Beiträge von Carcano

    Noch einmal zum "Jugendleiter", bevor ich zu den Trainern zurückspringe:

    Ich sage nicht, dass die Ausbildung - die für diese besondere Art Lizenz ja sportartenübergreifend und nicht fachspezifisch ist - schlecht wäre. Vermutlich ist sie sogar recht gut und reichhaltig.
    Aber wenn ein Riesenverband wie der Deutsche Fußballbund mit seinen vielen vielen Jungs und Mädels in unendlich vielen Mannschaften nur ganze 333 Jugendleiter hat, dann muss das einen Grund haben.

    Nun wieder zu Trainern: es ist seltsam. Geht es nur mir so (große Tomaten auf beiden Augen?), oder ist es fast unmöglich, aus den Websites der Landesschützenverbände irgendwelche Zahlen zu erheben? Die Kadertrainer bzw. die an einem Landesleistungszentrum Tätigen werden oft vorgestellt, manchmal sogar mit Kurzbiografie, was ich sehr nett finde. Aber dann? Die vielen vielen anderen? Wo sind die Statistiken allgemein?

    Carcano

    Es gibt den Abschlußbericht einer Initiativkommission zur Verbandsreform. Die Kommission hat sich sehr viel Arbeit gemacht und 18 Monate (Mai 2008 bis Februar 2010) hindurch lang aufrichtig gearbeitet und sich gemüht.
    2010-05-13_initiativkommision_abschlussbericht.pdf
    Allerdings ist dort selbst für den oberflächlichen Leser klar zu erkennen, dass die von der I.K. selbst als notwendig und überfällig betrachtete Verbandsreform vermieden werden sollte durch Zeitgewinn und Zwischenmaßnahmen. Niemand traute sich wirklich, irgendeine heilige Kuh auch nur sanft zu schieben. Alle Vorschläge sind kosmetisch und oberflächlich, obwohl die Probleme erkannt worden sind.
    Bloß ja niemandem *irgendwie* weh tun, es könnte ja übel genommen werden. Ängstlichkeit ist die vorherrschende Stimmung des Abschlußberichts; so ist aber jede echte Reform unmöglich.

    Typisch für den unaufgelösten und alles erstarren lassenden Grundkonflikt im Inneren der IK, also für deren kognitive Dissonanz, mag die folgende Gegenüberstellung sein:

    "Die IK empfiehlt, dass bis zur Erstellung eines Verbandsentwicklungsplanes die bestehenden
    Strukturen grundsätzlich nicht zu verändern sind. Sind jedoch Änderungen aus dringenden
    Gründen geboten, sollte nur minimalistisch und vorübergehend reformiert werden und nur
    dann, wenn es "funktioniert" und befähigtes und bereitwilliges Personal vorhanden ist."
    (S. 8.)
    vs.
    "Junge Menschen müssten mehr ermutigt werden, ein Ehrenamt zu übernehmen um die
    überalterten Strukturen aufzubrechen und Platz für neue Wege zu schaffen."
    (S. 14)

    Das sagt schon alles.

    Auch erkennt die IK, dass Funktionsposten im Verband vakant sind, und nicht nachbesetzt werden können, scheut jedoch - mit fest geschlossenen Augen, eyes wide shut ! - davor zurück, die einzig adäquate Schlussfolgerung zu ziehen. Das wäre ja radikal, und radikal geht gar nicht, lieber irgendwie ohne Perspektive weiterwursteln.

    Carcano

    Ah, das erklärt's. Dankeschön!

    Genau das, was ich oben als einen der ersten Schritte vorgeschlagen habe (ex negativo durch Kritik, dass es bisher fehle, zugegebenermaßen), hat übrigens ein anderer Fachverband, nämlich der Deutsche Fechterbund im Jahre 2008/09 schon umgesetzt und durchgeführt.
    Nämlich die Erfassung und Zugänglichmachung aller Trainer und Qualifikationen in einer zentralen Ausbildungsdatenbank, die auch noch weiteren Fortbildungs- und informationszwecken dient. Und dafür gab es dann auch noch eine DOSB-Finanzierung aus dem dortigen Innovationsfonds (zwischen 2000 und max. 7000 € je Projekt):
    DOSB_Innovationsfonds.pdf dort auf S. 28-29

    Ich habe mir selbst (und früher auch meinem Landesschützenverband) eine simple Frage gestellt, und stelle sie nun auch öffentlich. Und wenn man sie erst einmal stellt, und dann auch noch nachfragt, worauf sich etwaige Zahlen denn stützen...

