Liebes Tagebuch, liebe Mitlesende,
Vorweg für alle „neuen“ Leser:
Ich habe vor ca. 2 Jahren die Lust am Luftpistole schießen entdeckt und nach einem Jahr Training alleine in einem Großkaliberverein dann hier in dem Forum mal die Frage gestellt, ob das was ich als Ringzahlen treffe für Wettkämpfe taugt. Und zack war ich in einem Verein in der Landes-Oberliga gelandet und musst in kurzer Zeit als Stammschütze Wettkämpfe bestreiten.
Da ich zu dem Zeitpunkt noch nie einen Trainer hatte, hab ich mir angefangen hier im Forum, in Büchern, erfahrenen Schützen und Trainern Tipps zu holen. Daraufhin ist diese Art „Tagebuch“ entstanden in dem ich versuche meine Erlebnisse und Erkenntnisse an andere Neueinsteiger wie mich weiterzugeben… Also: wenn Du ein aufstrebender Neuling an der Luftpistole bist, könnte das hier ggf. Interessant für Dich sein 
Es ist daher mal wieder Zeit für ein Update:
Nun sind genau ein Jahr und 8 Tage seit meinem ersten Eintrag rum und ich hab wie beschrieben bereits eine Menge erleben und vorallem lernen dürfen.
Letzteres habe ich auch wieder in meinem 2. DSB Workshop Luftpistole Mental vom 18-20.07. in Wiesbaden machen dürfen. Diesmal war nicht die Technik, sondern der Kopf (naja, beides ist ja eng verbunden) dran. Trainieren war diesmal nicht Margit Höller (war leider kurzfristig verhindert), sondern Sandra Reitz. Nach minimaler Enttäuschung Margit nicht wie erhofft wieder zu sehen, überwog dann doch die Freude eine weitere Top-Schützin kennenzulernen. Eine weitere Chance von den Besten zu lernen.
Es war Sandras erster Workshop dieser Art, aber ich finde sie hat diesen perfekt gemeistert. Sehr motiviert, engagiert und vorallem auf die Vermittlung der Mentraltrainingsgrundlagen bedacht. Daher wurde zu Beginn auch weniger geschossen als beim Workshop davor, aber deswegen bucht man ja auch keinen Mental-Workshop… Ich finde es war ein Top-Workshop, der vor allem an Tag 2 und 3 die Theorie und die Praxis super miteinander verknüpft hatte.
Da ich mich im Vorfeld schon viel in Metal-Coaching eingelesen hatte, war für mich nicht viel neues aus der Theorie dabei, aber vor allem die Nebeninfos und Tipps von Sandra waren für mich sehr wertvoll.
Für mich die wertvollste Übung & Erkenntnisse: Der Ratschlag jeden Schuss zu trainieren als müsste es der EINE perfekte Schuss sein. Und jede einzelne Abweichung vom optimalen Schussablauf erkennen, bewerten und aufschreiben…. Jeden Einzelnen… Ich habe mir daraufhin einmal meinen perfekten Schussablauf (äußere und innerer Anschlag + Mental) niedergeschrieben. Das ist noch mäßig detailliert und ich kam auf bereits 56 einzelne Schritte. Dann habe ich mir ein Trainingstagebuch erstellt: Von den 10 wichtigsten Schritten habe ich mir eine Checkliste erstellt. Daneben ein leeren LP-Spiegel.
Die Idee: Beim Training den Monitor verdecken. Der erste Schuss wird nur Mental im Kopf gemacht. Der zweite Schuss wird Trocken gemacht und erst der Dritte wird scharf ausgeführt. Nachdem Schuss inkl. Nachzielen markiere ich dann den Treffer wie ich ihn gefühlt habe und gehe meine Checkliste durch. Was lief gut und was lief mies um das beim nächsten Schuss mehr zu beachten. Danach decke ich den Monitor auf und vergleiche den gefühlten treffe mit dem echten Treffer und schau mir an was es denn für ein Treffer in der Wertung wurde.
Gestern im Training angewendet und Wow. Eine neue Art des Trainings… Und das ist auch mental sehr fordernd.
ABER das Beste: Wahnsinn was ein Unterschied im Trefferbild… Die ersten 7 Schuss wurden eine 10. Dann fing ich mich an zu freuen und bekam eine Acht als Quittung. Dann wieder mental gefangen und es wurden wieder Zehner und gute 9er. Das hat mir irgendwie gut getan.
Ich merke aber, desto mehr ich mich auf meinen Schussablauf konzentriere, desto schwerer fällt es mir dann im entscheidenden Moment voll auf dem Korn und fest im Handgelenk zu sein . Aber es funktioniert wirklich gut…
Mal ein paar Impressionen:

49 Ringe waren schon recht ordentlich…

In einem Durchlauf wurden es sogar 98 Ringe…

Und mir ist wirklich 2Mal der „perfekte Schuss“ mit 10,9 hintereinander gelungen
Mein intensives Halte- und Griffkrafttraining macht sich mehr und mehr bezahlt. Auch wenn ich es in meinen Sehnen recht ordentlich spüre, dass ich eben erst seit einem Jahr „ernsthaft“ trainiere und nicht bereits seit 20 Jahren. Hier mal als Inspiration für „Leidenswillige“: Das ist mein liebstes Foltergerät!

Das ist eine Gewichtsstange für Unterarmtraining. Hierzu gibt es auch eine Rolle mit Seil, mit dem man das Gewicht dann auf. Und abrollt für das Unterarm-Training. Ich habe mir hier als Alternative einen Griffkraft-Ring befestigt. So kann man gleichzeitig Griff und Haltekraft trainieren. Anstrengend und Praktisch
Kann ich wirklich empfehlen…
Es gibt eine tolle motivierende Rede von einem der Besten Football-Player der Welt Tom Brady. Er erzählt darin, dass er nicht der Beste der Besten wurde, weil er mit unglaublichem Talent gesegnet wurde… Denn viele konnten schneller rennen, weiter werfen oder waren kräftiger als er… Sondern weil er einen echten Willen zum Sieg und eine bedingungslose Disziplin im Training entwickelt hat. Er hat jeden Tag mehr trainiert als die meisten seiner Klasse. Das gleiche findet man von Larry Bird, von Kobe Bryant, Michael Jordan… Es war der unbedingte Wille zum Sieg und das Commitment alles dafür zu tun…
Also liebe motivierten Luftpistolen Neuein- oder Aufsteiger… Rann an die LP, bewusst und ernsthaft Trainieren, die tollen DSB Workshops besuchen, echtes und regelmäßiges Haltekrafttraining machen… Und dann läuft es immer besser! Einfach dran bleiben und sein Bestes geben.
Bei mir klappt es immer besser… und ich wünsche Euch das auch!