"Lichtschießen" und "Senioren Hol- und Bringservice"

  • In unserem Bezirk Lüneburg hat die Schützenfestsaison 2010 begonnen. Um mir die Festabläufe von anderen Vereinen und deren Ideen und Anregungen für die Ausrichtung eines Heimat- und Volksfestes anzusehen, habe ich mich unter das "Besuchervolk" gemischt und dabei "Hölle und Himmel" erlebt.
    Mein persönlicher Schützenfestauftakt bei einem Verein (ca. 150 Mitglieder), der in einem Ort mit über 10 Tausend Einwohnern domiziliert, hat mich sehr betroffen gemacht. Der Festplatz war mit einer Bierbude "gefüllt". Das Kinderschützenfest wurde mit vier Spielen und der doppelten Anzahl von Kindern unter dem verlängerten Dachüberstand des Schützenhauses veranstaltet. Schön , dass drei der wenigen Helfer wenigstens ihrer Raucherlunge eine Freude bereiten konnten.


    Im Schützenhaus selber saßen dann endlich ca. 25 Schützenschwestern und -brüder bei ihrem Kommersnachmittag zusammen. Die Stimmung war gut, sie waren alle guter Dinge, weil sie ihr Schützenfest wie all die Jahre feiern konnten - auch im hohen Alter.



    An einem zweiten Tisch saßen fünf Jugendliche, die sofort bereit waren, das von mir mitgebrachte Lichtpunktgewehr mit einem Biathlonziel zum Einsatz zu bringen. Als ich vom Preisschießen zurück kam, hatte sich um das Lichtschießen eine kleine Menschentraube gebildet: darunter vier eltern von Kindern die am Kinderschützenfest beteiligt waren, die Bedienungskraft, drei Senioren, die zum ersten Mal sich mit dem Lichtschießen beschäftigt haben sowie vier Kinder und die Jungschützen, die schon kompetent Fragen zum Lichtschießen beantworten konnten und jetzt im Mittelpunkt des Schützenhauses standen.



    Die Königsproklamation vor 25 angetretenen Schützen/innen und ca. 20 Besuchern hat mich dann deprimiert und die Frage aufkommen lassen, ob es überhaupt noch einen Sinn macht, sich für Öffentlichkeits- und Nachwuchsarbeit einzusetzen. Das Ergebnis der Königsproklamation:
    Kein Schützenkönig,
    keine Damenkönigin
    eine Jungschützenkönigin die vorher Adjutantin der Vorjahreskönigin war,
    ein Jungschützenkönig, der vorher der Adjutant der Schülerkönigin war
    eine Bürgerkönigin, die ohne Konkurrenz zum dritten Mal den Titel errang und
    ein Bürgerkönig, der auch das Trippel erreichte.
    Die Kinderkönige freuten sich ob der Königswürde und eines kleinen Flachgeschenkes über 20 Euro.



    Warum schreibe ich das?


    Vielleicht gibt es noch andere Schützenfestbeschreibungen, in denen etwas beschrieben wird, was von den Besuchern akzeptiert wurde, sich poitiv auf das Schützenfest ausgewirkt hat.


    Deshalb wäre mein erster Punkt für die "Positivliste": Das "Lichtpunktschießen für jung und alt" anbieten.



    Mein zweiter Vorschlag für die "Positivliste" ist: Der [b]"Senioren Hol- und Bringservice".[/b]



    Diesen Vorschlag habe ich aus dem Besuch des zweiten Schützenfestes mitgenommen, der von einem 220-Mitglieder starken Verein in seinem Schützenfestplakat angeboten und tatsächlich auch intensiv genutzt wurde.


    Auf diesem Schützenfest war alles anders: Sechs große Schausteller, junge Vereinsmitglieder, die vergnügt mit Freunden die reichhaltigen Angebote nutzten. Die Kirche hatte dort ebenso einen Stand wie die Feuerwehrkapelle des Nachbarortes. Die Königsproklamation konnte vollständig abgeschlossen werden.


    Ihr habt bestimmt noch weitere Ideen und Vorschläge für eine Liste, die hilfreich sein kann, wenn man das eigene Schützenfest attraktiver gestalten möchte, für die Besucher, aber auch für die Schützenfamilie?

