Hallo Freunde,
ihr unterteilt die Sache hier zu stark in schwarz und weiß. Ich habe geschrieben, dass ein guter Trainer kein überragender Schütze sein muss. Das heißt nicht, dass er noch nie ein Gewehr oder eine Pistole in der Hand hatte. Im Grunde steckt hinter der weit verbreiteten Sichtweise, dass ein guter Trainer auch ein guter Schütze sein müsse, nur die etwas arrogante Annahme, dass jemand, der ja noch nicht mal in der Lage ist, sich selbst etwas beizubringen, auch "mir" keine guten Ratschläge geben kann, darf. Im Grunde, von so einem lasse "ich" mir doch nix erzählen, da könnte ja jeder kommen. Das ist aber aus meiner Sicht deutlich zu kurz gegriffen. Ein guter Schütze muss auch bestimmte körperliche Voraussetzungen mitbringen, sonst wird das nichts. Die Menschen unterscheiden sich stark in der Fähigkeit, feinste Steuerungen und Korrekturen durchzuführen. Der Ruhetremor (Muskelzittern) und die Herzfrequenz spielen auch eine Rolle. Es ist ein Unterschied, ob einer (eine) einen Ruhepuls von unter 50 hat, oder aber über 80. Die Anatomie unterscheidet sich bei den Menschen auch. Jemand. bei dem die Proportionen nicht stimmen, wird sich schwer tun, eine optimale Position für den Stützarm auf der Hüfte zu finden. Es gibt noch weitere körperliche Faktoren, die darüber entscheiden, ob jemand ein guter Schütze wird, oder nicht. Die Meinung, man müsse nur "richtig" und intensiv genug trainieren, dann könne man alle Hürden überwinden, stimmt so einfach nicht. Ich sage mal krass, damit es auch richtig deutlich wird, jemand im Anfangsstadium von Parkinson kann trainieren, so viel und intensiv er will, das wird trotzdem nichts mehr.
Warum sollte sich denn ein Trainer nicht in den komplexen Vorgang beim Sportschießen hinein versetzen können. auch wenn er selbst körperliche Defizite hat. Ein guter Trainer muss ein guter Beobachter und Zuhörer sein. Er muss in der Lage sein, aufgrund seiner Beobachtungen und den Anmerkungen des Schützen, die Ursachen für Fehler zu analysieren und dem Schützen dann Möglichkeiten aufzuzeigen, wie er den Fehler beseitigen kann. Wenn man einen komplexen physikalischen Vorgang richtig deuten und erfassen will, dann ist dafür in erster Linie ein analytisches Denkvermögen nötig. Eigne praktische Erfahrungen können manchmal ganz hilfreich sein, sind aber normalerweise nicht wirklich wichtig. Es gibt andererseits nicht wenige Spitzenschützen, die als Trainer völlig ungeeignet sind.
Wenn ein Schütze auf seiner Kniendrolle sitzt, dann fühlt er, ob es drückt und hoffentlich auch, ob es halbwegs stabil ist. Der Trainer sieht aber sofort von außen, ob der Winkel stimmt, ob die Rolle die richtige Position und Dicke hat, und auch, wenn er Ahnung von Physik hat, wie die Kräfte wirken. Er muss nicht zwangsläufig das ungute Gefühl kennen, wenn man falsch sitzt. Er kann oder sollte schon aufgrund der Kräfteverteilung erkennen können, ob das weh tut und andererseits, ob es halbwegs stabil ist, oder nicht.
Ich weiß, das man beim KK auf 50m nicht mehr als 4 Grad vom normalen Verkantungswinkel abweichen darf, um nicht die Zehn zu verlieren. Ich weiß auch, dass eine Visiererhöhung diesen Fehler nicht vergrößert. Das ist reines theoretisches Wissen. Das habe ich nicht selbst auf dem Schießstand heraus gefunden, dass hat mir mal jemand vorgerechnet. Ich kann diese Rechnung nachvollziehen, also ist das für mich stimmig.
Das Thema Training und "guter Trainer" ist recht komplex. Daher ist es auch nicht möglich, hier mit wenigen Sätzen die gesamte Bandbreite zu erfassen. Aber ich hoffe doch, es sollte klar geworden sein, dass zu einfach gestrickte Ansichten und Meinungen nicht wirklich hilfreich sein können.
Ein guter Trainer muss nicht gut schießen können. Das ist nicht seine Aufgabe. Das ist die Aufgabe des Schützen. Ein Trainer muss den Schützen bei seiner Aufgabe unterstützen. Wenn es das gut macht, und das Resultat ist ja messbar, dann ist er ein guter Trainer. Alles andere ist Quark.
Die psychologische Komponente beim Training habe ich hier jetzt nicht betrachtet. Das ist wieder ein ganz anderes komplexes Thema.
Mit bestem Schützengruß
Frank