Beiträge von Carcano

    An Schmiedmitie: Bei acht (!) Ständen geht es bei der Auswahl des Lieferanten in der Tat um Tausende von Euros mehr oder weniger. So wie ich es schrieb. Bei weitgehend identischer Hardware.

    Dingo schrieb: "Der Preis soll bei ein paar hundert Euro nicht entscheiden (nur wenns
    größer ist, dann schon). Aber bei Disag und Meyton ists eher gering. Den
    Preis ließen wir erst entscheiden als wir Vor- und Nachteile abgewogen
    hatten und da einen Patt erreicht hatten."

    Das ist so eine sehr vernünftige Einstellung. Sie weicht erheblich von den vorangehenden Fehldarstellungen verschiedener Poster ab. Ich stimme ihr ganz und gar zu. :)

    Carcano

    Geschossen habe ich selbst bisher nur auf Meyton (10 m LuPi) und Häring (100 m GK und KK). Die besagte Firma Ariosoren ist in der Tat im Netz zu finden. Sie haben jetzt auch einen Kontaktmann / Vertreter / Ingenieur irgendwo in Norditalien, also gewissermaßen in Eurer Nachbarschaft. Kontakt nach Tehran läuft in gutem Englisch oder gebrochenem Deutsch.

    Carcano

    "So wie ich aus Carcanos Beitrag entnehmen kann, ist Ariosoren doch recht günstig, allerdings handelt es sich hier um ein Schallmesssystem, oder?"

    Das ist richtig. Vier Mikrophone. Halte ich auch aus verschiedenen Gründen für technisch vorteilhaft.

    "Zudem stellt sich mir die Frage, wie schaut es bei Ariosoren mit der ISSF-Zulassung aus,"

    Genau wie bei allen anderen. Nur SIUS hat internationale ISSF-Zulassungen aller drei Stufen. Das hat nichts mit Qualität zu tun, und viel mit Geld und K..., ach wir wollen das böse Wort ja nicht sagen.

    "wie genau und zuverlässig ist die Messung"

    Genauso wie bei alle andern. Die Technik ist inzwischen ebenso zuverlässig wie ausgereift. Und ziemlich einfach. Der Standard ist einheitlich.

    "wo bekomme ich Support (nicht nur über ne teure Hotline in Tadschikistan)?"

    Ja, die Hotline nach Tadjikistan wäre zwar bei heutigen Telekommunikationsverhältnisssen u.U. billiger als viele Inlands-Service-Hotlines, aber die grundsätzliche Frage ist bei allen nicht-deutschen Anbietern schon berechtigt. Das kann auch, ich räume es ein, ein entscheidender Gesichtspunkt für eine Entscheidung sein. Außer man betreibt Fernwartung wie mittlerweile in vielen Bereichen üblich, dann ist es völlig egal, von wo aus gewartet wird.

    "Trotzdem bin ich interessiert an weiteren Infos über diese Firma. Vielleicht ist es ja ein "start-up-Unternehmen", das noch bekannt wird."

    Ja, das stimmt, die gibt es zwar schon seit zwei-drei Jahren, sie sind aber immer noch recht neu. Mein persönlicher Kontakt war überaus positiv, sie bemühen sich halt und sind sehr kundenorientiert. Und sie antworten schnell.

    Carcano

    Die Anlagen sind 25 % oder 30 % billiger als der preiswerteste inländische Anbieter. Dabei gehe ich davon aus, dass Computerhardware und (GK-)Beschußsicherung lokal beschafft werden. Geeignete Computer gibt's überall umsonst, und GK-Beschusssicherung ist wegen des Gewichts teuer im Transport. Interessant für viele Nutzer hier ist vielleicht folgendes Angebot.

    Consumable Materials
    These materials can be used in electronic scoring targets installed by other manufacturers ,in training fields.

    • Thermal paper roll, white (10m Target)
    • Paper tape roll, black (10m Target)
    • Rubber membrane, black (10m Target)
    • ISSF air pistol target front mask (10m Target)
    • ISSF air rifle target front mask (10m Target)
    • Consumable rubber strip, 5.5m (25/50m Target)
    • Rubber with aiming line, 1mm (25/50m Target)
    • ISSF precision pistol target front mask (25 Target)
    • ISSF small bore rifle target front mask Black bulls eye hole diameter 112,5mm (50m Target)
    • ISSF rapid fire pistol target front mask (25m Target)
    • Backing target (10/25/50m Target)

    Frank fragte:
    "so lese ich da immer noch, dass ausreichende Kenntnisse über ausreichende Fertigkeiten nachgewiesen werden müssen. Kenntnisse über Fertigkeiten nachweisen heißt aber zumindest für mich nicht zwangsläufig, dass die Fertigkeiten praktisch demonstriert werden müssen. Klar, ist naheliegend, aber generell auch zwangsläufig?"

