Hallo Freunde,
Ich stelle mir schon länger die Frage, warum sich ausgerechnet ein Teil der Schützen immer genötigt sieht, sich von anderen Schützen und noch stärker von anderen Gruppierungen mit ähnlichen Interessen zu distanzieren, wo doch die verbindenden Elemente und Gemeinsamkeiten immer viel stärker sind als die Differenzen.
Die Frage stelle ich mir auch, wobei das "sich voneinander distanzieren" quer durch alle Verbände geht.
Aber in diesem Zusammenhang mal die Frage, wer eigentlich das Ziel unserer Öffentlichkeitsarbeit ist oder besser: Sein sollte.
Dazu muss man sich ansehen, wie Gesetze enstehen. Die folgenden Ausführungen sind stark vereinfacht, damit der Vorgang klarer wird.
Zunächst einmal muss eine "Notwendigkeit" für ein neues Gesetz oder die Änderung eines vorhandenen Gesetzes da sein. Eine Notwendigkeit ist immer dann gegeben, wenn etwas passiert, was aus Sicht der Medien oder der Politiker nicht hätte passieren dürfen.
Halten wir mal fest: Medien, Politiker
Jetzt erhält nun der Fachreferent im betreffenden Ministerium den Auftrag, einen Entwurf zu verfassen. Dabei richtet er sich in der Regel nach den Vorgaben seines Chefs (des Ministers) und der in den Medien veröffentlichten Meinung.
Der Entwurf (so der Minister ihn gut findet) landet nun zur interministeriellen Abstimmung in den anderen zuständigen Ministerien (die alle Änderungswünsche einbringen), die Änderungswünsche werden vom Fachministerium eingearbeitet (oder auch nicht) und dann geht der Entwurf zur Beratung in die Parlamentsausschüsse.
Halten wir fest: Mitglieder in Parlamentsausschüssen. Die können dabei Verbände anhören und externe Fachleute hinzuziehen, müssen aber nicht.
Halten wir fest: Verbände.
Wenn die Ausschüsse einverstanden sind (meist sind sie das erst nach einigen Änderungen), geht der Entwurf ins Kabinett.
Halten wir fest: Kabinett.
Ist er dort bestätigt, geht er zur formalen Anhörung an die Verbände; wird er nicht bestätigt, geht er an das Fachministerium zurück.
Im Anhörungsverfahren werden Verbände (und das sind, im Falle WaffG, eine ganze Menge, also längst nicht nur die Sportverbände, sondern auch GdP, Weißer Ring, ... ) "gehört" und können Stellungnahmen abgeben, haben aber formal keinerlei Möglichkeit, ein Gesetz zu verhindern oder ein Veto gegen bestimmte Punkte einzulegen.
Jetzt geht das Gesetz ins Parlament und wird dort beschlossen. Soweit zustimmungspflichtig, geht es danach in den Bundesrat, der im Vermittlungsverfahren noch einmal Änderungen vorschlagen kann, ehe das Gesetz endgültig beschlosen wird.
So, jetzt zurück zur Öffentlichkeisarbeit.
Wir hatten uns gemerkt: Medien, Politiker, Mitglieder von Parlamentsausschüssen, Kabinett ganz zum Schluss: Betroffene Verbände.
Das sind auch gleichzeitig die Adresaten für eine sinnvolle Öffentlichkeitsarbeit. Schützen untereinander (so, wie es jetzt läuft) kommen dabei nicht vor.
Wenn wir Wirkung erzielen wollen, dürfen wir uns nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen, sondern müssen an die Medien ran, die Politiker und die Mitglieder der Regierung. Und an die Verbände, die uns nicht mögen.
Wenn immer von der NRA als Beispiel gesprochen wird, die macht das so. Die arbeitet mit den Medien, gibt Wahlempfehlungen, benennt "unfreundliche" Politiker, sagt klar, wer welchen "unfreundlichen" Verband finanziert, und auch warum.
Daneben gibt es natürlich noch andere Einflussmöglichkeiten, weil man vielleicht einen schon länger kennt, oder mal ein Bier mit jemandem trinkt und redet. Aber über so etwas (hier gern als "Geheimdiplomatie" beschimpft) darf man nicht laut in Foren schwätzen und vielleicht noch damit angeben, mit wem man gerade über was geredet hat.
Leider begreifen das hier nicht alle.