Beiträge von Carcano

    Von laufenden Keiler habe ich z.B. auch lange nichts mehr gehört. Hier in Berlin, mit gefühlten über hundert Vereinen kenne ich keinen einzigen Verein der das anbietet.

    Wenn dann noch andere Verbände weitaus interessantere Disziplinen mit der Flinte anbieten (n.M.n.) braucht man sich über mangelnden Nachwuchs nicht zu wundern.

    Persönlich werde ich Wurfscheibe sicher einmal ausprobieren wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt, da ich aber zu den von Dir so trefflich diskriminierten alten Säcken gehöre ist das kein Grund auf Nachwuchs zu hoffen. ;)


    ^^ Ich habe nichts gegen den Seniorensport. Im Gegenteil, ich finde ihn gerade im DSB ausgesprochen gut und wichtig. Das hat der Verband auch erkannt, und nicht ohne Grund ist das für Senioren und Tradition zuständige Präsidiumsmitglied auch gleichzeitig zuständig für Nachwuchs (Jonny Otten), das hat man durchaus realitätsbezogen gelöst...

    Meines Erachtens hast Du ganz recht mit dem Hinweis auf andere Verbände. Die drei anderen GK-Verbände (BDS, BDMP, DSU) bieten alle auch "praktische" Flintendisziplinen an und haben anders als der DSB großen Zulauf damit. Und zwar nicht in der Senioren- und nicht nur in der Altersklasse.

    Letztlich: Laufenden Keiler 50 m schießen im Südbadischen Sportschützenverband z.B. vier Vereine. Wir sind einer davon.

    Carcano

    Wie siehts denn da in Deutschland mit den Schießanlagen aus?


    In einem anderen Thread (Seite 2, Wild und Hund Forum - Thema anzeigen - Es wird meist unerkannt immer stiller / Schießstandsterben ) hatte ich es so ausgedrückt:

    Gut. Das ist jetzt ein (1) Faktor, aber natürlich schon ein wichtiger. Wurfscheibenstände gibt es sehr viel weniger als Kugelstände (Büchse und Kurzwaffe) und unendlich weniger als Luftdruckstände. Und Jugendliche und Junioren können und wollen natürlich nicht 50 km Anfahrt zweimal oder dreimal in der Woche auf sich nehmen, und viele Stände sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln überhaupt nicht erreichbar.

    Andererseits: von verbandlicher Nachwuchsarbeit und Werbung im Wurfscheibensport habe ich in Deutschland auch noch nie etwas gehört.

    Carcano

    Die starke Ausstrahlungswirkung der olympischen Schießsportarten auch auf die nationalen Rechtsordnungen kann gar nicht überschätzt werden.

    So hat in Deutschland der Hinweis auf Olympia die Ausnahmen für Heranwachsende (18-21) in das verschärfte WaffG hineingebracht; so sorgt Olympia 2012 jetzt dafür, dass in England, Wales und Schottland mit dem erteilten Section 5 Authorities (die dann für die Commonwealth Games 2014 in Glasgow fortgesetzt werden) eine erste Bresche in das dortige Kurzwaffenverbot geschlagen worden ist.

    Eine Aufnahme der Zentralfeuerpistole (7,62mm-9,65mm) ins olympische Programm würde als Folge in einer Reihe von Ländern weltweit waffenrechtliche Verbesserungen zur Folge haben,

    Eigentlich sollte das olympisch sein, was beliebt und verbreitet ist. Oder was zumindest von vielen Millionen gerne geschaut wird und damit Einnahmen bringt.

    Beim Schießen haben wir nun in Deutschland (in anderen Ländern ist das teilweise durchaus anders) die seltsame Situation, dass gerade etliche olympische Schießsportarten nahe am Aussterben sind, und in der Fläche kaum noch geschossen werden. Zum Beispiel Schnellfeuerpistole, Freie Pistole, alle Wurfscheibendisziplinen.

    Das Großkalibergewehr fiel schon vor 40 Jahren weg (zuletzt olympisch in München 1972), die laufende Scheibe 50 m vor etlichen Jahren. Die Chancen der Präsentierbarkeit und Vermarktbarkeit erkennen viele Landes- und Kontinentalverbände innerhalb der ISSF nicht, außer den Russen.

    Da zeigt schon das Fiasko der Olympischen Jugendspiele, wo die vom IOC großzügig eröffnete großartige Chance der Popularisierung des Sports von der ISSF dumm-borniert ausgeschlagen wurde. Die ISSF insgesamt (außer vielleicht Teilen der ESC) hat schon gar nicht mal _verstanden_, was Sinn und Zweck der Olympischen Jugendspiele überhaupt ist, obwohl das IOC und Rogge persönlich sich so intensiv und so lange dafür eingesetzt haben.

    Carcano

    PS: Dass international bei gemeinsamen Wettkämpfen überhaupt keine Frauen z. B. aus dem arabischen Raum antreten braucht uns aufgeschlossene Weltbürger natürlich nicht zu behindern.


    In welchem Paralleluniversum lebst Du denn? :D

    Nirgendwo (außer Indien und Thailand) gibt es starken weiblichen Nachwuchs wie in der Islamischen Republik Iran, in Ägypten und in Malaysia. Allmählich zieht jetzt auch Oman nach. Und diese Musliminnen reisen auch _international_ und sind wettkampfpräsent, dafür sorgen die Mullahs und sie selbst (im Leitungsgremium des Iranischen Schießsportverbandes sitzt ein relativ einflußreicher Ayatollah).

