Gewehrschaft aus Holz/Schichtholz/Alu Wo sind die Unterschiede? Mal abgesehen von der Optik

  • Mal abgesehen von der Optik: Ich frage mich, warum inzwischen bei Matchgewehren fast nur noch Alu-Schäfte verwendet werden. Hat das nur optische Gründe, oder gibt es bei den bewährten Holzschäften andere Probleme, z. B. durch Verwinden, bedingt durch Temperaturschwankungen/Anpassung. Wenn ja, frage ich mich, warum der Schaft fest mit dem System verbunden ist. Kann mir das jemand beantworten?
    Vielen Dank schon mal

    Mein Gewehr:
    FWB 700 Auflage Basic
    Auflageschütze

  • Ich denke da kommen mehrere Faktoren zum Tragen. Der meiner Meinung nach größte Vorteil von Alu-Schäften ist, das man diese "filigraner" gestalten/fräsen kann, da Alu eine höhere Festigkeit als Schichtholz hat, und man so einen leichteren Schaft erhält bei dem man die Gerwichtsverteilung besser einstellen kann. Auch wären so filigrane Detaillösungen wie ein schränkbarer Hinterschaft, wie z.B. beim FWB 800 im reinen Schichtholzschaft wohl nicht machbar. Allerdings dämpft ein Schichtholzschaft den Schuss mehr, ob das ein Vor- oder Nachteil ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden und hängt auch maßgeblich davon ab was man überhaupt schießt (LG, KK, GK). Das Schwinden bzw. allgemeine verformen von Schichtholz ist auf jeden Fall wesentlich geringer als bei Vollholzschäften und ist meiner Meinung, was die Befestigung des Systems angeht, vernachlässigbar.
    Was in meinen Augen sehr interessant wäre, ist ein "Hybrid-Schichtholzschaft" bei dem zwischen den einzelnen Furnierschichten Lagen von Glasfasergewebe mit verleimt werden, um die Festigkeit zu erhöhen. Eventuell könnte man so auch einen filigranen Schaft herstellen der aber wesentlich leichter als ein reiner Aluminiumschaft wäre (Dichte Aluminium: 2700KG/m³, Birkenholz: ca. 650kg/m³). Fraglich allerdings ob das realisierbar ist...reines Hirngespinst

  • Hallo,



    ich hab mal irgendwo gelesen, dass das auch eine Frage des Geldes ist.
    Beim Aluschaft kann man den Ausschnitt wieder verkaufen, Ausschuss gibt es fast keinen.
    Bei den Holzschäften geht ein gewisser Teil beim Fräsen kaputt und ist Ausschuss, den man nur noch als Brennholz verkaufen kann.


    Ich persönlich finde die Gewehre mit Echtholzteilen schöner und außerdem ist das Holz angenehmer als Backenstütze/Griff, also an den Stellen, die direkten Hautkontakt haben.



    Gruß
    SebastianL

    Wer mit einer Meyton-Anlage ein Problem hat, kann sich gerne melden.

  • Das mit dem Ausschuss stimmt...die Aluspäne kann man wieder einschmelzen. Dem gegenüber steht aber ein geringerer Preis für Schichtholz.
    Schaftbacke und Griff sind aber auch beim Aluschaft oft aus Holz.

  • Für den Anwender ist die "Wiederholgenauigkeit" das hüpfende Komma (neben dem Aussehen)


    Schichtholz ist gegenüber massivem Holz im Vorteil, weil es sich weniger verzieht. (Verschiedene Faserrichtungen)
    Gegenüber Alu hat es den Vorteil, wärmer zu sein. Wer drauf steht, mag "Multiplex" in bunten Farben. (Ich nicht)
    Aus Alu dagegen kann man einfacher hochtechnisierte Schäfte bauen, da das Material homogener ist und man einfacher Gewinde schneiden kann.


    Aluschäfte sehen irgendwie "technischer" aus als solche aus Holz.
    Massivholzschäfte dagegen - insbesondere, wenn die Färbung und Maserung stimmt - geben der Waffe was Edles.


    Kunststoffschäfte sind in der Regel preiswert und unkaputtbar und verziehen nicht. Sehen aber oftmals billig aus.


    So hat jedes Material seine Stärken und seine Schwächen.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Schichtholz hat keine verschiedenen Faserrichtungen.

