Na ja, konnte offenbar noch nicht gelöscht werden. Ich poste dann erst einmal die aktualisierte und erweiterte Fassung:
In diesem Forum ist schon wiederholt auf ein Papier des Deutschen Schützenbundes zu einer angedachten "Strukturreform" (ab 2015) hingewiesen worden. Tatsächlich handelt es sich um den ersten Vorentwurf eines Vorentwurfs, der so - aus der Feder des bayerischen Landesoberschützenmeisters Wolfgang Kink stammend, denn einer musste ja die Anschub-Arbeit machen - erst einmal einer internen kleinen DSB-Arbeitsgruppe zur internen Diskussion und weiteren gemeinsamen Erarbeitung vorgelegt werden sollte. Das ist auch der wesentliche Grund, warum das Papier noch "vertraulich" ist - es ist einfach zur Zeit noch ins Unreine geschrieben, recht ungleichgewichtig, und es wäre nicht fair für die daran Arbeitenden, so einen Vor-Vorentwurf schon zu veröffentlichen.
Die Struktur des Dachverbandes (ein reiner Verbändeverband mit schwachem und unterfinanziertem Zentrum) ist überlebt. Sie spiegelt teilweise politische Verhältnisse noch vor Gründung der Bundesrepublik wieder, und teilweise sogar längst unbekannt gewordene Zwischenverhältnisse irgendwo zwischen 19. und 20. Jahrhundert. In anderen Bereichen geht sie noch von einer Verwaltungsfähigkeit und einem "Ehrenamtspotential" aus, das so heute nicht mehr besteht. Alte Strukturen aber sind zäh. Von innen sind sie meist unmöglich zu ändern; Anstöße und Reformen müssen daher oft von außen kommen. Das gilt für alle Lebensbereiche – der Schießsport und das Schützenwesen ist da keine Ausnahme.
In diesem Forum sind in bisherigen Diskussionen insbesondere zwei Aspekte schon wiederholt angesprochen worden.
Der eine ist die bisherige überkommene interne Verwaltungsgliederung: Verein - Kreis - Gau - Bezirk - Landesverband. Es gibt aber nicht mehr genügend Leute für alle bisherigen und früher als selbstverständlich angesehenen "Ämter" auf jeder Ebene; mehr und mehr Posten bleiben unbesetzt oder werden mehr schlecht als recht mitverwaltet. So werden die noch vorhandenen Amtsträger zunehmend überlastet und überaltern. Die Frage, die sich stellt, ist also zum einen, ob alle Ebenen wirklich nötig sind, und welche Posten es zukünftig mit welchem Zuschnitt braucht.
Der zweite ist die mangelnde Übereinstimmung der "Grenzen" der DSB-Landesverbände mit den politischen Grenzen der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Es gibt Länder, in denen zwei oder drei Landesverbände bestehen, es gibt aber auch Landesverbände, die zu Teilen über zwei Bundesländer reichen. Beides führt zu erheblichen Verwaltungs- und Finanzierungsschwierigkeiten.
Ich möchte jetzt, ohne auf irgendein non-paper abzustellen, diese beiden Dinge einmal für mich betrachten, auch unter Berücksichtigung der bisherigen Diskussionen im Forum und der aktuellen Situation.
I.
Ich sehe aus meiner Perspektive folgende Abweichungssituationen bzgl. der Landesverbandsgrenzen in Deutschland:
1. Norddeutscher Schützenbund (Schleswig-Holstein) und Schützenverband Hamburg (letzterer enthält Schützenkreise aus der Freien und Hansestadt Hamburg und aus Niedersachsen).
Diese Situation ist völlig widersprüchlich und unlogisch, auch vom Zahlenverhältnis her ungereimt. Denn während Bremen keinen eigenen Landesschützenverband hat, haben Hamburg (und Berlin) jeweils einen; historische Ursachen hierfür mag es geben, valide Sachgründe nicht. In beiden Fällen ist der Verband aber größer als das jeweilige Stadtstaatsgebiet. Klare Außengrenzen und eindeutliche Räumliche Zuordnungen gibt es nicht, die Vereine und/oder Kreise an den Grenzen haben sich teilweise ausgesucht (und tlw. um den Meistbietenden gepokert), welchen Verband sie wählen, ungeachtet der Bundeslandsgrenzen.
2. Nordwestdeutscher Schützenbund und Niedersächsischer Sportschützenverband: beides Großverbände mit einem besonders zahlenstarken Traditionsschützenanteil in einem großen Flächenland.
Die enormen Probleme innerhalb des NWDSB, die inzwischen auch den DSB insgesamt bedrohen, sind bekannt. Erwogen werden könnte eine Union zu einem Niedersächsischen Gesamtverband, wobei dann die Frage ist, wie innerhalb des großen Flächenstaats die Mittelverteilung wäre. Ein Bundesland dieser Größe braucht eigentlich mehr als nur ein LLZ und als nur einen Kaderstandort, wobei im NWDSB es unter Ines Michel schon gute Schritte hin zu einer Dezentralisierung gab. Ein weiteres noch gravierenderes Problem wäre die aus einer solchen Einung folgende Machtverschiebung innerhalb des DSB. Der neue und ausgesprochen waffenfeindliche Großverband könnte eine Bedrohung für die liberaleren und weniger obrigkeitshörigen Verbände südlich der Mainlinie werden.