  • Hallo Wilhelm,
    da hast du ja wirklich krasse Gegensätze kennen gelernt.
    Auch bei uns ist der Schwund auf dem Festplatz langsam sehr deutlich zu erkennen. Dieser Senioren Hol- und Bringdienst ist eine gute Anregung, da wir, als Kurstadt, einen relativ hohen Altersdurchschnitt haben.
    Unser Festplatz ist eigentlich ganz gut mit Schaustellern bestückt, nur die Preise der Fahrgeschäfte treiben gerade mir als Mutter die Tränen in die Augen - wer soll sich das noch leisten können?
    Am ersten Schützenfestabend (Freitag) haben wir einen Kommers, der durch einen Fackelumzug zum Rathaus beendet wird, wo dann der große Zapfenstreich stattfindet. Das ist für viele von uns das schönste am ganzen Schützenfest und wird auch von den Besuchern sehr gut angenommen. Da der Abmarsch vom Festplatz um 23Uhr statt findet, kann man so einige auf dem Platz sehen, die ohne dieses Ereignis schon vor dem Fernseher sitzen würden. Am letzten Abend des Schützenfestes haben wir dann - wie sicher fast alle Schützenfeste - ein Höhenfeuerwerk, dass aber immer weniger Besucher anlockt.


    Was man bei uns ganz starkt merkt, ist die Wetterabhängigkeit. Regnet es so zwischen 18-20 Uhr ist der Platz leer, weil viele, die sonst zum Tanz gekommen wären (2 Bands in 2 Hallen) lieber trocken zu Hause bleiben.


    Samstags findet bei uns der Kinderumzug statt, bei dem die Kinder hinter dem Festumzug oder an der Hand eines Mitmarschierenden auf den Festplatz "gelockt" werden. Leider hat auch hier in den letzten Jahren die Teilnehmerzahl stark abgenommen. Anschließend organisiert die Damenabteilung ein Kinderfest mit Bobbycar-Rennen, Glücksrad und diversen anderen kleinen Spielen. Für die größeren Kinder ist das allerdings kaum noch interessant. Da ist deine Lichtpunkt-Biathlon-Idee richtig gut (ich schau mal, was sich da machen lässt!)
    Da aber auch die Mitglieder des Vereins immer älter werden, fehlen sowohl Ideen als auch Initiative. Es wird so gemacht wie schon zu meiner Zeit (vor 30 Jahren) und es sind noch immer die gleichen Leute. Wer will ihnen verdenken, dass da langsam der Akku leer ist.


    Also hoffe auch ich an dieser Stelle auf eure Schützenfestschilderungen, die Anregungen bringen.
    Ach ja, gut angenommen wird bei uns immer das so genannte "Schützenfrühstück" in der Schützenhalle. Es hat Tradition und auch Nicht-Mitglieder können daran teilnehmen. Schützenfest-Montag um 11Uhr ist für viele ein fester Termin.


    So, das war's erst mal von mir.
    Jetzt seid ihr dran :thumbsup:
    Sylvia

  • Hallo Sylvia,


    ein einfaches gesundes Fühstück für jedermann, aufgebaut als attraktives Frühstücksbüfet ist bestimmt eine sehr gute Idee um mit Nichtmitgliedern in Kontakt zu kommen. Wenn sich jeder Schütze vornimmmt seine Nachbarn mit einzuladen, oder sogar Freunde und Verwandte mitzubringen führt das schnell zu einer fröhlichen Frühstücks- und Festgemeinde.


    Damit die Veranstaltung Format und Organisation zulässt, sollte jedoch mit vorheriger Anmeldung der Umfang vom Angebot und der finanzielle Einsatz kalkuliert werden. Ein Spendentopf für die Teilnehmer sowie heimische Anbieter von Frühstücksbestandteilen als Sponsoren sorgen für eine win-win-Situation.

  • kann dir nur zustimmen das wären super Vorschläge die nicht schwer Umzusetzen sind und dennoch viele Leute vllt. ansprechen würde


    naja was mich an euren Erzählungen nur stört ist das Schützenfest denn um ganz ehrlich zu sein ich kenne keinen Verein im Gau Freising der so etwas Veranstaltet bzw. unser Verein auch nicht.

    Der Schießsport:
    -so interessant im Leistungsbereich
    -so spannend im Wettkampf
    -so Brüderlich in der Gemeinschaft
    darum Liebe ich diesen Sport so sehr.

