Alles anzeigenHallo Scherge,
ich möchte hier noch etwas ergänzen, weil ich denke dass das so zu Missverständnissen führen könnte.
Tatsächlich schwingen die Lichtwellen, die auch auf unsere Augen treffen, in allen denkbaren Richtungen.
Ein Polarisationsfilter lässt nur die Lichtwellen durch, die sich im selben Bereich ihrer Schwingungsebenen befinden.
In der Fotographie wird dieser Effekt genutzt, um störendes Licht herauszufiltern das aus Reflexionen entstand. Zum Beispiel von metallische Oberflächen oder Wasserflächen.
Eine bekannte Anwendung von Polarisationsfiltern sind diese Brillen für das 3-D Kino.
Auf der Leinwand gibt es dabei zwei, sich überlagernde Bilder. Das eine Bild ist für das eine Auge bestimmt, und wurde nach der Projektionslinse durch einen lotrechten Polarisationsfilter geschickt, das Bild für das andere Auge ging durch einen waagrechten Filter. So sind zwar beide Bilder übereinander auf der selben Leinwand, aber schon an das jeweilige Auge "adressiert"
In dieser 3-D Brille werden die beiden Bilder dann wieder getrennt: Das eine Brillenglas lässt das Licht durch, das in der lotrechten Richtung schwingt und für das dahinter liegende Auge bestimmt ist, das andere Brillenglas nur das Licht in der waagrechten Richtung für das andere Auge.
Mit dieser Technik bekommt jedes Auge nur das Bild zu sehen das für es bestimmt ist, und das dreidimensionale Kino in Farbe wurde möglich.
Legt man 2 Polarisationsfiltere aufeinander und verdreht die zueinander, dann nimmt das Licht mit zunehmender Verdrehung ab. Und sobald die beiden Filter einen Winkel von 90° zueinander haben, kommt gar kein Licht mehr durch die beiden Filter. Der eine filtriert die senkrecht schwingenden Wellen, der andere die waagrecht schwingenden Wellen.
Und die Polarisationsfilter an unseren Dioptern funktionieren genauso: Je weiter man sie zueinander verdreht, um so weniger Licht geht durch.
Der einzige Mensch, bei dem die Brille mich nicht geniert, ist Zelter. Bei allen anderen ist sie mir fatal. Es kommt mir immer vor, als sollte ich den Fremden zum Gegenstand genauer Untersuchung dienen und als wollten sie durch ihre gewaffneten Blicke in mein geheimstes Innere dringen und jedes Fältchen meines alten Gesichtes erspähen.
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Johann Wolfgang von Goethe