    Carcano

    Dass der Wurfscheibensport in Deutschland praktisch ausstirbt, es fast überhaupt keinen Nachwuchs gibt, und die Beteiligung an Wettkämpfen so gering ist, dass man in vielen Landesverbänden in den entsprechenden Altersklassen einen beliebigen Hansel / Josefine von der Straße holen könnte, ihr oder ihm zum ersten Mal im Leben eine Flinte in die Hand drücken könnte, und sie oder er alsbald eine Silbermedaille holte - das ist wohl bekannt.

    Aber selten ist die Überalterung dieser Disziplinen in DE so deutlich zu _sehen_ wie hier in einem aktuellen Beispiel. Der BSV (Badischer Schützenverband, erfassend Nordbaden, Sitz in Leimen bei Heidelberg) hatte gerade seine Landesmeisterschaften Wurfscheibe. Das Bild auf der Verbandswebsite ist bezeichnend für die Lage des Sports in Deutschland. In vielen anderen europäischen Ländern würde man es nicht glauben wollen.
    Es sieht aus wie der jährliche betreute Ausflug des Alters- und Seniorenheims. Aber so steht es tatsächlich.

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    Der Widerspruch ist diktiert und geht heute raus. Voraussichtlich wird er zurückgewiesen werden (Widerspruchsbehörde ist hier das BVA selbst), weil bei einer Angelegenheit dieser Bedeutung das Waffenrechtsreferat im Bundesverwaltungsamt sich natürlich mit der Rechtsabteilung vorher abgestimmt haben dürte. So wird das bald das VG Köln zuständig sein. Es hat in der Vergangenheit im Waffenrecht durchaus abgewogen geurteilt.

    Danke!! Regel 3.3.6 war mir so wichtig, weil "British Shooting" auch in dieser Beziehung Mist gebaut hatte. Sie haben einige ihrer host nation quota places bewusst nicht ausgenutzt, sondern zurückgegeben. Und ich wollte checken, ob Junioren ggf. hätten präsentiert werden können (für Pistole z.B. Kristian Callaghan).
    Die nationale MQS-Statistik ist ja über die ISSF-Website aufrufbar.

    Carcano

    Wir wissen, was gewollt war. Man wollte eine _isolierte Genehmigung_ nur von Sportordnungen (also ohne vorangehende oder gleichzeitige Verbandsanerkennung) nur als seltenen Ausnahmefall dulden. Das wäre auch durchaus konsequent und vertretbar gewesen.
    Dann wurde aber in der Gesetzesformulierung und Systematik Mist gebaut; um Ermessen geht es dabei nicht. Ob man das nun durch verfassungskonforme teleologische Auslegung korrigieren kann, oder nicht mehr, das ist gegenwärtig der Streitpunkt. Die Verbände sagen ja; aber (Zitat) "Computer sagt Neiiiiiin,"

    Carcano

    Sobugrufti, das Problem ist § 15a Abs. 2 S. 2 WaffG, der erst 2008 hinein kam. Man kann ihn wörtlich lesen und anwenden, oder aber richtig und verfassungskonform lesen und anwenden. Das BVA tut ersteres und verweist alle Verbände auf den Rechtsweg, weil es den unfähigen Gesetzgeber nicht korrigieren will oder nicht korrigieren zu dürfen glaubt.

    Carcano

    Man beachte aber die jetzige Ungleichheit speziell bei den Olympischen Spielen. Es gibt deutlich mehr Disziplinen für die Herren.


    Bei den Commonwealth Games 2014 in Glasgow wird genau diese (auch dort traditionell überkommene) Ungleichheit zugunsten einer Genderparität ausgeglichen.

    Bei denselben Spielen werden auch erstmals Frauen Pistole 50 m (oder yards?) schießen.

    Carcano

    Hallo Julia, hier zu fragen ist ja schon einmal ein guter Ansatz, um den Vorgang etwas besser zu verstehen, zumal die Polizei ja bisher auch nicht gerade sehr hilfreich gewesen ist. Freilich ist Terminalballistik nicht der Schwerpunkt dieses Forums.

    Das Geschoss ist ein Mantelgeschoss aus einer Kurzwaffe (wahrscheinlich Pistole). Ohne eine Messung Deinerseits bzw. einen mitabgebildeten Maßstab läßt sich leider zu wenig aussagen,l weil die Geschossformen einander sehr ähnlich sehen, und weil die Ogive durch das Auftreffen auch minimal gestaucht worden sein dürfte.

    Nicht ganz unabhängig vom Geschoßkaliber, läßt Deine Beschreibung, dass die Doppelscheibe nicht doppelt durchschlagen wurde, schon einen recht verlässlichen Rückschluss zu. Die Abschussentfernung war groß. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit (der Ballistiker im LKA könnte den Einfallswinkel anhand der Spuren an beiden Scheiben genau bestimmen) ist es viele hundert Meter, vielleicht über 1000 Meter entfernt abgefeuert worden, in schrägem Winkel nach oben. Und jedes Geschoss kommt irgendwann einmal wieder herunter - leider in dem Fall in Eurem Fenster.

    Carcano

    Cumec, jetzt höre bitte endlich auf, dir das Problem laut schönzureden, weil nicht sein kann was nicht sein soll.

    Geromino hat es ja schon angerissen: Problem der sich u.U. mal verlagernden Justierung bei elektronischen Anlagen, und bitte allgemein und nicht beschränkt auf einen Hersteller (weil "einer ist ja viel besser als deiner, blaaaah, plärr...").

    Findet Ihr die Preise die ihr unter "Öffnungszeiten" finden könnt zu teuer?


    Natürlich sind sie zu teuer, aber es kommt auf den Zweck an. Man sieht: Ihr wollt halt keine Vereinsfremden, also regelt ihr's über den Preis. Klingt für Euch besser als ein "nur Mitglieder dürfen schießen".

    Carcano