Woher kommen die unterschiedlichen Abzugsgewichte

  • Mich hat heute ein Schütze (der seine LP auf ca. 200g Abzugsgewicht eingestellt hatte) gefragt, warum er seine LP nicht genau so einstellen darf wie sein LG – also mit 50g.

    Um ehrlich zu sein, wusste ich keine Antwort – außer natürlich den Verweis auf die SpO, darin sind die zulässigen Abzugsgewichte ja genau definiert. Aber woher kommen diese Werte?

    Warum darf ich eine LP nicht auf 30g runtertrimmen? Warum war das Abzugsgewicht der SpoPi früher 1360g? Nicht gerade ein Wert, der einem so einfällt, finde ich. Wo ist der Ursprung dieser Werte? Saßen da in der Steinzeit des Schießsports die Vorgänger der TK mal zusammen bei Zigaretten und einem Schoppen und haben gesagt – "also die Luftpistole muss auf alle Fälle ein Mindestabzugsgewicht von ...sagen wir 700g haben." Worauf ein anderer sagte - "Nein, 300g sind besser!" Man einigte sich dann auf 500g – aber nur, wenn die SpoPi 1360g als Untergrenze bekommt.

    Weiß da jemand was oder gibt es vielleicht einen heimlichen Bestseller, den ich nicht kenne: "Die Geschichte des DSB und sein Regelwerk im Wandel der Zeit":/

    Schöne Grüße, Rainer

  • Die 1360g entsprechen ca. 3 Englischen Pfund. ( 1 Englischer Pfund = 453,5g)

    Neben Zentralfeuer hatten auch die Herren bei Sportpistole früher die 1360g Abzugsgewicht.

    Walther LP500E
    Pardini SP RF / HP
    Hämmerli 150

  • Mich hat heute ein Schütze (der seine LP auf ca. 200g Abzugsgewicht eingestellt hatte) gefragt, warum er seine LP nicht genau so einstellen darf wie sein LG – also mit 50g.

    Letztendlich aus dem gleichen Grund, dass man nicht auf 5 Meter an die Scheibe rangeht, denn dann könnte man deutlich besser treffen als bei 10 Meter Abstand. Das saubere Abziehen des festglegten Abzugsgewicht ist Teil der Aufgabenstellung.

    Bei der Freien Pistole gibt es übrigens kein festgelegtes Abzugsgewicht. Als Ausgleich ist die Scheibe 50 Meter entfernt. ;)


    Gruss Marcos

  • Ich kenne die Überlegungen nicht, die zu den Mindestabzugsgewichten für Pistolen im Rahmen der internationalen und nationalen Sportordungen geführt haben.

    Ich kann mir aber vorstellen, daß die Sicherheit auf dem Schießstand dabei eine Rolle gespielt haben könnte. Die bei Wettkämpfen - insbesonder Zentralfeuerpistole - eingesetzten Pistolen und Revolver waren ursprünglich Modifikationen von Gebrauchswaffen (Colt, S&W, Nagant, SIG, Benelli) für den militärischen oder polizeilichen Gebrauch. Solche Waffen haben auch aktuell einen sehr hohen Abzugswiederstand, der deutlich über 1,5 kg liegt. Für sportiliche Wettkämpfe wurden die Waffen seinerzeit in der Regel von Mechanikern modifiziert bzw. getunt. Das Mindestabzugsgewicht - sowie die sonstigen Vorgaben bezüglich der Maße und Gewichte - hatten höchstwahrscheinlich das Ziel, dem Tunen vernünftige Grenzen zu setzen.

    Welche Bedeutung ein Mindestabzugsgewicht für die Sicherheit spielt, läßt sich gerade bei der Freien Pistole nachvollziehen. Bei mechanischen Konstruktionen mit mehrfachen Stecherübersetztzungen genügt bisweilen ein abruptes Absetzen der Pistole, um ein Schuß auszulösen. Diesen Effekt kann man ebenso mit Luftpistolen erzielen, wenn man das Abzugsgewicht deutlich unter die 500 g reduziert. Bei Selbstladepistolen kann ein zu geringes Abzugsgewicht u.U. zu einem Feuerstoß führen.

  • Die Zentralfeuerpistole war eine der ersten sportlich standardisierten Kurzwaffen. Die Vorschriften wurden so gemacht, dass die meisten Offizierswaffen in diese Kategorie passten. Die Größe der Waffe, die Visierlänge und Lauflänge stammen von den Offizierswaffen. Auch die merkwürdige Zusammenstellung der möglichen Kaliber kommt, weil die Offizierswaffen der Länder unterschiedlich waren. Das Abzugsgewicht der Offizierswaffen wurde für den sportlichen Zweck vereinheitlicht, um die Vergleichbarkeit zu verbessern.

    Anfangs sah man in der Luftpistole eine billige Trainingswaffe für Zentralfeuer. Die FWB 65 hatte einen Umschalthebel für 1360 g oder 500 g. Weil diese Verstellbarkeit es erschwerte, einen guten Abzug zu konstruieren, hat man das dann nicht mehr verfolgt. Vielleicht hat man 500 g festgelegt, weil es etwa in der Mitte zwischen den „Vorgaben“ für Zentralfeuer und Freier Pistole lag?

    Unsere Sportpistole ist die KK-Version der Zentralfeuerpistole, nur dass man vor ein paar Jahrzehnten das Abzugsgewicht auf 1000 g verringert hat (bzw. bei Schnellfeuer erhöht). Die merkwürdigen Maße, bei denen die Waffe deutlich länger ist als die Visierlinie und das hohe Abzugsgewicht zeigen bis heute den Einfluss der Regeln, die für Offizierswaffen gemacht wurden.

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  • Ich kann mir aber vorstellen, daß die Sicherheit auf dem Schießstand dabei eine Rolle gespielt haben könnte.

    Das hohe Abzugsgewicht bei den Offiziers- und Polizeiwaffen kommt natürlich von Sicherheitsüberlegungen, aber weniger auf dem Schießstand als im Einsatz. Ein unabsichtliches Abziehen unter Stress soll unbedingt vermieden werden.

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