Anschütz 54.30 Neuerungen zum Anschütz 1913 (Match 54)

  • Hallo zusammen,

    mich treibt seit einiger Zeit das Thema Match Kammer um, denn Anschütz hatte bei seiner Ankündigung der neuen 54.30er KK Reihe auch als Neuerung "Match Kammer" als besonders Präzisions fördernd beschrieben. Auch CZ mit seiner 457 beschreibt eine Match-Kammer ... . Da ich gerade mich sehr mit Bill Calfee's Buch 'The Art of Rimfire Accuracy' beschäftige, habe ich mich erinnert, daß Anschütz bei seiner Ankündigung diese Match Kammer hervorrhob. Weiteres recherchieren ... Fehlanzeige, außer blablabla. Auch eine DPMA Recherche im Deutschen Patenamt ergab keinen Treffer. Hier hat Anschütz seit 2002 nichts mehr großartig beantragt, viell. geben die alles gleich International an.

    Meine Frage, kennt jemand den technischen Hintergrund, denn der Patronenlager 'Mund' sieht ja aus wie bei den üblichen amerikanischen konischen Laufprofilen am Patronenlager, nur das Anschütz den 'eckiger' ausgedreht hat ... Siehe beigefügte Bilder ... Ich könnte mir denken, das Anschütz die Aussparungen für die Auszieher nicht mehr anfertigen wollte, aus Gründen der besseren Präzission .. Die Auszieher machen einen Teil aus an der Präzission einer Randfeuerwaffe und deshalb machen es wohl die Spitzenlaufhersteller wie Shilen, Lilja, Krieger etc. gleich ... also das konische Laufprofil am Patrolenlager ... siehe Fotos. Damit schlagen die Auszieher nicht an den Lauf, wenn gezündet wird. Bill Calfee hatte sich darüber schon in seinem o.g. Buch sehr lange

    ausgelassen ...

    Vielleicht gibt es ja auch noch weitere Errungenschaften zu der "Match Kammer" ... es muss ja nicht das Profil alleine sein.

    Danke vorab, Grüße Oldgunner


  • Ich denke daß Anschütz nicht aus Gründen der Präzision den Laufansatz Patronenlagerseitig des 54.30 anders fertigt und die Ausfräsungen für die Auszieher wegläßt.

    Es werden vielmehr fertigungstechnische Gründe sein. Bei einem eingeschraubten Lauf müsste der Anfang des Gewindes immer 100% im richtigen Winkel zu den Ausziehernuten sein. Die kleinste Ungenauigkeit dessen würde bedeuten daß der in die Systemhülse eingeschraute Lauf verdreht zum Schloß stehen würden und die Auszieher nicht in die Nuten passen.

    Nicht anders als bei den Laufherstellern wie Shilen, Lilja, Krieger etc.

    Man darf nicht vergessen, Anschütz ist nichts anderes als Großserie, also möglichst viele automasierte Arbeitsschritte und wenig Handarbeit.

  • Hallo Königstiger,

    danke für Deine Nachricht. Hätte ich mir doch auch denken können, genau .. wenn man einen Lauf einschraubt, dann geht das mit den Auszieherschlitzen nur durch absolute Genaugigkeit und das hindert an den Volumina die gefertigt werden sollen. :stunned: :stunned: hät ich auch noch drauf kommen sollen.

    Aber nun ... was hat es mit der Aussage Match Kammer auf sich .... Habe leider noch kein 54.30 in der Hand gehabt, vielleicht käme ich dann drauf .... :inspired:

    Merci .. Oldgunner

  • Hallo Jürgen,

    hier ein Auszug aus dem Flyer mit dem das 54.30 beworben wurde:

    Das ANSCHÜTZ Modell 54.30 zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

    • Basis für das neue System ist das bekannte und zuverlässige System ANSCHÜTZ Match 54.

    • Das Ladefenster wurde im Vergleich zum ANSCHÜTZ System Match 54 um 30 mm nach hinten

    versetzt und um 18% verkleinert.

