Schießbuch – Sinnvoll oder überflüssig? Wie geht ihr damit um?

  • Hallo zusammen,

    ich möchte hier mal ein Thema anstoßen, das aus meiner Sicht mehr Beachtung verdient – das Schießbuch.

    Für viele ist es einfach ein lästiges Stück Papier, das irgendwo in der Tasche verschwindet oder nur geführt wird, wenn es „sein muss“. Für andere – so wie für mich – ist es ein echtes Werkzeug im Training, das hilft, Fortschritte zu sehen, Routinen zu reflektieren und sich gezielt zu verbessern.

    Ich bin ganz klar pro Schießbuch.

    Nicht nur, weil ich selbst welche entwickle und gestalte (unter dem Namen Alpha Aim), sondern weil ich in der Praxis immer wieder sehe, wie wertvoll es ist, seine Einheiten zu dokumentieren. Wer regelmäßig trainiert, kennt das Gefühl: Mal läuft’s super, mal nicht. Aber ohne Aufzeichnung fehlt oft der Blick aufs große Ganze. Welche Waffe? Welches Kaliber? Welche Distanz? Trefferbild? Tagesverfassung? Alles Punkte, die sich im Rückblick lohnen.

    Gerade im Leistungssport oder bei ambitionierten Hobbyschützen finde ich es fast fahrlässig, kein Schießbuch zu führen – bei anderen Sportarten ist die Dokumentation Standard. Warum also nicht auch bei uns?

    Mich interessiert:

    👉 Wie haltet ihr das? Führt ihr ein Schießbuch? Wenn ja, wie regelmäßig und in welcher Form? Papier oder digital?

    👉 Was spricht eurer Meinung nach dafür – oder dagegen?

    👉 Würdet ihr euch standardisierte oder individualisierte Formate wünschen (z. B. für bestimmte Disziplinen, Vereine etc.)?

    Bin gespannt auf eure Erfahrungen und Meinungen!

    Stefano

    – Alpha Aim – Shoot smart. Think sharp.

  • Hi,

    ich habe früher (wo ich noch öfters trainiert hatte) auch ein Schießbuch geführt. Ich nutzte beide Formen schriftlich wie Digital. Ich hatte Excel genutzt und dann auch gleich eine Auswertung mit Diagramm etc. Es bringt einem auch schon sehr viel und man kann schon nutzen davon haben wenn man es richtig macht.

    Jetzt mach ich es nicht mehr, da ich leider nicht mehr in der Häufigkeit schieße wie früher.

    Gruß

    LG800X / QY 4,50
    LG900 Alu / H&N / 4,49 / QY 4,49
    KK2700 Super Match / RWS Rifle Match / Rifle Match S

    KK2800 Alu / Lapua Midas+

  • Ich bin 40, ITler und das Schießbuch ist vermutlich eines der letzten analogen Dinge, die ich nicht auf digital umstellen werde.
    Ich würde nicht das Risiko eingehen eine App zu nutzen und mich von irgendjemanden abhängig machen.

    DSB/WSB-Sportschütze, nur KWs - für LW fehlt mir das Talent :)

    4,5mm Steyr EVO 10, .22 Walter GSP Expert, .357 S&W 686, .45 ACP HCG/Peters Stahl,

    Wiederlader, Geschossselbergießer und Beschichter

    https://www.ssvbwk.de

  • Was meinst du mit "Einheiten dokumentieren" ?

    Hat er doch geschrieben: Seine TRAININGS-Einheiten (und Wettkämpfe) zu dokumentieren, aber nicht nur ".22 SpoPi" sondern eben auch Ergebnisse, psychische und sonstige Besonderheiten.

    Ich denke, man sollte hier unterscheiden zwischen einem SCHIESSBUCH (rein zur Dokumentation des persönlichen waffenrechtlichen Bedürfnisses) und einem TRAININGSTAGEBUCH, das sehr viel detaillierter ist, auch andere Trainingseinheiten außerhalb des Schießsportes abbilden kann, aber Behörden nichts angeht, maximal den/die Trainer - sh. z.B. IDA (IAT-Kaderdatenbank).

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Ganz klar dafür. Und zwar für beides.
    Wie Califaxschon ausführte, sollte man zwischen Schießbuch und Trainingstagebuch unterscheiden. Das reine Schießbuch zur Nachweisführung hinsichtlich des waffenrechtlichen Bedürfnisses (sofern erforderlich), obgleich es nirgendwo geregelt ist, wie der Nachweis auszusehen hat. Für sich persönlich dann ein Schieß- oder Trainingstagebuch in etwas ausführlicherer Form.

    Wie haltet ihr das? Führt ihr ein Schießbuch? Wenn ja, wie regelmäßig und in welcher Form? Papier oder digital?

    Ob analog oder digital hängt wohl von den Vorlieben des Einzelnen ab. Ich persönlich finde, dass es kein Nachteil ist, wenn man es zuerst zu Papier bringt und ggf. später in eine digitale Form überträgt. Bei dieser Gelegenheit kann man durchaus noch mal bewusst reflektieren.

