Wie führe ich einen Jungschützen am besten ins Schießen ein?

  • Ich habe eine Frage die zu einem aktuellen Fall bei mir passt. Am letzten Schießabend kam das erste Mal ein Mädchen (12 Jahre) zu uns in den Verein und wollte das LG-Schießen ausprobieren. Also habe ich es mit ihr gemacht wie mit allen anderen Anfängern auch: Zuerst eine Jacke angezogen und einen Handschuh mitgenommen, dann an den Stand gegangen, Sicherheitsregeln erklärt, Gewehr erklärt, Schussablauf erklärt und dann auf einem Auflagebock die ersten Schüsse gemacht. Das ist ja Standard bei uns und bewährt. Nachdem sie auf Anhieb sofort auf die LP-Scheibe von hinten und auch von vorne drauf getroffen hatte, ließ ich sie auf eine normale LG-Scheibe schießen und alle 5 Schüsse landeten sofort im Schwarzen. Dann holte ich gleich den Galgen, denn in der Schnur wackelt das Gewehr nochmal mehr. Aber auch hier landeten 4 der 5 Schüsse im Schwarzen. Somit ließ ich sie gleich mal ein paar Schuss freihändig probieren (mache ich normal nie so schnell). Und auch dort war ich überrascht. Von ihren ersten 10 Schuss freihändig landeten 7 Schuss sofort gut im Schwarzen.


    Daher nun meine Frage: Wie soll ich am besten fortfahren, wenn sie das nächste Mal zum Training erscheint?
    Was ich nicht will, ist nur Techniktraining, denn ich will sie für den Schießsport begeistern und das Techniktraining ist dafür nun mal nicht gut geeignet. Die richtige Technik möchte ich so nach und nach miteinfließen lassen, denn man kann sich eh nicht auf so viele Sachen auf einmal konzentrieren.
    Wie würdet ihr hier weitermachen?

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo

  • Ich habt doch sicherlich balkenscheiben im verein.


    Laß sie dadrauf schießen, aber "präpariere" die noch ein wenig indem du due balken erstmal etwas größer machst.
    Denn wenn ich mich recht entsinne ist der balken bei LG rad mal so groß wie der 9'er bereich und das ist bei Anfängern etwas demotivierend wenn sie von 10 Schuß zwei au zufall treffen.

  • So Balkenscheiben haben wir für LG und LP, da eignen sich dann wohl die LP-Balken besser. Aber meine Lieblingsmethode ist folgende bei den Balken: Ich habe einen dicken Edding und male auf die Rückseite einer Einzel-LG-Scheibe einen Balken auf, in der Breite, die ich gerade brauche.


    Das ist eine gute Idee, dass man Balkenscheiben bei Anfängern dazumischt. Danke, auf das bin ich noch gar nicht gekommen. Habe immer erst etwas später zu den Balkenscheiben gegriffen.

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo

  • Gerngeschehen.


    Du müsstest doch wissen das grad bei den Anfängern das Techniktraining am besten Spielerisch eingebaut wird.
    Und das ist ne möglichkeit. Vorallem wenn man dann noch einen kleinen Anreiz schafft.

  • Jetzt kam schon eine Antwort von Erzwo, aber was sagen die anderen Jugendleiter und Meisterschützen hier im Forum? Oder noch besser auch mal die Frage besonders an die Jugend wie Leo, Kim, Zabbbi, etc. Wie sollte für euch der Einstieg in den Schießsport sein, dass ihr Lust habt zu bleiben? Oder erzählt einfach wie es bei euch war, denn ihr seid ja begeisterte Schützen.

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo

  • Wir haben einen ganzen Fundus an verschiedenen Glücksscheiben. Ich lass die Kids oft am Schluss auf sowas schießen, dann bleibt ne positive Einstellung hängen, auch wenns mit der Technik nicht so recht geklappt hat.


    Ein weiteres Rezept ist auch das Wechselspiel von Erfolgserlebnis und Herausforderung. Ich versuche immer den Kids Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Sei es im Techniktraining oder in Schießspielen. Erfolg motiviert und Herausforderungen sezten neue Ziele, die erreicht werden wollen und dann entsteht Ehrgeiz. Das ist nicht leicht hinzubekommen, vorallem wenn nicht regelmäßig trainiert wird.

