Ich gehe nicht davon aus, dass aktuell ein Insolvenzfall vorliegt – und dieser auch nicht herbeigeredet werden muss.
Ob das so sein könnte, vermag nur der zu beurteilen, der alle Zahlen kennt, sowohl die veröffentlichten als auch die weiteren - und insbesondere auch die Zahlen, welche die weitere Einkommenssituation notwendig als Einschränkungen bestimmen werden (Austritte, weiterlaufende Veroflichtungen für Ausgetretene ggü. dem DSB).
Aber eine Insolvenzlage, und ich sehe das als Jurist vielleicht sachlicher, ist als solche noch nichts furchtbar Schlimmes oder Ehrenrühriges. Viele sehr anständige und an sich solide Unternehmen sind schon in eine solche Lage gekommen. Oft sind sie (mit einem guten Insolvenzverwalter) auch wieder herausgekommen. Genau dafür gibt es ja Fortführungspläne.
Schlimm ist es nur, wenn die Augen geschlossen bleiben und wenn - wie das auch in der Wirtschaft leider oft geschieht - eine Insolvenzlage etwa wider besseres Wissen oder aus Nicht-Wahrhaben-Wollen zu lange ignoriert bzw. weggewünscht wird.
Dann ist nämlich oft nicht mehr zu helfen, und dann greift auch die erweiterte, nicht auf die Masse beschränkte Haftung der Vorstandsmitglieder. Und dass die bei einem Verein und Verband sehr umfassend sein kann, habe ich oben schon ausführlicher beschrieben und auch aus der Literatur belegt.
Noch eines: Unterstützungsmittel von "oben" (also vom DSB oder gar DOSB) sind nicht von vornherein ausgeschlossen. Seien es Kredite, seien es Stundungen, seien es (äußerstenfalls und selten) sogar Forderungsverzichte. Die wird es aber erst innerhalb eines Insolvenzplans geben können, und keinesfalls schon vorher; das gebe ich dir gerne schriftlich.
Du glaubst sicher auch nicht im Ernst, dass der DSB und die 19 anderen Verbände sagen:
ich der DSB verzichte gerne mal eben auf (sechsstellige Summe einsetzen) Euro in den nächsten ... Jahren, weil wir ja finanziell so gut gestellt sind und unsererseits nicht einmal eine Bundes-Beitragserhöhung brauchen;
und wir anderen Verbände übernehmen gerne den DSB-Ausfall des NWDSB und schultern ihn anteilig, weil wir als Schützen so brüderlich sind?
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Vor jedweder anstehenden Entscheidung halte ich es jetzt jedoch für noch dringlicher, die tatsächlichen Verhältnisse um das LLZ, die Organisation der Geschäftsstelle und die Optionen für die Zukunft durch Gutachter, Wirtschaftsprüfer, NSSV, DSB, Delegierte, Mitarbeiter und Mitglieder objektiv, offen und vollständig zu ermitteln. Nur mit einer verlässlichen Datenbasis können in einer unsicheren Situation vernünftige Entscheidungen in einem Gesamtkontext getroffen werden.
Hier einmal als positives Beispiel die Herangehensweise und der transparente Umgang im Württembergischen Schützenverband:
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16.12.2013
In seiner letzten Sitzung des Jahres beschäftigte sich der Landesausschuss des Württ. Schützenverbands eingehend mit den vorliegenden Ergebnissen der ersten Planungsphase. Diese hat Kosten ergeben, die für den WSV nicht akzeptabel sind.
Ein einstimmiges Votum gab es dafür, sich weiterhin mit dem Thema „WSV-Schulungszentrum“ zu befassen. Es soll herausgefunden werden, welche Änderungen an den bisherigen Anforderungen des WSV vorgenommen werden müssen, um eine vertretbare Lösung zu finden. Weiterhin haben sich Änderungen an den Rahmenbedingungen ergeben, die zu beachten sind.
30.09.2014
Nachdem die bisherigen Planungen und Kostenberechnungen deutlich über die finanziellen Möglichkeiten hinausgegangen sind, hat der Landesausschuss die Umsetzung einer Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Mit einem vorgegebenem Kostenrahmen sollte herausgefunden werden, was der WSV tatsächlich an Umsetzungsmöglichkeiten hat.
Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie wurden in der letzten Landesausschuss-Sitzung im Juli von den Architekten der Firma KTP präsentiert. Das Gremium hat daraufhin einstimmig einen Terminplan sowie die weitere Vorgehensweise beschlossen. Bereits bei den Deutschen Meisterschaften in München sollten Pläne und ein erstelltes 3D-Modell präsentiert werden.
Auch beim Landesjugendtag in Dornhan wurde gleich verfahren. Dort wurde den anwesenden Delegierten von Landesjugendleiter Christian Ragner und Landesoberschützenmeisterin Hannelore Lange auch eine kurze Präsentation vorgeführt, die hier zum Anschauen bereit steht.
Quelle: http://www.wsv1850.de/cms/iwebs/default.aspx?mmid=1330&smid=5206
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Meine Vorstellung von einem Gesamtkontext: Zusammenführung des NWDSB mit dem NSSV. Die juristische Hülle ist mit dem SBN bereits vorhanden.
Die Idee, in einem Bundesland auch jeweils immer nur einen Fachsportverband zu haben, erscheint ja grundsätzlich charmant. Aber so stringent sie erst einmal auf dem Papier anmutet, so gibt es doch schon eine ganze Reihe von Parallelfällen für mehrere Verbände.
In Bayern haben wir zum Beispiel zwei Schützenverbände, in Nordrhein.-Westfalen zwei, in Baden-Württemberg drei, in Rheinland-Pfalz zwei (kurzfristig mal drei...)... Das Bundesland Niedersachsen ist da also keineswegs eine Ausnahme.