    Die Frage ist: "Wieviele Trainer haben wir eigentlich im Deutschland im Schießsport?"

    Einfach, nicht? Aber ihr werdet euch wundern, wie schwierig sie zu beantworten ist.
    Ich habe nämlich den starken Eindruck, dass in einigen, vielleicht sogar in vielen Landesverbänden das gar nicht bekannt ist. Und schon gar nicht einfach aus einer à jour gehaltenen Statistik abfragbar ist. Dazu kommt noch, dass alte Lizenzen verfallen, wenn sie nicht durch Fortbildung aktualisiert werden. Die Verbände machen aber keinen der betroffenen Trainer darauf aufmerksam, die müssen sich selbst darum kümmern. Selbst ein Verband, der wüsste (beispielsweise aufgrund ausgegebener Trainerausweise mit fortlaufenden Nummern), dass man jetzt gerade den 587sten C-Trainer-Ausweis ausgestellt hat, weiß dann nicht, wieviele der von ihm seit 30 Jahren Ausgebildeten noch "gültig" und anerkannt sind, ja überhaupt noch leben.

    Vom DOSB gibt es hierzu eine schöne und wie zumeist getürkte Untersuchung und Statistik. Getürkt ist sie nicht deshalb, weil man da bewusst hätte fälschen wollen, das unterstelle ich gar nicht, sondern weil in vielen Fällen die Angaben der Fachverbände reine Raterei sein dürften, und man die geratenen Zahlen brav und kooperativ nach oben weitergemeldet hat.

    Für den Deutschen Schützenbund werden zum Beispiel als Bundesqualifikationen nach DOSB-Qualifizierungsplan angegeben (auf S. 19 des Berichtes):

    7.174 C-Trainer / 1.345 B-Trainer / 241 A-Trainer. Sowie noch 21 Diplom-Trainer (diese auf S. 42).

    Wie bitte?! Zweihunderteinundvierzig A-Trainer im Deutschen Schießsport? Das hätte man aber merken müssen. Und dabei sollte diese Zahl noch eigentlich am leichtesten erfassbar und glaubhaft sein. Auch das relative Verhältnis von C- zu B-Trainern kann nicht stimmen, wie jeder Schütze weiß.

    Wobei dann auch noch von diesen (angeblich) 7174 C-Trainern nur 1540 mit Breitensport-Qualifikation sein sollen, und 5634 mit Leistungssportqualifikation (S. 21). Da stimmt doch auch etwas nicht mit der nominellen Zuordnung und Schwerpunktsetzung?

    Die Zahl von nur 1190 Jugendleiter-Lizenzen nach DOSB im gesamten Deutschen Schützenbund ("JuBaLi" zählt nicht) mag dagegen stimmen (S. 31). Dann stellt sich aber bei einer so katastrophal niedrig erscheinenden Präsenz die Frage, ob nicht vielleicht die Anforderungen an den Erwerb dieser Lizenz viel zu hoch geschraubt worden sind; im Deutschen Fußballbund sind es nämlich sogar nur 333 Inhaber. Offenbar braucht man für erfolgreiche Jugendarbeit diese komische Lizenz in der Sache gar nicht ?

    Eine wesentliche Struktur- und Erfassungsschwäche des ganzen Berichts liegt dann vor allem noch darin, dass die unterhalb der stark formalisierten DOSB-Ebene liegenden Qualifikationen der Landes[schützen]verbände, auf denen ja die gesamte alltägliche Vereinsarbeit, 90 % des Breitensports, und 98 % der Talentsuche liegen, überhaupt nicht erfasst werden: nämlich diejeigen der D-Trainer und Vereinsübungsleiter (die Terminologie differiert). Das ist z.B. in Frankreich ganz anders und wesentlich besser.