  • Hallo LDS,
    warum stört dich das Schützenfest denn so? Der Begriff oder die Veranstaltung an sich?
    Bei uns im Ort ist das der Höhepunkt des Jahres. Viele Schützen, die noch im Verein sind, aber nicht mehr hier wohnen, komen extra deswegen wieder mal zu Besuch. Und beim Festumzug stehen dann doch einige Leute an der Straße.
    Viele können mit dem Traditionellen mehr anfangen als mit dem Schießsportlichen, weil sie es durch Schützenfest und Schützenball eher sehen. Bei uns kriegen sie Beides.
    Was macht ihr bei euch denn so? Auch ein Fest oder bleibt ihr Schützen unter euch?
    Liebe Grüße, Sylvia

  • Hallo LDS,


    ich komme auch aus Bayern und leider gibt es in unseren Gefilden keine solchen Schützenfeste wie weiter nördlich der Republik. Ich denke, dass ist fast mit einer Fahnenweihe bei uns zu vergleichen.


    Wir haben halt eher Beteiligungen an Festen, wie z.B. Kirta (=Kirmes) im Ort, Preisschießen oder Feierlichkeiten innerhalb des Vereins. Große Schützenfeste sind bei uns eher unüblich.

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo

  • Hallo LDS,
    warum stört dich das Schützenfest denn so? Der Begriff oder die Veranstaltung an sich?
    Bei uns im Ort ist das der Höhepunkt des Jahres. Viele Schützen, die noch im Verein sind, aber nicht mehr hier wohnen, komen extra deswegen wieder mal zu Besuch. Und beim Festumzug stehen dann doch einige Leute an der Straße.
    Viele können mit dem Traditionellen mehr anfangen als mit dem Schießsportlichen, weil sie es durch Schützenfest und Schützenball eher sehen. Bei uns kriegen sie Beides.
    Was macht ihr bei euch denn so? Auch ein Fest oder bleibt ihr Schützen unter euch?
    Liebe Grüße, Sylvia

    Hallo Sylvia,


    mich stört doch nicht euer Schützenfest. Ich finde das ehrlich gesagt super


    Nur was mich stört, ist die Tatsache das es sowas bei uns nicht gibt und in unserer Region eine extreme Ablehnung gegen
    den Schießsport spürbar ist. Letztens war ich als Fähnrich auf einen Schützenumzug weil ein benachbarter Verein Jubiläum gefeiert hat
    und es waren grob geschätzt 25 Leute in dem Ort auf der Straße um sich den Umzug anzusehen 25 von 3500 Leute die in dem Ort leben.
    Das ist das traurige an der ganzen Geschichte und aus der Ausfleischung des Schießsports durch unsere Medien.


    letztens hat mir einer meiner Jungschützen erzählt das seine Eltern, wenn er nicht schon 16 gewesen wäre, Ihm nie das Anmeldeformular
    für unseren Verein ausgefüllt hätten weil sie gegen solch grausame und gewaltverherrlichende Sportart wie das Schießen sind und das doch
    förmlich Ausbildungslager für Jugendliche mit psychischen Problemen sind. Letztendlich haben sie Ihm nur unterschrieben weil er es von seinem eigenen Geld zahlt und seine Freunde dabei sind.


    Daraufhin hab ich im Gemeindeschaukasten an die Eltern in unserer Gemeinde geschrieben und bin dringlichst auf dieses Thema eingegangen.


    Wenn Interesse besteht kann ich ihn hier auch einmal im Forum posten.


    LG


    LDS

    Der Schießsport:
    -so interessant im Leistungsbereich
    -so spannend im Wettkampf
    -so Brüderlich in der Gemeinschaft
    darum Liebe ich diesen Sport so sehr.

  • Hallo LDS,


    an diesem Schreiben hätte ich schon Interesse. Es fehlt einfach die Aufklärung über den Schießsport in der Bevölkerung. Die haben total falsche Ansichten davon.


