Eigentlich geht es hier um die neue Walther LP 500, die wahrscheinlich ganz wenige schon in der Hand hatten oder gar damit geschossen haben. Warum muss man die Kaufintessenten persönlich angreifen? Warum muss ein Interessent zu der 1 %-Gruppe der Spitzenschützen zählen um die Waffe zu testen?
Ob die - unleugbare - Ironie von Matze tatsächlich ein "persönlicher Angriff" war, weiß ich nicht. Aber ein Betroffener kann und darf das gewiss legitimerweise so empfinden. Du fragst nun nach dem Warum.
Erstens geht es Matze um versteckte Produktwerbung. Man stellt einem Angestellten des eigenen Betriebs oder befreundetem Büchsenmacher der eigenen Gegend eine Testwaffe zur Verfügung, mit der Erwartung oder auch mit der ausgesprochenen Bitte "nun schreib' mal was Schönes". Was der Betreffende auch tut. Darin finde ich freilich nichts Anstößiges oder Vorwerfbares. Denn seien wir ehrlich, die sogenannten "Waffentest" der Zeitschriften sind heutzutage deutlich lobhudelnder und weniger sachlich-kitisch als jeder rosa gefärbte social media Bericht eines Influencers. Die Qualität von Autoren wie Robert Field (Lerchenfeld), Hans Aicher, Günter Frères gibt es nicht mehr; sie würden auch von den heutigen Redaktionen gar nicht mehr gedruckt, fürchte ich. Lottes schreibt ja auch nicht fürs DWJ. Das liegt _gerade_ an der beeindruckenden Fachkunde und Qualität seiner Beiträge.
Zweitens: wofür braucht ein mittelmäßiger Schütze eine (angebliche) Topwaffe? Meine Gegenfrage: warum nicht?
Ja klar, auch ich habe schon über diese ganz spezifisch deutsche Manie gespottet, die vor allem waffenrechtlich begründet ist. Man trifftt zwar kaum die Scheibe, aber es muss das Allerbeste sein.
Aber auch ein Schütze wie "Fragen?!" oder gar wie ich
muss ja nicht immer mit einer FWB 65 oder einer Hämmerli 208 oder einer GSP schießen (für unsere Ostdeutschen: mit einer Margolin), wenngleich mit denen ein Topschütze auch noch Topergebnisse erreichen _kann_ und wenngleich sie "objektiviert" für unser Niveau vielleicht "ausreichen"....
Drittens: ja, anscheinend gibt es in diesem Forum einen leicht animosen "Walther-Affekt", wie es auch no.limits in diesem Thread schon andeutete. Das liegt weniger an der Geschichte dieses ehrwürdigen Unternehmens, sondern vielleicht eher an der Person eines Wulf-Heinrich Pflaumer (sen.) und seines Geschäftsgebarens der letzten 40 Jahre.
Und auch Anschütz hat ja durch sein verfehltes Armatix-Abenteuer einen enormen und bis heute nicht behobenen, sondern fortwährenden Rufschaden erlitten.
Carcano