Beiträge von Carcano


    Nur kurz zur Monopolstellung des NWDSB. Ich hatte ein solches Thema vor kurzer Zeit mit einem Anwalt der sich auf Vereins- und Verbandsrecht spezialisiert hat. Es gibt wohl durchaus Urteile nach denen einem Sportler eine Strecke von 100 Kilometern zugemutet werden kann. Sprich muss er 90 km bis zum nächsten Verband, so hätte der NWDSB keine Monopolstellung.

    Nein.
    Der Anwalt mag sich spezialisiert haben, aber du hast ihn nicht verstanden bzw. hast ihn in der Sache falsch informiert. Vermutlich beides.

    Carcano

    Ich bin erstaunt über die willentliche Blindheit.

    Die Schützen und Schützinnen sind ENORM gut vertreten bei den Olympischen Spielen. Was es da bei einer wenig telegenen und schwer vermarktbaren Sportart für eine Fülle von Events innerhalb der Disziplin gibt, das bekommt kaum eine andere Sportart hin. Insoweit ist der Schießsport bisher enorm privilegiert. Will man das Privileg aufrecht erhalten (was in unserem Interesse als Schützen wäre), dann muss man etwas dafür tun. Die ESC z.B. weiß das und hat es durchaus verstanden; die ISSF-Vertreter in diesem Treffen aber anscheinend noch nicht. :(

    Carcano

    Hier muss man trennen. Es ist gut, dass der Bogensport zunimmt, und es ist sehr gut, dass ein Neuzulauf in diesem Bereich dem Mitgliederschwund im DSB etwas entgegensetzt. Deshalb freue mich mich, dass die Bogenschützen in DE im DSB angesiedelt sind.

    Aber sie sollte ihre eigenen Vereine haben, mit selbständigem Haushalt und eigener Führung. Alle sonstigen Interessen liegen nämlich zu weit auseinander, bzw. sind sogar gegenläufig. Also eine "Ausgründung" bzw. Verselbständigung der Sparte Bogenschießen. Eine Mitbenutzung der Grünanlagen von Kugelschützenvereinen kann und sollte dann vertraglich zwischen beiden Vereinen beeinbart werden.

    Carcano

    Tja, man kann hier halt nur innerhalb eines bestimmten Zeitfensters korrigieren. :)

    In der - sehr gut verlaufenen - Mediation ging es um den Themenbereich einer Sammler-Waffenbesitzkarte, unter Beteiligung von zwei Sachverständigen.

    Antwort:

    Eine Union von PSSB und RSB zu einem Rheinland-Pfalzischen Sportschützenbund (RPSB) ist ja nur unter Einbeziehung des WSB sinnvoll möglich. Dass der RSB in seiner jetzigen geographischen unmöglichen Gliederung (preußische Rheinprovinz !) nicht sinnvoll und nicht wirklich lebensfähig ist, ist ja schon seit 25 Jahren klar, und ebensolange wird ohne Ergebnnis ansatzweise herumgetagt und kommissioniert. Darin liegt auch der Unterschied zu anderen Ländern (z.B. Bayern <-> Oberpfalz).

    Der DSB kann das nicht erzwingen (Drohung mit Verbandsausschluss wäre denkbar, klappt aber nie); man kann also den Reformverweigerern nur den staatlichen Geldhahn zudrehen.

    Gruß,
    Carcano

    Zusammenfassende Antwort an erasmus und Fische49:

    1. Auch wenn man die Parxis der Spitzensportförderung für fragwürdig und überdenkenswert halten mag (insbesondere die Kaderung), so ist für die Landesverbände des DSB ein Landesleistungszentrum doch auch weiterhin sinnvoll. Es ist sinnvoll, Schießstandeinrichtungen (im Sinne eines "Landeshauptschießstandes" in Tiroler Terminologie), Personalkapazität und Unterbringungskapazität zu bündeln. Das tatsächliche praktische Problem ist dann eher die Unternutzung einer solchen Einrichtung (und zwar besteht dieses Problem weltweit).

    2. Die alte Praxis der Kaderung (nicht das Prinzip, sondern die Praxis) wird sportwissenschaftlich inzwischen zunehmend kritisch beurteilt; gerade im Jugend- und Juniorenbereich kann sie auch dysfunktional und u.U. sogar schädlich sein. Im Schießsport ist das auch so.
    Nur sind die Erkenntnisse der Sportwissenschaft der letzten 15 Jahre noch lange nicht flächendeckend im DSB und den Landesschützenverbänden angekommen, da ist vielfach der Stand insoweit eher 1970er / früher 1980er, als man noch an Kaderung nach osteuropäischem Vorbild als universelles Erfolgsrezept glaubte.

