Reinigung von KK- Match- Pistolen

  • Hallo Leute,


    da ich immer wieder die unterschiedlichsten Meinungen von Sportschützen höre, was das Reinigen der KK- Läufe nach dem Training betrifft, würde mich mal Eure Meinung interessieren.


    Sollte man bei einer KK- Waffe, Gewehr oder Pistole, regelmäßig den Lauf durchziehen oder eher seltener oder alle paar Jahre mal. Wie haltet Ihr es damit und hat das Eurer Meinung nach Auswirkung auf die Präzision der Sportgeräte???


    Und wie ist es mit Waffenöl in den Läufen, Eher gut oder schlecht?


    Schönen Sonntag noch.


    Gruß Peter

  • Mein kk gewehr und meine FP ziehe ich nur mit einer schnur durch um Abbrandreste raus zu holen.

    Kein Öl in den Lauf. Öl im Lauf muss vor dem ersten schuss komplett ausgeputzt werden. Das Öl verbrennt im Lauf und brennt dabei die natürlich vorhandenen Mikrorisse auf. Weiterhin brennt das Öl langsamer ab und wird durch den Schuss in die Mikrohohlräume gepresst bevor es abbrennt. Der Lauf verändert sich so mit der Zeit. Auch polierte Stahlspiegel haben diese Risse und sind nur mit entsprechenden optischen Geräten zu erkennen. Ballistol im Lauf ist mit das schlimmste was Du ihm antun kannst. Konservierendes Öl geht, muss aber wie schon gesagt vor dem ersten schuss mit Filzproppen oder gleichwertigem komplett entfernt werden.

  • 3 mal die (originale!) Bore Snake vom Patronenlager zur Mündung durchziehen. Man sieht richtig den Pulverdreck spritzen, wenn die Messingborsten aus der Laufmündung herauskommen.
    Anschließend 3 mal mit Wergfäden durchziehen - nach der Vorbehandlung mit der Boresnake sieht man kaum mehr Dreck auf den hellen Fäden.

    Boresnake nach 20 Reinigungen auswaschen.

    Kein Öl, keine Laufreiniger.

  • Hm. Es gibt verschiedene Schulen, und man kann vermutlich nicht sagen, dass es nur eine (1) richtige Art der Waffenreinigung gäbe. Zumal für eine KK-Pistole anderes gilt als für ein KK(-sc. EInzellader-)Gewehr, und für beide anderes als für GK-Waffen.

    Freilich, die Ideen von Snarrow sind das Falscheste überhaupt. Erschreckend. Wie kann sich so etwas überhaupt in Köpfen festsetzen?


    Carcano

  • Das Öl verbrennt im Lauf und brennt dabei die natürlich vorhandenen Mikrorisse auf. Weiterhin brennt das Öl langsamer ab und wird durch den Schuss in die Mikrohohlräume gepresst bevor es abbrennt.

    Da hat dich aber irgendwann mal jemand gewaltig verarscht mit dieser "Weisheit".

  • Man kann zuwenig reinigen, aber nie zuviel. Ein Waffensystem funktioniert am optimalsten, wenn es sauber ist und keine störenden Elemente vorhanden sind. Daher reinige ich die Waffe nach jedem training - mindestens Lauf durchziehen und Patronenlager reinigen. Alle ein, zwei Monate zerlege ich die GSP und reinige auch die Schlitten- und Federführung. Ein konservierendes, harz- und säurefreies Öl tut einer Waffe immer gut. Beim schießen sollte der Lauf allerdings trocken sein, da ansonsten bei den ersten Schüssen eine veränderte Trefferpunktlage auftritt. Man kann fast alles nehmen WD40, Motorenöl und natürlich auch ein Weisöl wie Ballistol. Das Zeug kann man für alles nehmen: Zur Waffe reinigen, den Schaft ölen, Zecken beim Hund entfernen und bei Erkältung trinken. Umweltfreundlich abbaubar ist es auch. Und für all das wurde es mal vom preussischen Heeresamt in Auftrag gegeben. Gänzlich tabu im Lauf ist alles, was irgendwie Teflon enthält. Mit Hitze zusammen ergibt das Flussäure, die Dir im laufe der Zeit den Lauf zerfrisst.


    Wenn man allerdings so manche Vereinswaffe anschaut, bei der vor lauter Krusten kaum noch eine Patrone ins Lager passt und die bei jedem dritten Schuss einen Hülsenklemmer hat, ist meine Meinung sicher nicht weit verbreitet... ?

    "Wer kein Schwert hat, der verkaufe seinen Mantel und kaufe ein Schwert!"

    Jesus Christus; Lukas 22, 36

  • Ballistol hat halt den Nachteil, dass es verharzt, Bzw. eintrocknet. Das kann mal erwünscht und positiv sein aber natürlich auch Nachteile haben. Man muss halt schaun was wofür.

  • Na da gibt es wohl auch hier die unterschiedlichsten Meinungen! Danke für die interessante Diskussion!


    Schönen Sonntag noch!


    Gruß Peter

  • Hallo,

    gute Frage, hänge mich da gleich mal an:

    Wenn ich FP schieße (Hämmerli 150E) dann sieht der Lauf bei Durchsicht nach 5 Schuss aus als wäre er jahrelang nicht geputzt. (RWS Pistol Match)

    Macht es dann Sinn den Lauf alle paar Schüsse durchzuziehen oder beeinträchtigt diese Rückstände die Trefferlage nicht (sehr)?


    Andreas

  • ich ziehe nur durch um keine Korrosionshotspots im Lauf zu provozieren,

    Im prinzip ist der Lauf blank.

  • Macht es dann Sinn den Lauf alle paar Schüsse durchzuziehen oder beeinträchtigt diese Rückstände die Trefferlage nicht (sehr)?

