Nur mal so zum nachdenken:
Der wichtigste Grundsatz im Umgang mit Schusswaffen lautet, jede Schusswaffe ist immer als geladen anzusehen, und zwar ausnahmslos. Und daraus ergeben sich dann auch weitere Grundsätze, die da wären, ständige Beachtung, wohin die Mündung zeigt, sogar schon, bevor man die Waffe überhaupt aufnimmt oder auspackt, und dabei Finger immer vom Abzug.
Wenn diese Grundsätze immer konsequent befolgt werden, spielt es auch keine Rolle mehr, wenn eine Schusswaffe doch irgendwann mal und aus welchen Gründen auch immer noch geladen sein sollte. Und ja, so etwas kann alle Jubeljahre mal passieren. Wir sind alle manchmal schusselig und auch unsere Wahrnehmung spielt uns manchmal Streiche. Aber richtiges Verhalten kann man trainieren, bis es wirklich in Fleisch und Blut (ins Unterbewusstsein) übergegangen ist. Und nur so können auch die wenigen noch bisher verbleibenden Unfälle vermieden werden. Im Gegensatz dazu sind diese Fähnchen sogar gefährlich, denn sie verstärken ja sogar noch die im Zweifel fatale Unterscheidung zwischen geladen und ungeladen.
Es ist gerade diese Unterscheidung zwischen geladen und ungeladen, welche die Ursache für den Großteil der ganz wenigen, ich betone, ganz wenigen Unfälle im Schießsport ist. Weil derjenige der irrigen Meinung war, die Waffe war ungeladen, hat er sich leichtsinnig verhalten, nicht mehr beachtet, wohin die Mündung zeigte, möglicherweise sogar unbewusst mit dem Abzug 'gespielt'. Und da helfen dann auch keine Fähnchen mehr. Im Gegenteil, sie verstärken sogar noch den Kardinalfehler. Tausend Mal geht so etwas gut, weil dann die Waffe wirklich ungeladen ist und auch ein Fähnchen im Patronenlager steckt. Aber irgendwann ist dann doch mal, aus welchen Gründen auch immer, eine Patrone drin, der Schütze verhält sich aber wie gewohnt etwas zu leichtfertig, und genau dann kann es passieren, wenn die Grundregeln nicht beachtet werden. Und selbst das Nichtvorhandensein des Fähnchens nimmt er in seiner Routine auch gar nicht mehr wahr. Er verhält sich wie immer und da ist ja auch noch nie etwas passiert.
Das tatsächliche Problem bei dem Unfall in München, den GroMar hier ja sozusagen als eine Art Gegenbeweis angeführt hat, war auch nicht, dass die Waffe geladen war. Das Problem war, dass der Betreuer eben nicht die elementaren Grundsätze beachtet hat. Er hat die Waffe ausgepackt, ohne zu berücksichtigen, dass da jemand vor den Behältnis und damit auch vor der Mündung stand, und er hat wohl auch, was noch fataler war, den Ladezustand durch Betätigung des Abzugs überprüfen wollen. Jedenfalls hat er die Waffe ausgelöst. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass in diesem Fall auch das Fähnchen gar nichts genutzt hätte, denn das oder dessen Fehlen hätte er vermutlich wohl auch nicht wahr genommen.
Es ist wichtig, bei solchen Sachverhalten, wo es um die tatsächlichen Ursachen geht, nicht gleich nach dem naheliegendsten Gedanken aufzuhören. Und die Wissenschaft liefert unter dem Stichwort 'Risikokompensation' auch noch weitere Anregungen.
Und vor diesem Hintergrund stelle ich dann auch noch einmal die Frage, welche Gefahr geht nun wirklich von einer geladenen Schusswaffe, welche in einem dafür zulässigen Tresor oder Waffenraum aufbewahrt wird, zu dem nur der Berechtigte Zugang hat, aus? Und an Nullpunkt die wenn auch vermutlich vergebliche Frage, warum das denn nun wirklich so verantwortungslos und auch rechtlich nicht zulässig ist?
Und so ganz nebenbei, der betagte und körperlich behinderte Jäger aus Norddeutschland hat so einen Raubüberfall abwehren können und obwohl man ihm wegen der Tötung eines der Täter immer noch an den Kragen will, spielte das Thema Aufbewahrung dort bisher keine Rolle. Manche Waffenbesitzer, ich gehöre übrigens nicht dazu, sehen in der geladenen Schusswaffe im Tresor auch so eine Art Versicherung, eine Art letzte Notlösung für den Fall, der hoffentlich nie eintreten möge. Moralisch verwerflich oder total verantwortungslos? Ich meine nein und in meiner Jugend war es hier bei uns auf dem Land auch noch üblich, dass der Drilling gleich an der Garderobe hing. Opfer oder Missbrauch? Fehlanzeige. Und selbst meine liebe Oma, die nie in ihrem Leben jemanden etwas zu leide getan hat, hatte ihr Waltherchen immer in ihrer Kitteltasche. Aber keine Sorge, weder Oma noch das Waltherchen weilen noch unter uns.
Und an GroMar: Ordne mir bitte keine Aussagen zu, die ich so nicht getätigt habe.
Mit bestem aber vermutlich trotzdem irgendwie sinnlosem Schützengruß
Frank - und auch dieser Beitrag stellt kein Plädoyer für eine geladene Schusswaffe im Tresor dar