Als lange Zeit Still-Mitlesender habe ich jetzt aber doch mal beschlossen mich hier an zu melden.
Als einigermaßen wenig begnadeter Hobbyschütze nehme ich bewusst zu vielen anderen Threads keine Stellung. Jedoch als Lehrer an einem sportbetonten Gymnasium erlaube ich mir hier ein wenig Expertise einzubringen, da hier doch vieles nicht wiedersprochen stehen bleiben sollte.
Ein Studium ist für Bundes-Kader-Sportler - nach meinen Recherchen - ausgeschlossen. Entweder studieren (gern auch für Polizei oder Truppe), aber dann keine Sportförderung. Oder Sportfördergruppe - aber dann kein Studium! Damit ist "Sport" als Lebensunterhalt nichts für Leute mit gutem Abitur. Soviel zum "was bieten".
Meine Bundeskaderschützin wird ihre Sportkarriere an dem Tag an den Nagel hängen, an dem sie mit ihrem Studium beginnt (Das weiß auch die Bundestrainerin). Vielleicht wird sie - viel später - mal selbst Trainerin. Oder auch nicht, das wäre jedoch schade.
Das ist so komplett falsch. Das müsste spätestens aber die Bundestrainerin, die du erwähnst, wissen.
Bundes-Kader-Sportler können sehr wohl studieren. Das nennt sich Duale Karriere und wird auch z.B. von der Sporthilfe gefördert. Es gibt sogar ein extra Studien Stipendium:
https://www.sporthilfe.de/foerderer/wirt…/deutsche-bank/
Und auch bei der Bundeswehr ist es durchaus in Absprache mit der Bundeswehr möglich ein Studium zu absolvieren:
https://www.bundeswehrkarriere.de/bundeswehr-spo…rung-bundeswehr
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Carcano
Du erwähnst immer wieder die Sportwissenschaft..... und ihre Meinung zur Kaderstrategie.
Fast alle deine Aussagen beruhen nach deinen Ausführungen auf der Diss von Andreas Albert, die in meinen Augen Ergebnisse hat, die man auch zerteilt betrachten sollte.
Für alle in der Kurzübersicht:
1329 Athleten/innen D-Kader in Baden-Württemberg im Eingangstest.
1073 davon 4 Jahre später im Ausgangstest.
Aufgrund deiner Äußerungen, da du immer z.B. die Talentstützpunkte des WSV erwähnst und das LLZ in Pforzheim ausnimmst.
D-Kader sind die direkten Kader unter der Nationalmannschaft - also in dieser Untersuchung explizit die Ebene des LLZ in Pforzheim und eben nicht die Landeskader (eine Stufe tiefer) in Württemberg, Baden und Südbaden.
Herr Albert hat nun verglichen wo der Unterschied ist, zwischen denen die in diesem Zeitraum Ihre Kaderkarriere aufgegeben haben und denjenigen, die sie fortgesetzt haben. Dabei werden ein paar erstaunliche Sachen deutlich:
z.B.
"Bei der Betrachtung der Ergebnisse, wird deutlich, dass die Gruppe der Aussteiger (SDF) angibt, dass sie sich aufgrund des Leistungssports finanziell weniger einschränken musste ..."
"Überraschend zeigt sich, dass vor allem in Bezug auf die regelmäßige Trainingsarbeit im Verein die Aussteiger (SDF) durch die größte räumliche Nähe zum Trainingsort gekennzeichnet waren."
Die Beurteilung der Aussteiger fällt in folgendem Punkt wesentlich schlechter aus: Die Trainer kümmern sich um Bereiche des aussersportlichen (Hilfestellung bei persönlichen Problemen, Freizeitaktivitäten des Clubs / der Trainingsgruppe)
Das durchschnittliche Sportbeginnalter der untersuchten Gruppe lag
Sein Fazit beginnt Albert (unter anderem) ja mit den Worten, "dass Deutschland bezogen auf die Erneuerungsrate im Bereich der Bundeskader im internationalen Vergleich deutlich hinter anderen Nationen wie den USA und China zurückbleibt.
Dass diese Nationen aber auch eine deutlich höhere Anzahl an Einwohnern haben und somit mehr Talente durch die Systeme bringen, womit dann immer wieder gute Nachrücken bleibt er schuldig. Flapsig gesagt wir haben eben nur einen Herr Reitz, in China gibt´s da mehr von.
Wenn man nu sieht dass von den 1073 Athleten/innen am zweiten Untersuchungszeitpunkt noch 903 in ihrer Sportart aktiv sind, finde ich das sogar bemerkenswert hoch und komplett gegenläufig zur Meinung dass die Jugendlichen oft die Sportart wechseln.
Wie unterschiedlich allerdings verschiedene Untersuchungen sein können zeigt sich an der Analyse: Erfolgsfaktoren der Athletenförderung in Deutschland.