    Du hast recht: Tischlerbude
    Aber durch die Verleimung der Schichten wird trotzdem die Festigkeit und offensichtlich auch die Verzugsfestigkeit (oder wie man das nennt) gegenüber Massivholz erhöht.

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  • Mal abgesehen von der Optik: Ich frage mich, warum inzwischen bei Matchgewehren fast nur noch Alu-Schäfte verwendet werden.

    Na, die Anatomic-Schäfte von Walther und die Woodschäftung fürs FWB800 sind auf alle Fälle aus Holz und preislich das teuerste des Herstellers, was zu bekommen ist.

  • Servus zusammen.


    Vielen Dank erst mal für die qualifizierten Antworten.
    Also: Holzschäfte verziehen sich ( minimal) durch Temperatur/Feuchteschwankungen.
    Wenn sie also fest mit dem System verschraubt sind, nehmen sie dieses eventuell mit und führen zu Trefferungenauigkeiten?
    Hintergrund meinerFrage war u.a. dass ich das Gefühl habe, dass mein Trefferbild manchmal (!) während der ersten 20 Schuss seitlich um mehrere Ringe wandert. Ich schieße Auflage mit einem nicht mehr ganz zeitgemäßem Feinwerkbau 603. Irgendwann werde ich mir doch was neues zulegen. Dazu werde ich demnächst eine neue Frage stellen.

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  • Das liegt garantiert nicht am Holz. Zum einen würde sich Holz in diesem kurzen Zeitraum nur minimal verziehen, dieser Effekt ist beim Schichtholz noch geringer und würde voraussetzen das sich die Luftfeuchte und Temperatur auf dem Stand und dem Lagerort des Gewehrs GRAVIEREND unterscheiden (zumal der Schaft auch noch klar lackiert ist, was den Feuchteausgleich des Holzes zusätzlich unterbindet/erschwert). Das ist in der Realität auf gar keinen Fall möglich.
    Die Ursachen deiner Treffpunkt Verlagerung liegen wohl eher daran das sich deine Kopfhaltung ändert oder die Muskelspannung oder ähnliches.

  • Also: Holzschäfte verziehen sich ( minimal) durch Temperatur/Feuchteschwankungen.

    Richtig, Aluschäfte verziehen sich durch Feuchteschwankungen kaum, dafür aber stärker durch Temperaturschwankungen als Holz.


    Aluschäfte sind einfach im Normalfall wesentlich besser und weiter verstellbar als Holzschäfte oder auch Schichtholzschäfte.


    Moderne Schichtholzschäfte sind gerade bei Schäften und auch anderen Sportartikeln (Bogen Ski oder Booten) so stark mit Harz getränkt dass Einflüsse durch Feuchtigkeit keine Rolle mehr spielt.


    Zu Treffpunktabweichungen kommt es wenn Metall meist der Lauf am Holz anliegt und sich der Lauf beim Schießen dann eben stärker ausdehnt.


    Karl

  • Zu Treffpunktabweichungen kommt es wenn Metall meist der Lauf am Holz anliegt und sich der Lauf beim Schießen dann eben stärker ausdehnt.

    Wir reden hier ja vom Luftgewehr, da dehnt sich beim Schießen am Lauf gar nichts aus...
    Und selbst beim KK hat eine Trefferverlagerung nichts damit zu tun das der Lauf am Holz anliegt, sondern eher daran das sich der Lauf selbst ausdehnt und dies mitunter zu größerer Streuung oder Verlagerung führt (Durchmesser des Laufs wird größer). Selbst wenn der Lauf beim KK direkt am Holz anliegen würde, würde dies höchstens zu Spannungen im Holz führen aber nicht dazu das der Schuss rechts oder links neben der Zehn landet.

  • ...
    Und selbst beim KK hat eine Trefferverlagerung nichts damit zu tun das der Lauf am Holz anliegt, sondern eher daran das sich der Lauf selbst ausdehnt und dies mitunter zu größerer Streuung oder Verlagerung führt (Durchmesser des Laufs wird größer). Selbst wenn der Lauf beim KK direkt am Holz anliegen würde, würde dies höchstens zu Spannungen im Holz führen aber nicht dazu das der Schuss rechts oder links neben der Zehn landet.

