Auch die geäußerte Zustimmung zur verschärften Bedürfnisüberprüfung und die damit verbundene enge Knüpfung an die aktive Sportausübung zeugt in meinen Augen nur von einer sehr kurzsichtigen, vielleicht aber auch nur jugendlichen Denkweise.
Danke, damit hast Du einen Punkt angesprochen, der so vielen vielleicht noch gar nicht bewußt ist und der sich langfristig verheerend auf den Schießsport und die Schützenvereine auswirken wird. Warum?
Erstens ist es kein Geheimnis, daß im Alter die Kräfte nachlassen und ein vormals aktiver Schütze nicht mehr so häufig oder vielleicht auch gar nicht mehr schießen kann. Seit der WaffG-Verschärfung 2009 droht ihm in diesem Fall der Entzug der WBK. Das ist eine deutliche Verschlechterung zur vorhergehenden Rechtslage, die Ulrich Eichstädt einmal sehr treffend gekennzeichnet hat: Bisher war es Konsens, daß die Behörde einem Weltmeister nicht sein vergoldetes Anschütz-Gewehr aus dem Schrank zieht.
Das ist jetzt anders und könnte über die Jahre zu einem Absterben der Schützenvereine führen. Denn auch die alten Mitglieder sind Beitragszahler, deren Geld gebraucht wird, um die Aufwendungen des Vereins zu bestreiten (Schießstand usw.) und um z.B. die ermäßigten Mitgliedsbeiträge für Kinder und Jugendliche zu subventionieren. Doch warum sollten die älteren Herrschaften noch die z.T. ja dreistelligen Jahresbeiträge entrichten, wenn sie dafür keine "Gegenleistung" mehr bekommen, sprich: nicht mehr schießen dürfen, weil ihnen das Amt die WBK abgenommen hat?
Ein Rentner, der weniger als 1000 € Altersrente erhält, wird sich gut überlegen, ob er in so einer Situation noch 12 € pro Monat für den Schützenverein ausgeben kann und will, insbesondere, wenn man die Kränkung durch das Behördenhandeln berücksichtigt.
Ergänzt man diesen Befund durch die Feststellung, daß dem DSB die Überalterung droht (hier im LSV sind 2/3 der Mitglieder älter als 45), dann kann man die dramatischen Folgen ahnen, welche die neue Regelung langfristig haben könnte. Uns gehen also nicht nur aktive Schützen, sondern auch Beitragszahler verloren. Und damit droht das Aussterben der Schützenvereine in ihrer bisherigen Form, in denen alle Altersgruppen ihren Platz hatten.
Ähnliches gilt für "mittelaltrige" Schützen, die aus beruflichen oder privaten Gründen etwas kürzer treten müssen. Auch ihnen droht der Entzug der WBK. Und es glaubt doch wohl niemand ernsthaft, daß diese Leute, nachdem sie ihre teuren Waffen samt Zubehör abgeben mußten, Mitglied im Schützenverein bleiben (und Beiträge bezahlen) oder später noch einmal zum Schießsport zurückkehren werden.
Auch hier darf der psychologische Effekt des Behördenhandelns nicht unterschätzt werden. Genau darauf kam und kommt es der Politik an: Das Schützenwesen soll langsam ausbluten.
Einen Effekt dieses Ausblutens kann man bei Egun und an den schwarzen Brettern der Schützenhäuser beobachten: Die Preise für gebrauchte Sportwaffen sind im Keller. Mir ist dieser Tage ein sehr gut erhaltene TOZ-35 für einen Preis angeboten worden, den man auch für eine gebrauchte Vorkomprimierer-LP auf den Tisch legen müßte und der weit unter 500 € liegt.
Abschließend noch ein Wort zum Thema Mitgliedsbeiträge. Wir hatten hier im Forum schon einmal festgestellt, daß sie in Ostdeutschland höher sind als im Süden. In meinem Verein werden z.B. 144 € pro Jahr erhoben, hinzu kommt die Aufnahmegebühr von 75 €. Dieser Tage hat sich im Nachbarforum Co2air.de ein Schütze gemeldet, der bereits Mitglied im DSB ist und nun an seinem Zweitwohnsitz im Land Brandenburg einen Verein sucht. Er klagte über z.T. horrende finanzielle Forderungen der dortigen DSB-Vereine. Deshalb will er sich jetzt nach einer SLG des BDMP umsehen:
Wahnsinnsummen bei Schützenvereinen normal? - Allgemein - CO2air.de