    Quelle: DOSB I Bildung und Qualifizierung - Qualifizierungsbericht der Sportorganisationen 2010
    Qualifizierungsbericht_2._Aufl..pdf

    Carcano

    Start- und Teilnahmegelder können drei Gründe haben:

    - Lenkungs- und Sanktionsfunktion (um Ummeldungen zu reduzieren, bestimmte aufwendige Disziplinen "einzudämmen", bestimmte populäre Disziplinen für breite Teilnahme attraktiv zu machen und zu halten);
    - Kostenabdeckung (Sachkosten, Aufwandsentschädigung);
    - Allgemeine Einnahmenerzielung für den Verbandshaushalt;
    - Ausschüttung an Teilnehmer (z.B. Sachpreise, Preisgelder: die älteste und traditionellste Form des Wettkampfschießens in Deutschland).

    Carcano

    1. Ich habe beruflich - Waffenrecht - mit den beiden RSB-Geschäftsführern (Knot und Ehlert) öfters sehr gut und sehr eng zusammengearbeitet. Die Servicebereitschaft und der Einsatz für die "einfachen" Mitglieder waren und sind vorbildlich. Es gibt den einen oder anderen Landesverband, bei dem das nicht ganz so ist.

    2. Man kann vier Dinge versuchen auseinanderzuhalten:
    - Den vorgeworfenen und wohl auch eingeräumten Unterschleif bzw. die Unredlichkeit des ehemaligen Schatzmeisters, verbunden mit zuiel Vertrauen auf Seiten der Verbandsführung, was dieser dann vorgehalten wurde. So etwas gibt es überall. Auch in der Jüdischen Kultusgemeinde, in der CDU, im MDR, überall... leider.
    - Regionale Zentrifugaltendenzen, die verschärft werden durch eigentümliche Verschränkungskonstrukte und nicht mehr sachgerechte Grenzen; und eine Schwäche der intermediären Ebenen wegen grundsätzlicher Probleme des "Ehrenamts" (wichtige "Ämter" im Gebiet Süd sind unbesetzt).
    - LLZ-Probleme (siehe die Ausführungen auf der Website der SG Bad Kreuznach)
    - Schwierigkeiten in der vergangenen Verbuchung und Zuordnung staatlicher Fördergelder (das bedeutet jetzt nicht Unterschlagung oder Veruntreuung - sonst würde ich das so sagen - sondern wirklich nur das, was ich schrieb) und anfänglich unzutreffende öffentliche Darstellung der damaligen Verbandsführung, vielleicht sogar ehrlich irrtümlich. Kann man auf den Seiten des "Fachverbandes Rheinland" mit etwas Suchen im Ordnungspunkt "Archiv" finden und nachlesen.

    3. Gebiete und Kreise sind praktische, dienstbare Ordnungsvorstellungen; sie sollten nicht als in Stein gehauen betrachtet werden; sie müssen den Schützen diesen, nicht umgekehrt. Und die Sportorganisation in dieser Gegend ist weiß Gott nicht so ehrwürdig und erhaltungswürdig wie, sagen wir mal, eine seit 1299 bestehende Hospitalstiftung, wo ich historische Anhänglichkeit verstehen könnte.

    Carcano

    Das mit dem sogenannten "Fachverbänden" in RhPf ist sehr komplex. Sie sind ein seltsames intermediäres Gebilde, das staatliche und verbandliche Ebene miteinander verzahnen soll. Ähnliches gibt es übrigens auch in einigen anderen Gegenden.

    Notwendig geworden sind sie wohl, weil Landesgrenzen und Sportverbandsgrenzen NICHT deckungsgleich sind, und die Sportverbände in Deutschland teilweise alte politische Gegebenheiten widerspiegeln. So bilden sich zum Beispiel auch drei frühere Landesteile Baden-Württembergs (aber wiederum _nicht_ Südwürttemberg-Hohenzollern - verstehe das, wer will !) in den drei selbständigen Sportbünden des "Landessportverbands" Baden-Württemberg ab.
    Nach dessen eigener Ordnung: "Der Rheinische Schützenbund entspricht in etwa der flächenmäßigen Ausdehnung der alten (preußischen) Rheinprovinz, d.h. sie deckt sowohl Bereiche im Land Nordrhein-Westfalen (NRW) als auch Bereiche im Land Rheinland-Pfalz (RLP) ab." Damit verteilt er sich auf insgesamt vier Sportbünde und Teilsportbünde.
    (Quelle: rsb_ordnung_fuer_die_gebiete_bezirke_und_kreise.pdf?PHPSESSID=6c95993e70e5d3898424f7202aed1e25 )

