Zuschauer am Stand, ein Irrweg?

  • Früher als die Schützenwelt noch in Ordnung war, waren viele Stände so angelegt dass Zuschauer überhaupt nicht vorgesehen waren, der Platz hinter dem Schützen reichte gerade mal für die Aufsicht aus. Zuschauer waren selbst bei Neubauten einfach nicht vorgesehen.


    Bei Wettkämpfen damals war es üblich, dass bei den wenigen Ständen mit Fenstern zum Aufenthalts- oder Gastraum diese bei Wettkämpfen geschlossen wurden um die Schützen nicht zu stören.


    Selbst bei der Olympia-Anlage waren die Zuschauerränge kleiner als bei einem Dorffußballverein ausgelegt.


    Sicher gibt es heute für Zuschauer attraktive Wettkämpfe wie man im Forum immer wieder lesen kann, nur leider vor überschaubarem Publikum, weil für die wirklichen Fans die Anreise dann doch zu weit ist. Zudem ist ja da auch die Verbandseigene TV Gesellschaft vor Ort die näher am Geschehen ist als es jeder Zuschauer jemals sein kann und das dank Internet auch Life und nahezu an jedem Ort.


    Wenn ich mich an den ISSF Weltcup im Mai an die Zuschauerränge erinnere, noch freie Zuschauerplätze, relativ viele Zuschauer haben den Blick hinter den Schützen stehend doch nicht von dem Smartphone oder Tablet lösen können oder sie standen gleich vor der Anzeigetafel links von den Ständen.


    Da wäre doch ein wie vom Fußball bekanntes Public Viewing doch eine ernsthafte Alternative, die Zuschauer könnten hochrangigen Sport sehen und die Sportler wären vor jeglicher Störung durch Zuschauer, auch zuschauende Mitsportler geschützt.


    Die Tatsache dass natürlich viele Hochrangige Ereignisse besonders im Bereich des traditionsorientierten Schießens natürlich vor Publikum stattfinden soll hier mal unberücksichtigt bleiben.


    Bei den Golfern würde man jetzt auf das Thema eingehen und nicht den Karl prügeln, auch wenn er es gewohnt ist.

  • Hallo Karl,


    von mir bekommst Du für diesen Beitrag bestimmt keine Prügel, obwohl ich Dich von deinen Berichten her, nicht einschätzen kann.
    Als Text mit ordentlichen Argumenten und nicht nur in Stichworten ist dieses ein würdiger Beitrag für ein Schützenforum.


    Ja, so sind die meisten Stände gebaut. Und durch die neue Schießstand-Bauverordnung oder so ähnlich, ist hinter den Schützen (Liegendanschlag) weiterer Platz für Zuschauer zweckentfremdet.
    Den Vorschlag mit dem Public- Viewing finde ich eine optimale Idee. Und dazu noch eine professionelle Kameraführung und die nötigen richtigen Kommentare, Einfach grandios. Wer braucht eine 10,9 um wieder in Führung zu gehen, warum hat ein Schütze drei oder vier Schachtel Munition am Stand , obwohler beim Finale, wenn es gut läuft, mit Probe im Liegendanschlag nur etwa 35 Schüsse abgeben kann. Warum schießt einer mit langem Rohr, hat den Korntunnel aber wieder 15cm zurück genommen. Es könnte Wissenswertes in Hülle und Fülle an den Mann (Frau) gebracht werden. Ich gerate ins Schwärmen. Man konnte auch wieder die Schießzeit verlängern und die Schusszahl erhöhen, damit alles Interessante auch für Neueinsteiger ausführlich erklärt wird.


    Aber ich lege ja gerne den Finger in die Wunde. Wer soll so ein Event organisieren und bezahlen.
    Der DSB hat doch auch kein Geld, oder? Ich müsste mich irren, aber wird das neu Bundesleistungszentrum nicht auch Teilfinanzier. Oder dient diese Info nur zum Vorwand einer Beitragsanpassung. Ich habe extra nicht von einer Erhöhung geschrieben.
    Nur, für welchen Zweck werden die Beiträge und Startgelder verwendet? Es wäre doch schön, eine Art Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr auf der DSB-Internetseite zu veröffentlichen. Das geht doch den einfachen Schützen auch etwas an. Für eine GMBH ist so etwas Vorschrift. Aber ich schweife vomThema ab.