    • Diese Veränderungen erhöhen die Steifigkeit der Hülse um 33%.

    • Die Rückverlagerung des Ladefensters ermöglicht das Nachladen des Gewehrs im Anschlag und

    verbessert die Ergonomie des Schützen.

    • Das System des Modells 54.30 ist passend für alle derzeit erhältlichen Schäfte der Modelle 1907 oder 1913.

    • Das Schloss und der Schlagbolzen wurden ebenfalls um 30 mm verkürzt.

    • Durch den kürzeren und damit leichteren Schlagbolzen konnte die Geschwindigkeit des Schlagbolzens erhöht werden.

    Dadurch verkürzt sich die Schussentwicklungszeit nochmals spürbar.

    • Die Präzision des Systems wurde durch die neu entwickelte ANSCHÜTZ Match Kammer weiter verbessert.

    • Beim ANSCHÜTZ MATCH 54.30 wird der Lauf tief in die Hülse geschraubt. Dadurch wird eine stabile Verbindung

    erreicht, welche die entstehende Spannung gleichmässig an der Verbindung verteilt.

    • Wie bei ANSCHÜTZ gewohnt ist die Konstruktion des 54.30 robust, langlebig und wartungsfreundlich.

    • Das ANSCHÜTZ MATCH 54.30 wird zu einem attraktiven Preis angeboten.

    Geliefert wird das System in allen Schäften die momentan für die Modelle 1907 und 1913 verfügbar sind.

    Des Weiteren wird es wie auf den Fotos zu sehen, eine Sonderedition zur Einführung mit braunem Precise Schaft geben.

    VG Günter

  • Hallo Günter,

    danke für Deine Antwort. Diesen Flyer kenne ich und der war es der mich bewog diesen Thread aufzumachen.

    Die Präzision des Systems wurde durch die neu entwickelte ANSCHÜTZ Match Kammer weiter verbessert.

    Jau .... was ist das nun ? Hat man das Patronenlager a'la Männel das ASB gebaut hat, verändert ... ?

    VG Jürgen

  • Ja, der Männel ist … glaube ich … bei den Australiern Gewehr Trainer….

    Manchmal ist weit weg der bessere Weg … auch wenn wir dem nachtrauern …. Jedenfalls wünsche ich ihm alles Gute

    VG Jürgen

  • Jürgen, du steckst tiefer in der Materie was Männel mit dem shock controller meint, ist es die Possitionierung des Schlagbolzens zum Hülsenrand? Wollte er damit die Stoßwelle reduzieren? Ganz nach Bill Calfee!

    VG Günter

  • Habe leider noch kein 54.30 in der Hand gehabt

    Böse Zungen behaupten es gäbe jetzt schon mehr Pardini KK-Gewehre in freier Wildbahn als 54.30er....


    Ja, der Männel ist … glaube ich … bei den Australiern Gewehr Trainer….

    Hmm interessantes Gerücht. Verwechselst du ihn hier eventuell mit Petr Kurka?

    Er ist wohl im "Laserrun" (moderner Fünfkampf) aktiv. Ansonsten hört man in Österreich nicht mehr wirklich viel.

    Nicht alle seine Fähigkeiten und Kräfte soll man sogleich und bei jeder Gelegenheit anwenden. - Baltasar Gracián

  • Jürgen, du steckst tiefer in der Materie was Männel mit dem shock controller meint, ist es die Possitionierung des Schlagbolzens zum Hülsenrand? Wollte er damit die Stoßwelle reduzieren? Ganz nach Bill Calfee!

    VG Günter

    Ja/Nein ... eines davon hast Du erwähnt, der Aufschlag des Schlagbolzens auf den Rand des Paronenlagers. Aber Bill hat ja hier eine Abhilfe aufgezeigt, die von Walther und Anschütz in den letzten Jahren/Monaten umgesetzt wurde. Siehe Walther KK500 und GX1 oder siehe die neuen Schlagbolzen von Anschütz.

    Ich denke Männel wollte hier noch mehr ... müsste man aber einmal im Patenamtverzeichnis nachlesen.