    Intern ist der Rheinische Schützenbund in drei "Gebiete" unterteilt, mit eigenen Websites. Eine Karte, die das gut verdeutlicht, gibt es hier: Rheinischer Schützenbund - Verbandsgebiet

    Die Besonderheit und Eigentümlichkeit der rheinland-pfälzischen Konstrukte ist es nun, dass den drei sogenannten Fachverbänden auch gewisse sportinterne Aufgaben zugewachsen oder übertragen worden ist. Es ist ein seltsames Mischmasch, "monstro simile" (Pufendorf), bei dem es auch und wesentlich um die Verwaltung staatlicher und damit gebietsgebundener Fördergelder geht.

    Man könnte jetzt mit dem Mann (oder der Frau - auch wenn der [männliche] Sportleiter auf der ersten Seite genannt ist, heißt das ja nicht, dass er selbst diese Vorlage entworfen hat) argumentieren und herumstreiten. Das bringt aber nichts.

    Sinnvoller ist es, das Innenministerium (*nicht* den Verband) unter Beifügung entspechender Kopien in Anlage darauf hinzuweisen, dass es eine Musterbescheinigung des DSB gebe, die allgemein eingeführt und verwendet werde, auch in anderen Landesverbänden, und dass man doch um der Verwaltungsvereinfachung und im Interesse reibungsloser Abläufe und zügiger Bearbeitung willen darum bitte, das allgemeine Formular zu verwenden.

    Das mit der Musterbescheinigung ist jetzt erst einmal eine begründete Vermutung von mir; ich habe sie nicht auf dem Tisch liegen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der DSB-Vizepräsident und Waffenrechtsreferent Jürgen Kohlheim schon einmal so etwas entworfen hat, und dass er es auch den DSB-Landesverbänden zugänglich gemacht hat. Bitte bei ihm anfragen.

    Carcano

    Ausgerechnet (?) ein DSB-Landesverband, der hier - mit gewissem Grund - durchaus nicht immer nur lobend erwähnt und diskutiert worden ist, greift das Problem zumindest auf und benennt es:

    "Wichtig ist uns dabei, die Jugend weiter in die Verantwortung für unseren Verband mit einzubeziehen und wichtige Gremien auch mit der Jugend zu beleben. Das Rederecht in unseren Gesamtvorstandssitzungen soll ein kleiner Schritt dahin sein, die Jugend mit den Verbandsstrukturen der „ Erwachsenen“ vertraut zu machen und damit auch in Zukunft wichtige Positionen in unserem Verband besetzen zu können.
    Auch der Hessische Schützentag soll „ jünger“ werden. Ziel soll es sein, das in Zukunft auch die Jugend ihre Gremien zum Hessischen Schützentag tagen lassen, um einen gemeinsamen Schützentag feiern zu können."
    (Hans-Heinrich von Schönfels, Präsident des HSV)

    Quelle: LinkClick.aspx?fileticket=PGJMHQRPw1I%3d&tabid=278

    Die Überschrift des Threads zeigt ein gutes historisches Gespür. Ich hatte mich damit vor Jahren auch mal intensiver befasst.
    Rheinland, Pfalz, Separatismus, Hochverrat, Okkupanten und Kollaborateure, Terrorismus auf altdeutsch... noch etwas mehr Chili in die alten Wunden? :rolleyes::whistling:

    Jenseits dieser historisch verwurzelten Ebene gibt auf auf der Website der SG Bad Kreuznach Willkommen bei der SG Bad Kreuznach Material in Hülle und Fülle (linker Frame Bar im Hauptmenü: AG Verband(s)wechsel, Antrag Wechsel, Antrag Abwahl; alles mit Anlagen). Erst dann versteht man die Hintergründe seit 2010 richtig, die im Netz nur sehr unvollständig reflektiert worden sind. Auch der sogenannte Fachverband Sportschießen Rheinland e.V. hat sich in einer Stellungnahme hierzu geäußert. Stellungnahme RSB

