Ich komme mal zurück zum Anfang des Threads:
Für viele Meisterschützen sind die Äußerungen von Prolegal zu direkt, zu polemisch, zu aggressiv.
Für mich und andere wie Michael Kuhn und Dan More sind die Äußerungen von Prolegal zu sanft, zu begüternd bis vor 2 Monaten gewesen.
Woran liegt das?
Die einen erhalten die Nachrichten, die die Verbände verteilen und die anderen haben selbst Research betrieben.
So habe ich zum Beispiel seit Winnenden viele Stunden am PC verbracht, mir englische Dossiers und Abhandlungen durchgelesen, informiere mich über die Kleinwaffenkonferenz der UN in New York, über das Gun Control Network in Groß-Brittanien, bin mit indischen Schützen, südafrikanischen Schützen, finnischen Jägern, irischen Schützen, Großhändlern, Herstellen und Poltikern in Kontakt. Ich kenne die EU-Richtlinie von 1991, von 2008 und die neue Verordnung für den Versand in Drittstaaten, die gerade im Raum steht. Ich lese die Prep Com Statements der PoA durch, sowie mehrere Jahrbücher des Small Arms Survey, habe mir die Datenbank der SIPRI in Norwegen angeschaut, die Daten der Universität von Sidney, bin mit der IWÖ in Kontakt, mit anderen deutschen Händlern und Herstellern, bin Wikipedia-Autorin geworden, deren Pro-Waffen-Artikel nicht mehr gelöscht werden u.v.m.
Ich kann von mir behaupten, dass ich - unter anderem durch zehn geänderten und neu geschaffenen Wiki-Artikel bzgl. des Waffenrechts - in den letzen 9 Monaten mehr für die Öffentlichkeitsarbeit Pro-Waffen getan habe als das FWR in den letzen 14 Jahren.
Ich möchte damit nicht die Arbeit des FWR im "Hinterzimmer" verniedlichen. Dieses ist unbedingt nötig. Ohne die Kontakte von Herrn Keusgen und den Verbandsspitzen zum BMI, die auf Vertrauen und Loyalität beruhen, würde ein Gespräch mit den Entscheidungsträgern in der Politik und im Ministerialamt wesentlich schwieriger sein.
Ich bin aber - im Gegensatz zur Meinung von Michael Beutlin u.a. hier im Forum - der Meinung, dass die Öffentlichkeit von den Verbänden die letzten 14 Jahre vergessen wurde.
Schützen und Jäger hatten sich jahrzehntelang verkrochen, um nicht aufzufallen. Sie und ihre Verbände haben keine PR gemacht. Dies rächte sich evident im März 2009. Wegen des fehlenden realen Bildes, was ein LWB darf, möchte und nicht darf, konnten sich die Journalisten phantasievoll die dunkelsten Gedanken machen. Ohne Gegenwehr wurden in den letzten Jahren viele Artikel von Journalisten verfasst, die man als "Hetzartikel" beschreiben könnte. Wir Legalwaffenbesitzer sind in den letzten Jahren eine diskriminierte Minderheit geworden: in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz und überall in der Welt. Woran liegt das?
Dr. Michel North, ein Vater eines Dunblane-Opfers von 1996, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den privaten Waffenbesitz auf der gesamten Welt zu verbieten. Er hat dazu zunächst das Gun Control Networt in England gegründet, das den Semi-Automaten-Bann in UK und Australien bewirkt hatte. Dann waren in UK die Schreckschusswaffen dran und aktuell die Druckluftwaffen. Herr North hat auch die erste internationale Konferenz von Waffengegnern organisiert und ist Gründer der IANSA. Die IANSA hat 500 Mio. Mitglieder in 800 Organisation in 120 Ländern und ist bei allen Kleinwaffenkonferenzen der UN mit Rederecht vertreten. Die IANSA hat das Aktionsbündnis Winnenden kreiiert, die Waffeninitiative in der Schweiz unterstützt und ihre Vertreter sind in den Vorbereitungs-Kommitees für die UN Kleinwaffenkonferenz, für die Datenbeschaffer Small Arms Survey (CH), SIPRI (NO), UNODA, UNIDIR u.a. . Sie wird mit Millionen-Beträgen - u.a. von den Regierungen von Großbrittanien, der skandinavischen Länder, der Schweiz, von vielen Foundations und wenigen Multi-Milliardären - in ihrer Arbeit unterstützt. Unsere Gegenseite hat 100 Mio. Mitglieder und kaum Vereinsbeiträge, die in die internationale Öffentlichkeitsarbeit fließen.