    3. Etliche Landesverbände gehen stattdessen den Weg der Flächenaufwertung mit "Talentnestern" (NWDSB) oder "Talentzentren" (Württemberg). Er ist kein Ersatz für einen Landeskader, aber eine sinnvolle Umsetzung und Unterstützung.

    4. Sportförderung muss zukünftig noch stärker sich an Erwachsene richten. Die oft stark auf Jugendliche verengte Trainerbrille verhindert vielerorts nachhaltige Erfolge, anstatt sie zu produzieren. Jawohl, verhindert. Fische49 hat da völlig recht.

    5. Der Stand in Bad Kreuznach wird weiter überleben, notfalls als Jagdstand des LJV, der ihn insoweit eingeschränkt weiterführen kann und würde. Aber es geht darum, ihn auch schießsportlich à jour zu halten.

    6. Ein LLZ kann nur mit anderem verbandlichen Zuschnitt politische Förderung und öffentiche Gelder erhalten. Als Landespolitiker wäre ich doch mit dem Klammerbeutel gepudert, bei der aktuellen Gemengelage da auch auch einen Euro hinzustecke. Sollen RSB, WSB und PSSB sich in zwei echten LANDES-Verbänden neu organisieren, dann können sie auch Gelder beanspruchen. Bis dahin haben andere Sportarten den Vorrang, die wenigstens ihre eigenen Sachen gebacken und geregelt kriegen. Finde ich nur richtig.

    Carcano

    Ja, ich meine in der Tat den Wettkampfbereich im DSB/BSSB (die Präzisierung ist nötig, weil Augsburg mit dem APC auch einen ziemlich guten DSU-Verein hat, den klammere ich hier aber aus).

    Ich meine aber nicht etwa den "Leistungssport" sondern auch schon die unterste Ebene, also die Gaumeisterschaften (was in anderen Bundeslänern "Kreismeisterschaften" heißt). Die denkbaren Gründe hast Du sehr hilfreich und mit örtlicher Kenntnis erklärt - dankeschön !

    Ich kenne Augsburg nur vom Besuch vor gerade mal zwei Wochen (erfolgreiche waffenrechtliche Medation vor dem VG Augsburg, untergekommen im Hotel am Dom, gut gegessen nicht etwa im Drei Mohren, sondern in der "Lustküche"), ich war von der Stadt sehr beeindruckt, und schaute daher dann auch mal nach, was in einer solchen großen und schönen Stadt denn schießsportlich läuft - und das war zumindest in meinem Bereich sehr bescheiden und enttäuschend.

    Um so wichtiger wäre dort die aktuelle BSSB-"Pistolenoffensive". :rolleyes::thumbup:

    LG und gut Schuss,
    Carcano

    Wie kommt es eigentlich, dass so eine große, reiche und bedeutende Stadt wie Augsburg im Schießsportbereich so unterbelichtet ist, insbesondere im Pistolensektor? Ich kann mir das nicht erklären und war geschockt, als ich mir die Website des Gaus angeschaut habe.

    In den meisten (Gewehr) Vereinen verhungern Pistolenschützen geradezu. Es fehlt an Wissen und es gibt auch keine Leute, die einen Pistolenschützen richtig ausbilden können. Ich denke, dass die Aktion auch hier helfen soll.


    In der Tat, so ist es. Genau ist der Punkt, oder sagen wir's präziser, einer der wesentlichen Punkte. Es git ja tatsächlich Vereine (sportlich mittelaktive mit einer Jugendgruppe, nicht etwa reine Fledermauskolonien, wo die Senioren kopfüber an der Gaststubendecke hängen), wo nicht einmal 1 einzige Vereinsluftpistole vorhanden ist, und wo die Sinnhaftigkeit einer Anschaffung auch nicht gesehen ist.

    Zitat

    Außerdem gibt es dieses Jahr wieder einen C-Trainer Pistole Lehrgang beim BSSB. Genug Trainer über das Land zu streuen kann auch helfen einzelne Pistolenschützen einzusammeln - bevor sie aufhören. Wo ein Trainer ist, da sind auch Schützen. Ganz einfach.

    Ja, gewiss, der Grundsatz ist gut.
    In vielen DSB-Landesverbänden ist es indessen so, dass es zwar auf dem Papier (!) eine ganze Menge Leute gibt, die einmal den C-Trainer-Schein gemacht haben, dass es aber viele vor allem irgendwann mal "für sich selbst, um etas zu lernen" getan haben, und sich diese Ausbildung dann nicht groß an der Basis und schon gar nicht in der Breite widerspiegelt.

