aktuelle Berichterstattung 'Waffenlager ausgehoben'

  • ankknüpfend an eine aktuelle Berichterstattung mal folgende Überlegungen:


    Quote

    Fall A


    Waffenlager ausgehoben
    VIERNHEIM (dpa). In der Wohnung eines Sportschützen im südhessischen Viernheim haben Zollfahnder ein riesiges Waffenlager ausgehoben. Die Ermittler stellten zwei Maschinengewehre, neun Sturmgewehre, zwei Maschinenpistolen, neun Kurzwaffen und mehr als 62500 Schuss Munition sicher. Auch 22 Nebel- und Farbgranaten, drei Übungshandgranaten und zehn Handgranatenzünder nahmen sie aus der Wohnung eines 46-Jährigen mit. Der Mann lebt mit seiner Frau und einem minderjährigen Sohn in einem Mehrfamilienhaus und bewahrte einen großen Teil der Munition unter seinem Bett auf.


    Quote

    Fall B


    Waffenlager ausgehoben
    VIERNHEIM (fiktiv). In der Wohnung eines Profi-Fußballers im südhessischen Viernheim haben Zollfahnder ein riesiges Waffenlager ausgehoben. Die Ermittler stellten zwei Maschinengewehre, neun Sturmgewehre, zwei Maschinenpistolen, neun Kurzwaffen und mehr als 62500 Schuss Munition sicher. Auch 22 Nebel- und Farbgranaten, drei Übungshandgranaten und zehn Handgranatenzünder nahmen sie aus der Wohnung eines 46-Jährigen mit. Der Mann lebt mit seiner Frau und einem minderjährigen Sohn in einem Mehrfamilienhaus und bewahrte einen großen Teil der Munition unter seinem Bett auf.




    Was ist jetzt der Unterschied zwischen Fall A und Fall B?


    Der Sachverhalt ist nahezu identisch, lediglich die Zuordnung des vermeintlichen Bösewichts zu einer Gruppierung ist unterschiedlich. Hinterfragen wir mal zunächst nicht die Qualität der Recherchen und der darauf basierenden Berichterstattung, sondern unterstellen wir fallübergreifend den gleichen, potentiell strafrechtlich relevanten Sachverhalt. Dann ergibt sich mit großer Wahrscheinlichkeit Folgendes:


    Fall B: Der Betroffene wird bestraft. Er ist hinterher weiterhin Profi-Fußballer. Das Ansehen der Profi-Fußballer im Allgemeinen ist nicht beschädigt. Der Fall gerät sehr schnell in Vergessenheit.


    Fall A: Der Betroffene wird bestraft, er verliert seine Zuverlässigkeit. Er ist hinterher kein Sportschütze mehr. Das bereits beschädigte Ansehen der Sportschützen im Allgemeinen wird erneut beschädigt. In der Öffentlichkeit festigt sich das Bild der bösen Sportschützen immer mehr ... man erinnert sich ja an ‚viele’ solcher Fälle.



    Angemessen ist vorbehaltlich des Vorliegens eines tatsächlich strafrechtlich relevanten Sachverhalts der jeweils erste Aufzählungspunkt der mutmaßlichen Folgen. Die weiteren Folgen werden ausschließlich über die (völlig unnötige?!) öffentliche Zuordnung des Betroffenen zu einer bestimmten Gruppierung gesteuert. Ungeschicklichkeit/Unbedarftheit oder mediale Stimmungsmache in böser Absicht?


    62500 Schuss könnten übrigens auch 125 Dosen Diabolos sein, die völlig unbedenklich durch Jedermann unter oder auch auf dem Bett aufbewahrt werden können und dürfen. Allerdings wäre das ja auch keine Munition. Ob u.a. dieser feine, aber entscheidende Unterschied hier bedacht und hinterfragt wurde?

    Jede Schießsport-Disziplin hat ihre Existenzberechtigung. Zusammenhalt ist wichtig - über die Grenzen von Disziplinen und Verbänden hinweg.

  • Tja das ist leider so, dass Sportschützen unter größerer Beobachtung stehen und ich frage mich auch: Wofür brauche ich zig Maschinengewehre und -pistolen und wofür brauche ich so viele Granaten? Habe noch nie eine Sportart für Granaten gelesen!!


    Dein Vergleich mag zwar passen, aber bedenke mal folgendes:
    Ein Arbeiter missbraucht ein Kind. Er wird bestraft, verliert evtl seinen Job für die Zeit, in der er im Bau ist. Kommt er raus, kann er aber durchaus wieder als Helfer auf dem Bau arbeiten. Das Ansehen von Bauarbeitern wird nicht beschädigt.


    Ein Lehrer missbraucht ein Kind. Er wird bestraft, verliert sicher seinen Job, weiß nicht was er nach der Zeit im Knast machen soll. Es geht ein Aufschrei durch ganz Deutschland, in jeder Schule braucht man auf einmal mehrere Beauftragte, etc. pp.


    So ists halt leider auch bei den Schützen. Sobald man im Fokus steht und näher an der Materie dran ist, darf man sich einfach keine Straftat erlauben, schon zweimal keine, die auch noch mit dem Hobby oder Beruf so eng verflochten ist.

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo

  • Ich habe unzutreffend formuliert und daher eine falsche Fährte gelegt. Ich meinte tatsächlich:


    "Angemessen sind vorbehaltlich des Vorliegens eines tatsächlich strafrechtlich relevanten Sachverhalts die jeweils ersten beiden Aufzählungspunkte der mutmaßlichen Folgen."


    Mit ging es um die Ausstrahlung auf die jeweilige Gruppierung.


    dingo: kannst Du den Ausgangspost entsprechend modifizieren und #2 / #3 löschen? Habe meine Botschaft sonst leider selbst verwässert ...

    Jede Schießsport-Disziplin hat ihre Existenzberechtigung. Zusammenhalt ist wichtig - über die Grenzen von Disziplinen und Verbänden hinweg.

  • Du hast ein schönes Beispiel geliefert, welches man bei den verschiedenen Diskussionen nutzen sollte. Da fast alle Fussball kennen und sehen, sind die Bespiele für fast jeden nach vollziehbar.


    Das Beispiel mit dem Fussballer finde ich gut. Ein Profifussballer wird ggfs. bei einem groben Foul über den normalen Klageweg belangt, aber er ist immer noch Fussballer und geht seinem Hobby als Beruf nach.

  • Hallo frank17,


    Ich habe unzutreffend formuliert und daher eine falsche Fährte gelegt.


    Du hast mit Sicherheit weder unzutreffend formuliert noch eine falsche Fährte gelegt, deine noble Geste ehrt Dich allerdings. Obwohl ...


    Zu der in weiten Kreisen allseits beliebten These "Wofür brauche ich überhaupt ... . Niemand braucht ... " sage ich mal besser nichts. Dürfte auch eh nur wieder falsch verstanden werden.



    Mit bestem Schützengruß


    Frank

  • Ich sehe auch keine falsche Formulierung, sehe auch das Problem, dass wir Schützen hier sofort wieder an den Pranger gestellt werden. Aber wer halt schon mal im Visier ist, der wird immer wieder zur Zielscheibe - leider.


    Murmelchen
    Dann sag mir doch mal, wann ich Maschinengewehre und -pistolen, sowie vor allem Handgranaten in sportlichen Wettbewerben brauche. Merkst was?

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo