Lieber Gerhard,
auch wenn deine Anmerkungen sicher - auch von vielen Schützen - kontrovers gesehen werden, ich teile deine pointierte Sichtweise. Unser Schießsport hat immer vom Mitmachen gelebt, weniger vom Zuschauen und noch weniger von irgendwelchen Fans. Daher sehe ich auch die immer wieder vorgebrachten Forderungen nach Veränderungen (Verbesserungen) hin zu vermeintlich mehr Massen- und Medientauglichkeit, also um es mal auf den Punkt zu bringen, hin zu mehr Deppentauglichkeit, hin zu einer Art Zirkus, wo dann ein paar (Profi)sportler für Unterhaltung sorgen und womit dann auch (wenige) ordentlich Geld verdienen können, bisweilen kritisch. Ludwig hat das schöne Beispiel mit dem Skispringen ja schon gebracht und so groß ist das Holzbein aus meiner Sicht gar nicht. Biathlon wäre hier, bei aller Sympathie, auch nicht so ganz unpassend.
Selbst wenn wir es schaffen sollten, die Bundesliga mal im Fernsehen zu platzieren, was sicher wünschenswert wäre, so könnten wir dadurch zwar sicher unser Image aufbessern und wohl auch im Bereich Sponsoring profitieren, aber ob wir nur dadurch wirklich mehr Zulauf in unseren Vereinen bekommen würden, wage ich zu bezweifeln. Wir hätten dann vielleicht auch mehr Zuschauer. Aber wir sollten dabei auch immer bedenken, dass so ein Publikum auch immer sehr launisch sein kann. Was heute noch ganz toll ist und die Massen lockt, kann morgen schon total abgesagt sein. Wenn der Sport dann aber keine aktive Basis mehr hat, dann kommt das Ende möglicherweise um so schneller.
Wie sind den bisher und wie kommen denn auch heute noch neue Schützen in unsere Vereine?. Doch fast immer durch die Familie oder durch persönliche Kontakte und Bekanntschaften. Selbst beim Nachwuchs ist es doch so, dass jemand in der Schule oder im Freundeskreis über seinen Sport berichtet und dann andere mitzieht. Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür können zwar etwas bringen, aber oft ist es doch so, dass die so gewonnen Mitglieder oft schon nach kurzer Zeit wieder verschwinden.
Der Schießsport ist speziell, aber darin liegt doch auch gerade für uns der Reiz. Es ist müßig, allen anderen diesen Reiz und diese Faszination vermitteln zu wollen. Wir sollten daher gezielt nach den Menschen Ausschau halten, für die der Schießsport möglicherweise auch auf längere Sicht interessant sein könnte. Ich schaue mir die Jugendlichen, aber auch Erwachsene, in dieser Hinsicht genau an und versuche dann einzuschätzen, ob der Schießsport für diejenigen interessant sein könnte. Das mit der Einschätzung klappt natürlich nicht immer, ist aber nach meinen Erfahrungen deutlich effektiver, als wahllose Rekrutierungsversuche über die Medien oder durch sogenannte Events.
Noch mal kurz zur Liga: Manchmal frage ich mich schon, ob es für den Breitensport wirklich so gut war, die Liga auch bis auf die unteren Ebenen auszuweiten. Zumindest hier in meiner Region haben die Rundenwettkämpfe dadurch doch etwas gelitten. Da fehlen jetzt einerseits Schützen, die mitziehen und auch Hilfestellung leisten, andererseits haben sich andere Schützen zurück gezogen, weil sie sich den doch deutlich härteren Herausforderungen der Liga nicht stellen wollen oder nicht können, aber die RWKs nicht mehr richtig gepflegt werden bzw. keinen Stellenwert mehr haben. Dabei hat früher für viele die gemeinsame Fahrt zu befreundeten Vereinen und danach dann das gepflegte Pils in gemütlicher Runde einen hohen Stellenwert gehabt. Ich hoffe, das gerade dieser Punkt hier nicht falsch verstanden wird. Ich finde die Liga toll und habe diesen Modus selbst aktiv geschossen, ich bin auch kein genereller Bremser und Konservativer um des Prinzips willen. Aber es gibt auch so etwas wie das Wesen des Schießsports und das sollten wir auch immer etwas im Auge behalten.
Wo wir eher, und nicht nur wir Sportschützen, ein Problem haben, ist die Gewinnung geeigneter Mitarbeiter für die vielfältigen Aufgaben in unseren Vereinen und Verbänden. Die Generation der Menschen, die das bisher gemacht haben, ist mittlerweile in die Jahre gekommen. Leider haben aber aus der mittleren und jüngeren Generation, auch wenn dieses Forum gute Gegenbeispiele liefert, immer weniger Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen Lust und Interesse, solche Aufgaben zu übernehmen. Gerade bei denjenigen, welche gut geeignet wären, kann man dieses Desinteresse oft besonders feststellen. Das Resultat ist dann oft, das wichtige Positionen, wenn überhaupt, mit Leuten besetzt werden, die es zwar gerne wollen, aber nicht wirklich können. Wie wir dieses Problem lösen können, weiß ich auch nicht. Aber wir alle sind hier letztlich gefordert. Und denjenigen, die zwar immer alles fordern, aber selbst nie dazu bereit sind, selbst mit anzupacken und die Vereine eher als billige Dienstleistungsunternehmen sehen, sollten wir ab und zu mal den Wind aus den Segeln nehmen.
Zu guter Letzt, eine Anmerkung sehe ich etwas kritischer. Ob wir für "Waffennarren" oder "Amokläufer" gehalten werden, ist zwar wirklich erstmal Wurst, wir wissen es ja schließlich besser. Aber leider werden durch diese Sichtweise auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen beeinflusst, in denen wir uns bewegen können. Weitere Einschnitte können hier sehr schnell zu massiven Problemen führen. Ich habe hier schon länger den Eindruck, dass die maßgeblichen Stellen längst zur Strategie der kleinen Nadelstiche übergegangen sind, da sie uns frontal auf einmal nicht "erledigen" können. Man denke hier nur an Herrn Brennecke. Ich denke dabei auch nicht nur an das Waffengesetz. Man bedenke auch die massiven Auflagen beim Schießstandbau. Ein Neubau eines offenen Standes auch mitten in der Pampa ist de facto heute kaum noch möglich und auch der Unterhalt bestehender Stände verschlingt heute durch immer neue und höhere Auflagen teilweise immense Summen. Klar, ich vergaß, dabei geht es natürlich immer nur um die Sicherheit oder die Umwelt. Daher ist die öffentliche und veröffentlichte Meinung schon nicht ganz unwichtig.
Ich weiß, ich habe mich hier mit einigen Thesen sicher etwas weit aus dem Fenster gelehnt. Ich möchte daher zum Schluss auch anmerken, dass auch ich in dieser Hinsicht die Weisheit sicher nicht alleine gepachtet habe und dass man einige meiner Punkte sicher auch ganz anders sehen kann.
Mit bestem Schützengruß
Frank