al. (2008) ...

    Schulter und Griffkraft zB Mon et al. 2015 ...

    Thema Ausdauer (hier hat ja bereits BennySVW richtigerweise die Sachen angesprochen, mit Herzfrequenz etc.) zB Sobhani (2022) Zusammenhang zw. Ruheherzfrequenz und Schießleistung....

    so das war jetzt kein großer Aufwand.....

    "Schießen können die..." - und das glaub ich dir unbestritten - aber reicht es für eine kontinuierliche Leistung im Weltklassebereich - und das ist die Zielstellung eines Bundeskaders? Und diese Frage hat sich der DSB wohl mit einem klaren NEIN beantwortet... sonst gäbe es den Test nicht.

    Und ich bin mir sicher - das ist in anderen Verbänden durchaus auch so - wenn einzelne Kaderkriterien nicht erfüllt sind - aber die sportliche Leistung outstanding nachgewiesen ist - gibt es immer Sonderfallregelungen.


    Carcano wo soll denn der DSB dann ein Kriterium definieren? Gar keines - und die Leute die in den Kader kommen sind im Zweifel in einzelnen Kriterien komplett untrainiert? Die Belastung und der Zeitraum diese Fähigkeiten zu entwickeln ist einfach zu lang.... also will man Leute die ein Minimum mitbringen - nochmal oben steht der Vergleich - Erfüllung DSB Test im Vergleich zu 60 und 70 jährigen.... soll es noch niedriger sein??? So erziehe ich eben auch niedere Kader (Landeskader, ... --> Top-Down) gewisse Trainingsinhalte umzusetzen.

    - im Übrigen ist der Test nicht das einzige Kaderkriterium - sondern eines von mehreren - so gibt es durchaus auch schießsportliche Vorgaben die erfüllt werden müssen. Nur eben nicht nur - sondern es wird über den Tellerrand hinausgeschaut.


    Einfaches Beispiel welches ich kenne ist die Deutsche Reiterliche Vereinigung. Da war es erst ein No-Go (zu was, wir sitzen doch nur - das Pferd läuft und springt... dann ein Kaderkriterium - inzwischen ist es schon in den unteren Leveln der Ausbildung implementiert und anerkannt.

  • Von dem traurigen Todesfall verlagert sich die Diskussion (respektvollerweise) nun zum Thema "Nachwuchsleistungskonzept". Das ist vielleicht gut so.

    Mir geriet gerade ein solches Konzept eines ostdeutschen Landesverbandes unter die Augen, dass so entsetzlich ist, dass man echt glauben muss, man habe die Tätärä unter Pieck und Ulbricht vor sich. Aber wirklich. Da ist in den Köpfen echt die Uhr auf Sozialismus stehengeblieben.

    Vielleicht kennt jemand noch den Film "Good bye, Lenin"? Also GENAU so. Bis hin zu den gefälschten VEB-Spreewaldgurken... *kopfschüttel*.

    Ich denke, man könnte zu dem Thema (auch zum Thema "Kadernominierungskritieren") tatsächlich einen neuen Thread aufmachen`?

  • Ich denke, man könnte zu dem Thema (auch zum Thema "Kadernominierungskritieren") tatsächlich einen neuen Thread aufmachen`?

    Guter Vorschlag!

    Mir geriet gerade ein solches Konzept eines ostdeutschen Landesverbandes unter die Augen, dass so entsetzlich ist, dass man echt glauben muss, man habe die Tätärä unter Pieck und Ulbricht vor sich. Aber wirklich. Da ist in den Köpfen echt die Uhr auf Sozialismus stehengeblieben.

    Wo doch früher alles besser war und bei den anderen sowieso!

    Lasse uns doch bitte daran teilhaben.