Heute Abend hatte ich die Gelegenheit in unserem Vereinsarchiv (immerhin 567 Jahre) etwas zu blättern und bin dabei über einen Streitfall aus dem Jahr ca. 1900 gestolpert. Damals wurde bei uns in der Stadt nur Feuerstutzen geschossen. Da die Disziplin auf 130 ins Freie geschossen wurde, fand das Training nur in den Sommermonaten statt. Einige Mitglieder wollten auch im Winter schießen und stellten den Antrag in der Generalversammlung, dass man künftig auch Zimmerstutzen anbieten solle. Der Antrag wurde abgelehnt, weil es sich dabei nicht um richtige Waffen handelt und weil Zimmerstutzen etwas für arme Leute sei. Die Betroffenen haben kurzerhand einen eigenen Verein gegründet und haben sich ausgegliedert. Über 100 Jahre späöter ist festzustellen, dass Zimmerstutzen in Oettingen immer noch geschossen wird, Feuerstutzen aber nicht mehr.
Was ich damit sagen will: Der Schießsport hat sich schon immer gewandelt und wird das auch künftig tun. Großkaliber wird aus meiner Sicht in den nächsten Jahren von alleine weniger werden, weil die Preise weiter steigen. Habe letzten Monat bei einem gewerblichen Wiederlader angefragt wie viel Euro er will, wenn er meine 100 Feuerstutzenhülsen lädt. Seine Antwort: 200 EUR. Ganz ehrlich, da überleg ich nicht mal, ob ich die Munition will. Um das Geld kauf ich mir lieber KK- der LG-Munition. Von daher wird sich der Sport weiter verändern und auch Lichtgewehr wird seinen Einzug in das Regelwerk finden, ist ja von der DSJ bereits angedacht.
Eine Weiterentwicklung im Schießsport hat es immer gegeben. Sicher. Auch sind eben andere Schußwaffen/Disziplinen dazu gekommen, bzw. andere sind wieder verschwunden. Das hatte damals wie heute vielleicht auch verschiedene Gründe. Veränderung der Gesellschaft, Weiterentwicklung von Schußwaffen, die Kosten, "weniger" Platz für Schießstände, "Ärger" mit Anwohnern. Und sicher gibt es für die Lichtgewehre auch irgendwann die entsprechenden Disziplinen, wobei ja hier auch der Gesetzgeber "vorbehalte" hat. Meine Bedenken für die "Werbung" dafür habe ich angebracht. Nicht weil ich die Nutzer und Beführworter kränken will, nein, weil ich unsere Politiker kenne. Mehr nicht. Hier wird aber über eine evolutionäre Entwicklung gesprochen, die nur auf politischen Verbotswünschen beruht.
Ich hätte aber einfach mal noch eine generelle Frage, auch auf die Gefahr hin, dass dies OT ist!
Mir gingen einfach bestimmte Zeilen hier nicht aus dem Kopf heute Nacht. Leider. Ich bin einfach so. Denke ein ganz "netter" Mensch zu sein, zumindest behaupteten dies einige meiner Kollegen vor Weihnachten, als ich mitteilte, dass ich das Unternehmen nach Weihnachten verlassen muss.
Warum diese Abneigung gegenüber GK? Warum die Forderungen, GK doch "sterben" zu lassen und das Hobby anderer Schützen zu opfern. Was sind hier die Beweggründe. Meint man, dann selbst wieder "Ruhe" zu haben? Oder ist man wirklich der Meinung, etwas für den Sicherheitsgewinn zu tun? Ich möchte das gerne verstehen, damit ich da vielleicht, ich weiß nicht, "Ängste" nehmen kann.
Ich meine, in fast ganz Europa gibt es den legalen Waffenbesitz für zivile Zwecke. In manchen Ländern strenger, in anderen lockerer. In Österreich kann man noch heute seine LW frei ab 18 kaufen, muss diese nur seit neuesten gemäß der EU-Richtlinien anmelden. Wiederladen ist überhaupt keine große Sache, Treibladungsmittel unterliegen keinerlei "Bedürftnisbescheinigungen", sind ebenfalls frei. Und so geht es in anderen EU-Ländern auch zu. Seltsamerweise gibt es aber gerade nur bei uns nun diese extremen Diskussionen, bestimmte Schußwaffen generell zu verbieten. Auch eben in den eigenen Reihen. Warum. Ich weiß schon, dass es auch in der Schweiz oder Österreich dazu Diskussionen gab. Aber diese flammten nun nicht auf, nur weil es in USA diese böse Tat gab. Dazu muss ich sagen, hätte solch eine Tat vor 10 Jahren noch, auch bei uns keinen auf den Plan gerufen.
Ich muss sagen, ich bin auch nicht mit allen Entwicklungen im BDS "zufrieden". Versteift man sich doch zu sehr auf dynamische Disziplinen. Ich werde aber den Teufel tun und anderen Schützen ihr Hobby vermiesen wollen.
Auch kann ich mir die Aufregungen zu IPSC nicht wirklich erklären. Keiner der Täter, ob hier oder in USA betrieb diese Schießsportart. Ich behaupte auch mal ganz frech, dass waren eh keine wirklichen Sportschützen. Auch kann ich mich bei uns an keinerlei solcher Taten in letzten Jahren mit diesen neuen SLB´s ala AR15 erinnern. (Der Täter in Bad Reichenhall Ende der 90er schoss meines Wissens mit einem .30 Carbine M1, ist aber nicht relevant). Irgendwelche Taten mit anderen GK-Büchsen, seis Mehrlader oder Einzellader sind mir persönlich überhaupt nicht bekannt. Diese Waffen tauchen nicht in straftatsrelevanten Statistiken auf, weder in DE, noch beispielsweise in Kanada (die hatten das eben erst rel. aktuelle abgeklärt, aus gegebenen Anlass), oder wo auch immer. In den anderen EU-Ländern kommen leider eher mehr Menschen durch Jagdunfälle zu schaden, als durch sowas.
So frage ich mich. Wo ist das Problem? Wo sehen Schützen im DSB, Vorstände im DSB hier die Probleme. Haben wir wirklich unseren "Seelenfrieden", wenn BDS und Co. aufgelöst sind und der DSB alle restlichen GK-Disziplinen geopfert haben.
Schöne Weihnachten....... 
PS:
@MichaelB: 200.-€ für 100 Schuß 8,15er sind schon der Hammer! Die Materialkosten dürften hier VK bei 25.-€ ohne Hülsen liegen. Gibt es im Schützenkreis keinen Kameraden, der Dir die laden kann? Sowas ist ne Sache von zwei Stunden wenn´s gut geht. Hmmm... Schade, wenn solche Büchsen nicht mehr ausgeführt werden......