    Wenn man sich die personelle Zusammensetzung des Kuratoriums des Landesleistungszentrums anschaut, beginnt man die institutionellen und organisatorischen Schwierigkeiten zu erahnen: Kuratorium

    Carcano

    Man sollte die Disziplin stattdessen dem DJV (Deutscher Jagdschutzverband, Dachverband der selbständigen Landesjagdverbände) vorschlagen. Gott, was für eine HYSTERIE das dann im DJV würde ! Die machen sich ja in die Loden, wenn sie das Wort "Bogenjagd" nur hören. :D:thumbup:

    Carcano

    Dass ich mich oben vertippt habe, kann ich jetzt leider nicht mehr korrigieren, muß also ein P.S. anhängen. :pinch:
    Ich wollte schreiben: "der Schnellfeuerverein nicht nur Hessens, sondern Deutschlands". Sorry !

    Herzlichen Dank für Deine raschen Antworten, Turrican, die den Dialog beleben. Zum Thema Kaderförderung habe ich anderwärts ein paar Andeutungen gemacht. In manchen regionalen Gegebenheiten können LLZs (Landesleistungszentren) einen guten Sinn haben, in großen Flächenstaaten sind sie naturgemäß schwieriger, in beiden Fällen braucht es aber so oder so (auch) Kristallisationspunkte und Förderstellen in der Fläche, wie immer man sie auch nennt; also Talentzentren, Talentnester, Stützpunkte...

    Das große Problem mit dem LLZ Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz zum Beispiel ist ein Hauptgrund für die jetzigen Separationsbestrebungen im Rheinischen Schützenbund (zwei Kreise drängen hin zum Pfälzer Sportschützenbund), und im Lande Baden-Württemberg ist das ggw. nur noch zwei Verbänden mehr oder weniger dienende LLZ Pforzheim eine den Insidern ebenfalls bekannte Last, wobei man dort allerdings eher schiedlich-friedlich nach einer gemeinsamen Lösung sucht.

    Zukünftig wird es m.E. noch viel stärker als früher erforderlich werden, dass

    a) eine eng verzahnte, intensive, also ständig Hand in Hand greifende Zusammenarbeit zwischen Landesverbandstrainern und und dem dauernden Training im Heimatverein realisiert wird (Lanfear hatte einmal eine ganz knappe und verhaltene Andeutung gemacht, dass ihn eine bestimmte Art Kadertraining nicht so sehr beeindruckt habe), denn einmal im Monat auf einen "Lehrgang" (Fachausdruck für einen Tag Betreutes Schießen) zu fahren, ist kein echtes Spitzensporttraining;
    * sowie * (!)
    b) die (bezahlten) Vollzeittrainer regelmäßig umherreisen, und ihre Schützlinge in der Fläche aufsuchen (und nicht umgekehrt: ein Trainer ist kein Beamter hinter einem Schalter, sondern Dienstleister für Menschen und Vereine). Warum Option b) aus verschiedenen Gründen - gerade auch wegen Synergie- und Belebungseffekten - nötig ist und zunehmen wird, kann ich noch separat darlegen, wenn gewünscht.

    Carcano

    Es ist natürlich gerade diese stete verbale Betonung des extrem intensiven Trainings, der bis zum ichweißnichtwo zu übenden Bewegungsabläude, des hohen Munitionsverbrauchs, was die Olympische Schnellfeuerpistole unpopulär gemacht hat und diese reizvolle und anspruchsvolle Disziplin überall in Basis und Breite praktisch völlig hat wegbrechen lassen. :love:

    Ich habe mich davon nicht (mehr!) abschrecken lassen, sondern hab's einfach mal im Selbstversuch probiert - und siehe da, es ging ja ! Nicht hinreißend toll, aber doch grundsätzlich ermutigend. 8o

