Mein heutiges AHA!-Erlebnis

  • Unter anderen trainieren wir seit etwa einem halben Jahr einen Jungen, der im Normalfall mit Ritalin "behandelt" worden wäre. Noch (weit) unter 12 Jahren, keinerlei Konzentrationsfähigkeit, stand zum Schuljahresanfang in Deutsch und Mathe auf ner glatten Fünf. Als ich mit ihm anfing, waren 5 Minuten gezielte Arbeit das Höchste, was man erreichen konnte. Danach war jeweils Pause ("trinken", "Toilette", "...") fällig.


    Jetzt, wie gesagt nach etwa 1/2 Jahr trainieren wir immer noch mit einer 20-Doppelmark-Softair (die Ausnahmegenehmigung, vor etwa 2 Monaten beantragt, läßt leider auf sich warten) das sportliche Schießen. Ein mal pro Woche ca. 1 Stunde - allerdings "Einzelunterricht". Die Konzentrationsfähigkeit hat sich wesentlich verbessert, zusammenhängendes Arbeiten ist jetzt etwa 25 Minuten hintereinander möglich. Danach schicke ich den Jungen raus, rennen. Nach dem Rennen: extrem langsames Gehen: 1 Atemzug, ein Schritt. Bis wir wieder auf dem Stand sind. Dann machen wir weiter: 5 Schuß - für jeden Fehler, d.h. "Scheibe" nicht getroffen oder Abzug durchgerissen gibt es eine Note Abzug (nur mündlich als Feedback, wird nicht aufgeschrieben). Bis die Trainingsstunde um ist.


    Der Junge bekommt - so sagte mir sein Vater heute - inzwischen hauptsächlich Zweien und Dreien in den Hauptfächern, weil er inzwischen sich viel besser konzentrieren kann und auch seine Hausaufgaben "durchhält".


    Was kann es für ein schöneres Lob für den Trainer geben? Ich bin immer noch komplett geplättet.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • :thumbsup:



    P.S. was ist eine "20-Doppelmark-Softair"

    Nicht alle seine Fähigkeiten und Kräfte soll man sogleich und bei jeder Gelegenheit anwenden. - Baltasar Gracián

  • Das ist ja super! Weiter so!

    Schieße LG Freihand mit dem
    Anschütz 8002 S2 ALU


    Habe den Sachkunde Kurs gemacht, darf also Standaufsicht machen.
    Zur Zeit leider kein Verein mehr zugehörig

  • Das ist nicht nur ein AHA Erlebnis, dass ist riesig toll. Da leistest Du sehr gute Arbeit mach so weiter.
    Gruß Kogge

  • Danke für euren Zuspruch!


    Als Trainer habe ich mehrere Motivationen - natürlich nicht ganz uneigennützig, denn das Geraffel, was in meinen Tresoren liegt, hat ausreichend Geld gekostet:


    - ich möchte, daß alle meine Schützlinge, darunter auch meine eigenen Kinder, richtig gut im Schießsport werden. Meine Tochter ist seit Jahren regelmäßig in München auf der DM, mein Sohn könnte es dieses Jahr schaffen. Da will ich eindeutig noch mehr.


    - ich möchte, daß alle meine Schützlinge Spaß am Schießen haben. Darum lasse ich jedem die Freiheit, die Disziplinen zu schießen, die ihm am besten liegen. Ob Olympisch oder nicht, ist mir vollkommen Brust. Ich schieße ja wettkampfmäßig auch hauptsächlich nichtolympisch.


    - ich möchte auch in den nächsten Jahren, also vor Eintritt meiner Demenz, noch alle meine Waffen besitzen und schießen dürfen. Das geht aber nur, wenn die gesellschaftliche Akzeptanz für den Schießsport nicht komplett kippt. Darum spiele ich auch, wenns sein muß, den Pausenclown für Partyschützen, wie heute bei einer Jugendweihefeier. (Mal sehen, ob ich das eine Talent, das ich heute entdecken konnte, auch für unsere Mannschaft requirieren kann!)


