Beiträge von Carcano

    Im Prinzip ist die Antwort einen eigenen neuen Thread wert. Denn die aktuelle Diskussion (Anzahl und Auswahl von Vereinswaffen, vel "Sportgeräte") entfernt sich ja weit vom ursprünglichen Thema.

    Da ich mit damit einher gehenden Fragen und Überlegungen auch beruflich befasst bin, und da die Sache nicht zuletzt (eigentlich sogar vorrangig) eine Frage des Waffenrechts ist, mag es sich anbieten, hierzu einen ganz neuen und eigenständigen Artikel zu schreiben, was ich gelegentlich hier ja auch mal tue. ;)

    Natürlich orientiert sich ein Antwort am Zuschnitt eines Vereins und an den zur Verfügung stehenden Schießstätten (Plural).

    Auch die jeweilige vereinsinterne Borniertheit spielt eine wichtige Rolle; absterbende Vereine, die eh' längst im inneren Alzheimer erstarrt sind und Neumitglieder nur als potentielle Bedrohung des hergebrachten Trotts ansehen, werden kaum Bedürfnis an neuen oder weiteren Vereinswaffen haben; und die fünf Unentwegten, die sich da noch gelegentlich auf dem Schießstand sehen lassen, haben eh' alle ihre eigene Waffe.

    Vereine andererseits, die viele Gastschützen und Neuzugänge haben (und/oder eine rege Jugendabteilung), brauchen auch entsprechend viele Vereinswaffen. Gleiches gilt für sportlich ehrgeizige Vereine, die ihre Stellung halten und ausbauen wollen (auch im kreis- zund bezirksweiten Medaillenspiegel), die Mannschaften melden wollen etc.

    Und schließlich spielt die zwar oben schon mehrfach angesprochene, aber ersichtlich nicht verstandene rechtliche Unterscheidung zwischen erlaubnispflichtigen und erlaubnisfreien Waffen auch für die Frage, was anzuschaffen ist, eine wichtige Rolle.

    Klar ist diese Regelung zweifellos.
    Nur befürchte ich, keine aktuelle Munition kaufen zu können, die 100%ig dem Original von anno knips entspricht - in Ladung, Zündung und Geschoss.

    Das wird ja auch nicht gefordert. Die Regel schreibt (wie schon zuvor am 1.1.2004) eben "entspricht" und nicht "identisch ist". Es sind vier Aspekte angesprochen, die die Munition möglichst volständig erfassen wollen, und alle sind sinnvoll.

    Carcano

    Zitat

    Ich vermute mal, dass er die Leute nicht so gut leiden kann, die als Kunden eventuell bei ihm einkaufen wollen


    "Kunde droht mit Auftrag", ist ja auch eine schlimmsten Gefahren und Unbilden, die einem im Einzelhandel begegnen können. Tief traumatisierend. Das muss man verstehen...

    Die vorangegangene Fassung (vom 01.01.2014) lautete noch:

    "Die Munition muss dem Original entsprechen."

    Insoweit ist die neue Fassung eine deutliche Verbesserng und erwünschte Klarstellung. Und zwar gerade weil sie in einfacher Sprache abgefasst ist und nicht in Juristendeutsch, oder in fünf Paragraphen zu jeweils vier Absätzen.

    Carcano

    Es geht hier noch um etwas Anderes. Nicht nur um das aufgepolsterte Selbstwertgefühl, wenn einer als einziger Schütze in der Disziplin "Laufende Scheibe 50 m Mix" oder "Steinschlosspistole" dann *Trommelwirbel, Tusch* "Kreismeister" geworden bin. In manchen Alters- und Geschlechtsklassen ist die Medaille ohnehin sicher vorprogrammiert, ungeachtet des Ergebnisses. Darüber kann man lächeln und/oder sich freuen.

