Hallo Kogge,
ich habe an für sich überhaupt kein Problem mit diesen Lichtpunktgeräten. Sie mögen sicher einen gewissen Wert in Sachen Nachwuchsarbeit besitzen. Allerdings wird dieser meiner Meinung nach auch stark überbewertet. Man beachte, die Altersgrenzen im Schießsport bestehen schon seit den Siebzigern. Nachwuchsprobleme haben wir aber erst seit den späten Neunzigern und dabei ist unser Hauptproblem in Wirklichkeit gar nicht, Kinder und Jugendliche zu finden und für den Sport zu begeistern. Wir können sie nur nicht dauerhaft binden und unser größtes Problem sind seit längerer Zeit die fehlenden Erwachsenen im Bereich der Schützen- und Damenklasse. Des weiteren schaffen wir es nicht, in den Vereinen genügend auch gut qualifizierte Schützen zu finden, welche als Betreuer und Trainer fungieren. In nicht wenigen Vereinen findet sich schon heute niemand mehr, der in der Lage ist, dem Nachwuchs oder Neueinsteigern auch nur die elementarsten Grundlagen bezüglich Anschlag usw. zu vermitteln. Da frage ich mich schon, was da dann diese Lichtpunktgeräte bringen sollen.
Wie gesagt, ich habe kein wirkliches Problem mit diesen Lichtpunktgeräten und würden wir nicht seit mittlerweile vielen Jahren mit immer lauter werdenden Verbotsforderungen konfrontiert, bräuchte man über diese Sachen auch überhaupt nicht zu sprechen. Aber unter den jetzigen Vorzeichen birgt diese Technologie und deren Förderung große Gefahren. Immer einflussreicher werdende politische Gruppierungen, fast ausnahmslos und massiv unterstützt durch regelmäßige bundesweite Pressekampagnen, fordern weitere Verbote bis hin zu einem Totalverbot. Da bietet eine schon in den Vereinen eingeführte Technologie, welche scheinbar als völlig gefahrloser Ersatz dienen kann, das absolute Totschlagargument. Wer das als Schütze nicht versteht, ignoriert oder gar verneint, ist entweder sehr dumm oder aber nicht aufrichtig. Nicht aufrichtig, weil er insgeheim selbst von dieser waffenlosen Zukunft träumt bzw. sich diese insgeheim herbei wünscht.
Noch einmal, es geht also nicht um eine friedliche Koexistenz verschiedener Disziplinen, wie es bisher bei den noch bestehenden Disziplinen der Fall ist, sondern um einen Ersatz. Wobei ich dem einen oder anderen Schützen schon noch glaube, dass er nur diese friedliche Koexistenz anstrebt und nicht mehr. Aber diese Lichtpunktgeräte sollen langfristig alle bisher benutzten Feuerwaffen ersetzen. Die Nutzung aller bisherigen Feuerwaffen und der damit verbundene Erwerb und Besitz soll langfristig verboten werden. Das ist das erklärte Ziel unserer Gegner und weiter Teile der Politik und selbstverständlich ist es für die Politik viel einfacher, weitere Verbote zu beschließen, wenn sie sich hinstellen und sagen können, seht her, die 'vernünftigen' Schützen verwenden doch schon lange und sehr erfolgreich, wie man hört, diese völlig gefahrlose Technologie. Die 'vernünftigen' Schützen können also auch sehr gut ohne diese ach so gefährlichen Feuerwaffen auskommen. Das ist die Kernaussage. Dabei wissen wir alle, dass schon die angeblich so große Gefährlichkeit der Feuerwaffen im Schießsport schlicht ein Ammenmärchen ist.
Diese Verbotsforderungen sind real, weitere Verbote sind politisch machbar, kein Hirngespinst und daher ist es auch zwingend notwendig, dass wir Schützen uns die Frage stellen, ob wir uns zum jetzigen Zeitpunkt die Förderung bestimmter Technologien mit eher fragwürdigem Nutzwert wirklich leisten können, wohl wissend, dass wir damit die Rufe nach weiteren Verboten massiv unterstützen.