    Ein Paragraph weiter klärt sich's dann (§ 2 AWaffV):
    "(3) Die Prüfung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen
    Teil, der den Nachweis der ausreichenden Fertigkeiten nach § 1 Abs. 1
    Nr. 3 einschließt."

    Carcano

    Der sichere praktische Umgang mit den Schusswaffen kann auch ohne jegliche Schussabgabe demonstriert und geprüft werden.

    Das entspricht (mehr) nicht den Anforderungen des Waffenrechts: § 1 Abs. 1 Nr. 3 Hs. 2 der AWaffV. Nicht nur die sichere Handhabung, sondern auch die "ausreichenden Fertigkeiten im Schießen mit Schußwaffen" werden jetzt obligatorisch geprüft.

    Carcano

    Wir haben jetzt neue Häring-Anlagen für vier 100-m-Bahnen installiert. Beschußsicher bis 7000 Joule, Einweihung war für die Kreismeisterschaften Ordonnanzgewehr (DSB 1.58 und landeseigene Liegenddisziplin in SBSV 1.97), sowie für KM in KK 100 m. Die Anlagen liefen gut, die in Eigenarbeit erstellte Beschußsicherung war exzellent (7,5x55, 8x57 und 6,5x55 hinterlassen nicht einmal Dellen, nur graue Flecken auf glatter Oberfläche). Das User-Interface von Häring war einfach und intutitiv leicht bedienbar. Sehr engagierter Service durch den Installationstechniker, der auch kleinere Problemchen behob. Das Verbrauchsmaterial kann man u.U. wesentlich billiger von Ariosoren beziehen, muss man sehen.

    Gruß, Carcano

    Paradigmenwechsel bedeutet nicht, dass es die bisherigen Stufen und Unterscheidungen nicht mehr geben würde. Wir werden auch weiterhin Hauptamtliche und Ehrenamtliche unverzichtbar brauchen; aber ihre Bedeutung einerseits, und die Bedeutung freiwilligen und umgrenzten Engagements andererseits, haben sich geändert und werden sich noch weiter ändern, und das haben die Schützenverbände anders als andere Verbände noch nicht so recht realisiert.

    Auch in Zukunft wird und muss es einen festen Strukturstamm von Funktionsträgern geben; er wird möglicherweise sogar noch wichtiger werden. Aber seine Rolle und sein Selbstverständnis werden andere sein müssen. Und das ist auch keine Mode, genauso wenig wie es bloss "modern" ist, Reisen mit pferdelosen Automobilen zu unternehmen, Fernsprechapparate zu benutzen statt einen Geschäftsboten aus dem Kontor zu schicken, im eigenen Salon ein kleines Lichtspieltheater (früher untergebracht in einem größeren Kasten mit gläserner Scheibe, wie einer Vitrine, heute in einer Art Bilderrahmen) zu unterhalten, oder in die Sommerfrische nach Übersee (!) zu fahren.

    Was sich ändert, ist einmal die Verlagerung gewisser Funktionen und Verantwortlichkeiten auf Hauptamtliche. Also berufsmäßig angestellte und hoffentlich entsprechend professionell ausgebildete Mitarbeiter. Von der Geschäftsführerin bis zum Sachbearbeiter. Deren Anzahl ist sehr verschieden; zwischen einer großen Organisation wie dem DOSB, die nach den gleichen Maßstäben geführt werden muss wie ein kleineres Landesministerium oder ein Unternehmen, und einem mit geringstem Personalaufwand und noch viel "Ehrenamt" dennoch effizient arbeitenden kleineren Schießsportverband (nehmen wir z.B. die DSU als zentral geführten Verband mit gerade mal 13.000-14.000 Mitgliedern) liegt da natürlich eine weite Spanne.