    Der andere Aspekt ist aus Sicht mancher Vereine gewichtiger. Für öffentliche Fördermittel. Schießstandzuschüsse des Landessportbundes und für Sponsorengelder ist das "standing", also der nachweisliche Erfolg eines Vereins wichtig. Wer der erfolgreichste Verein im Kreis ist, also die meisten Medaillen sammelt, steht natürlich auch insoweit deutlich besser da.
    Man kann da als Sportleiter des Vereins durchaus durch taktisch geschickt ausgewählte und generierte Meldungen (besonders beliebt auch Mannschaftsmeldungen) sehr gut Medaillen sammeln und häufen. Illegitim ist das nicht. :)

    Carcano

    Es zerfasert jetzt in Details - was völlig legitim ist, aber von dem größeren Zusammenhang ablenken könnte. Grundsätzlich, und da habt ihr ganz recht, gehört auch die Wettkampfabfolge, bzw. der Verpflichtungscharakter aller Wettkampfebenen zur "Struktur" des Verbändeaufbaus, und ist im Zweifel insgesamt wichtiger als die Frage, ob der Schützenkreis Kleinkullerskampfendorf nun von Berlin-Brandenburg zu Brandenburg wechselt oder umgekehrt. ;) (Die Kleinkullerskampfendorfer werden das natürlich anders sehen)

    Das bedeutet: die Arbeitsgruppe sollte auch im Auge behalten, welche etwaigen Anpassungen und Verbesserungen der Sportordnung die kundgetanen Reformziele in DSB und LSVs sinnvoll unterstützen könnten. Die wird ja eh' jedes Jahr irgendwie irgendwo geändert, da können solche Punkte dann gleich mit eingefügt bzw. eingepflegt werden.

    Es ist jedenfalls nicht gut, Bestimmungen in einer Sportordnung aufrecht zu erhalten, die unpraktisch sind, oder stillschweigend bzw. mit halbofiziellem Augenzwinkern gar nicht mehr befolgt werden. Das ist ein Geßlerhut, es untergräbt die Verpflichtungskraft des Regelwerks insgesamt, und es führt zu lokaler Ebene zu Willkür in der Anwendung oder Nichtanwendung - und Willkür ist etwas, woran sich Schützen mit am meisten stören.

    Speziell zur Unterfrage Vereinsmeisterschaft gibt es folgende theoretische Optionen:

    1. Die Ebene "VM" wird in der Bundes-Sportordnung (also dem Teil A) ganz gestrichen.
    (Fände ich schlecht. Es ist eine alte Tradition, und hie und da wird sie auch beachtet, vielleicht sogar für gut befunden.)

    2. Nur die Ebenen vom Kreis aufwärts werden als "verpflichtend" deklariert (ein Vorschießen kann für Kreis und Bezirk erleichtert werden).

    3. Man behält die vogeschriebene Meldung des Vereinsmeisterschaftsergebnisses bei, fügt aber elegant einen Ersetzungspassus an, wonach wahlweise _stattdessen_ auch das Ergebnis der letzten Keismeisterschaft (bzw. des letzten Vorschießens) gemeldet werden kann. Das wäre am unauffälligsten (und es entspricht, seien wier mal ehrlich, einer schon weithin geübten Praxis -und das weiß auch jeder Sportleiter).

    Carcano

    Es gibt durchaus Vereine, die sie durchführen. Und es gibt Vereine, die irgendwelche Ergebnisse melden. Oder sogar jahrein jahraus dasselbe.
    Aber wo sich das so verhält, auch da sollte man - aus den oben schon geknapp genannten Gründen - fragen, on man diesen Zopf in der Sportordnung dann nicht lieber ganz abschneidet.
    Oder zumindest deutlich kürzt. Wer gerne eine VM schießt, kann und soll das ja tun (und dann vermutlich zu einer vernünftigeren Jahreszeit). Aber es sollte keine verpflichtend vorausgesetzte Stufe für den Beginn des Wettkampfjahrs sein.

