Verbandsübergreifende Anerkenntnis der Sachkundeprüfung?

  • Hallo!


    Komme aus Ost-Westfalen. Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) erkennt die Sachkunde des Westfälischen Schützenbundes (WSB) an, andersherum nicht, habe ich mir sagen lassen. Halten das andere Landesverbände des DSB auch so?


    Gruß
    bigboreshooter

  • Die für dich zuständige waffenrechtliche Behörde muß die anerkennen. Wann sie das tut, steht in Gesetzen und Verordnungen.
    Deinen Verband geht der Lehrgangsanbieter einen feuchten Kehricht an.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Deinen Verband geht der Lehrgangsanbieter einen feuchten Kehricht an.

    Das ist nur begrenzt richtig. Wenn es um die Sachkunde als Voraussetzung für den Waffenerwerb geht, ist das richtig. Aber dabei wird bei der Bedürfnisbescheinigung meines Wissens bei den meisten Verbänden die Sachkunde auch gar nicht abgefragt (weil es eben nicht Sache der Verbände ist, sondern der Behörde, die die Frage der Sachkundigkeit genau wie einige andere gesetzliche Voraussetzungen, eben, z.B. das Bestehen eines Bedürfnisses,).


    Von Bedeutung ist die Sachkunde aber bei den Verbänden, wenn es um verbandsinterne Ausbildungen geht. Sie steht am unteren Ende der Ausbildungskette und ist für fast jede Ausbildung in einem Verband die Grundvoraussetzung. Und hier kenne ich durchaus Verbände, die einzelne Vorausbildungen aus anderen (auch anerkannten) Verbänden nicht anerkennen. Ist mir mit der verantwortlichen Aufsicht auch schon so gegangen. Fraglich sind an dieser Stelle immer 2 Dinge: 1.) Ist der notwendige Umfang der anderen Sachkundeausbildung gemäß dem Ausbildungskonzept des DSB gegeben ? Dieses sollte meines Erachtens mittlerweile durch die Festschreibung des Mindestzeitumfangs in Ziffer 7.5.1 WaffVwV gegeben sein, die den Zeitumfang der Sachkundeausbildung gem. Ausbildungskonzept des DSB abdeckt. Hier sollten also keine zu kurzen Lehrgänge mehr angeboten werden, da diese auch die Sachkunde zum Waffenerwerb nicht mehr erfüllen würden.
    2.) Sind die inhaltlichen Dinge der DSB-Ausbildungsordnung ausreichend abgedeckt. Hier sehe ich auf der Ebene der Sachkunde tatsächlich unter den Verbänden nicht so viele Unterschiede, als dass da eine Nichtanerkennung gerechtfertigt sein sollte. Schließlich muss man an dieser Stelle gesetzliche Vorgaben erfüllen und einen allgemeinen Grundschatz an Wissen vermitteln. Hier ohne konkrete Grundlagen Lehrgänge anderer Schießsportverbände (und als solcher ist ja der BHDS anerkannt) generell auszuschließen, halte ich für fragwürdig. Zur Sicherheit würde ich da mal selbst in Dortmund nachfragen und ggf. nach den genauen Gründen fragen.


    Im Bereich der verantwortlichen Aufsicht kann ich mir das dann schon eher vorstellen, da es hier a) keine gesetzliche Grundlage über einen thematischen Grundkatalog gibt und b) die Verbände bei diesen Ausbildungen nicht ganz zu Unrecht sehr stark auf die eigenen Sportordnungen eingehen. Zwar gibt es auch Vereine, die in mehreren Verbänden Mitglied sind und daher auch Disziplinen aus allen Verbänden schießen, aber da ist dann halt Eigeninitiative bezüglich des Wissens bei den Aufsichten gefragt, da ja auch gesetzlich in diesem Bereich wenig geregelt ist. Das gilt aber eben nur für den Einsatz auf Vereinsebene. Geht es um Trainerausbildungen o.ä., ist das Wissen um konkrete sportrechtliche Vorschriften des jeweiligen Verbandes natürlich schon wichtig.
    Ich weiss ja nicht, wie die Ausbildung in Westfalen organisiert ist. Wenn sie dezentral durchgeführt wird, macht es manchmal auch Sinn, mal direkt mit den Ausbildern zu sprechen. Die haben manchmal auch pragmatische Lösungen vor Ort parat. ;)

  • Im Bereich der verantwortlichen Aufsicht kann ich mir das dann schon eher vorstellen, da es hier a) keine gesetzliche Grundlage über einen thematischen Grundkatalog gibt und b) die Verbände bei diesen Ausbildungen nicht ganz zu Unrecht sehr stark auf die eigenen Sportordnungen eingehen.