    Diese genannte Professionalisierung muss und wird auch durchschlagen auf die Funktionsebene der "Ehrenamtlichen". Wir haben heute nicht mehr den "Vereinsfürsten" oder "Schützenmajor" als Leitbild in der Sportorganisation - beide taugen mehr fürs Marionettentheater oder fürs komödiantische Fernsehprogramm, "alles für den Dackel, alles für den Hund !" - sondern den "Vereinsmanager[in]".
    Dieser Name ist nun, das räume ich ein, vielleicht etwas modisch; das Konzept dahinter ist aber sehr vernünftig und notwendig, und DOSB und Landessportverbände geben es allen Verbänden mit gutem Grund vor, und bilden entsprechend aus.
    Eine solche Vereinsmanagerin kann eine ehrenamtliche, gewählte Präsidentin sein, oder eine entlohnte Geschäftsführerin. Beides ist denkbar. Insoweit muß man "Hauptamt" und Ehrenamt" gar nicht als Gegensatz verstehen, es können auch verschiedene Intensitäten der gleichen Tätigkeit sein.
    Große Sportvereine (insbesondere Mehrspartenvereine, aber auch größere Fachsportvereine) können anders als mit hauptamtlichem Vereinsmanager gar nicht mehr existieren und wirtschaften.
    Hingegen der Kyffhäuserschützenverein 1888 e.V. in Tuchtfeld, Kleinmoorkamp oder Hunzen, und der Eisenbahnerschützenverein Holzminden (dessen eigener kleiner Schießstand jetzt mangels Schützen zur Vermietung durch DB-Immobilien steht, diese Kleinstadt hat ja auch nur noch 10 weitere Schützenvereine) gehen freilich auch ohne; jedenfalls solange bis sich ihr letztes, über 70jähriges Mitglied ins betreute Wohnen zurückgezogen hat, und dann ist ohnehin Ende...

    LG, Carcano

    Als neuer Teilnehmer (neu allerdings nur in diesem Forum), der von Berufs wegen auch öfters verschiedene Schießsportverbände berät, hier als Einstand und vielleicht Anregung zum weiteren Gedankenaustausch der Auszug eines Chat-Gesprächs, das ich gestern abend geführt hatte. Das Thema als solches ist seit Ende der 1990er Jahre schon vielfach erörtert worden und ist den Landessportbünden wohl bekannt; die Schießsportverbände verschließen allerdings [noch] weithin hartnäckig die Augen.

    [You]
    Aber mir geht es um etwas ganz Anderes, und sehr Wichtiges.
    Den PARADIGMENWECHSEL weg vom klassischen, sehr statischen, auf Jahre und Jahrzehnte angelegten "Ehrenamt" (= "Ehre" & "AMT") ...

    [L]
    Dass es nicht mehr ehrenamtlich, sondern freiwillig geschieht.

    [You]
    ... hin zu volunteerism, wie es so überaus beliebt und sehr erfolgreich in den USA vorherrscht.
    Genau! :)
    Freiwillige Mitarbeit. Das kann das freiwillige Einbringen besonderer individueller Teilkompetenzen bedeuten, kann auch einfach heißen; diese Woche mache ich mal 2 Stunden was für den Verein, egal was anliegt. Oder es kann ein Projekt sein.

    [L]
    Ja. Wie zum Beispiel jeden 1. Sa im Monat den Büchereidienst übernehmen. Auch wenn ich da selbst einen Vorteil daraus habe. :)

    [You]
    Ja. Aber sich nicht für die nächsten vier Jahre zum "Büchereiwart" wählen lassen.

    [L]
    Nein, habe ich mal nicht vor. :P :P

    [You]
    Denn zu helfen, in begrenztem und überschaubarem Umfang (!), sind viele bereit. Sogar gerne. Aber klassische "Ehrenämter" wie zu Zeiten der Großeltern, da wäre man/frau ja blöd, sich so eine Eisenkugel ans Bein zu binden.
    Ich z.B. habe eine kurze D-Trainer-Ausbildung gemacht. War vom Zeitaufwand noch tragbar, C-Trainer ist kaum zu stemmen. Und ich habe es nicht gemacht, damit ich in Zukunft "Der Vereinstrainer" wäre (*schauder*), sondern damit ich a) gelegentlich Neuankömmlingen vernünftige Tips geben und sie besser anleiten kann, und b ) damit ich selber was davon habe. :)
    Reihenfolge a) und b ) kann auch umgekehrt werden.

    [L]
    Ja, etwas Freude muss man auch dabei haben, sonst bringt es nichts. Weder anderen noch einem selbst.

    [You]
    Klar. Ich schieße dann (hoffentlich) selber besser.

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    Beste Grüße aus Südbaden,
    Carcano