    Was spricht eurer Meinung nach dafür – oder dagegen?

    dafür: sehr genaue Dokumentation möglich und somit auch nachvollziehbare Ergebnisse, Entwicklungen, einzelne Schritte, Änderungen, mentale und physische Verfassung usw., usf..

    dagegen: Bequemlichkeit, Faulheit oder kein ernsthaftes und konsequentes Interesse an der eigenen sportlichen Entwicklung

    Würdet ihr euch standardisierte oder individualisierte Formate wünschen (z. B. für bestimmte Disziplinen, Vereine etc.)?

    Auf jeden Fall - zumindest im Bereich des Schießbuches. Was da so alles auf dem Markt ist... *kopfschüttel*
    Von ganz rudimentär bis zu relativ ausführlichen Angaben ist da alles dabei. Eine einheitliche Form würde allen helfen (Schützen, Behörden, Vereine). Da es dafür aber keine (Rechts)Grundlage gibt, wird es in absehbarer Zeit so etwas nicht geben.

    LP 500 Expert E
    Steyr Challenge E
    M150 -ST- mit ZF

    Der Unterschied zwischen: "geiler Wettkampf heute" :) oder: "ich reiß' hier gleich die Hütte ab" :angry: ist oft nur eine 9,9 !

  • Zu deinen Fragen:

    Ja, ich führe ein Schießbuch, bzw. ich dokumentiere meine Ergebnisse. Ich hab mir in Google Sheets für jede Disziplin die ich schieße (LG Freihand, KK 100m, KK 30 Schuss, 3x20, 3x40 und Liegendkampf) ein Tabellenblatt mit einer Auswertung und übersicht erstellt. Aufgelistet sind immer die einzelnen Serien, je nach Disziplin nur in Vollring oder auch mit Zehntel (LG Freihand und Liegend). Da wird immer Serie 1 bis maximale Anzahl an Serien eingetragen. In der Kopfzeile habe ich eine Funktion die mir den Durchschnitt errechnet, jeweils für einzelne Serien und Gesamtergebnis. Bei LG Freihand hatte ich auch mit Farben gearbeitet, also ab Ringzahl X ist die Serie und Ergebnis Grün, Gelb, Orange oder Rot, im Bereich KK hatte ich dies nicht gemacht. Persönliche Bestleistung wird auch gesondert markiert. Am jeweiligen einzelnen Ergebnis trage ich noch folgende Informationen ein. Datum, Ort, Art des Schießens (Training, Rundenwettkampf, Liga - Wettkampf oder Meisterschaft, jeweils auch welche Meisterschaft) und eine Zeile für Kommentare und Bemerkungen. In die Zeile Kommentare und Bemerkungen schreibe ich besondere Einflüsse wie z.B. sehr hohe Temperatur, Änderungen an meinen Einstellungen / Anschlag etc, aber nur kurz in wenigen Worten zusammengefasst.

    Trainings in denen ich keinen vollen Wettkampf sondern z.B. mal einzelnd nur Kniend übe oder sehr viel " bastel " werden in ein gesondertes Tabellenblatt eingetragen.

    Zusätzlich werden meine Einstellungen und Veränderungen fotografiert, besonders im Dreistellungskampf sehr hilfreich wenn man zwischen z.B. seinen Schaftbacken und Visierlinienerhöhungen wechselt. So fällt es mir auch leichter meine Einstellungen immer wieder zu finden, besonders im Wettkampf sehr hilfreich.

    Dafür spricht für mich eben das ich regelmäßig meinen Fortschritt und Experimente bzw. Veränderungen festhalten kann. Es motiviert ebenfalls sehr wenn man in der Auswertung seinen Anstieg an Leistung erkennen kann. Mir hilft es zudem auch anderen Schützen Vorschläge zu geben wie sie ihren Anschlag oder Einstellungen verbessern können.

    Ob es standatisierte Formate braucht weiß ich nicht, da ist denke ich jeder individuel. Ich habe es gerne sehr detailliert, andere würde dies evtl. ablenken oder nerven, aber das kann dann in dem Standard - Format bestimmt auch einfach ausgelassen werden.

    Walther KK500 Expert

    Feinwerkbau P70 Alu

    Einmal editiert, zuletzt von Mephisto666 (3. Juli 2025 um 10:08)

  • Ich führe es in Papierform für GK Disziplinen.

    Ende letzten Jahre ist die Festplatte des MEyton Servers in meinem Hauptverein gestorben.
    Das war gedacht als Basis für die Bestätigung der Bedürfnisse auf Anfrage der Behörden.
    Wir haben aber auch noch ein Schiessbuch in Papierform am Stand.