Es gibt Fälle, wo das gut klappt (Bayern, sowie inzwischen wieder Baden-Württemberg, wo vergangener Streitpunkt einmal das LLZ Pforzheim war) --- und es gibt Fälle, die eine Katastrophe auf Rädern sind. Letzteres ist seit 3 Jahrzehnten der Rheinische Schützenbund, der absolut unreformierbar ist, und dessen struktureller Moloch bisher jeden Präsidenten, jeden Geschäftsführer, jede Strukturkommission zerschleißt und zernahlen hat - da hilft nur noch die gänzliche Zerschlagung und der völlige Neuaufbau eines Nachfolgeverbandes, idealerweise eines rheinisch-pfälzischen Schützenbundes. Davon werden dann gleich zwei profitieren, danach sportlich stärker und verwaltungsmäßig beweglicher aufgestellte Verbände, nämlich der neue RPSB und der gestärkte WSB.
Der von Wilhelm erwähnte sogenannte SBN dagegen ist ein Geist. Ein Konstrukt, dessen einzige Aufgabe die akzeptable Geldverteilung öffentlicher Fördermittel ist. Etwas Vergeichbares gab und gibt es auch in Rheinland-Pfalz, bis diese Geisterstruktur dann auch einmal verbandspolitisch instrumentalisiert wurde, gewissermaßen als Poltergeist.
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Einsparungen durch Zusammenlegung der Aufgaben im Sport- und Verwaltungsbereich– am Anfang durchaus mit zwei Geschäftsstellen möglich -,
Das wird von außen fast immer überschätzt. Nach meinem eigenen Einblicken in die Strukturen vieler Verbände bewegen sich die meisten strukturell am alleruntersten Limit dessen, was überhaupt möglich ist, und nicht selten noch darunter. Wer die Geschäftsstellen und ihre Ausstattungsschlüssel kennt, der bewundert es, dass überhaupt noch so viel Arbeit für die Schützen und Schützinnen geleistet werden hat, und oft sogar mit Freundlichkeit und Engagement. Dasselbe gilt in gleicher Weise übrigens auch für die anderen Dachverbände (BDS, BDMP, DSU).
Zwei Geschäftsstellen (eine Nord, die andere Süd?) kenne ich im übrigens nirgends, das wäre sicher kein Vorteil. Anno 1830, zur Zeit von Postkutschen und Brieftauben, mag das noch anders gewesen sein. Es gibt durchaus Dinge, die gut dezentral und in der Region (Modewort) erledigt werden können, aber das sind *nicht* die typischen Geschäftsstellenaufgaben.
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Anpassung der Aufbaustruktur Schützenkreise und Bezirksschützenverbände im NWDSB zu den Kreisstrukturen des NSSV.
Das ist hier ein politisch ganz heißes Thema, weil es auch Machtstrukturen betrifft. Man muss nämlich zwei Aspekte ganz sorgfältig trennen und auseinanderhalten:
- Bezirke (oder Gaue) als traditionelle gewachsene Einheiten, die regionale Unterschiede und Verwurzelungen bzw. Vorgängerverbände repräsentieren, auch in der Beschlussfassung des Gesamtverbandes (so im NWDSB)
- Bezirke (oder Gaue) als Wettkampfstruktur (Meisterschafften, Ligen) und als Organisationsuntergliederung (z.B. für Kader, oder dezentrale Talentförderung, oder Aus- und Fortbildung)
Es gibt Verbände, die schon lange keine Zwischenglederungen mehr kennen (NSSV), es gibt Verbände, de sie zwischenzeitlich der Not folgend abgeschafft haben und gut damit gefahren sind, weil sie kaum einer vermisst und auch die Basis aufatmet (SBSV in Südbaden, Abschaffung der Bezirke zum Sportjahr 2014), und es gibt Verbände die sie haben und beibehalten.
Man muss sich aber darüber ganz klar sein - nüchtern und ehrlich - das es jetzt schon unmöglich ist, für alle
bisherigen (!) ehrenamtlichen Positionen auf Kreis- und erst recht auf Bezirksebene noch genügend Freiwillige zu finden. Lediglich auf der untersten, der Vereinsebene geht es (im Bundesdurchschnitt) gerade noch so, in machen Gegenden z.B. Bayerns läuft es dort noch (!) halbwegs gut, in anderen ist es auch dort schon äußerst schwer. Darüber aber... 
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Die Einsparungen werden zur Mitfinanzierung des LLZ in Bassum verwendet bzw. eingesetzt um die zu erwartenden Verwaltungs- und Betriebskostensteigerungen aufzufangen. Ein Ergebnis der Gesamtbewertung könnte allerdings auch die Aufgabe des LLZ-Vorhabens in Bassum durch einen Verkauf der Immobilie sein.
a) Wer glaubt, dass die Bezirke sich freiwillig selbst entleiben, um mit ihrem Nachlass (nach ihrem Hinscheiden und ihrer schnellen Beerdigung im kollektiven Urnenfeld oder Friedwald) den bisher darbenden Erben NWDSB zu finanzieren, gewissermaßen als dessen Märtyrer - der hat eine interessante Enschätzung der bisherigen Mentalitäten. Da erschiene mir das Gegenteil wohl noch eher möglich.
b) Die Aufgabe des LLZ-Vorhabens ist denkbar aber unwahrscheinlch. Die Immobilie ist nämlich gar nicht so leicht kommerziell nutzbar - und welches geeignete Unternehmen will schon in die tiefste Provinz?
c) Außerdem stehen psychologische Aspekte dagegen: das Gebäude ist ja schon nutzbar und wird genutzt, Allenfalls wird das Konzept neu überdacht, in württembergischen Stil.
Carcano