    Genau umgekehrt. Die Reinigung beeinträchtigt die Trefferlage. Und bei der FP spielt das eine wesentlich größere Rolle als bei OSP.

  • Man kann zuwenig reinigen, aber nie zuviel.

    Also es hält sich aber durchaus die Meinung, dass man Waffen kaputt putzen kann. Jeder wie er mag.


    Ich bevorzuge das ersäufen mit Motoröl, und das retten mit Pressluft (Werkzeuge: Lappen und Zahnbürste)

  • Ballistol hat halt den Nachteil, dass es verharzt, Bzw. eintrocknet. Das kann mal erwünscht und positiv sein aber natürlich auch Nachteile haben. Man muss halt schaun was wofür.

    Weisöle können nicht verharzen. Das mit dem eintrocken kann ich nicht beurteilen, aber so lange sollte eh keine Waffe im Regal liegen... ;)

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  • Gänzlich tabu im Lauf ist alles, was irgendwie Teflon enthält. Mit Hitze zusammen ergibt das Flussäure, die Dir im laufe der Zeit den Lauf zerfrisst.

    ?

    Oh, Flusssäure =O, der Albtraum jedes Chemikers.

  • Oh, Flusssäure =O, der Albtraum jedes Chemikers.

    Jepp, nicht ganz ungefährlich das Zeux, aber ich nutze es gern zum mattieren von Glas.

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  • Ich habe gerade noch einmal die Zusammensetzung von Ballistol nachgelesen. Was da nach einiger Zeit verdunstet ist der Alkohol in der Mischung. Dabei verdickt sich das Ballistol auf die Konsistenz von Vaseline, was aber der Schutzwirkung keinen Abbruch tut.


    Wenn man Motorenöl benutzt, empfehle ich aus meinen Erfahrungen der Feinmechanik eher ein spezielles Öl für Oldtimer, das weniger Additive enthält, von denen man nicht weis, was sie bei längerer Einlagerung so mit dem Metall und anderen Materialien treiben. Ältere Dichtungsmaterialen jedenfalls werden durch moderne Additive angegriffen. Hier gibts z. B. sehr preiswert Miller Oil classic oder Rowe vintage.


    Ähnlich preiswert geht es zu, wenn man auf militärische Waffenöle und -fette zurückgreift. Das allseitsbekannte O-158 zum Beispiel. Das bekommt man als Surplus-Ware sehr günstig und ein Liter davon hält ein Schützenleben lang. Mal ganz davon abgesehen, dass alles, was eine Mil-Spec erhält immerhin schon in gewissem Maße für Qualität sorgt.


    Im übrigen ist Putzfaulheit eine ziemlich neue Angelegeheit. Eine Schwarzpulverwaffe ungereinigt aufzubewahren, sorgt durch die Hygroskopie in kürzester Zeit für einen verrosteten Lauf. Daher war vor jedem abstellen Waffenreinigung Pflicht! Bei größeren Kalibern war früher auch immer eine Laufkappe pflicht. Denn nur allzugerne kletterten Spinnen hinein und die abgesonderten Sekrete sind ebenfalls ware Korrosionswunder.


    Zum Thema "kaputtputzen"....es gibt schon Legenden, die halten sich hartnäckig. Aber nicht durch "putzen" wird eine Waffe zerstört, sondern nur durch falschen Umgang, durch Einsatz ungeeigneter Materialien wie z.B. eiserne Drahtbürsten oder -ketten, aber nicht durch fachgerechtes putzen.


    vg

    Oliver

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  • Na vielen Dank auch! Wie ich sehe gehen die Meinungen deutlich auseinander, so wie im richtigen Leben!


    Hallo Andreas, das merkwürdige ist, zu mindest bei mir, daß ich in der FP Hämmerli 150 nach dem Schiessen fast keinen Dreck habe und in der Steyr FP fast überhaupt nichts. In der Sportpistole GSP nach dem Schiessen dagegen mächtig viel Dreck sowohl im Lauf als auch am Verschluß. Alles bei Rifle Match.


    Kann mir das Jemand erklären?


    Gruß Peter

  • Kann mir das Jemand erklären?

    Ja. Es handelt sich bei ersteren um Einzellader, deren formschlüssig verriegelten Verschluss du nach jedem Schuss manuell öffnest, bei letzterer um eine Selbstladewaffe mit unverriegeltem Masseverschluss. Daher die andere (und ausgedehntere) Verschmutzung.

    Das einzige was bei KK-Waffen wenig bis gar nicht pflegebedürftig ist, ist die Laufbohrung (Seele).


    Carcano

  • Ja das leuchtet mir ein. Übrigens hab ich heute Bezirksmeisterschaft geschossen SpoPi Auflage mit meiner alten GSP. 6- 7 mal Ladehämmung, das hatte ich noch nie! Sehr nervig das Ganze. Na gut für die Bayerische wird es wohl reichen. Zu Hause hab ich das Ding auseinander genommen. Den Fehler gefunden. Nicht am Lauf, nein am Verschluß hatte sich ein Rand von altem Schmutz verhärtet in der Rille, wo die Patrone anliegt und unter dem Auszieher auch. Wahrscheinlich hat das Teil gar nicht mehr richtig verriegelt und der Auszieher nicht mehr richtig greifen können. Ein Nachbar auf dem Stad hat gemeint: Deine Hülsen fliegen so tief in meine Richtung. Was ist denn mit deiner Pistole los, Jetzt verstehe ich das erst. Der Auszieher konnte nicht mehr richtig auswerfen. Gestern war ich noch zum Training, da hat alles noch funktioniert. Also ist Reinigen ab und zu gar nicht schlecht!


    Ich dank Euch noch mal, Ihr habt mir schon viel geholfen!