    Ich bin übrigens auch in deinem Alter (bin 21) und auch Jugendleiter bei uns im Verein. Ich kann dir auch ein schönes Beispiel liefern von einer Jungschützin. Ihre Eltern wollten sie nicht schießen lassen, da sie gegen den Schießsport waren (zu viel Gewalt, sahen keinen Sinn, kein richtiger Sport waren die Argumente). Ein Bekannter und zugleich selbst Schütze konnte sie aufklären und umstimmen.
    Nun ist ihre Tochter sehr erfolgreich, zweimalige Jugendkönigin, schießt in der Auswahl und auf der Bayerischen Landesmeisterschaft und natürlich ist sie so auch öfters in der regionalen Zeitung. Nun sind die Eltern sehr stolz auf sie, sind sehr hilfsbereit und stehen mir oft als Fahrdienst für die Schützenjugend bereit, wenn ich jemanden brauche. Sie wollen sogar nach München zur Landesmeisterschaft fahren.
    Das ist doch mal ein Beispiel mit gutem Ausgang.

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo

  • Hallo Dingo,


    Es freut mich zu hören das sich auch andere in meinem Alter, ins Vereinsgeschehen mit einbeziehen, bei uns im Verein ist das eher eine Seltenheit und somit bin ich als Jugendleiter und Fähnrich, ausser meiner Jugendsprecherin der jüngste in unserer Vorstandschaft und bekomme natürlich von manchen Personen ordentlich gegenwind da von zu wenig Erfahrung und naivität meinerseits gesprochen wird. Aber ich kenn diese Problematik nur zu gut wenn jemand eine Abteilung so gut wie nur möglich saniert wollen alle ein Teil des Kuchens abhaben.


    Natürlich sind solche Wendungen immer leichte Hoffnungsschimmer am dunklen Horizont, dennoch ist die Aufklärung über unseren Sport
    von sehr viel Falschmeldungen und Bildern getrübt worden, trotzdem freut es mich natürlich immer wieder von geläuterten Eltern zu hören.
    ^^


    Desweiteren füge ich natürlich den offenen Brief als Dateianhang an diesen Post hinzu.


    mfg


    LDS

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    Der Schießsport:
    -so interessant im Leistungsbereich
    -so spannend im Wettkampf
    -so Brüderlich in der Gemeinschaft
    darum Liebe ich diesen Sport so sehr.

  • Ich finde dein Schreiben wirklich gut. Man sieht, du hast dir wirklich Gedanken gemacht und wer weiß, vielleicht kann man wirklich ein paar wachrütteln und wenn auch nur einer kommt, dann war es das schon wert.


    Weiter SO!!

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo

  • Auf meiner Schützenfesttour ist mir aufgefallen, dass es einige Vereine gibt, die ihr Schützenfestprogramm wohl schon im Winter d. J. festgezurrt haben, ohne auf das Großereignis Fußball-WM einzugehen.


    Nicht anders ist es zu erklären, dass eine Königsproklamation von 16 Uhr (Spielbeginn Deutschland: Argentinien) kurzfristig eine Stunde vorverlegt wurde. Nach der Proklamation ging es mit dem gesamten Schützenzug (50% der sonst in anderen Jahren angetretenen Mitglieder) direkt in die nahegelegene kühle Kartoffelhalle, die eigens für das Public Viewing vorbereitet wurde.


    Die Schausteller haben in der Zeit des WM-Spiels ihre Fahrgeschäfte abgebaut und haben das Schützenfest verlassen.

  • Hallo,


    leider hat Wilhelm Recht und die Reaktionen von euch laßen darauf schließen, dass es in allen Breitengraden unseres Landes so ist bis auf wenige Ausnahmen. Das Schützenwesen ist rückläufig und die Verantwortlichen in den Vereinen, haben aus welchen Gründen auch immer nicht den richtigen Dreh um alles wieder interresanter zu gestalten.Zum Teil sind die Vereine überaltert auch in den Vorständen weil es am Nachwuchs fehlt. Warum fehlt es am Nachwuchs, weil solche Katastrophen wie Erfurt , Winenden und jetzt Lörrach ein gefundenes Fressen für die Presse und Gegner unserer Sportart sind. Der DSB ist leider nicht in der Lage die Presse zu überzeugen, daß nicht die Schützenvereine sondern einzene Personen diese Greultaten begangen haben. Wir die Vereine müssen bei öffentlichen Veranstaltungen durch Überzeugungsarbeit und guten Ideen wie es hier schon angeklungen ist die Menschen darauf aufmerksam machen, dass wir eine wunderbare Sportart betreiben. Lichtpunktschießen, Fahrdienst für Ältere, Seniorennachmittage, Skat und Knobelabend und vieles mehr kann uns eventuell wieder auf den richtigen Kurs bringen. Wir sollten uns mal überlegen was man alles anbieten könnte und hier zusammen tragen. Wenn wir dann die eine oder andere Idee in unseren Programmen aufnehmen, könnte ich mir vorstellen, dass sich der eine oder andere Erfolg einstellt. Wir könnten uns so gegenseitg damit helfen wieder das Schützenwesen vorwärts zu bringen. Ich finde es gut, dass Wilhelm dieses Thema angeschnitten Hat.