    Carcano

    Nein. Die Schießsportleiterlizenz eines DSB-Landesverbandes wird in allen anderen Landesverbänden anerkannt und ist als sogenannte "Basisqualifikation" eine vorausgesetzte Ausbildungsstufe für den Trainer C.

    Die "Maßnahmen" haben einerseits einen stickigen, angstgeschwängerten Geruch von Verzweiflung, und andererseits wirken sie auf Außenstehende -zu Recht oder Unrecht - bösartig und machtmißbrauchend.

    Um es klar zu sagen: die Position der (noch-) NWDSB-Führung lässt sich sicherlich zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Der Verlust so vieler Traditionsschützen, ganzer Vereine (es werden immer mehr und mehr, fast jede Woche) und das Schrumpfen eines Schützenkreises auf weniger als 1/3, das ist bedrohlich. Das ist erst recht nicht im Interesse des Schützenwesens insgesamt, und es bedroht auch den DSB, der zu Recht besorgt ist.

    Aber um diesem kollektiven Problem gegenzusteuern, sind Schikanen gegen einzelne Schützen nicht der richtige Weg. Vor allem, weil diese Schikanen genau die Falschen treffen: nämlich solche Schützen und Schützinnen, die sportlich aktiv sind und bleiben wollen, gerade INNERHALB des Verbandes (nun eben in einer SSG, weil die Mehrheit ihres Traditionsvereins ausgetreten ist), und die sich freiwillig für den Verband weitergebildet haben und tlw. Aufgaben übernommen haben (Schießsportleiter),
    Ein solches Vorgehen des Verbandes wirkt wirklich selbstzerstörerisch.

    Carcano

    Das ist nicht spaßig für die Lizenzinhaber, da kommt noch einiges auf die Vereine zu. Man soll schlafende Riesen nicht wecken sagt man.

    Schlafende überalterte Drachen mit mangelnder Sozialkompetenz fallen im deutschen und europäischen Sagenschatz reihenweise mutigen Rittern zum Opfer.
    Das wünschen wir uns hier natürlich nicht. :) Ich mein' ja nur, wenn sich jemand schon in Metaphern und Bildern versucht...

    Carcano

    Hier im Forum wissen es ja ohnehin viele. Dennoch zeigt sich die Problematik der irrationalen und oft dysfunktionalen "Grenz"ziehungen in dem folgenden Zitat ganz gut (aus der Website des Bremischen Schützenkreises Niedersachsen-Weyhe, der allerdings weder zu einem nicht existenten Bremischen Landesschützenverband gehört, noch zum Niedersächsischen). Er hat 1420 Mitglieder, wenn nicht inzwischen welche ausgetreten sind:

    Zitat

    Das Schützenwesen ist regional wie folgt gegliedert:
    -- Deutscher Schützenbund -- Landesverbände -- Bezirke / Gaue -- Schützenkreise -- Vereine --
    Hierbei sind nicht unbedingt politische sondern traditionelle Abgrenzungen vorhanden. So teilt sich Niedersachsen in zwei Landesverbände: NSSV (Niedersächsischer Sportschützenverband) und NWDSB (Nordwestdeutscher Schützenbund). Einige Schützenvereine im Hamburger Umland sind zudem im LV Hamburg organisiert.
    Der Schützenkreis Niedersachsen-Weyhe besteht aus den Stuhrer Vereinen Brinkum, Seckenhausen, Stuhr von 1912 und Stuhr e.V., den Weyher Vereinen Erichshof, Kirchweyhe, Lahausen, Melchiorshausen und Sudweyhe sowie dem Schützenverein Barrien.
    Der Schützenkreis Niedersachsen-Weyhe bildet zusammen mit den Schützenkreisen Bremen-Nord und Bremen-Stadt den Bezirk Bremen, der wiederum dem NWDSB angehört.

