Hallo Zebo,
wie Erzwo schon geschrieben hat, werden heute meist Schießriemen aus synthetischem Gewebe empfohlen, da diese im Gegensatz zu den klassischen Lederriemen nicht im Anschlag nachgeben. Da dieses Nachgeben (Längen) nur sehr unmerklich geschieht, besteht immer die Gefahr, dass der Schütze (oft unbewusst) Muskelkraft einsetzt, um die Höhe zu halten. Bei Schützen, die beim Ladevorgang im Anschlag bleiben, ist die Gefahr der Längung des Riemen über die Zeit noch größer. Wenn das Gewehr hingegen für jeden Ladevorgang aus der Schulter genommen wird, wird das Material immer wieder entlastet und die Verhältnisse bleiben so länger stabil. Setzt aber voraus, dass die Wiederholgenauigkeit stimmt. Bei deiner Anschütz bleibt Dir eh keine andere Wahl. Generell ist ein Seitenspanner problematisch, da der Schütze beim Spannen so große Kräfte aufbringen muss, dass die Gefahr besteht, dass sich die Position des Anschlags von Spannvorgang zu Spannvorgang ändert. Die Kunst des Schießens liegt aber in der Wiederholgenauigkeit.
Zurück zum Schießriemen. So ein moderner Schießriemen nützt Dir nur wenig, wie Erzwo schon schrieb, wenn Du keine Möglichkeit hast, den Riemen so am Oberarm zu befestigen, dass er seine Position dort auch hält und Dir auch nicht die Jacke über die Schulter und um den Arm zieht. Wenn diese Voraussetzung nicht gegeben ist, nützt Dir der beste Riemen nichts. Dann kannst Du auch ohne Bedenken einen alten Lederschießriemen nehmen. Auch damit wurden schon 600 Ringe geschossen. Aber eine im Arm- und Schulterbereich gut sitzende Schießjacke macht schon Sinn.
Zum Handstop: Der von Dir zuerst angegebene Handstop ist normalerweise zu flach. Da drückt Dir vermutlich der Riemen zu sehr auf die Hand. Der zweite ist schon brauchbarer. Eine Alternative wäre der alte Handstop von Anschütz mit der großen Rändelschraube, aber mit der Schiene und dem separaten Befestigungspunkt für den Bügel vor der Schraube. Diese Handstops werden immer wieder günstig bei egun angeboten. Achte aber darauf, dass der Bügel dabei ist. Es gibt da zwei Versionen, einmal mit Kugel und einmal mit Rädchen zum Einhängen. Da die Schnittstelle Hand, Handstop und Schaft ein neuralgischer Punkt (auch für Druckschmerzen) ist, gibt es so eine Vielfalt bei den Handstops. Hier gilt es immer, einen guten Kompromiss zu finden zwischen der geforderten Festigkeit im Anschlag und einem gewissen Komfort. Zwei (grobe) Regeln sein noch angemerkt: Nicht zu flacher und am besten vor dem eigentlichen Handstop liegender Befestigungspunkt des Riemens und im Durchmesser angepasster Kontaktbereich für die Hand. Hier gilt: Besser etwas zu klein als zu groß.
Noch eine Anmerkung: Gerade in den technischen Anschlägen Liegend und Kniend mit den vielen Parametern, die zu beachten sind, ist jemand, der ein bisschen was davon versteht und der Dir bei deinen ersten Schritten zur Seite steht, ganz hilfreich. Es geht zwar auch autodidaktisch nur anhand von Büchern, ist aber doch ungleich schwerer. Gerade für den Anfänger sind die vielen feinen Unterschiede, die er selbst (noch) gar nicht wahrnimmt, die aber jemand mit Erfahrung sofort sieht, sehr wichtig.
Wie ich schon angedeutet habe, ist der Einstieg mit einem Seitenspanner problematisch. Durch den Spannvorgang besteht immer die Gefahr, sich Techniken anzugewöhnen, die gerade im Hinblick auf späteres KK-Schießen negativ sind und die sich der Schütze dann wieder mühsam abgewöhnen muss. Wenn Du langfristig planst, auch in den KK-Breich einzusteigen, stellt sich für mich die Frage, ob Du nicht besser gleich damit anfängst. In einem (guten) Verein erhältst Du auch am Anfang die so wichtige Hilfestellung und Du kannst Dich dann zu Hause auf das Trokentraining beschränken. Im Gegensatz zum LG siehst Du beim Schießen mit dem KK-Gewehr sofort gnadenlos auf der Scheibe deine Fehler und kommst damit nicht so schnell in Gefahr, Dir unsaubere Techniken an zueignen. Das passiert aber mit großer Wahrscheinlichkeit, wenn Du nur allein zu Hause mit dem (alten) LG schießt.
Mit bestem Schützengruß
Frank
PS: Es gibt beim DSB ja im Schüler- und Jugendbereich die Disziplin LG-Dreistellung. Dort werden aber aus gutem Grund fast nur noch Pressluftgewehre eingesetzt. Trotzdem sieht man hier auch bei schon sehr guten Schützinnen und Schützen oft einen starken Einbruch beim Umstieg auf KK. Das liegt immer daran, dass das (moderne) LG viel gutmütiger auf Veränderungen im Anschlag und bei den Druckverhältnissen reagiert. Wenn man im Ziel steht, dann trifft normalerweise auch dort hin. Das ist beim KK definitiv nicht so. Bei immer wieder unterschiedlichen Druckverhältnissen kann man zielen, wie man will, die Schüsse sitzen immer auseinander.