    Karl, deine Idee finde ich prima und denke, das wäre auch eine tolle Werbung und Möglichkeit, den Schießsport positiv in der Öffentlichkeit darzustellen. Hier kann jeder einen öffentlich zugänglicher Raum, auch mit Freunden oder Familie in ungezwungener Atmosphäre aufsuchen und seinen Spaß haben. Und einer bleibt selten alleine.
    Es ist auch eine Alternative zum “Wochenende der Schützenvereine“. Obwohl als Werbeseite ist die neue Aufmachung der ZIEL IM VISIR-Seite recht gut. Nur wer schaut sie dort an. Doch wohl nur Schützen.


    Schöne Grüße von der südlichen Nordsee


    Claus-Dieter

  • Für mich ist es der falsche Weg Zuschauer vom Schießsport auszusperren. Der Sport sollte eher spannender gemacht werden, um Zuschauer und Sponsoren anzulocken. Wie in anderen Threads diskutiert ist ja ein großes Problem der Verbände und Vereine die schlechte Refinanzierung und das Fehlen von ehrenamtlichen Helfern und Funktionären. Der Schlüssel hierzu liegt aus meiner Sicht in der Vermarktung.


    Hier ein Beispiel wie aus meiner Sicht unser Sport attraktiver und besser in den Medien und für Zuschauer vermarktbar gemacht werden kann:
    Bundesliga wie bisher Mann gegen Mann mit jeweils fünf Personen, aber nicht wie bisher die Einzelpaarungen durch das Gesamtergebnis (z.B. 398 zu 396) entscheiden lassen, sondern nach gewonnenen Einzelserien. Wer zuerst drei Einzelserien gewonnen hat, gewinnt den Einzelpunkt für seine Mannschaft. Der Wettkampf ist also theoretisch nach drei Serien entschieden, im worst case nach fünf. Hierfür braucht der Zuschauer keine Ahnung vom Schießen oder von Ergebnissen haben, er muss auch auch nicht bis zu 45 Minuten warten bis eine Entscheidung fällt. Hier würde nach jeder Zehnerserie, also je nach Tempo zwischen vier und zehn Minuten eine Entscheidung fallen. Ein so aufgezogener Wettkampf lässt sich spannend moderieren und auch fürs TV entsprechend schneiden. Wir klagen über mangelnde TV-Präsenz, aber wer will schon (außer eingefleischten Schützen) einen ganzen Wettkampf ansehen? Sieht man ja an den Zuschauerzahlen vor Ort und bei ISSF TV.


    In den vergangenen Jahren wurde sehr viel getan, um unseren Sport publikumswirksamer zu machen. Es muss aber noch sehr viel getan werden, um ihn wirklich attraktiv zu gestalten und so auch langfristig zu sichern. Wenn ich sehe wie viel Sponsorengelder bei uns ein Kreisklasseverein beim Fußball (zweitniedrigste Liga) jede Saison einsammelt und wie viel wir mit unserer Schwabenligmannschaft eingesammelt haben, ist der Unterschied sehr deutlich. Es sponsorn höchstens Geschäftsleute, die bei uns Mitglied sind oder absolute Idealisten. Ein möglicher Sponsor hatte zu uns gesagt: Wieso soll ich euch sponsorn? In der Kreisklasse schauen bei jedem Spiel 200 - 300 Leute zu. Und bei euch? Ach, 10 - 20? Das ist ja nett. Unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten lohnt sich bei euch kein Engagement.

  • Es sollte ja keine Reduzierung stattfinden, um die Zuschauer wegzusperren, es ist nur ein Gedanke, um den Schießsport einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Diese Leinwände sollten als Ergänzung dienen. Und ich glaube, Karl meinte es genau so. Du schreibst ja, wer will schon einen ganzen Wettkampf (außer den eingefleischten) sehen? Aber sehr viele können doch als Zuschauer nur unter sehr großem Aufwand teilnehmen.
    Ich benötigte wenigstens eine Hotelübernachtung und habe zudem eine weite Anreise bis 900 Km.
    Aber eine Stadt mit 100tausend Einwohnern ist ohne größeren Aufwand zu erreichen.


    Z.B. die Olympiade, die 1. Medaille beiden Sommerspielen wird im Sportschießen vergeben. Das wäre so eine Möglichkeit. Auch dein angesprochener Bundesligawettkampf ist eine Option. Es entsteht Spannung, da ein ein Schütze auf der Verliererstraße noch die Möglichkeit hat, sich wieder in den Wettkampf zurück zu kämpfen. Sicher wird es das eine oder andereArgument dagegen geben. Unterm Strich zählt doch nur, erreiche ich dadurch mehr Interesse am Schießsport.