    II.
    Frage, ob z.B. die Bezirke wirklich als Zwischenstruktur noch eine Berechtigung haben

    In Niedersachsen gibt es keine, in den ostdeutschen Verbänden wohl tlw. auch nicht, in Südbaden wurden sie 2013 abgeschafft. Auf staatlicher Verwaltungsseite gibt es keine Notwendigkeiten, dass etwa in einem Regierungsbezirk ein Bezirksschießsportverband vorhanden sein müsste, das kann ich aus dauernder Praxis verneinen. Das gilt übrigens genauso für Jäger und deren Struktur.
    Anderseits könnten in Zukunft fusionierte Großverbände wiederum ein Bedürfnis nach einer neuen überschaubareren Zwischenstruktur nahelegen. Es bleibt also schwierig.
    Zudem gibt es historisch bedingte Fälle, in denen die Bezirke eigene e.V.'s sind und diese erst den Landesverband gegründet haben. Auch der Harzer Schützenbund ist ein historisch wichtiger Sonderfall, der weit mehr Geschichte und Dignität als der NSSV hat.

    Denkbar wäre auch eine Auflösung als Struktur samt Ämtern, aber eine Beibehaltung (nur) der Meisterschaften. Die Frage ist, ob den SchützInnen diese Wettkämpfe nicht zuviel wären – der nahe liegende Einwand „wofür brauch ich das?“ liegt nahe. Wer gerne um der Ehre und des Titels willen „Bezirksmeister(in)“ werden will, könnte dann eben freiwillig mitschießen, wer eh’ auf die Landesebene und deren Medaillen schaut, würde sich stattdessen mit dem Kreismeisterschaftsergebnis durchmelden können. Ist das sinnvoll ? Ein Problem sind dann in der Praxis freilich die zunehmend fehlenden Aufsichten und Freiwilligen für die Abhaltung einer solchen Zwischenmeisterschaft.

    Carcano

    Na ja, konnte offenbar noch nicht gelöscht werden. Ich poste dann erst einmal die aktualisierte und erweiterte Fassung:

    In diesem Forum ist schon wiederholt auf ein Papier des Deutschen Schützenbundes zu einer angedachten "Strukturreform" (ab 2015) hingewiesen worden. Tatsächlich handelt es sich um den ersten Vorentwurf eines Vorentwurfs, der so - aus der Feder des bayerischen Landesoberschützenmeisters Wolfgang Kink stammend, denn einer musste ja die Anschub-Arbeit machen - erst einmal einer internen kleinen DSB-Arbeitsgruppe zur internen Diskussion und weiteren gemeinsamen Erarbeitung vorgelegt werden sollte. Das ist auch der wesentliche Grund, warum das Papier noch "vertraulich" ist - es ist einfach zur Zeit noch ins Unreine geschrieben, recht ungleichgewichtig, und es wäre nicht fair für die daran Arbeitenden, so einen Vor-Vorentwurf schon zu veröffentlichen.

    Die Struktur des Dachverbandes (ein reiner Verbändeverband mit schwachem und unterfinanziertem Zentrum) ist überlebt. Sie spiegelt teilweise politische Verhältnisse noch vor Gründung der Bundesrepublik wieder, und teilweise sogar längst unbekannt gewordene Zwischenverhältnisse irgendwo zwischen 19. und 20. Jahrhundert. In anderen Bereichen geht sie noch von einer Verwaltungsfähigkeit und einem "Ehrenamtspotential" aus, das so heute nicht mehr besteht. Alte Strukturen aber sind zäh. Von innen sind sie meist unmöglich zu ändern; Anstöße und Reformen müssen daher oft von außen kommen. Das gilt für alle Lebensbereiche – der Schießsport und das Schützenwesen ist da keine Ausnahme.

    In diesem Forum sind in bisherigen Diskussionen insbesondere zwei Aspekte schon wiederholt angesprochen worden.
    Der eine ist die bisherige überkommene interne Verwaltungsgliederung: Verein - Kreis - Gau - Bezirk - Landesverband. Es gibt aber nicht mehr genügend Leute für alle bisherigen und früher als selbstverständlich angesehenen "Ämter" auf jeder Ebene; mehr und mehr Posten bleiben unbesetzt oder werden mehr schlecht als recht mitverwaltet. So werden die noch vorhandenen Amtsträger zunehmend überlastet und überaltern. Die Frage, die sich stellt, ist also zum einen, ob alle Ebenen wirklich nötig sind, und welche Posten es zukünftig mit welchem Zuschnitt braucht.