    Linksschütze
    EVO 10E
    GSP Atlanta
    FWB 900
    Anschütz 1807Z, 1807L, 2013

  • Definiere Schießbuch

  • Ich dokumentiere meine Trainings auch aber um ehrlich zu sein halte ich nicht viel davon in jedem Training die Ergebnisse genau zu notieren. Ich fokussiere mich da eher auf Änderungen der Einstellungen, Gefühl beim Schießen, Probleme die Aufgetreten sind, Dinge auf die ich beim nächsten Training achten will. So kann ich mich mehr auf das Training des Gefühls und weniger auf reines „Ergebnisschießen“ fokussieren.

  • weniger auf reines „Ergebnisschießen“ fokussieren.

    Die Ergebnisse sollen bei einem Trainingstagebuch ja auch nicht im Vordergrund stehen. Aber ganz ohne geht es halt auch nicht. Man will ja schließlich auch Rückschlüsse ziehen können, welche Veränderungen oder Trainingsmaßnehmen sich wie ausgewirkt haben. Schusszahlen zu erfassen schadet auch nichts. Kann ein wichtiger Indikator in Sachen Belastungssteuerung sein. Aber schlussendlich wird nur dein erzieltes Wettkampfergebnis bewertet. Aber ich stimme dir natürlich insofern zu, dass dieses "Ringe jagen" im Training in den wenigsten Fällen sinnvoll ist bzw. langfristig Erfolg hat.

    LP 500 Expert E
    Steyr Challenge E
    M150 -ST- mit ZF

    Der Unterschied zwischen: "geiler Wettkampf heute" :) oder: "ich reiß' hier gleich die Hütte ab" :angry: ist oft nur eine 9,9 !

  • Die Ergebnisse sollen bei einem Trainingstagebuch ja auch nicht im Vordergrund stehen. Aber ganz ohne geht es halt auch nicht.

    Doch, es geht auch ohne Ergebnisse schießen im Training. Zumindest ich schieße keinerlei Serien im Training. Trainingsergebnisse haben keine Bedeutung, ich messe meinen Erfolg bzw. dessen was eine Änderung gebracht hat oder eben nicht ausschließlich an den Wettkampfergebnissen.

  • Doch, es geht auch ohne Ergebnisse schießen im Training.

    Da stimme ich dir absolut zu. Kam vielleicht etwas ungenau rüber. Ich meinte natürlich in erster Linie Wettkampfergebnisse. Mitunter ist es sogar hilfreich, beim Training keine vollen Serien zu schießen, um diesem nur auf Ergebnis ausgerichtete "Ringe jagen" entgegenzuwirken. Am Ende kann man an einer Steigerung der Wettkampfleistung sehen, ob man die gewünschten Fortschritte macht.

    LP 500 Expert E
    Steyr Challenge E
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  • Schießbuch führe ich seit Ewigkeiten sowohl für das Training als auch für die Wettkämpfe. Teilweise mit, teilweise auch ohne Ergebnis. Mit Ergebnis meist wenn ich komplette Disziplinen schieße.

    Trainingshandbuch nicht. Wettkämpfe sind mit Ergebnis eh dokumentiert und meine Trainingseinheiten sind so durchmischt (mal Teildisziplinen, mal einfach nur Serien usw.) dass das wenig Sinn macht. Da ist mein Anspruch auch zu wenig leistungsorientiert :X

    Mein jeweils vorherrschender mentaler Zustand lässt sich objektiv eh nicht mitplotten - und der hat bei mir große Auswirkung auf das Ergebnis.

    Wenn früher alles besser war, dürfte aus morgiger Sicht heute also gut gewesen sein.

  • Schießbuch führe ich seit Ewigkeiten sowohl für das Training als auch für die Wettkämpfe. Teilweise mit, teilweise auch ohne Ergebnis. Mit Ergebnis meist wenn ich komplette Disziplinen schieße.

    Trainingshandbuch nicht. Wettkämpfe sind mit Ergebnis eh dokumentiert und meine Trainingseinheiten sind so durchmischt (mal Teildisziplinen, mal einfach nur Serien usw.) dass das wenig Sinn macht. Da ist mein Anspruch auch zu wenig leistungsorientiert :X

    Mein jeweils vorherrschender mentaler Zustand lässt sich objektiv eh nicht mitplotten - und der hat bei mir große Auswirkung auf das Ergebnis.

    Jetzt hast du mich neugierig gemacht. Bist du emotional so schwankend?

  • Jetzt hast du mich neugierig gemacht. Bist du emotional so schwankend?

    Ist nicht so dramatisch wie es vielleicht klingt :). Ich merke aber schon, dass meine Schießleistungen leiden wenn ich im Kopf nicht frei bin. Wenn mir viel im Kopf herumschwirrt kann ich auch beim schießen nicht abschalten.

    Nach über 30 Jahren hat sich zudem ein plötzliches "Abzugsproblem" eingestellt, das ich irgendwie nicht los werde.

    Wenn früher alles besser war, dürfte aus morgiger Sicht heute also gut gewesen sein.