    Der Hinweis Turricans auf die Auswirkung der ISSF-Reform ist ja grundsätzlich richtig. Die Kaderschützen mag es gewurmt haben, aber nicht grundsätzlich angefochten. Sie haben sich eben rasch umgestellt, dafür sind sie ja Leistungssportler. Die anderen haben ihre alten Walther OSPs eingemottet; für diese Waffen bekommt man heute bei keinem (!!) Büchsenmacher auch nur noch 20 Euro. Schade, wie Turrican ganz zu Recht sagt. Dabei hätte sowohl die Sportordnung des DSB wie auch eine koordinierte Aktion der Landesschützenverbände eine Paralleldisziplin für die alte .22 kurz flächendeckend erhalten können; man hatte aber wohl Angst, den gewünschten Umstieg so zu unterminieren. So machen es jetzt nur einige Landesverbände. Die erwähnte Hessenmeisterschaft scheint mir übrigens "offiziell", nicht inoffiziell, wenn ich die Ergebnisliste auf der Website des HSV richtig gelesen habe. Hat nicht sogar der ehemalige Präsident des HSV (Klaus Seeger unseligen Angedenkens) diese Disziplin mitgeschossen?
    Alerdings beantwortet das für sich genommen noch nicht die Frage, warum die Breitensportler, wenn es denn früher mehr gab, nicht einfach ihre durchweg vorhandene .22er-Sportpistole für die OSP genutzt haben? An teurer Munition liegt das nicht, man kann denke ich bis zum Landeslevel die OSP durchaus mit normal sanfter Standard-Pistolenmunition schießen, es muss ja keine High Velocity wie bei Lanfear sein ;-). Dass an der deutschen und internationalen Spitze dann Spezialmunition erforderlich sein mag, will ich gerne glauben. So weit wollen die meisten aber gar nicht kommen.

    Mehrere Fragen hätte ich noch:

    - International ist die OSP eine reine Männerdisziplin (Olympia); das wirkt sich auch auf die Deutschen Meisterschaften aus, genauso wie bei der Freien Pistole. Zwingend wäre das zwar nicht, weil ja die nach ISSF rein weibliche KK-Pistole in Deutschland und Europa auch von Männern geschossen wird, und weder die ISSF noch IOC irgend etwas dagegen sagen, aber diese Unterscheidung habe ich zugegebenermaßen noch nie so recht verstanden?

    - Auf den Ebenen in den Landesverbänden, unterhalb der DM scheinen aber teilweise auch Frauen / Mächen in der OSP mitzuschießen - sehe ich das richtig?

    - In Hessen war lange Zeit die SG Tell Dietzenbach *der* Schnellfeuerverein nicht nur Deutschland, sondern Deutschlands. Die Website des Vereins reflektiert diesen Zustand auch weiterhin, mit einem gewissen historischen Stolz. Tatsächlich ist das aber 2011 anscheinend vorbei: nur noch wenige Dietzenbacher Schützen (im Mittelfeld) tauchen in den Ergebnissen der Hessenmeisterschaft auf, fast alle Spitzenschützen und Kaderangehörigen starten für den SV Kriftel. In anderen Pistolendisziplinen sogar teilweise in bis zu vier Mannschaften, man gönnt sich ja sonst nichts. :whistling:
    Wenn ich fragen dürfte: Was war da geschehen und warum?

    - Haben die jetzigen lobenswerten Belebungsbemühungen im Kreis 82 (Offenbach) irgendetwas mit diesem Wechsel zu tun?

    LG, Carcano

    Diejenigen, die in diesem Thread (durchaus glaubhaft!) ihre eigenen positiven Erfahrungen mit Lichtpunkt"schießen" zum Zweck der Gewinnung junger Mitglieder beschrieben haben, sagen sicher aus ihrer subjektiven Empfindung die Wahrheit. Sie verwechseln aber Ursache und Wirkung.

    Ihr habt nicht deshalb Nachwuchs, *weil* ihr Lichtgewehr (oder Pistole) schießt.

    Vielmehr habt ihr deshalb, weil es bei Euch altruistische Leute gibt, die sich für Jugendarbeit starkmachen, sich zeitlich und emotional engagieren, auf Kinder und Jugendliche zugehen und um sie werben (anstatt wie die Mehrzahl im Schützenhaus zu sitzen und zu jammern: "wir haben noch nie einen Interessenten zurückgewiesen und freuen uns über jeden der kommt, es kommt nur keiner, ach die Jugend von heute..." grein.. grein), deshalb habt ihr unter anderem auch Lichtzielgeräre. Und die werden dann natürlich genutzt.