Selbstverständlich wird die Politik nicht von heute auf morgen sämtliche Feuer- oder gar Druckluftwaffen verbieten (können). Aber stellt euch mal vor, was nur ein Verbot von GK im Schießsport und speziell (auch) im DSB bedeuten würde. Schaut euch mal die Ranglisten des DSB und dessen Landesverbände an. Neben Auflage sind es hauptsächlich die GK-Kurz Disziplinen, wo es noch wirklich große Teilnehmerzahlen und sogar noch Zulauf gibt. Wie groß wäre wohl der Schaden, wenn diese Disziplinen verboten würden? Der Schaden würde jedenfalls in keinem Verhältnis zu den paar neuen Mitgliedern stehen, welche durch diese Lichtpunktgeschichte langfristig für den Schieß- oder dann besser Zielsport gewonnen werden können.
Und bitte, wer jetzt immer noch als 'nur' Druckluftschütze einwendet, GK wäre doch die Ursache aller Probleme und man brauche es ja wirklich nicht wirklich, ein Verbot wäre möglicherweise sogar besser, der möge sich einfach mal in seinem Kreis oder Bezirk oder auf der LM einen GK-Wettkampf anschauen. Er wird dort genauso friedliche und und verantwortungsbewusste Schützen, welche mit der gleichen Begeisterung und Passion wie auf einen Druckluftstand oder KK-Stand mit der SpoPi schießen, finden. Möglicherweise geht es dort sogar noch etwas entspannter und kameradschaftlicher zu als auf den Druckluftständen. Und das schreibe ich hier als fast ausschließlicher Gewehrschütze, welcher diese Disziplinen selbst gar nicht bestreitet.
Fazit: Diese Lichtpunktgeräte sind an sich kein Problem, auch wenn sie zur Zeit von ihren Befürwortern etwas zu sehr als das Allheilmittel schlechthin verkauft werden, was sie keinesfalls sind. Erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit ist jedenfalls auch noch ohne sie möglich, vielleicht sogar nachhaltiger, um das schöne Wort auch mal zu gebrauchen. Da sie aber, obwohl dafür völlig ungeeignet, von den Gegnern des Schießsports als Rechtfertigung und starkes Argument für weitere Verbote verwenden werden können, stellen sie zur Zeit eine massive weitere Bedrohung für den Schießsport dar. Deshalb beinhaltet dessen Nutzung und weitere Förderung zur Zeit auch massives weiteres Spaltpotenzial unter den Schützen, wie man ja auch hier zweifelsfrei nachlesen kann. Deshalb muss auch ganz klar eine Abwägung zwischen wirklichem Nutzen und den damit verbundenen möglichen Problemen und Gefahren getroffen werden. Und ja, es muss deshalb auch möglich sein, dieses Problem auch weiterhin in Schützenkreisen zu thematisieren und auch zu diskutieren.
Was dabei wirklich zählt, sind handfeste Argumente, nicht dümmliche Verbalattacken. Und Kogge, im Zweifelsfall muss ich mich nicht dafür schämen, dass mein geistiger Horizont offensichtlich etwas weiter reicht. Ich lebe und liebe unseren Sport jetzt seit fast 40 Jahren, vermutlich sogar deutlich intensiver als Du. Deshalb werde ich auch weiterhin Entwicklungen, welche aus meiner Sicht unserem Schießsport nur schaden können, kritisch begleiten. Ich weiß auch, dass es dort draußen viele Schützen gibt, welche das ähnlich sehen. Nur erheben diese Schützen ihre Stimmen nicht, weil es einfach nicht ihrem Naturell entspricht. Sie schweigen lieber, nehmen es hin und gehen schlussendlich irgendwann still und leise. Ich nicht! Jedenfalls nicht, solange ich noch kann.
In diesem Sinne und wie immer mit bestem Schützengruß
Frank