    Aber mir geht es um die ominöse Umschreibung "Anschütz Match Kammer" ....

    VG Jürgen

    Einmal editiert, zuletzt von OldGunner (7. September 2021 um 20:52)

  • Böse Zungen behaupten es gäbe jetzt schon mehr Pardini KK-Gewehre in freier Wildbahn als 54.30er....


    Hmm interessantes Gerücht. Verwechselst du ihn hier eventuell mit Petr Kurka?

    Er ist wohl im "Laserrun" (moderner Fünfkampf) aktiv. Ansonsten hört man in Österreich nicht mehr wirklich viel.

    Hallo wegi82 richtig, hatte mich vertan .... macht jetzt etwas mit Lasergewehr und modernem , siehe auch

    https://www.uipmworld.org/athlete/gerd-carlo-mannel

    VG Oldgunner

  • Die Präzision des Systems wurde durch die neu entwickelte ANSCHÜTZ Match Kammer weiter verbessert.

    Vielleicht ist mit Match Kammer nicht das Patronenlager gemeint sondern die Systemhülse. Man spricht ja auch vom Kammerstengel/Griff welcher sich am Schloß befindet.

  • Hallo Königstiger, OldGunner,

    fertigungstechnisch ist es machbar dass bei einem geschraubten Lauf die Stellung/Teilung zu den Auszieherkrallen genau eingehalten wird. Für eine Serienproduktion aber zu teuer, hier zählt jeder Euro.

    Anschütz löst das Thema mit einer Adapterbuchse.

    Allerdings gab es wohl Probleme, evtl. mit einer Toleranzaufsummierung!

    Anschütz hat dann die Ausführung des Laufbundes geändert. Hier die alte Ausführung!

    Und hier die Neue!

    Immer noch ein Adapter jetzt aber eine Zentrierung über einen Konus, der Verschlußabstand wird mit Abstimmscheiben hergestellt!

    Meine Meinung, alles Mi...st.

    VG JAG

  • Moin, Moin .. hm .. danke für den Update. Mit den Abstimmscheiben kann man u.U. den Hülsenboden zum Verschluss beeinflussen, denke ich mir ... Das hat ja gewisse Vorteile ... Ich denke da an Tenex Munition vs RWS Munition ... Bleiker machte auch für Kunden verschiedene Verschlüsse je nachdem welche Muntion diese schießen ... soweit ich mich erinnern kann .. Habe gelesen das es mit dem neuen Challenger einen neuen Verschluss gibt der Kompartibel zu Lapua, RWS und Eley ist. Könnte mir vorstellen das man davon Vorteile haben kann .. allerdings wie sieht es mit der Zündung aus ... Adapter mit Lauf müssen ja Druckfest miteinander verbunden sein und es darf beim Zünden (sollte) kein Gas austreten .. was aber doch zum Teil passiert ... Ich denke da an zu scharfe Köpfe des Schlagbolzens .. nicht alle sind gerundet .. jedenfalls nicht die alten von Anschütz ..

    Mal sehen wie sich das noch entwickelt, wenn nun endlich der Schlagbolzen vom 54.30 auf 6 Uhr wäre, dann wäre ich fast bereit einmal über einen Test

    nachzudenken .. auch wenn ich als Linksschütze dann ein Rechtssystem nehmen müsste.

    Nochmals Danke Günter, perfekt recherchiert !

    VG Oldgunner

  • 54.30 ? ... ohne mich. Die Konstruktion überzeugt mich nicht.

    Ich verstehe aber auch nicht warum man bei Anschütz das Rad neu erfinden will, wieso nicht einfach klassisch einen in die Systemhülse eingeschraubten Lauf mit einem Konus für die Auszieher ?

