Hallo Doreen,
Das 'Problem', welches Du beschreibst, ergibt sich durch unsere Kopfhaltung. Ich versuche mal, es etwas anschaulicher zu beschreiben.
Wenn wir uns auf den Bauch legen und dabei den Kopf in seiner natürlichen Position bzw. Haltung lassen, dann schauen wir ja geradewegs auf den Boden. Um nach vorne bzw. geradeaus schauen zu können, müssen wir den Kopf in den Nacken legen und den Oberkörper auch etwas anheben. Je senkrechter der Kopf dabei kommt, und das ist ja auch dessen natürliche Position, wenn wir stehen oder aufrecht sitzen, um so entspannter wird dabei auch unser Sehvorgang.
Wenn wir den Kopf aber nicht ganz in diese aufrechte Position bekommen, wie das z. Beispiel auch beim Liegendanschlag in der Regel der Fall ist, dann müssen wir, wie Du es ja auch schon beschrieben hast, nach oben schauen, also das Auge etwas aus seiner natürlichen Blickrichtung bringen. Dazu sind Muskeln notwendig und diese Anspannung ist auf Dauer auch sehr anstrengend und belastend für das Auge. Kommt noch hinzu, dass bei diesem Blick 'nach oben' auch noch leicht unsere Wimpern und sogar das Augenlid stören können.
Somit bleibt als Lösung, den Kopf im Liegendanschlag möglichst aufrecht hinter den Diopter zu bekommen. Dazu ist es, wie schon gesagt, nötig, den Kopf möglichst weit in den Nacken zu legen. Allerdings ist es so, dass uns Menschen, die wir uns ja alle anatomisch etwas unterscheiden, da unterschiedliche Grenzen gesetzt sind. Was der einen Person noch nahezu spielend gelingt, ist für eine andere Person schon ein Ding der Unmöglichkeit. Regelmäßige Dehnübungen können allerdings helfen, den Bereich zu erweitern und diese Haltung auch angenehmer zu machen.
Aber weiter im Text: Wenn es Dir nun gelingen sollte, den Kopf etwas weiter in den Nacken zu bekommen, ihn also quasi etwas mehr zurück zunehmen, dann können und sind bei ansonsten gleicher Lage des Gewehrs und des Körpers wahrscheinlich auch Korrekturen sowohl der Visierlinie als auch der Schaftbacke nötig. Dein Kopf kommt durch die mehr aufrechtere Position ja auch etwas höher und deshalb müssen dann auch die Schaftbacke und auch die Visierlinie etwas weiter nach oben kommen. Es kann auch sein, dass auch der Diopter dabei etwas mehr nach hinten muss. Sollte es aber gelingen, dabei auch noch den Oberkörper etwas tiefer zu bekommen, dann können diese Korrekturen der Visierlinie und Schaftbacke eventuell auch unnötig sein.
Zur Thematik der Visierlinenerhöhung habe ich in dem folgenden Beitrag schon mal etwas geschrieben.
Visiererhöhung
Kurzes Fazit: Wenn Du eine Visierlinienerhöhung auf das Gewehr schraubst, muss diese hinten immer etwas stärker ausfallen als vorne. Da die im Handel angebotenen Klötzchen aber immer gleich stark sind, muss entweder die fehlende Höhe durch Verstellen des Dipoter (bei Tief) ausgeglichen werden, wobei man da aber an die Grenzen des Verstellbereichs kommen kann, oder aber man verwendet hinten noch zusätzlich ein weiteres schmales Klötzchen.
Schau Dir mal den Anschlag und besonders die Kopfhaltung von Constanze Rotzsch an:
Mein Liegendanschlag! Tipps,Tricks & Erläuterungen
Auch wenn ich auch ein paar Punkte, die sie da so von sich gibt, für problematisch oder zumindest für missverständlich halte, so zeigt die kleine Einblendung doch sehr schön ihre doch recht aufrechte und damit auch natürliche und entspanntes Sehen ermöglichende Kopfhaltung bei einem ansonsten doch noch recht flachem Anschlag.
Mit bestem Schützengruß
Frank