    Der zweite ist die mangelnde Übereinstimmung der "Grenzen" der DSB-Landesverbände mit den politischen Grenzen der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Es gibt Länder, in denen zwei oder drei Landesverbände bestehen, es gibt aber auch Landesverbände, die zu Teilen über zwei Bundesländer reichen. Beides führt zu erheblichen Verwaltungs- und Finanzierungsschwierigkeiten.
    Ich möchte jetzt, ohne auf irgendein non-paper abzustellen, diese beiden Dinge einmal für mich betrachten, auch unter Berücksichtigung der bisherigen Diskussionen im Forum und der aktuellen Situation.

    I.
    Ich sehe aus meiner Perspektive folgende Abweichungssituationen bzgl. der Landesverbandsgrenzen in Deutschland:

    1. Norddeutscher Schützenbund (Schleswig-Holstein) und Schützenverband Hamburg (letzterer enthält Schützenkreise aus der Freien und Hansestadt Hamburg und aus Niedersachsen).
    Diese Situation ist völlig widersprüchlich und unlogisch, auch vom Zahlenverhältnis her ungereimt. Denn während Bremen keinen eigenen Landesschützenverband hat, haben Hamburg (und Berlin) jeweils einen; historische Ursachen hierfür mag es geben, valide Sachgründe nicht. In beiden Fällen ist der Verband aber größer als das jeweilige Stadtstaatsgebiet. Klare Außengrenzen und eindeutliche Räumliche Zuordnungen gibt es nicht, die Vereine und/oder Kreise an den Grenzen haben sich teilweise ausgesucht (und tlw. um den Meistbietenden gepokert), welchen Verband sie wählen, ungeachtet der Bundeslandsgrenzen.

    2. Nordwestdeutscher Schützenbund und Niedersächsischer Sportschützenverband: beides Großverbände mit einem besonders zahlenstarken Traditionsschützenanteil in einem großen Flächenland.
    Die enormen Probleme innerhalb des NWDSB, die inzwischen auch den DSB insgesamt bedrohen, sind bekannt. Erwogen werden könnte eine Union zu einem Niedersächsischen Gesamtverband, wobei dann die Frage ist, wie innerhalb des großen Flächenstaats die Mittelverteilung wäre. Ein Bundesland dieser Größe braucht eigentlich mehr als nur ein LLZ und als nur einen Kaderstandort, wobei im NWDSB es unter Ines Michel schon gute Schritte hin zu einer Dezentralisierung gab. Ein weiteres noch gravierenderes Problem wäre die aus einer solchen Einung folgende Machtverschiebung innerhalb des DSB. Der neue und ausgesprochen waffenfeindliche Großverband könnte eine Bedrohung für die liberaleren und weniger obrigkeitshörigen Verbände südlich der Mainlinie werden.

    3. Schützenverband Berlin-Brandenburg und Brandenburgischer Schützenbund: wirre und von außen nicht nachvollziehbare Zuordnungen und Gebietseroberungen der Nachwendezeit ab 1990. Auch die Abgrenzung zum Landesschützenerband Mecklenburg-Vorpommern ist nicht ganz stringent.
    Hier wäre zu fragen, ob eine Fusion zu einem Gesamtverband "Berlin und Brandenburg" oder gar "Preußen" sinnvoll wäre, und was dadurch einzusparen wäre, insbesondere ob die Hauptstädter damit in ihrem Stolz verletzt wären.