  • Tja, viell. hat das was mit Ingenieur“Kunst“ zu tun, oder man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich stimme Dir zu, wenn dann noch der Schlagbolzen auf 6 Uhr eingebaut würde und der Kopf so gestaltet wäre das dieser nie auf den äußeren Rand des Gewehrlaufes (Hülsenmund) schlägt, dann ja dann hätte Anschütz wieder eine Killer Sportwaffe…. aber man scheint nicht mehr zu wissen wie es auch einfach geht… Bill Calfee schrieb einmal, wenn Anschütz diese Dinge tun würde die Du und ich beschreiben, dann wären Sie wieder bei den Top Sportwaffen….

    VG Oldgunner

  • Hallo Miteinander,

    ich möchte bei den Anschütz .22 Matchgewehre nicht alles Madig machen, schließlich haben Sie über viele Jahre hinweg eine Führungsposition mit eingenommen. Mit den 18er und 19er Supermatch hat man immer noch ein gutes Gewehr, die 20er Systeme legen meiner Meinung noch was drauf, nicht unbedingt präziser, aber immerhin kann der Lauf einfacher getauscht werden und die Aufnahme des Laufes wird auf ca. 50mm geführt.

    Aber es ist halt ein System (M54) das in den 50ern entstanden ist, nicht mal von Anschütz sondern vom Weltmeister Walther Gehmann. Verändert hat sich kaum was, einen 2ten Auszieher und einen besseren Abzug waren die größten Veränderungen wenn man mal vom Verschlußkasten des 20er System absieht, aber auch hier mit dem M54 Verschluß.

    Wenn dann die Konkurrenz Neues auf den Markt bringt und Anschütz mit dem 54.30 zu spät nachzieht sollte man einfach mehr erwarten können. Es ist immer noch der fast 70 Jahre alte M54 Verschluß, jetzt halt 30mm kürzer.

    Das es viel besser geht habe ich schon mit dem amerik. Turbo Action gepostet, mal zur Erinnerung:

    Vorzüge:

    kurzes stabiles Edelstahlsystem, lange Prismenschiene, ein Verschluss mit 3 vorne liegende Veriegelungswarzen, sehr schneller Schlagbolzen der bei 6 Uhr einschlägt, Shilen Lauf mit 4G Rachet Profile (absolut Benchrest tauglich), Top Abzug von Bix'n Andy, Tube mit Tuner, Lauflänge und Länge der Tube wählbar.... usw.

    Jetzt müßte halt noch ein Importeur aufspringen.

    VG JAG

  • Hallo Jürgen,
    mache ich gerne,
    einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Präzision nimmt der Schlagbolzen ein, die Koryphäe Bill Calfee hat diesem Thema in seinem Buch „The Art of Rimfire Accuracy“ ca. 20 Seiten gewidmet, was wohl die Wichtigkeit für ihn zum Ausdruck bringt.


    Kurz zusammenfassend:


    Kein Einschlag auf den Rand, hier gibt es keine Zündmasse, auch keine Verformung des Randes z.B. abstehende Fähnchen. Der Einschlag auf den Rand erzeugt nur eine höhere Stoßwelle die durch den Lauf geht.

    Hier mal ein paar Hülsen wie es meist vorkommt aber nicht sein soll, ausgeprägte Verformungen des Randes (der ist Hart) mit Fähnchenbildung. Es braucht einfach mehr Schlagenergie!

    Der Einschlag soll etwas näher zum Zentrum liegen, hier ist die Zündmasse und der Hülsenboden weicher die Stoßwelle geringer und weil weicher kann sogar die Schlagbolzenenergie etwas reduziert werden.

    "Bill Calfee" hat mit dem Hersteller des Turbo Action Systems "Antony DiOrio" den Schlagbolzen und dessen Schlagenergie überarbeitet und hat jetzt eine perfekte Position. Der Einschlag nicht am Rand etwas näher zum Zentrum (weicher Teil des Hülsenbodens) und bei 6 Uhr.

    Warum bei 6 Uhr und nicht oben bei 12 Uhr,

    ganz einfach, das wenige was an Pulver in der Hülse verfüllt wird reicht in liegender Position der Patrone gerade mal bis zur Mitte, die Zündung bei 6 Uhr geht direkt auf's Pulver.

    VG JAG