Hallo euch allen!
Spezialisierung ja oder nein? Ich finde, dass man die Frage nicht so einfach beantworten kann. Da muss man schauen, in welchem Leistungsspektrum man sich ansiedeln will und kann und was man dafür investieren möchte.
Ich persönlich kenne eigentlich beide Fälle: jene, die nur exakt die eine Disziplin schießen und jene, die mehrere Disziplinen schießen. Und dann noch eine Art "Sonderform": jene, die die eine Disziplin trainieren können und die andere nur nebenbei betreiben, weil die Basics (dank LG 3-Stellung) vorhanden sind und es sich im großen und ganzen auch ergänzen kann. (Hinweis: meine Aussage betrifft in diesem Falle LG sowie die KK-Disziplinen Sport-/Freigewehr, KK 100m, Liegend)
Ich für meinen Teil fahre seit Jahren ganz gut damit, dass ich zwei Saisonhälften habe. Das ist zum einen im Frühjahr/Sommer der Bereich KK, gerade durch Ligaschießen und natürlich die Meisterschaften steht der für mich im Vordergrund. Hier ist für das LG eine kleine(re) Pause drinnen. Im Herbst/Winter steht dann das LG auf dem Programm. Natürlich gibt es vor den Landesmeisterschaften und vor der DM auch entsprechend einen höheren Trainingsaufwand für LG. Aber ich habe auch in direkter Nähe keinen KK-Stand, sodass das KK-Training eigentlich für mich komplett wegfällt.
Mir persönlich geht es so, dass ich durchaus nach einer langen LG-Saison mit doch einigen Wettkämpfen und vor allem vielen Trainingseinheiten und entsprechenden Trainings- und Wettkampfanalysen einfach dann ab Februar auch mal eine Pause benötige. Da ist der Kopf ziemlich leer für den Moment. Und dann nähere ich mich wieder ans KK-Schießen an. Von der Sache her ein ähnliches Schießen, aber für mich dann in dem Moment mit wesentlich mehr Spaß verbunden als direkt wieder mit dem LG weiterzumachen. Das geht dann im Prinzip bis zur DM so (Ausnahmen sind natürlich noch Ligawettkämpfe nach der DM) und dann wird ab September wieder die Konzentration auf das LG gelegt.
Der andere Fall: jemand spezialisiert sich auf das LG-Schießen, betreibt das KK-Schießen noch sporadischer und mit weniger Interesse als ich selbst. Aber mit dem hohen Ziel und Willen in die Nationalmannschaft zu kommen oder so etwas wie die EM zu erreichen. Es gibt ja durchaus die Spezialistenplätze in der Nationalmannschaft. Das Ziel ist also formuliert und auf dem Weg dorthin entscheidet man dann, dass man alle anderen Dinge ausschaltet und sich nur auf das eine konzentriert. Auch im Wissen, dass man es auf der Rangliste durch die Kombination von LG und KK-Disziplinen eben eventuell nicht schafft, in den Nationalkader zu kommen. Entsprechend hoch ist hier über das gesamte Jahr gesehen der Trainingsaufwand bei LG natürlich. Entsprechende Erfolge bei Landesmeisterschaften, bei der DM oder bei Events wie ISAS oder ISCH sind aber eben auch mitunter gegeben und beflügeln einen zum Weitermachen.
Letztlich muss man sich wohl viele Faktoren anschauen, um sagen zu können, ob man sich spezialisieren sollte oder nicht. Im Allgemeinen tendiere ich dazu, zu sagen, dass man es nicht sollte - alleine schon aus psychologischen Faktoren. Denn wird der Kopf müde, bremst man sich in der Entwicklung ebenso komplett aus. Aber man muss eben auch berücksichtigen, wie sinnvoll man mehrere Disziplinen nebeneinander betreiben kann. Wöchentliches Training bei 30 Minuten Anreise zum Schießstand, im schlechtesten Falle nur unter der Woche ab 20 Uhr (vom Gastgeber her) - da sehe ich wenig gute Möglichkeiten, dass man da neben der eigentlichen Disziplin noch etwas entwickeln kann. Hier muss eben beantwortet werden, wie weit man gehen will und wohin man am Ende kommen möchte.
Werfen wir doch mal einen Blick auf das, was uns ab dem kommenden Sportjahr erwartet - hier wieder der Hinweis, dass meine Ausführungen sich auf Gewehr beziehen: Die bestehenden Disziplinen bleiben erhalten. Die Disziplin KK 50m Carl Zeiss wird für Diopter geöffnet. Und es wir der Mixed-Wettbewerb LG eingeführt. Das heißt natürlich am Ende, dass ich durch LG, LG Mixed, KK100m und KK 50m insgesamt vier reine Stehend-Disziplinen habe, die sich auf zwei Kaliber verteilen. Das eine fördert natürlich auch das andere und ergänzt sich somit ganz gut - auch, wenn natürlich gewisse Aspekte ganz anders ausgeprägt sind in den einzelnen Disziplinen und jede ihre eigenen Reize und Schwierigkeiten mit sich bringt.
Ich komme aus einem Verein, der über Jahre hinweg aus Unwissen oder Ignoranz eine Spezialisierung vorgenommen hat. Das reine LG-Schießen stand im Vordergrund. Pistole beispielsweise findet keinen Millimeter platz und ist übertrieben gesagt auch nicht willkommen. Das führt natürlich dazu, dass sich auch niemand mit Pistole auskennt und man somit auch jetzt noch nicht das Angebot erweitern kann/möchte. Diese reine Spezialisierung auf LG führte auch dazu, dass sogar beim Nachwuchs über Jahre verschlafen wurde LG 3-Stellung zu trainieren und es sogar teilweise verpönt war es mit den Jugendlichen zu trainieren. Entsprechend besteht der Kern an KK-Schützen für den Ligabetrieb auch nur aus älteren, erfahreneren Schützen oder eben jenen, die durch den Landeskader ans KK-Schießen herangeführt wurden. In meinen Augen stellt das eine ganz klassische Fehlentwicklung dar, da gewisse Menschen in der Vergangenheit mit Scheuklappen durch die Welt liefen und alles nach ihrem Denken gestalten wollten. Fehlende Möglichkeiten führen auch dazu, dass man es schwieriger hat Mitglieder zu bekommen und/oder Mitglieder auf Dauer zu halten (auch hier wieder der Aspekt der Psyche, ausgeprägt in Phasen der Langeweile im Sportjahr - je nach Leistungsstand natürlich.