    Wie hoch ist die Vergrößerung des Laufdurchmessers, wenn die Temperatur des Laufstahls beim langsamen Sportschießen von Raumtemperatur auf nicht mal handwarm erhöht wird? Irgendwo zwischen Null und nicht meßbar, würde ich annehmen. Aus gutem Grund werden Gewehre mit freiliegenden Läufen ausgeliefert, auch im KK-Bereich.


    Frag mal die Benchrest-Schützen, die echten Künstler unter den KK-Schützen, was die von am Lauf anliegendem Holz halten. Gar nichts.


    Klaas

  • was hat dein Post mit meinem zu tun? gar nichts.
    Fakt ist nur das ein anliegender Lauf am Schaftholz keinen Einfluss auf die Treffergenauigkeit hat.mal abgesehen davon das Auflage schützen nicht die wahren Künstler sind...sie nehmen nur trefferverlagerungen (ausgelöst wodurch auch immer) eher wahr

  • Quote from timmcilrath

    Wir reden hier ja vom Luftgewehr, da dehnt sich beim Schießen am Lauf gar nichts aus...


    Nö, von Matchgewehren. Die gibt es in .177, in 22 lr und auch in diversen GK.


    Ein "frei schwingender Lauf" ist wohl in den seltensten Fällen schädlich.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Fakt ist nur das ein anliegender Lauf am Schaftholz keinen Einfluss auf die Treffergenauigkeit hat

    Deswegen schreibst Du ja auch in # 2 von unterschiedlichem Schwingungsverhalten der Schäfte.


    Unterhaltend sind Deine Beiträge ja, da dürfen auch mal Widersprüche zu finden sein.

  • Ein Anliegender Lauf hat schwierigkeiten mit der Treffergenauigkeit. Zumindest in Disziplinen mit HeissenTreibgasen. Durch das Ewärmen des Laufes ändert sich der Anliegedruck und damit die Trefferlage. Fragt hierzu mal Kollegen die diese altertümlichen Karabiner mit Holzverkleidung schiessen.



    Aluschaft gegen Holzschaft... Der Aluschaft hat in der Regel die bessere Verstellmöglichkeit und kann filigraner ausgearbeitet werden.
    Die Holzschäfte ziehen zwar nach, aber sind da noch nicht ganz so weit. Die Lagerung des Systems beim Aluschaft kann viel Einfluss haben. Das scheint mir beim Holzschaft unkritischer zu sein. Wobei die Anzugmomente beim Holz öfter überprüft werden sollten als beim Aluschaft.
    Vom Schwingen,........das kann man so oder so sehen. Hängt vom Schützen, der Disziplin und der Munition ab.......

  • Hallo,


    ich meine, sollte der Lauf am Holz anliegen, entsteht die Treffpunktverlagerung nicht dadurch, dass der Lauf sich ausdehnt.
    Bei der Schussabgabe entstehen im Lauf Schwingungen und diese werden dadurch unterschiedlich gebremst. Daher spricht man auch davon, dass der Lauf frei schwingen soll. Ist das nicht der Fall, so hat der Schütze geschlampt. Entweder ist das System schief eingebaut, daher nicht sauber in die Bettung gelegt und festgeschraubt, oder es wurde ein Wechselschaft erworben, der nicht zum System passt oder verzogen ist.
    Das ein Lauf sich ausdehnt (aber nicht sichtbar), ist schon richtig. Das ist auch mit ein Grund, mindestens 10-15 Probeschüsse abzugeben.
    Danach hat der Lauf seine Betriebstemperatur und eine Treffpunktverlagerung, durch die Temperatur sind nicht mehr zu erwarten. Jedoch nach einer längeren Pause wieder möglich. Eine weitere Treffpunktverlagerung entsteht dann Anschlags bedingt oder durch äußere Einflüsse.


    Noch eine Anmerkung zum Thema Alu-oder Holzschaft:
    Ist eine reine Glaubensfrage, oder warum ist Sergej Martinov mit einer Anschütz im Holzschaft bei den Olympische Sommerspiele 2012 mit dem Kleinkalibergewehr liegend Olympiasieger geworden und schießt nach einem Versuch mit einer Bleiker wieder seinen Holzschaft.
    Vor- und Nachteile sind bei beiden Varianten vorhanden. Beim LG allerdings eher zu vernachlässigen.


    CD

  • Geronimo

    Added the Label Gewehr