    Wer eine WBK hat, ist IMHO sachkundig (bis zum Beweis des Gegenteils).
    Wer Aufsicht führen darf, bestimmt am Ende der Betreiber unter Maßgabe der ges. Vorgaben.
    Wenn dieser eine spezielle Ausbildung fordert, z.B. "Verantwortliche Aufsicht" oder "Schieß(Sport)leiter" - kein Problem. Da wird i.d.R. auch auf die spezielle Sportordnung eingegangen.


    Verbände, die "fremde" SK nicht anerkennen, verhalten sich schofelig gegenüber ihren Mitgliedern.

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  • Von Bedeutung ist die Sachkunde aber bei den Verbänden, wenn es um verbandsinterne Ausbildungen geht. Sie steht am unteren Ende der Ausbildungskette und ist für fast jede Ausbildung in einem Verband die Grundvoraussetzung. Und hier kenne ich durchaus Verbände, die einzelne Vorausbildungen aus anderen (auch anerkannten) Verbänden nicht anerkennen.


    Wer eine WBK hat, ist IMHO sachkundig (bis zum Beweis des Gegenteils).

    Das mag man für den Bereich des Waffengesetzes annehmen (können) (obwohl ich bei einigen Kollegen, die in den 80er Jahren eine WBK erhalten haben und bei der Frage nach der Sachkunde in den Antrag noch "Mitgliedschaft in einem Schießsportverein" eingetragen haben, was seinerzeit ausreichte, nicht die Hand dafür ins Feuer legen würde ;) ). Im Bereich der Verbände, wo diese Anforderung eine Ausbildungsqualifikation darstellt, ist dem mal nicht so !



    Wer Aufsicht führen darf, bestimmt am Ende der Betreiber unter Maßgabe der ges. Vorgaben.
    Wenn dieser eine spezielle Ausbildung fordert, z.B. "Verantwortliche Aufsicht" oder "Schieß(Sport)leiter" - kein Problem. Da wird i.d.R. auch auf die spezielle Sportordnung eingegangen.

    Gleiches wie bei der Sachkunde: Im gesetzlichen Teil, wo wo es um die Tätigkeit der Aufsicht geht, hast du Recht. In dem Bereich, wo es um die vorhandene Qualifikation als Voraussetzung für verbandsinterne Lehrgänge geht, ist dem nicht so.


    Verbände, die "fremde" SK nicht anerkennen, verhalten sich schofelig gegenüber ihren Mitgliedern.

    Dem kann ich mich inhaltlich voll anschließen. :thumbup:


    Für alles was danach kommt (z.B. auch vA) kann ich die Verbände aber durchaus verstehen. Da existiert ein ziemlicher Wildwuchs, auf den ich weitere Inhalte anderer Lehrgänge nur schwer aufsetzen kann.

  • ...ziemlicher Wildwuchs, auf den ich weitere Inhalte anderer Lehrgänge nur schwer aufsetzen kann.

    Die sollen sich mal nicht ganz so wichtig nehmen. Ist ja oberpeinlich!


    Der erste schießsportliche Lehrgang, der mich geistig überhaupt gefordert hat, war der Trainer C Leistung. Bis dahin war alles "ganz nett". Bei "C Leistung" habe ich wirklich (für mich) Neues gelernt und die Ausbilder haben uns schwitzen lassen. Gut so!


    Im Übrigen: Ich kenne jemanden sehr gut, der zu mir mit nur einem Jahr Unterschied C Leistung in einem anderen Landesverband abgelegt hat. Obwohl das exakt gleiche Ausbildungskonzept verwendet wurde, war die Ausbildung KOMPLETT anders. Der Ausbilderordner selbst ist zwar streng geheim, ich kenne aber meine und die anderen Mitschriften. Das nenne ich Wildwuchs!


    Ich verdiene übrigens einen Teil meines Gehaltes mit Lehrgängen, die ich halte; kenne also durchaus beide Seiten des Lehrertisches.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Was ich heute von einem Teilnehmer über einen vor Kurzem durchgeführten Kurs "DSB Schießsportleiter" gehört habe:


    Frage: "Wie hoch darf die Energie eines Luftgewehres im DSB sein?"
    Der Lehrgangsdozent (!!!) beantwortete sie so: "Maximal 177 Joule, darüber braucht man einen kleinen Waffenschein!".


    Noch Fragen, Kienzle???

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  • Ganz leicht vertan ...