Im Gegensatz zu den Verbänden und dem FWR lassen wir die Journalisten nicht in Ruhe. Wir reagieren, bringen Fakten, suchen die Diskussion. Dies schafft Öffentlichkeit, Unruhe u.v.m, was auf der einen Seite postitiv ist (viele Leserkommentare der letzten Monate sind nicht mehr generell gegen Waffen) aber auf der anderen Seite die politischen Gespräche im Hinterzimmer stört. Dazu muss ich sagen, Hinterzimmer wollen immer Ruhe. Denn Ruhe ist die oberste Bürgerpflicht. Auf der anderen Seite hätten unsere Vertreter, wenn Maximalforderungen von der Öffentlichkeit mal von unserer Seite und nicht von der Gegenseite kämen, auch eine andere Verhandlungsbasis für die Kooperation.
Die Gewerkschaften haben es uns vorgemacht: will ich 5% muss ich 10% fordern.
Zu den Kritikern an Prolegal, sowie Michael, Dan More und (sicherlich auch) an meiner Person:
Will ich den Erhalt des Privatbesitzes wie 2002 muss ich Erleicherungen fordern, d.h. ich brauche PR im Außenraum. Wenn draußen alles ruhig ist, nehmen die Entscheidungsträger eine Salmischeibe nach der anderen weg.
Die Verbandsspitzen wollen eine ruhige Basis, um bei den Politikern sagen zu können, wir haben alles im Griff. Dabei verliereren sie jedes Mal 10-30% der Rechte, die Legalwaffenbesitzer davor hatten. Wir fordern die Basis auf, 150% zu fordern. Dies in der Hoffnung, dass die Politik uns 100% erhält.
So stellt sich die Frage: Jedes mal ruhig bleiben und bis zu 30% weniger hinnehmen oder laut werden und 100-110% bekommen? Welcher Weg ist der bessere?
BTW: Hier eine Meinung der australischen Uni nach dem Waffenbann:
Shot Down: gun law study shows no effect News | The University of Sydney
Zur gleichen Meinung kommt auch Colin Greenwood in Groß Brittanien: Colin Greenwood
Wie auch die jahrelange Studie in den USA des Center of Disease (Gesundheitsministerium): First Reports Evaluating the Effectiveness of Strategies for Preventing Violence: Firearms Laws
Oder auch die Aussagen von Prof. Gary Mauser - eremitierter kanadischer Professor - veröffentlicht an der Harvard Universität:
Vol30_No2_KatesMauseronline.pdf
Sie können sich sicher sein, ich bin im Besitz von über 100 internationalen, konservativen Quellen von Universitäten, Medien und Regierungseinrichtungen, die beweisen, dass der legale Besitz von Waffen ein Gewinn für die innere Sicherheit darstellt. U.a. ist die Mordrate in Russland und den ehemaligen Ostblock-Staaten nach der Einführung des Privatwaffenbesitzes um 20-80% gesunken, während die Quote der Gewaltdelikte in Großbrittanien und Australien nach dem Semi-Automatic-Waffenbann 1996/97 um 30-40% gestiegen ist.
Viele Quellen sind bereits auf Wikipedia verlinkt, andere habe ich ins Dokumenten-Archiv von Legalwaffenbesitzer - für ein liberaleres Waffenrecht! geschrieben. Und dort werden so peu a peu noch mehr archiviert.
P.S. 2008 hatte der DSB mit dem BMI eine Alterssenkung für das Druckluftschießen vereinbart, jedoch die öffentliche Meinung vergessen. Was ist passiert? Obwohl BMI und der damalige Innenminister Schäuble die Fakten einsahen und das Einstiegsalter mindern wollten, war der Aufschrei in den Medien so groß, dass wir 2009 sogar eine Heraufsetzung haben. Genau aus diesem Grund benötigen wir Legalwaffenbesitzer die Öffentlichkeitsarbeit. Und die darf - auch gegen den Willen der Verbandsspitzen - etwas lauter ausfallen. Wenn wir 8 Jahre fordern, bekommen wir 12 Jahre. Wenn wir ruhig bleiben, erhalten wir 18 Jahre oder das Totalverbot.
Sorry, der Text war zu lang.
Aber Sie können sich sicher sein, ich könnte noch wesentlich mehr. Wer wissen will, wie ich sonst noch denke, kann mal hier vorbeischauen.
LG
Katja Triebel