    Gruß Kogge

  • Lichtpunktschießen, Fahrdienst für Ältere, Seniorennachmittage, Skat und Knobelabend und vieles mehr kann uns eventuell wieder auf den richtigen Kurs bringen.

    Sind wir Kartenspieler und Seniorentreffs oder Sportschützen?
    Ich finde es völlig daneben mehr oder weniger vom Schießen selbst mittels Skat- und Knobelabenden abzulenken.
    Ich denke eher, dass wir dort ansetzen sollten wo die Probleme herkommen: In den Schützenhäusern und vor allem auf dem Schießstand.
    Was man in vielen kleinen Vereinen sieht ist eben einfach erschreckend. Schlechte oder nicht vorhandene Jugendarbeit, kein Sportsgeist, Personenverhältnis Stammtisch-Schießstand 5:1 usw. usf.
    Dass Mannschaften auf den Aufstieg verzichten, weil sie sonst weitere Strecken fahren müssten oder Sonntag morgens statt Frühschoppen Wettkämpfe hätten hab ich bisher halt wirklich nur bei den Schützen gehört. Dort gehts dann wirklich nur ums, pardon, Ballern.


    Der Ansatz mit der Seniorenförderung ist ja an sich nichts verwerfliches weil mit guter Absicht, mMn aber dennoch Thema verfehlt. Zum Einen müssen wir bei der Jugend und nicht bei den Senioren anfangen. Die Jugend ist die Zukunft. Zum Anderen ist die Schiene über Hol- und Bringdienste, Öffentlichkeitsarbeit usw. eben ein Einknicken vor der geübten Kritik durch die Presse und die öffentliche Meinung. Wir müssen unseren Sport verteidigen und besser darstellen und nicht versuchen uns durch Seniorenförderung in ein besseres Licht zu stellen.
    Thema Licht: Lichtpunktschießen ist eine gute Idee für Kinder die noch nicht mit echten Gewehren schießen dürfen - mehr aber auch nicht. Sobald die Kinder mit einem LG schießen dürfen würd ich sie auch mit einem LG schießen lassen. Alles andere wäre wiederum nur ein Eingeständnis an die Kritiker. Und wenn die dann bemerken, die Schützen fügen sich mehr oder weniger, wird das weitergetrieben. Dann haben wir irgendwann nur noch Lichtpunktschießen. Und kurz darauf haben die Sportgeräte dann eine andere Form, weil sie echten Waffen zu sehr ähneln. Das hat dann aber nichts mehr mit unserem Sport zu tun.


    Ich denke einfach wir müssen weg vom Image der traditionellen, ach so geselligen Vor-Stammtisch-Beschäftigung hin zum Breiten- und Leistungssport. Viele halten das Schießen gar nicht für einen Sport. Da muss man sich ja nicht bewegen und nur ruhig dastehen. Das ist doch gar nicht anstrengend. Und so wie das Schießen in vielen Vereinen betrieben wird ist das auch leider eine berechtigte Annahme.

  • Hallo Kogge,
    ja da bin ich ganz deiner Meinung. Danke noch mal an Wilhelm.