    So ist der Konnex.

    Carcano

    Übungsberichte sind nur dann sinnvoll, wenn man auch als Leser etwas aus ihnen mitnehmen kann. Am heutigen Sonntagmorgen schoss ich noch einmal ein volles Programm, zur dritten Übung und Selbsteinschätzung (ungleich "Training"). Ergebnis: 477 Ringe, im einzelnen 182 / 160 (1 F) / 135 (2 F auf der letzten Scheibe). Für mich war das sehr aussagekräftig. Für andere Neueinsteiger beim Überlegen wohl auch.

    Erkenntnisse:

    - Da die 8-Sekunden-Serie wirklich *recht* lang ist, lässt sich in ihr auch mit wenig Übung rasch ein besseres Ergebnis erzielen. Ich habe nämlich diesmal die Serie bewusster und sorgfältiger (vom Bewegungsablauf freilich nicht "besser") durchgeschossen, nutzte die Zeit auch etwas besser aus und erzielte prompt ein deutlich verbessertes Ergebnis. Das liegt auch daran, dass man in der 8-Sek-Serie noch die Möglichkeit hat, sein Zielbild etwas zu "korrigieren". Freilich argwöhne ich, dass ein Trainer genau DAS bemängeln würde und mich ermahnen würde: "fuchtel nicht mit der Waffe im Ziel herum, sondern schleife einen glatten und sauberen Bewegungsablauf ein, dann hast Du Nachkorrekturen gar nicht nötig."
    Wie sehen die aktiven OSP-Schützen das? Kann und soll (?!) man sich in der Achterserie noch bewusste Haltepunktekorrekturen "leisten"?

    - Den Fehler in der 6-Sekunden-Serie (weiß unten rechts) kann ich nicht nachvollziehen. Eigentlich reichte mir die Zeit; das auch insgesamt - ohne Berücksichtigung des Fehlers - schlechtere Ergebnis deutet aber darauf hin, dass ich zu heftig abgezogen (durchgerissen) habe.

    - Konstant schlecht blieb die 4-Sekunden-Serie. Die beiden Fehler und der eine Beinahe-Fehler (eine gerade noch angekratzte Fünf) zeigen mir relativ deutlich, das jeweils die letzten Schüsse von mir in der Eile verrissen worden waren. Nun ist eine verissene gerade-noch-Fünf bei 3,9 Sekunden in OSP immer noch deutlich besser, als eine bei 4,5 Sekunden ganz präzise abgekommene Zehn ;) :-D, aber das sollte ja eigentlich nicht die Alternative sein.
    Eine merkwürdige Erkenntnis bei mir: man kann selbst in dieser schnellen Serie noch das Tempo _bewusst_ anziehen. Als ich beim dritten Schuss zu spüren glaubte, dass ich zu langsam war, habe den vierten und fünften ganz bewusst "schneller" herausgedrückt, um noch in der Zeit zu bleiben, man hörte es auch sofort im Rhythmus. Ich nehme an, dass der gängige Trainingsratschlag wäre, den Bewegungsablauf vorrangig in der langsamen Serie einzuschleifen, so dass sich dann die schnelle Serie "automatisch" mitverbessert?

    Carcano

    Um zu sehen, ob es denn was werden kann, habe ich heute ein zweites Mal die OSP probiert. Und interessanterweise ging es wieder: bei diesem Mal mit 483 Ringen (170, 173, 140).
    Ich hatte keine Probeserie vorangehen lassen, sondern gleich geschossen und wieder in der 8-Sek-Serie relativ schnell gefeuert. Wie man sieht, stecken in der 4-Sekunden-Serie zwei Fehler. Ich habe noch mehrere dieser Serien als Übung nachgeschossen und das Ergebnis blieb erstaunlich konstant, zwischen 130 und 140. Nach meiner (gewiss nicht sehr verlässlichen ) Selbsteinschätzung wäre da noch einige Luft nach oben, dies natürlich unter der unsportlichen :P:whistling: Voraussetzung gezielten Trainings...

    PS: Standardpistole nach etwa 120 Schuss OSP (und 10 Schuß .357 Magnum) noch schnell so durchgeschossen. Ergebnis 519 Ringe. Nix dolls also.

    Carcano