Hier wird gesagt dass Geld ein wichtiger Faktor ist. (z.B.)
Allerdings betonen beide Dinge dass das Einstiegsalter relativ jung ist. Dies ermöglicht lange Trainingsjahre. Jetzt könnte man sagen, dass dies aufgrund hoher Leistungsalter im Sportschießen nicht zutrifft. Wenn ich mir aber auf issf-sports.org die Athletenprofile anschauen und das Einstiegsalter von vielen Vergleiche, stelle ich fest, dass es auch hier die große Mehrheit ist, die früh angefangen hat.
Beispielhaft:
Christian Reitz geb. 1987 Schießbeginn: 1997
Barbara Engleder geb. 1982 Schießbeginn: 1994
Henri Junghänel geb. 1988 Schießbeginn: 1998
nur um drei Beispiele zu nennen. Natürlich gibt es Ausnahmen aber ich hab bestimmt 30-40 Profile durchgeklickt und hab nur sehr wenige davon gefunden. Im Gegenteil, die Asiaten fangen sehr früh an.
Wenn ich mir Trainingstheorien anschauen wie das Alter der sensiblen Phasen im motorischen lernen (grob gesagt um das 12 Lebensjahr herum) Trainingsumfangstheorien wie die von Erricson (10.000h in 10 Years), dann dürfte auch klar werden warum das nicht ganz so schlecht ist, in dem Alter anzufangen.
Wenn man nun das Argument nutzt, dass viele Leute recht schnell aus dem Kader wieder aussteigen, so kann man vielleicht noch 2 Punkte nennen.
Zum einen bemängelt Albert ja gerade diesen langsamen Austausch (im Verhältnis USA & China) zum anderen es werden nach oben eben immer weniger.... ich möchte nicht wissen wie viele 100 D-Kader in Deutschland rumsporteln. Nach oben wird die Luft eben dünn.
Zum anderen ist gerade eine lange Kaderkarriere laut ( Erfolgsfaktoren der Athletenförderung in Deutschland ) ein absoluter Indikator für Weltklasseleistung.
Abschließend zu dem Punkt ein eigenes Beispiel aus dem Ort.
Die größte Jugendabteilung hat bei uns der Gesangsverein - "Megacool" singen - und doch. Die Jugend macht regelmäßig Ausflüge, bietet einen Jugendraum, so dass die Jugendlichen unter sich sein können und nicht im verstaubten Kneipenraum sitzen müssen. Kurz um es wird sich gekümmert. Und die Jugendabteilung umfasst sämtliche Altersgruppen inklusive meinem 16 jährigen Sohn und meiner 12 jährigen Tochter. Und wenn die Gruppe Spaß hat, wenn das überschlägt wird es was. Gesanglich haben sie erst wieder einen Preis gewonnen.
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Carcano
Der DSB hat sich Projekte (Plural) fördern lasen, in denen es um die Übertragung von Handball Sachen geht?????
Was hat Handball mit Schießen zu tun?
Ok nachgeschaut..... tatsächlich ein Projekt gefunden. Wo es um Psychologie ging / geht.
Wo allerdings Du eine sportwissenschaftliche Führungsstellung des Handballbundes siehst würde mich echt interessieren.
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Also zusammengefasst - ohweh das war viel Text - ich befürworte total die hier zu Grunde liegende Idee.
Wichtig ist dass die die da sind mit Spaß an der Sache sind. Wie dieser erzeugt wird, kann sehr breit sein (Stichwort Gesangsverein). Und wenn sich dieser Spaß herumspricht, und auch einige Erfolge da sind, wird es in einen Augen ein leichtes sein da was am Laufen zu halten.
Und wenn ihr bereits erste Ansätze habt - toll.
Wenn noch nicht - die Aktivitäten, wie Sommerferienprogramm etc. wurden angesprochen. Und wenn immer nur einer hängen bleibt.... wenn der Spaß hat und was trifft.......
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Off-Topic noch eines:
Ich lese seit längerem hier mit. Es fällt mir immer wieder auf wie Themen die man glaube ich schnell lösen könnte zeredet und hin und her diskutiert werden.
Es gibt beim DSB doch Ansprechpartner.
Zum Thema Talentdiagnostik etc. hatte ich auf der letzten DM das Glück mich lange mit 2 Bundestrainern des DSB unterhalten zu dürfen, die an einem Talentmessungscontainer anzutreffen waren.
Gerade mit einem Trainer der für Wissenschaft zuständig ist, hatte ich eine äußerst zielführende Diskussion.
In meiner Funktion in der Schule habe ich schon etliche Verbände angeschrieben (Handball, Fußball, Turnen) und überall relativ schnell gute bis sehr gue Antworten bekommen.
Funktioniert das beim DSB nicht? (da noch nicht gemacht, keine eigene Bewertung möglich)