    Die Überalterung und der vielleicht auch dadurch entstehende Mangel an neuen Ideen kann ich auch bei uns feststellen.
    Glücklicherweise sind wir durch unvorhergesehene ganz plötzliche Rücktritte einiger "Bremser" gezwungen wordem einen komplett neuen Vorstand herbeizuzaubern
    Und das hat nach viel Theater auch geklappt.
    Dieser Vostand ist im Schnitt 20 Jahre jünger als der vorheringe und voll mit Ideen und Tatendrang.
    Unser großes Problem ist die Arbeitsintensität, die z.B. ein neues Konzept für unser Schützenfest mit sich bringt.
    Der allgemeine Vereinsalltag ist für Beruftätige mit Familie kaum zu bewältigen (vom eigenen Training will ich da gar nicht erst reden), deshalb ist es in der Regel so, dass die, die sich für ein Ehrenamt zur Verfügung stellen, meistens weit über 60 sind.
    Ich bin in unserem Verein Jugenleiterin und Tochter des Sportwarts (also mache ich da auch noch viel) und mein Stellvertreter ist 65. Es war sehr schwer, einen zu finden, der sich zutraut, mit "schrecklichen" Jugendlichen zu arbeiten - warum auch immer. Da hörte ich sowas wie: "das sind heutzutage alles verzogene Gören und wenn man was sagt, hat man die Eltern auf dem Hals!" und aus den eigenen Reihen (der zurückgetretene Sportwart ließ dieses verlauten) hörte ich:"der Verein steckt der Jugend alles in den A.... und ausserdem klauen die mir meine Munition!"
    Wenn Jugendliche sowas nur im Ansatz mitkriegen, ist es kein Wunder, dass sie sich neben solchen Leuten nicht engagieren wollen.
    Ich bin 37 und +-20Jahre vor/hinter mir ist total Ebbe.
    Und die Wenigen, die was machen wollen, machen dann irgendwie Alles (muss ja gemacht werden, wir sehen das als eine Art Verpflichtung), bis es wirklich zu viel wird, weil entweder Familie, Beruf oder Gesundheit das nicht mehr mitmacht.


    Solche Amokläufe mit Schusswaffen sind also sicher nicht der einzige Grund, warum die Jugend sooft wegbleibt oder gar nicht erst kommt.
    Wohnt man in einem Dorf, ist spätestens nach Beendigung der Schule Schluss, weil die berufliche Zukunft oftmals nur andernorts zu finden ist.
    Und zu den Amokläufen sei noch eins gesagt:
    Ich habe unter meinem festen Stamm von 15 Jugendlichen nur 3 aus Schützenfamilien. Die anderen Eltern hatten vom Schießsport in der Form noch nie was gehört (was ist freihand und so). Da kam bisher keine einzige Fragen, ob die Kinder durch die Handhabung mit einer Waffe (Sportgerät hin oder her) irgendwie negativ beeinflusst werden. Da ist es an dem Jugendleiter, die Eltern aufzuklären und für eine gute Kommunikation untereinander zu Sorgen.
    Und wenn die Eltern mal zu einem Training eingeladen werden und sehen, mit wie viel Sorgfalt und Bewusstsein für Sicherheit ihr Kinder mit dem Gewehr umgehen, stellen sich bei denen Fragen nach Winnenden gar nicht mehr.
    So ist mein Eindruck.


    Wir geben nicht auf, Eltern und andere Mitbürgen aufzuklären und "Stammstischproganda" und miese Stimmungsmachen wird es wohl immer geben.


    So, das wars erst mal von mir.
    Freue mich auf weitere Reaktionen.
    Liebe Grüße, Sylvia

  • Hallo,


    toll das auf meinem Bericht verschiedene Reaktionen sind. Zu dir patrick GER wenn alle so eingleisig denken würden wie Du, würde es mit den Schützenvereinen schon vorbei sein. Wir reden hier nicht nur über das Sportschießen sondern über das Schützenwesen, wo auch die Tradition und Spielenachmittage dazu gehören. Ältere Jahrgänge im Schützenwesen haben genauso eine Daseinsberechtigung im Verein wie die Aktiven.Denn sie haben in jungen Jahren dafür gesorgt, dass die Jungen heute ihren Sport ausüben können. Wenn ich Schüler unter 12 Jahren im Verein bekommen kann, dann muss ich Abwechslung bieten mit Spielen. Ältere Herrschaften die mal geschossen haben, egal ob Sport oder Traditionsschütze freuen sich am Vereinleben teilnehmen zu können mit einen Skat oder Knobelabend oder sei es nur Kaffeetrinken. Holt man diese Leute alle wieder ins Boot, dann hat der Verein eine Basis auf der er aufbauen kann. Auch diese sorgen durch Mund zu Mund propaganda in ihrem Umfeld das die leut neugirieg werden und mal vorbei schauen. Es gibt halt verschiedene Wege die man versuchen sollte um wieder Mitglieder zu bekommenn.