    Schöne Grüße von der südlichenNordsee


    Claus-Dieter

  • Die Idee mit der Leinwand ist nett, wird aber nichts bringen, weil sich zu wenige Leute solche Wettkämpfe anschauen wollen. Das scheitert daran, wie man hier im Forum auch oft lesen kann, dass die Mitglieder an der Basis in den Vereinen gar kein Interesse an Leistungssport haben. Das liegt aber auch an der Vermarktung des Sports durch den DSB selbst. Es werden ja nicht einmal in der Verbandszeitung die Mitglieder der Nationalmannschaft richtig beworben.

  • Leinwand ist schön und gut. Ich denke das Zuschauen lebt aber auch immer von der Interaktion zwischen Sportler und Zuschauer. Und damit meine ich ganz sicher keinen Dauerkrach! Fan zu sein, wird einem im Schießsport aber leider so schwer gemacht, wie vermutlich in keinem anderen Sport.

    Gerhard Seemüller


    „Great minds discuss ideas;

    average minds discuss events;

    small minds discuss people.“

  • Und es ist daran zu denken: Wir leben in Deutschland. Da brauchste für alle möglichen Dinge eine Genehmigung. Wenn du daraus ne öffentliche Veranstaltung machst, sie ggf. sogar bewirbst, wirst du eine solche brauchen. Läuft dabei Musik als Untermalung, bist du schnell bei der GEMA. Das alles kostet Geld, was VORINVESTIERT werden muss, wie auch die Kosten für die Technik, sowohl bei der Veranstaltung, die zu übertragen ist (die mir als örtlicher Veranstalter möglicherweise noch egal sein können) als auch am Veranstlatungsort des Public Viewing. Alleine schon diese paar "Kröten" mittels dem zahlreich erschienen Publikum wieder herein zu bekommen, wird nicht einfach sein.

  • Alleine schon diese paar "Kröten" mittels dem zahlreich erschienen Publikum wieder herein zu bekommen, wird nicht einfach sein.

    Offensichtlich bin ich doch nicht der einzige der das Zuschauerinteresse realistisch einschätzt.


    Karl

  • Hallo Karl,


    das wird trotz Bundesliga und und und nix - am 3./4. Oktober ist LP-Bundesliga Kelheim -
    der Donaugau Regensburg wirbt immer mit zigtausend-Mitgliedern und dann ist doch wieder
    nur der harte Kern von ca. 100 Leuten da .... (von den Bezirken Oberbayern und Niederbayern,
    die be uns ange´renzen, ganz zu schweigen) - Potenzial sicherlich 20-25.000 SchützInnen ;-)


    Aber/Und: Am Samstag war in Kelheim 1. Bundesliga Darts (war hier im Forum zum Thema Öffentlichkeitsarbeit
    schon mal als Beispiel genannt) - trotz Werbung in Facebook usw. waren am späten Nachmittag geschätzte
    10 Fans da, davon meine familiy mit drei Personen. Toller Sport, und übrigens, während der Wurfphasen
    nur wenig Lautstärke und schon gar keine bewusste Beeinflussung des Gegners !


    VG


    Holger

    C-Trainer DOSB - Walther LG Anatomic - Anschütz 1807 in Tesro Evolution mit Simalux ZF - Walther LP 400

  • ./4. Oktober ist LP-Bundesliga Kelheim -
    der Donaugau Regensburg wirbt immer mit zigtausend-Mitgliedern und dann ist doch wieder
    nur der harte Kern von ca. 100 Leuten da ....

    Holger, da erzählst Du mir nun wirklich nichts neues, bisher fühlte ich mich mit meiner Meinung dass Schießen keine Zuschauersportart ist nur recht einsam.


    Aber/Und: Am Samstag war in Kelheim 1. Bundesliga Darts (war hier im Forum zum Thema Öffentlichkeitsarbeit
    schon mal als Beispiel genannt) - trotz Werbung in Facebook usw. waren am späten Nachmittag geschätzte
    10 Fans da, davon meine familiy mit drei Personen.

    Bei nicht mal 10 000 Mitgliedern im Verband eine hohe Zuschauerzahl!



    Karl

  • Karl, aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, daß man eigentlich nur wenige Schützen als Zuschauer parallel beobachten kann.
    Der Schießsport hat es bezüglich des Zuschauerinteresses und der Möglichkeiten, diese zu wecken, absolut nicht leicht.


    Wir sind eben nicht "Super RTL", sondern eher "ARTE".

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Meins nicht.
    Stehen bei mir auf der Ignore Liste.

    Doch deines auch! Denn du bezahlst sie beim Kauf jedes Produktes welches dort beworben wird.


    Axel

  • Hängt euch doch nicht an dem Vergleich auf!
    Schießsport ist zuschauertechnisch ein Spartenprogramm mit sehr eng begrenztem potentiellen Interesse.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)