    Hier will die Pistolenoffensive ganz bewusst nicht allein die SchützInnen aktivieren und ggf. neue dazugewinnen, sondern zugleich auch die "Inhaber eines Trainerscheins" reaktivieren und zu aktive(re)n Trainern machen.
    Und zwar, indem man sie aufsucht und ihnen vor Ort zu Hause im Verein aktiv zur Hand geht, nicht nur indem man aufruft (wie bei der völig gescheiterten "Ziel im Visier" Aktion): "Nun macht mal alle schön !". Und das finde ich einen sehr guten Ansatz.

    Gruß, Carcano

    Nein, das weißt du nicht (also die imaginäre Rückseite der *.pdf-Bildschirmfile).

    Du weißt vielmehr - und da dürfte deine oben referierte Einschätzung auch durchaus glaubwürdig sein, ich widerspreche diesem Wiedergabe gar nicht - was sich die Bezirkskadertrainer und Adlati einbilden, deren (zu) beschränkte Sichtweise der Landestrainer mit dieser "Pistolenoffensive" eben gerade auflocken und erweitern will.

    Synergieeffekte sind beabsichtigt, spezielle Jugendnachwuchseffekte bleiben dabei immer noch möglich und sind - wenn und wo sie denn einmal eintreten würden - ebenfalls durchaus erwünscht, aber eben nicht das Primärziel.

    Carcano

    Erfahrungsgemäß ist es *häufig* so, dass Sprösslinge von Schützinnen / Schützen dann selbst schießsportlich aktiv werden. Lanfear ist ja nur eines von vielen positiven Beispielen, ich könnte auch noch Kathrin und Julia Hochmuth nennen.
    Gegenbeispiele gibt's ebenso, Munkis Tochter z.B. hat meines Wissens mit Schießsport überhaupt nichts am Hut.

    Ob das daran liegt, dass Begeisterung ansteckt und sportliches Talent im Blut liegt ;) , oder ob es sich um grausam geknechtete, mißbrauchte Kinderseelen (*schnief*), brutal ausgebeutete Zwerge unter der Knute unbarmherziger Zwingherren handelt (beliebtes Beispiel: der Vater als Fußballtrainer, die Mutter als Eiskunstlauftrainerin, Sprössling hat gefälligst das zu verwirklichen, was die Alten selbst nicht schafften)... das zu beantworten überlasse ich gerne jedem Einzelfall. :D :P

    Carcano, dunkler Lord

    Aus purem Interesse:

    Gibt es hier sonst noch Schützen, die die Disziplin Sportpistole mit einem Revolver schiessen?
    Hat der Revolver gegenüber der Pistole einen schiesssportlichen Vorteil?

    1. Ja. Habe schon Kreismeisterschaften in 2.40 mit dem Revolver statt der Sportpistole geschossen. I.d.R. 5 bis 10 Ringe weniger, vor allem im Duell.

    2. Meines Erachtens: nein. Der Hauptnachteil liegt im Duell, aber NICHT (!) wegen des Spannens des Hahns, wie oben vermutet wurde. Dafür ist in den 7 Sekunden mehr als genug Zeit mit der schwachen Hand, auch das Körpergleichgewicht wird nicht wesentlich gestört.
    Nein, der Hauptgrund ist die unterschiediche Abzugscharakteristik in Duell, die kostet Punkte. Mit einem Revolver kann man viel schwerer vernünftig und verlässlich (!) Vorzugsgewicht nehmen, als mit einer Pistolle, Duellschüsse werden da viel zu leicht verrissen. Klar gibt es legendäre Ausnahmeschützen (z.B. Michail Nestruev, Weltrekord mit TOZ-49 Revolver), aber die sind halt nicht der Maßstab,

    Carcano

    Lanfear, ich schieße gerade eine Chang Feng "Standard Pistol", die eine ziemliche enge Kopie der Pardini SP zu sein scheint. Hat die die Pardini auch einen doppelten (= zweiteiligen) Auswerfer ?
    (vorderer Teil an der linken Magazinlippe, liegt zu weit vorne für den Auswurf einer geladenen Patrone; hinterer Teil im Rahmen / Griffstück, wirft nach Entfernung des Magazins auch die geladene Patrone verlässlich aus.)

    Ich habe den Eindruck, dass du einfach Deine eigenen Erwartungen auf Thomas Karsch projizierst und ihm unterjubelst. Typischer expectation bias.
    Das Konzept der Pistolenoffensive ist ganz bewusst strukturell breit angelegt und zielt auf breitensportliche Revitalisierung im Verein, nicht etwa auf jugendliche Kadergewinnung.

    Carcano