    Was für Gedankenfetzen im seinem Kopf rumspukten (.177" = 4,5mm) ist mir schon klar. Aber Kaliber, Energie und "Kleinen Waffenschein" durcheinander zu werfen entbehrt nicht einer gewissen Tragik. Vor allem das mit dem Waffenschein. ("Oh Herr, wird BILDung herunter!")


    Und die "Ausbildung" durch solche Dozenten ist die einzig wahre und anerkannte ... ("Orthodoxie" nennt man sowas)


    Der Teilnehmer, der mir das heute zu Beginn unseres Kadertrainings erzählt hat, hätte sich nur aus Höflichkeit nicht getraut, dem Lehrgangsleiter in die Parade zu fahren. Meine anwesenden "Kinder" jedenfalls konnten die Frage so ziemlich genau und richtig beantworten. Aber die sind ja noch jung und dumm und haben keine Ahnung.

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  • Was ich rüberbringen wollte: Bezüglich des ganzen Lehrgangssystems liegt eine Menge im Argen.
    Es wird immer nur auf die nominelle Qualifikation geschaut, nicht auf das, was am Ende wirklich vermittelt wird.
    Meine ganz persönliche und durch eigene Anschauung gefestigte Meinung.

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  • Was ich rüberbringen wollte: Bezüglich des ganzen Lehrgangssystems liegt eine Menge im Argen.
    Es wird immer nur auf die nominelle Qualifikation geschaut, nicht auf das, was am Ende wirklich vermittelt wird.
    Meine ganz persönliche und durch eigene Anschauung gefestigte Meinung.

    Ist das nicht fast überall in unserer Gesellschaft so ? Es zählen die Papiere !!! Richtiges Können wird nur in den wenigsten Fällen abgeprüft. Aber das ist in vielen Fällen auch ein Mengenproblem.
    Ich erinnere mich noch an meine Bewerbung um eine Ausbildungsstelle. Da gab es seinerzeit 800 Bewerber für 5 Ausbildungsstellen. Da musste zwangsläufig schon auf Basis der Papiere eine Vorauswahl getroffen werden und 600 Bewerber wurden rausgekegelt. Da waren bestimmt auch welche bei, die aus praktischer Sicht besser geeignet gewesen wären als einige der letztlich genommenen, aber das Papier (Zeugnis) gab, aus den verschiedensten Gründen nicht mehr her. Bei einem Eignungstest oder einem persönlichen Gespräch hätten sie ggf. aber ihr Wissen/Können unter Beweis stellen können.


    Will damit sagen, wir haben an vielen Stellen in unserem System theoretisch fähige Leute, die aber leider praktisch nicht das bringen, was sie sollen. Andererseits ist man kontrollmäßig nur begrenzt in der Lage, so etwas durch "vor Ort-Kontrollen" auszumerzen. Dafür fehlt schlicht schon das kompetente Kontrollpersonal in ausreichender Menge. Wir werden also (bedauerlicherweise) mit solchen Ausreißern in der Qualität in begrenztem Umfang leben müssen. Es darf halt nur nicht zu viel werden.


    Und im übrigen kann man immer nur mit den Leuten arbeiten, die sich zur Verfügung stellen. Auch ich kenne ne Menge Schützen (Männlein und Weiblein), die hervorragende Kenntnisse im Bereich Sachkunde oder Sportordnung haben, die aber bei Nachfragen, ob sie sich nicht auf örtlicher Ebene bei uns im Bezirk ein wenig mit einbringen möchten, dankend ablehnen. Tja, da steht man dann mit seinem "kurzen Höschen" und muss sehen, wie man die SK-Ausbilung oder den Schießleiter/KR bei einem Wettkampf besetzt bekommt.

  • Was ich rüberbringen wollte: Bezüglich des ganzen Lehrgangssystems liegt eine Menge im Argen.
    Es wird immer nur auf die nominelle Qualifikation geschaut, nicht auf das, was am Ende wirklich vermittelt wird.
    Meine ganz persönliche und durch eigene Anschauung gefestigte Meinung.

    Hattest Du jetzt auch Vorschläge wie man das allgemein anerkannte und bewährte System ersetzen könnte?


    Karl

  • Verbindliche Lehrinhalte, die auch so gelehrt werden.
    Vereinfachung und Vereinheitlichung des gesamten Lehrgangssystems.
    Qualitätskontrollen.


    Es ist ein Unding, wie viele unterschiedliche Lehrgänge man besuchen muß, bevor man sich z.B. zu einem Trainerlehrgang anmelden darf.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

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