Macht doch mal ein Experiment und schießt mit eurem LG auf die 15m Distanz und Scheibe. Dann seht ihr deutlich, wie viel ihr mit dem Zimmerstutzen so drin lasst.
Eigentlich ist der ZiStu ja heute obsolet. Es ist nicht einfach bis hin zu oft unmöglich, aus so einem Ding mit dem glatten Lauf, den Rundkugeln und den popeligen Hülsen die nötige Präzision heraus zu kitzeln. Da ist jedes moderne LG weitaus überlegen. Und wenn ich mir dann noch die Preise für die Munition anschaue, dann muss ich mir das nicht antun. Aber ich kenne auch Schützen, die schwören darauf.
Mit bestem Schützengruß
Frank
Macht doch mal ein Experiment und schießt mit eurem LG auf die 15m Distanz und Scheibe. Dann seht ihr deutlich, wie viel ihr mit dem Zimmerstutzen so drin lasst.
Eigentlich ist der ZiStu ja heute obsolet. Es ist nicht einfach bis hin zu oft unmöglich, aus so einem Ding mit dem glatten Lauf, den Rundkugeln und den popeligen Hülsen die nötige Präzision heraus zu kitzeln. Da ist jedes moderne LG weitaus überlegen. Und wenn ich mir dann noch die Preise für die Munition anschaue, dann muss ich mir das nicht antun. Aber ich kenne auch Schützen, die schwören darauf.
Mit bestem Schützengruß
Frank
Hallo Frank,
Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre wurde in
unserem damaligen Schützenverein KKS Schönstein das
Zimmerstutzenschießen großgeschrieben.
Mein Mannschaftskamerad und leider verstorbene Rainer Blaeser (mehrmaliger Deutscher Meister) war damals unser "Anstifter".
Zur damaligen Zeit wurden Schäfte an den Match54 Zimmerstutzen verwendet,die eher einem Jagdschaft ähnelten.
Während
ca. 10 Jahren gelang es unserer Mannschaft (damals mit 4 Schützen),fast
jedes Jahr an der Deutschen Meisterschaft teilzunehmen.
Diese fand
zu der Zeit noch in Wiesbaden-Klarenthal statt.Bis zur
Landesmeisterschaft wurden 30 Schuß geschossen,auf der Deutschen dann
gar 60 Schuß.
In dieser Zeit gelang es mir zweimal,Rheinlandmeister zu werden.Die Ringzahlen waren einmal 278 und einmal 279 Ringe.
Auf der "Deutschen" schoß ich durchweg zwischen 540 bis 545 Ringe und landete mehrmals unter den ersten 10.
Mit der Mannschaft schrammten wir mehrmals knapp am "Treppchen" vorbei.
Ich
will aber hier kein Eigenlob verbreiten (stinkt bekannterweise),sondern
lediglich darlegen,daß damals andere Voraussetzungen vorlagen,die
größtenteils sogar besser waren,als die heutigen.
Entscheident waren:
1.Die
sehr hohe Qualität der damaligen Hirtenberger Zündhütchen: Sie besaßen
eine sehr weiche Kupferhülse,welche sich beim Schuß schön an das
Patronenlager des Zimmerstutzens anlegte.Die Dinger konnte man leicht
mit Daumen und Zeigefinger zusammendrücken.
Spätere Fertigungen,auch anderer Hersteller, besaßen härtere Hülsen,zeitweise sogar aus Eisen verkupfert.
Daß
diese Hülsen ob des relativ geringen Druckaufbaus durch das
Zündplättchen (Pulver gibts ja nicht) diese Eigenschaft nicht hatten und
haben,leuchtet ein.
2. Die damalig verwendeten RWS-Blei-Punktkugeln
waren exakt rund und maßhaltig,da sie mit Kokillen gepreßt wurden,wie
LG-Diabolos.
Das ist beim Zimmerstutzen ganz wichtig. Diverse am
Markt befindliche "Rundkugeln" verdienen diese Bezeichnung absolut
nicht.Macht euch mal die Mühe,und schaut Euch diese Dinger mal mit einer
ganz starken Lupe an.Die Kugeln sehen oft so aus,als wären sie mit
einem Hammer "rundgeklopft" worden...
Beim Ausmessen mit einer
dig.Schieblehre/Meßschieber erlebt man eine Katastrophe. Das Maß auf der
Dose erweist sich als "Schätzwert".
Beim Aussortieren für einen
jungen Schützen erhielt ich bis zu 12 verschiedene Maße.Erschwert wird
die Messerei noch dadurch,daß die Kugeln
fast alle unrund sind,also ein "Ei".
Wie ein Fußball-Ei fliegt,ist ja wohl bekannt.das Gleiche gilt für diese Kugeln.
Es
gilt also auch,die besten "Eier"Rundkugeln z.B.durch Herablaufenlassen
auf einer leicht geneigten Glasplatte auszusortieren:Die schlimmsten
rollen nicht senkrecht,sondern mehr oder weniger zur Seite.
3. Der
eigentliche Lauf des Anschütz-Zimmerstutzens ist ein Einstecklauf,der
lediglich eine geschätzte Länge von ca.30 cm hat und von unten mit ein
paar Madenschrauben in der Träger-Laufhülse verschraubt ist.
Er
besitzt Züge und Felder,ist also nicht glett!!! Diese Züge und Felder
des Zimmerstutzens besitzen zudem einen viel stärkeren Drall als
z.B.ein KK.
Da nun eine Kugel wesentlich weniger Auflage-und
Führungsfläche wie eine zylindriche KK-Kugel hat,erfolgt generell beim
Beschleunigen ein hoher Abrieb der Rundkugel in den stark gedrallten
Feldern des Laufs,bis die Kugel ihre volle Rotation erreicht hat und den
Lauf verläßt.
Ein leichtes Einölen der Kugeln,besonders bei Bleikugeln,mindert das etwas und gefühlsmäßig verbessert sich die Präzision.
Während
des Schießens sollte unbedingt ein Putzstock mit Bronzebürste(!!!)
bereitliegen.Am besten alle 10 Schuß den Lauf damit
durchziehen(durchstoßen) von der Schloßseite her und vorne die Bürste
abschrauben.
Ihr werdet euch wundern,wieviel Blei aus dem Läufchen kommt.Legt mal ein weißes Blatt darunter!
Wird zu spät geputzt,sind Ausreißer die Folge.
Ich hoffe,damit ein ganz klein wenig zur Aufklärung der "Zimmerstutzen-Wissenschaft" beigetragen zu haben.Es gibt sicher noch Vieles,was auch mir an Wissen dazu fehlt...
Gut Schuß
Hans-Jürgen