    Kogge

  • Warum denk ich da eingleisiger als du? Ich bin für eine Förderung des Sportes, du für das "Schützenwesen." Das finde ich auch nicht allumfassender als mein Vorschlag.
    Meiner Meinung nach bauen viele Schützen einfach zu sehr auf die "alten" Werte wie Tradition, Geselligkeit usw. - zusammengefasst mag man das "Schützenwesen" nennen. So toll sich das dann anhört, in der heutigen Zeit ist das mMn aber nicht mehr tragbar und nicht mehr attraktiv genug für die Jugend. Geselligkeit findet heutzutage (wo)anders statt - ob via Internet oder in Jugendhäusern und auf Partys. Aber es wird wohl kaum ein Jugendlicher wegen der Geselligkeit in den Schützenverein gehen.
    Tradition ist auch so etwas was wohl immer mehr in den Hintergrund rückt - ob das gut oder schlecht ist, darüber soll sich jeder seine eigene Meinung bilden. Ich finde es gut, wir leben in der heutigen Zeit und haben heute andere Vorstellungen als unsere Vorfahren vor 60-100 Jahren. Da brauchen wir eben auch andere Normen und Werte. Tradition hat heute immer weniger Platz. Wir müssen uns auch einfach trauen alte Dinge sein zu lassen und Neues anzupacken.



    Ältere Jahrgänge im Schützenwesen haben genauso eine Daseinsberechtigung im Verein wie die Aktiven.Denn sie haben in jungen Jahren dafür gesorgt, dass die Jungen heute ihren Sport ausüben können.


    Natürlich haben sie ihre Daseinsberechtigung, das hab ich ihnen auch nicht abgesprochen. Ich hab nur angemerkt, dass deine Vorschläge eben primär auf die älteren Semester ausgerichtet sind und du außer durch Lichtpunktschießen kein bisschen auf die Möglichkeiten zur Nachwuchsförderung eingegangen bist. Ich denke die Nachwuchsförderung muss definitiv im Zentrum stehen, die Förderung von Senioren rundet eine gelungene Vereinsphilosophie ab.


    Quote

    Wenn ich Schüler unter 12 Jahren im Verein bekommen kann, dann muss ich Abwechslung bieten mit Spielen


    Muss man das? Ist das Schießen selbst bei euch nicht interessant genug? Ich bin auch in einem Karate Verein, dort ist jeden Wochentag mit Kindern jeder Altersklasse Training. Und zwar Karate-Training. Kein Dosenwerfen, kein Kartenspielen. Natürlich machen wir im Training Spiele wie Fangen usw., das gehört dazu, aber der eigentliche Sport steht im Vordergrund.

  • Hallo,


    schau du gibst dir doch selbst die Antwort, auch im Karate macht ihr Spiele. Beim Schießen werden auch Spiele gemacht, aber das hauptsächliche sportliche Schießen steht im Vordergrund. Genau wie bei euch.
    Und ich bin jetzt schon mehrere Jahre Jugendleiter und ich kann dir sagen: Die Kinder kommen anfangs wegen dem Schießen, aber sie bleiben nicht wegen dem Schießen. Sie bleiben, weil sie Wertschätzung erfahren, weil sie Spaß haben, weil sie eine Gesellschaft haben, weil ihnen etwas geboten wird.


    Bei uns gehört neben dem sportlichen Schießen auch noch der gesellige Teil dazu, mit einem Bierchen oder einem Wein, mit Fachsimpeln und sich gut unterhalten. Und auch die Jugend ist größtenteils noch da und spielt z.B. Karten, ratscht, oder genießt es einfach unter sich zu sein.


    Mit deinem rein sportlichen Ansatz wirst du anfangs vielleicht gute Erfolge erzielen, einen breit aufgestellten und langfristig erfolgreichen Verein wirst du so aber nicht bekommen. Vor allem wirst du dann nie so viel Spaß und Gaudi erleben, wie wir sie haben!!

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo

  • Das mit den Spielen war so nicht gemeint - ich denke Kogge meinte Spiele im Sinne von Kartenspielen usw.
    Im Karate machen wir Aufwärmspiele, was ich jetzt eher mit Schießspielen vergleichen würde. Und Schießspiele sind ja völlig ok.