    - ich bin schon sehr froh, wenn ich aus jedem meiner Schützlinge ein "klein wenig mehr als vorher" herausholen kann. Schießsport als Reha, sozusagen.


    Das alles ist natürlich nicht zu schaffen, wenn wir nicht ein Trainer-Team wären: meine eigene Frau, ein Vereinskamerad, der das Gewehr traumhaft beherrscht, der das KK-Training übernimmt, sowie eine Kameradin, die schon Deutsche Meisterin Luftpistole war - und ich.

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    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Lob für Califax. Damit ich einen solchen Sportler so aufwändig betreuen würde, müssten schon sehr besondere Umstände vorliegen. Da ist man ja mehr Therapeut als Trainer. Das kann und will ich nicht leisten. Deswegen mein Lob, wenn Califax das trotzdem macht. Bestimmt nicht selbstverständlich.

  • Da ist man ja mehr Therapeut als Trainer.


    Das trifft es ziemlich genau.


    Aber genau so ist unsere Werbestrategie für Kinder und Jugendliche aufgebaut: Vermittlung der "Sekundärtugenden", dabei nicht zu wenig Spaß & Erfolg.


    Auch schön, wenn es Talente gibt, die man schon mach kurzer Zeit zur Kreisjugendliga mitnehmen kann. Habe da einen 12jährigen im Portfolio, nach insgesamt nur 6 Trainingseinheiten (!!!) schoß er mit einer LP65 131/200 Ringe - unter großer Aufregung in seinem ersten Wettkampf "fern der Heimat", wobei er einen Schuß voll daneben gesetzt hat. Der wird noch richtig gut!


    Unser Kalkül: So viele Menschen wie möglich mit den positiven Seiten des Schießsportes konfrontieren. Wer mitbekommt, daß wir keine Amokläufer ausbilden, sondern das ganze Gegenteil, der wird auch keine weiteren Waffenrechtsverschärfungen befürworten. Ich selbst bin doch kein "echter" Lupischütze, meine Leidenschaft sind Großkaliber, gern auch dynamisch (BDS) und Schwarzpulver.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

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  • Hallo,
    ich finde die Meinung von Lanfear in Ordnung, genauso die von Califax. Es kommt ja immer auf die Umstände an, kann ein Verein und der Jugendtrainer mit seinen Leuten das Leisten und vor allem richtig machen. Auch wir arbeiten in der Art wie Califax und haben bestätigt bekommen das es sich lohnt mit diesen jungen Menschen diesen Aufwand zu betreiben. Aber wie gesagt, man muss die Möglichkeiten dazu haben und der normale Schießbetrieb muss ungestört weiter laufen. Ich finde es Klasse was Califax auf sich nimmt, denn es ist schon eine Verantwortung dem Jugendlichen gegenüber und wenn man sich nicht sicher ist, kann der Schuss auch nach hinten los gehen.


    Gruß Kogge

  • Hallo,
    ich finde die Meinung von Lanfear in Ordnung,...


    Ich auch. Ich sehe keinen Widerspruch zwischen beiden Wegen, sie ergänzen sich.


    Für den Feinschliff unserer beiden Kaderschützen (11 und 14 Jahre) setzte ich auch auf die Hilfe langjährig erfahrener Leistungssport-Trainer. D.h., unsere Kaderschützen gehen regelmäßig, d.h. 3-4 x jährlich je 4 Tage in Trainingslager. Das bringt enorm was und ich persönlich bekomme davon auch noch weiter Input.

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  • Wenn Du Kaderschützen hast die sich um den Nachwuchs kümmern, besser geht es nicht. Aber ich habe fünf Sportleiter, die sich gut ergänzen und ich kümmere mich um unseren Nachwuchs im Sportschießen und so klappt das alles sehr gut.


    Kogge