3. Schützenverband Berlin-Brandenburg und Brandenburgischer Schützenbund: wirre und von außen nicht nachvollziehbare Zuordnungen und Gebietseroberungen der Nachwendezeit ab 1990. Auch die Abgrenzung zum Landesschützenerband Mecklenburg-Vorpommern ist nicht ganz stringent.
Hier wäre zu fragen, ob eine Fusion zu einem Gesamtverband "Berlin und Brandenburg" oder gar "Preußen" sinnvoll wäre, und was dadurch einzusparen wäre, insbesondere ob die Hauptstädter damit in ihrem Stolz verletzt wären.
4. Rheinischer, Westfälischer und Pfälzer Landesverband, gegenübergestellt den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.
Der RSB ist vollkommen unverwaltbar und unregierbar geworden, die absurd erstreckte und zerdehnte Flächenaufteilung ist ein Witz ("Preußische Rheinprovinz", diese selbst ohne jede tragfähige historische Verwurzelung) und jeder in dem Verband weiß das auch. Alle - teils sehr bemühten - internen Strukturreformversuche der letzten 30 Jahre sind bisher gescheitert. Dieser Gordische Knoten kann nur von außen zerschlagen werden.
Ein von einem Rechtsstreit begleiteter Abspaltungsversuch schlug fehl. Vorgeschlagen wurde hier im Forum schon ein Rheinland-Pfälzischer Sportschützenverband (bestehend aus dem früheren PSSB und Teilen des RSB) und als Gegenstück ein vergrößerter Nordrhein-Westfälischer Verband (bestehend aus dem früheren WSB und Teilen des früheren RSB).
5. Badischer, Südbadischer und Württembergischer Verband innerhalb Baden-Württembergs.
Möglich wäre als eine denkbare Option die Fusion der beiden badischen Verbände (die Zweiteilung ist eigentlich ein seltsames Besatzungszonenrelikt), um so zumindest auf den Stand von 1952 zu kommen, oder gar eine Gesamtfusion zu einem südwestdeutschen Großverband (Probleme wegen der süddeutschen Machtballung innerhalb des DSB wären dann aber zu erwarten ähnlich wie unter 2). Die einige Jahre bestehenden Streitigkeiten um das LLZ in Pforzheim scheinen beigelegt. Ob das LLZ internen Reformbedarf hat, ist eine andere Frage. Die Finanzierung der großen Anlage ist jedenfalls sehr komplex und umfasst den örtlichen Verein, die Jäger, u.U. die Stadt Pforzheim, drei Landesverbände, und öffentliche Mittel. Das ist (siehe Bad Kreuznach) immer potentiell heikel, zumal die Anlage stark unternutzt wird und die altehrwürdige SG Pforzheim recht anämisch und sportlich defizient wirkt.
6. Bayerischer Sportschützenbund und Oberpfälzer Schützenbund innerhalb des Freistaats Bayern.
Ein Relikt der Konfessionalisierung, der Augsburger Religionsfriedens und des Dreißigjährigen Krieges. Bisher schienen der große und der kleine Verband hier aber ganz zufrieden, und große Vorteile einer Fusion scheinen mir nicht ersichtlich.
Ein ganz wichtiges Hauptproblem bei allen Unionen und Fusionen sind die Sportler selbst: nämlich die dadurch an der Spitze stark verdichteten Leistungen und die Frustration und der daraus folgende zu befürchtende Ausstieg vieler SchützInnen im „Intermediate Level“. Gleiches gilt übrigens auch für den folgenden Punkt II.
Bei der bisherigen Zustand würde vermutlich fast keiner der Oberpfälzer Schützen (ggü. dem enormen Übergewicht des BSSB) auch nur noch *irgendeine* Medaille bei hypothetischen gesamtbayerisch-freistaatlichen Landesmeisterschaften erreichen können. Diese Aspekte und Befindlichkeiten, an der Grenze zwischen Breitensport und Leistungssport, sind bisher in den Diskussionen nicht hinreichend erwogen worden.
Ein denkbarer guter und praktischer Ausweg wären z.B. die Titel eines „nordbadischen, südbadischen und württembergischen Landesmeisters“ innerhalb eines einzigen Baden-Württembergischen Gesamtschießsportverbands. Es gibt nämlich logisch keinen Zwang, dass 1 Verband nur 1 Landesmeister (Gold) hätte (entsprechend gilt das auch für Silber-Nordbaden, Silber-Südbaden, Bronze...), es sind ja genauso gut auch drei Teilmeister denkbar. Denn genauso kann ja auch ein Staat von einem einzigen Oberhaupt oder von einem Dreierkollegium geführt werden.
(Teil 2 folgt)