Einzelne Körner hauspicken ist besser, als nur zu lesen und gar nichts zu kommentieren @Carcano von daher ist das vollkommen in Ordnung so.
Ich muss jedoch ein paar Dinge vielleicht noch hinzufügen bzw. zu genannten Dingen von dir Stellung nehmen.
In beiden Punkten hast Du recht. Das WaffG gibt in § 27 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 eine Untergrenze vor, und die lässt sich bis auf 10 Jahre nach unten erweitern. In Frankreich ist der Einstieg etwas früher als hier (ab 8 Jahren).
Neuer Zuwachs wird überwiegend nicht mehr aus den Altersgruppen "Kinder" und "Jugendliche" kommen (ganz anders als z.B. bei Schwimmvereinen und im Fußball), sondern frühestens ab (AB !!!) Ende 20; das warr mit dem obigen indirekten Zitat wohl auch ursprünglich gemeint.
Realistisch ist aber ein Neueinstieg und Wiedereinstieg (beides trenne ich erst einmal nicht) in den oberen Dreißigern oder Vierzigern.Kinder und Jugendliche kannst Du sinnvoll und zielgerichtet ohne zu hohe Reibungs- und Unterwegsverluste nur noch aus Migranten (ggf. auch 2. Generation) abschöpfen und gezielt aufbauen. Viele andere Sportarten haben das _längst_ begriffen und haben es vor allem auch massiv und offen medial thematisiert. Schützen kapieren's noch nicht.
Seit einigen Jahren bietet sich den Vereinen doch die Möglichkeit, dass man sich für die Jugendarbeit Lichtpunktsysteme ("Lasergewehre/-pistolen") zulegt. Somit fällt die Altersgrenze von 10 Jahren weg. Man kann also auch bereits früher anfangen. Und saubere Technik lässt sich damit auch vermitteln bzw. kontinuierlich aufbauen. Ganz davon ab: Ausnahmegenehmigungen erteilt der ein oder andere Landkreis auch bereits vor dem 10. Lebensjahr.
An Jugendlichen mit Migrationshintergrund haben wir bislang keinen einzigen erreichen können. Das liegt aber mitunter vielleicht auch an unserer ländlichen Beschaffenheit und dem bisherigen Nichtvorhandensein eben jener Menschen mit Migrationshintergrund. Aber die Vereine in der Nähe, die von so etwas profitieren könnten, selbst die haben sogut wie keine solcher Schützen in ihren Reihen.
Und wenn ich in den Vereinen hier bei uns mal die Altersstrukturen analysiere, so stelle ich fest, dass doch mehr wirkliche Jugendliche zum Schießsport hinzugewonnen werden als eben ältere. Bei "älteren" liegt - meiner Ansicht nach - die Schwierigkeit in verschiedenen Punkten: Arbeitssituation, Familie bzw. Familiengründung, etc. etc. Da ist also wenig Spielraum für Mitgliedergewinnung bei 20+. In den letzten Jahren haben bei uns lediglich zwei Schützen den Weg in den aktiven Schießsport gefunden, die über 20 sind. Beide im 40er-Bereich. Und das auch nur, weil ihr eigener Sohn (Schülerklasse) seit drei Jahren bei uns aktiv ist. Wenn also der Sohn nicht im Jugendbereich gewonnen worden wäre, hätten wir auch diese beiden nicht als Mitglieder und als aktive Schützen hinzugewonnen.
Diese Feststufe ist aber in 5 bis 7 Jahren ausgebrannt, und das wirst Du feststellen. Damit hat sich in den letzten 10 Jahren auch die Sportwissenschaft sehr intensiv auseinandergesetzt; nur sind die Erkenntnisse in vielen Fachverbänden noch nicht angekommen.
Auch wir merken natürlich, dass es nicht leichter wird, neue Jugendliche/Personen für unseren Sport zu begeistern. Aber wenn man Jugendtage veranstaltet, sich bei Ferienspielen oder Märkten beteiligt, so zeigt man Präsenz und diese kann dann wiederum dazu führen, dass man neue Gesichter im Training begrüßen kann. Man muss jährlich an Konzepten pfeilen. Man muss entsprechende Werbung betreiben. Man darf auch gerne auf die "modernen Medien" (á la social network) zurückgreifen, damit man den Menschen allerzeit auch präsent ist - das mag für die einen nervig sein, aber darauf zielt Werbung im allgemeinen ja ab.
Ja, und Kader ist auch nicht gleich Kader. Bayernkader oder Hessenkader will schon etwas heißen. In meinem SBSV dagegen können wir die auf dem Papier vorgesehenen Kaderplätze mangels Masse überhaupt nicht besetzen.
Da du es nicht wissen kannst: ich bin aus Hessen. Entsprechend weißt du dann auch nun, auf welchen Kader ich mich in unserem Fall beziehe.
Eine Entwicklungslinie in den Kadern und Landesverbänden muss natürlich auch stattfinden. Das liegt zum einen an den Landestrainern, zum anderen aber auch an dem Landesjugendleiter sowie seinen Gau- und gegebenenfalls Kreisjugendleitern. Diese haben durchaus in der Hand, dass sie etwas entwickeln bzw. beeinflussen können. Und bei den Kreisjugendleitern setzen dann wiederum die einzelnen Vereinsvertreter an - sofern man ihnen eine gewissen Mitsprache oder Zuwortmeldung denn zugesteht. Bei uns findet entsprechender Austausch regelmäßig statt.
Und der Landesjugendleiter mit seinen Landesjugendsprechern arbeitet durchaus im Sinne und Wohle der Jugend. Zum Teil reagiere auch ich da mit einem gewissen Unverstädnis, wenn man z.B. das Jahrgangsschießen oder den Shooty-Cup dermaßen auflockert, dass alle eingeladen werden, auf der anderen Seite gibt man aber den Jugendlichen auch die Möglichkeit einmal mehr an einem großen Wettkampf und fremden Stand zu schießen und eine Art "Training unter Wettkampfbedingungen" (für viele ist es ja genau das) für die Landesmeisterschaften zu haben. Darüber hinaus wird das Kleinkaliberschießen durch Jahrgangsschießen im Liegendkampf und Sportgewehr seit einigen Jahren auch gefördert (nur Gau- und Landesebene, Kreisebene fällt weg). Und es gibt einen größeren Wettkampf mit dem Lichtgewehr/-pistole ein Mal im Jahr.
Ihr braucht _einen_ Trainer, ja. Aber nicht notwendigerweise mit C aufwärts, so gut das wäre. Denn das deutsche Lizenzwesen ist verheerend fehlentwickelt und dysfunktional. Überhaupt nicht bedarfsorientiert. Es ist zum Haareraufen.
Genau das meinte ich ja auch. Ich selbst sehe keine direkte Notwendigkeit einen Trainer mit Schein zu haben, wenn man in den eigenen Reihen - so wie wir - zwei Schützen, die mittlerweile in der Schützenklasse ("Herrenklasse") sind, hat, welche auf mehrjährige Kadererfahrung zurückgreifen können.
Beste Grüße!