    Ich sag auch nicht, dass der gesellige Teil nicht stattfinden darf. Ich sag eher, dass bei vielen der sportliche Teil eben (fast) nicht stattfindet.
    Von den Schützen wird immer auf die tolle Geselligkeit verwiesen - das ist auch ok und sicherlich nicht schlecht - aber dafür kommt in so vielen Verein der Sport einfach zu kurz! Und wenn es in sportlicher Hinsicht besser läuft, dann läuft es auch automatisch im geselligen Teil besser. Die Aktiven kommen gerne und öfter ins Training weil sie was treffen und dadurch automatisch mehr Spaß am Schießen haben. Man trifft sich dadurch öfter usw. usf.
    Man kann schon deutlich beobachten, dass bei sportlich erfolgreichen Vereinen auch das übliche Vereinsleben meist besser funktioniert als in sportlich weniger erfolgreichen Vereinen. Das lässt sich auch erklären. Wenn eine Schülermannschaft nicht nur 1-2x die Woche vor sich hintrainiert und bis zum Bezirk kommt, sondern auch mal zum ShootyCup oder ähnlichem fährt, dann kommen z.B. auch die Eltern untereinander in Kontakt. Man fährt mit den Kindern mit, unterstütz sie und versteht sich mit den anderen Eltern gut. Dann ist ein Grillfest im Schützenhaus und die Eltern kommen vllt. auch dann eher mit als wie wenn sie selbst eigentlich gar nicht im Verein miteinbezogen sind, sondern nur die Kinder zum Training hinfahren.
    Ich hab auf den ganzen Wettkämpfen auf denen ich als Schüler schon war auch viele gleichaltrige kennengelernt, die ich als weniger erfolgreicher Schütze niemals kennengelernt hätte. Mit diesen hab ich heute noch Kontakt, wir gehen abends in Discos, fahren zusammen irgendwo hin usw.
    Bei uns kann man auch beobachten, dass sich die Senioren die sonst nur am Stammtisch zu finden sind, plötzlich für die Ligawettkämpfe und Meisterschaften interessieren. Wir haben bei jedem Ligakampf mindestens ein, eher zwei Autos voll mit Fans im Anhang. Und das sind überwiegend ältere Leute. Auch wenn unsere Sommerbiathleten zu einem Wettkampf fahren sind immer ein paar Fans dabei. Auch der Sport verbindet!


    Mich besorgt übrigens auch, dass der Alkohol wirklich schon obligatorisch zu jedem Trainingsabend dazugehört. Im Sport hat Alkohol eigentlich nichts zu suchen. Natürlich trink ich auch mal etwas, aber es sollte nicht fester Bestandteil des Trainingabends sein. Im Karate trainieren wir 3-4x die Woche, Freitag abends setzt man sich noch zusammen und trinkt auch ein Bier oder einen Wein. Das reicht aber auch.

  • Der Alkohol gehört nicht zum Sport sondern zum geselligen Teil danach und was wäre schon ein Stammtisch mit lauter Wasser trinkenden Leuten? Sähe doch komisch aus.


    Deine Folgerung, dass erfolgreich auch gleich gesellschaftlich mehr los bedeutet, kann ich dir deutlich widerlegen. Die bei uns im Gau erfolgreichste Mannschaft (schoss schon Bayernliga, scheiterte dieses Jahr am Aufstieg in diese) trainiert sehr viel, sind auch wirklich nette Leute, aber dort fehlt die Geselligkeit im Verein. Wenn da bei uns mal eine dritte Mannschaft von diesem Verein schießt (die zweite ist nämlich auch im Bezirk), dann hört man immer, dass ihnen diese Gesellschaft fehlt.


    Man muss also auch das Miteinander konsequent pflegen, denn nur aus diesem "dualen System" entsteht meines Erachtens dauerhaft Freude am Schießen.


    Ich kann dir aber bei Rest nur zustimmen. Auch ich habe durch diverse Wettkämpfe und Preisschießen viele Bekannte kennen gelernt, auch bereits ab der Schülerklasse und auch heute kennt man sich noch. Aber auch hier zählt nicht nur das gute Ergebnis sondern auch die gesellschaftliche Integrationsfähigkeit und die Fähigkeit auf Leute zuzugehen.

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo