Vorab: Meine Ausführungen gelten sowohl für KK als auch LG. Nur sind die Differenzen bei KK in der Regel deutlich größer.
Die Schussleistung ergibt sich immer im Zusammenspiel von Lauf und Munition. Jeder Lauf ist trotz industrieller Massenfertigung immer ein Einzelstück. Es gibt gute Läufe, die mit fast jeder Munition ein brauchbares Schussbild produzieren, es gibt mittelprächtige Läufe, bei denen man schon etwas suchen muss, um eine gute Munition zu finden und es gibt leider (auch frisch aus dem Laden) "Gurkenläufe", bei denen es sehr schwer ist, eine halbwegs gute Munition zu finden.
Die Munition wird immer in Serien gefertigt. Bei jeder neuen Serie sind bedingt durch neue Werkzeuge, Material und Justage der Fertigungsanlage geringe Abweichungen möglich. Nur Geschosse bzw. Patronen einer Serie weisen bestimmte Eigenschaften auf, die dazu führen, dass sie in dem einen Lauf gut gehen, in einen anderen dafür nicht.
Natürlich betreiben die Hersteller (hoffe ich jetzt mal) bei den teuren Marken mehr Aufwand hinsichtlich Qualitätskontrolle. Daher besteht bei den billigen Marken auch eher die Möglichkeit, dass da mal ein richtiger Ausreißer dabei ist. Aber grundsätzlich ist der Preis alleine aufgrund der oben genannten Gründe kein Garant für für eine gut schießende Munition. Man kann auch durch Tests eine gute Patrone bzw. Diabolos im mittleren Preissegment finden. Beim KK spielen ja auch noch andere Kriterien eine Rolle. Manche Patronen schießen sich eher weich, andere haben mehr "Bums". Es kommt also auch auf die Disziplin, die Bedingungen und die Vorlieben an.
Zu den Auswirkungen der Streuung: Streuende Munition verschlechtert immer das Ergebnis. Die Aussage, dass der Schütze das ja durch sein eigenes Streuen wieder ausgleicht, ist schlicht falsch. Streuen ist ja ein statistischer Prozess. Man kann sich die Auswirkungen sehr leicht klar machen. Nehmen wir an, der Schütze zielt auf einen bestimmten Punkt der Scheibe. Wenn jetzt das Gewehr, die Munition streut, dann kann das Geschoss überall (in einem durch die Streuung festgelegten Abstand) um diesen Punkt einschlagen. Da aber unsere Scheiben aus konzentrischen Ringen bestehen, ist der Bereich mit einer niedrigen Ringzahl immer deutlich größer, als der Bereich mit einer höheren Ringzahl. Wer möchte, kann ja jetzt mal das genaue Verhältnis ausrechnen, aber ich tippe mal so grob auf 1 Viertel zu 3 Viertel. Durch streuende Munition ergibt sich also statistisch immer ein schlechteres Ergebnis.
Das oben gesagte gilt immer, aber es stellt sich natürlich, wie hier schon angemerkt, die Frage, ob bei LG 355 Ringen statt der eventuell möglichen 360 Ringe schon ein Munitionstest nötig ist, oder aber erst ab 380 Ringen aufwärts.
Allerdings gibt so ein Test einem Schützen ja auch immer Sicherheit, egal auf welchem Level er schießt. Aber er hat dann natürlich auch keine Ausrede mehr, oder eine weniger. Ich kenne jemanden, der packt seine getesteten Spitzenpatronen immer in eine CCI-Packung. Verwirrt dann immer schön die Konkurrenz.
Zu dem Pfropfen: Die fusseln ganz schön. Kann mir vorstellen, dass Anschütz da auch Bedenken wegen der Mechanik hat.
Mit bestem Schützengruß
Frank