Hallo,
die "Altersveränderungen" sind tatsächlich im Schießen eine interessante und manchmal frustrierende Erscheinung und als schießender Mediziner will ich mal versuchen, dir zu helfen.
Die Augen sind DER Schwachpunkt bei uns Pistolenschützen mit offener Visierung. Besonders Sportler mit hohem Leistungsniveau und zuvor hoher Sehschärfe kämpfen mit der Zeit arg mit Ihren Augen. Der Sehapparat ermüdet nämlich im Alter deutlich schneller als in er 2. oder 3. Lebensdekade, man muss sich darauf einstellen. Deshalb darauf achten, dass die Konzentrationsphase der Augen möglichst kurz ausfällt. Also nicht bereits während des gesamten Schussaufbaus das Korn scharfstellen, sondern den Fokus auf dem Handrücken lassen. Erst unmittelbar vor der eigentlichen Zielphase Korn scharfstellen und den Schuss zügig innerhalb der sicheren Zeit von ca. 3 Sekunden lösen. Einfach gesagt, aber sehr schwierig, gerade für alte Hasen. Hilfreich ist hier übrigens die Doppelatmung, die noch einmal eine gewisse zusätzliche Sauerstoffreserve liefert. Auch wichtig: nach dem Absetzen 2-3 tiefe bewußte Atemzüge, um das angefallene CO2 wieder loszuwerden.
Die beschriebenen Fussel im Sehfeld scheinen mir tatsächlich mouches volantes zu sein. Diese fliegenden Mücken sind Glaskörpertrübungen und sind in der überwiegenden Zahl der Fälle völlig harmlos, aber leid nicht sinnvoll behandelbar. Zur Sicherheit sollte man aber beim Augenarzt eine Augenhintergrundspiegelung machen lassen, um sehr seltene Ursachen, wie Netzhautveränderungen, auszuschließen. Der AA wird i.d.R. auch den Augeninnendruck messen, dies geschieht heutzutage berührungslos mittels Luftdruck. Das Problem für Schützen mit Glaskörpertrübungen besteht eher darin, dass man sich in dem Moment, wo die Fussel über die weiße Scheibe fliegen, eben auf die Fussel konzentriert und man dann (unbewußt) versucht, diese Fussel scharfzustellen. Das funktioniert natürlich nicht, aber als Krönung des ganzen wird die Visierung dann natürlich unscharf, und man hat den Salat.... Hier hilft nur, sich stur auf sein Korn zu konzentrieren und die Fussel einfach fliegen lassen. Das klappt nach einer gewissen Gewöhnungsphase ganz gut, insbesondere wenn man sich klarmacht, dass die Glaskörpertrübungen die Sehschärfefähigkeit nicht wirklich beeinträchtigen können.
Dabei hilft eine Schießbrille sehr gut. Wichtig ist nur, dass man einen Optiker findet, der die Brille auf einem Schießstand anpasst, während man mit der eigenen Waffe schießt. Ein paar Probeanschläge im Optikerladen, vielleicht noch mit einem Dummy, sind nicht optimal. Man findet hier Unterschiede bis zu +/- 0,5 bis 0,75 dpt., deutlich häufiger aber im Plusbereich. Dadurch kann das Auge deutlich ermüdungsfreier die Visierung scharf stellen und als erstaunlicher Nebeneffekt werden die fliegenden Fussel auf der Scheibe weniger, weil man sie, wie oben beschrieben, einfach viel leichter ignorieren kann.
Versuche mit Farbfiltern bringen hier leider eher wenig, sind aber natürlich gerade bei sehr hellen Ständen eine Option. Viel lohnender ist hier eine Irisblende. Dabei die Blende nicht zu weit schließen, sonst gaukelt man sich selbst eine hohe Tiefenschärfe vor, und schon hat man wieder das Problem, dass das Auge hin und her wandert.
Genau wie unser Schießarm ermüdet, so ermüden auch die Augen während des Schießens. Und genau so wie wir unseren Muskeln zwischendurch eine Verschnaufpause können, so sollten wir auch der Muskulatur unserer Augen während des Schießens passive und aktive Erholung können.
Einfachste Maßnahme: beide Augen für 10-20 Sekunden schließen. Eine weitere Möglichkeit ist etwas ähnliches wie die Progressive Muskelentspannung für die Skelettmuskulatur: Die Augen weit aufreißen und anschließend feste zukneifen, das Ganze ca. 8-10x im Wechsel, danach die Augen für eine kurze Zeit locker geschlossen lassen und die "Entspannung" bewußt wahrnehmen. Eine gute Augenentspannung ist auch der sog. Stufenfokus. Das funktioniert am besten bei Distanzen von 25m oder 50m: Man fokussiert zunächst einen Punkt auf der Ablage vor sich, beispielsweise die Beschriftung auf der Visierung, so ca. für 5 sec., das reicht. anschlie9end sucht man sich einen Punkt in ca. 5m Entfernung in Richtung Scheibe, den man wieder für 5 Sekunden fokussiert, dann nochmal in ca. 10m Entfernung u.s.w., bis man schließlich an der Scheibe in 25 oder 50 m angelangt ist. Danach normal weiterschießen.
Diese Übungen helfen, den Augen die Schwerarbeit des Zielens zu erleichtern.
Es lohnt sich, die Dinge mal zu probieren, allerdings sollte man sich ein paar Wochen Zeit geben.
Ein weiterer möglicher Grund für Sehschärfeprobleme können übrigens auch zunehmend trockene Augen sein. Allerdings fällt einem das im täglichen Leben eher schnell auf, also denke ich, wird das nicht dein Problem sein. Falls man nicht direkt zu Augentropfen greifen möchte (was auch während dem Schießen eher störend als hilfreich ist) kann man mehrfach bewußt gähnen (sieht eigenartig aus). Wenn man das ein paar mal tut, setzt ein leichter Tränenfluss ein. Das kann bei Augentrockenheit helfen.
Natürlich können alle Augenprobleme durch einen (Alters)Diabetes verstärkt werden. Wie immer beim Diabetes gilt aber auch hier: Sind die BZ-Werte in einem guten Bereich, ist man auf der sicheren Seite. Bei stark erhöhten Blutzuckerwerten können die Augen, oder besser gesagt die Nerven, die die Information zum Gehirn leiten und die Blutgefäße, die das Auge mit Treibstoff versorgen auf Dauer und irreversibel geschädigt werden. Dann helfen leider auch alle Übungen und Brillen nichts mehr. Deshalb kontrollieren lassen bzw. entsprechend auf seinen Blutzucker achten.
Gruß
9komma9