    4. Rheinischer, Westfälischer und Pfälzer Landesverband, gegenübergestellt den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.
    Der RSB ist vollkommen unverwaltbar und unregierbar geworden, die absurd erstreckte und zerdehnte Flächenaufteilung ist ein Witz ("Preußische Rheinprovinz", diese selbst ohne jede tragfähige historische Verwurzelung) und jeder in dem Verband weiß das auch. Alle - teils sehr bemühten - internen Strukturreformversuche der letzten 30 Jahre sind bisher gescheitert. Dieser Gordische Knoten kann nur von außen zerschlagen werden.
    Ein von einem Rechtsstreit begleiteter Abspaltungsversuch schlug fehl. Vorgeschlagen wurde hier im Forum schon ein Rheinland-Pfälzischer Sportschützenverband (bestehend aus dem früheren PSSB und Teilen des RSB) und als Gegenstück ein vergrößerter Nordrhein-Westfälischer Verband (bestehend aus dem früheren WSB und Teilen des früheren RSB).

    5. Badischer, Südbadischer und Württembergischer Verband innerhalb Baden-Württembergs.
    Möglich wäre als eine denkbare Option die Fusion der beiden badischen Verbände (die Zweiteilung ist eigentlich ein seltsames Besatzungszonenrelikt), um so zumindest auf den Stand von 1952 zu kommen, oder gar eine Gesamtfusion zu einem südwestdeutschen Großverband (Probleme wegen der süddeutschen Machtballung innerhalb des DSB wären dann aber zu erwarten ähnlich wie unter 2). Die einige Jahre bestehenden Streitigkeiten um das LLZ in Pforzheim scheinen beigelegt. Ob das LLZ internen Reformbedarf hat, ist eine andere Frage. Die Finanzierung der großen Anlage ist jedenfalls sehr komplex und umfasst den örtlichen Verein, die Jäger, u.U. die Stadt Pforzheim, drei Landesverbände, und öffentliche Mittel. Das ist (siehe Bad Kreuznach) immer potentiell heikel, zumal die Anlage stark unternutzt wird und die altehrwürdige SG Pforzheim recht anämisch und sportlich defizient wirkt.

    6. Bayerischer Sportschützenbund und Oberpfälzer Schützenbund innerhalb des Freistaats Bayern.
    Ein Relikt der Konfessionalisierung, der Augsburger Religionsfriedens und des Dreißigjährigen Krieges. Bisher schienen der große und der kleine Verband hier aber ganz zufrieden, und große Vorteile einer Fusion scheinen mir nicht ersichtlich.


    Ein ganz wichtiges Hauptproblem bei allen Unionen und Fusionen sind die Sportler selbst: nämlich die dadurch an der Spitze stark verdichteten Leistungen und die Frustration und der daraus folgende zu befürchtende Ausstieg vieler SchützInnen im „Intermediate Level“. Gleiches gilt übrigens auch für den folgenden Punkt II.
    Bei der bisherigen Zustand würde vermutlich fast keiner der Oberpfälzer Schützen (ggü. dem enormen Übergewicht des BSSB) auch nur noch *irgendeine* Medaille bei hypothetischen gesamtbayerisch-freistaatlichen Landesmeisterschaften erreichen können. Diese Aspekte und Befindlichkeiten, an der Grenze zwischen Breitensport und Leistungssport, sind bisher in den Diskussionen nicht hinreichend erwogen worden.

    Ein denkbarer guter und praktischer Ausweg wären z.B. die Titel eines „nordbadischen, südbadischen und württembergischen Landesmeisters“ innerhalb eines einzigen Baden-Württembergischen Gesamtschießsportverbands. Es gibt nämlich logisch keinen Zwang, dass 1 Verband nur 1 Landesmeister (Gold) hätte (entsprechend gilt das auch für Silber-Nordbaden, Silber-Südbaden, Bronze...), es sind ja genauso gut auch drei Teilmeister denkbar. Denn genauso kann ja auch ein Staat von einem einzigen Oberhaupt oder von einem Dreierkollegium geführt werden.
    (Teil 2 folgt)