    Mein Trainingsmotto:
    Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein. (Philip Rosenthal, Unternehmer, *1916)

  • Den Sinn und Zweck von Balken habe ich wirklich nie verstanden. Das widerspricht doch vollkommen dem gewohnten und trainierten Zielbild. Und sollte es einem Schützen gelingen den schwarzen Balken abzuschießen: Was weiß ich dann außer dass er horizontal oder vertikal stark schwankt? Für einen auf seinen Nullpunkt eingerichteten Schützen bedeutet es größeren Muskelaufwand die ansonsten nicht gewünschten Schwankungen herbeizuführen, oder?


    Das freistehende Gewehrschießen auf Pistolenscheiben (Korntunnel ohne Ringkorn!) hat sich bei Schnupperschießen meistens gut bewährt, sofern nicht zu viele Kinder unter 10 Jahren dabei sind. Wie soll's nun weitergehen? Ich würde als nächsten Schritt grundlegende Techniken wie Abziehen und Nachhalten noch einmal beim Auflageschießen erklären und überprüfen, damit sich der Schütze keine Fehler angewöhnt.

    Gerhard Seemüller


    „Great minds discuss ideas;

    average minds discuss events;

    small minds discuss people.“

  • Der Sinn von Balkenscheiben sieht für mich folgendermaßen aus:
    Du hast ja schon eine Argumentation gebracht: Schütze schwankt horizontal oder vertikal. Nur du musst diese Argumentation umdrehen. Ist der Balken vertikal, siehst du, ob der Schütze in der Waagrechten die Mitte halten kann und beim Balken horizontal, siehst du, ob der Schütze hoch-tief Probleme hat. Denn auf einer normalen Scheibe kann ein Schuss mal etwas hoch-tief bzw. links-rechts liegen, weil der Schütze noch zur Mitte gedrückt hat, er dadurch aber hochgerissen hat.


    Ein Beispiel aus meinem Verein: Ein Schütze traf immer so mittelmäßig 340 Ringe. Schwankungen konnten nicht genau lokalisiert werden. Beim Balkenschießen kam dann die Auflösung: Beim vertikalen Balken waren alle Schuss drinnen, beim horizontalen hatte er deutliche Probleme, viele Schüsse hoch oder tief. So merkten wir erst, dass er minimal mit Kraft arbeitet. Dies ist ihm selbst auch nicht bewusst gewesen. Die Schulter war leicht angespannt und die andere hing etwas. Außerdem war die Hüftstellung nicht optimal. Nach den Korrekturen (geht nicht von heute auf morgen, sind wir immer noch dran) wird das Ergebnis auch besser.
    Das wurde bei uns z.B. durch Balkenscheiben festgestellt.
    Ich hoffe, dass es dir jetzt etwas klarer geworden ist.

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo

  • Ich lasse unsere Jugend auch ab und an auf Balkenscheiben schießen - horizontal oder vertikal, je nach Bedarf. M. E. läßt sich unsere Jugend gerne auf solche Überraschungen ein, wenn man ihnen den Sinn dieser Sache erklärt. Auch Anschlagübungen auf schwarze Scheiben sind angesagt - die ich persönlich hie und da auch gerne mal einspanne. Mit einem Jung-Biathleten, 13 Jahre alt, der seit ca. 4 Wochen dabei ist, lasse ich mir die nötige Zeit. Zuvor habe ich mich im Vorfeld mit dem Buch "Nachwuchsarbeit im Schießsport" befasst und mir dort einige "Inspirationen" geholt. Nachdem ich einige Übungen mit ihm absolviert habe, die ich dem Buch entnommen habe, lasse ich den Bub nun seit 1 1/2 Wochen u. a. Schussbilder schießen. Dies auf LG Scheiben und zwar ist das Ziel, innerhalb der Kreislinie um den 4er Ring die Treffer zu setzen. Nach 5 x 5 Schuss auf die Schießscheibe folgen 5 x 5 Schuss auf die Biathlon-Klappscheiben. Das Ganze wiederhole ich noch einmal. Anschlagübungen, Kontrolle des Atemrhythmus und Korrekturen werden bei Bedarf mit eingebaut. Demnächst folgt das Liegenschießen und wenn's wärmer wird, geht's an das kombinierte Lauf- und Schießtraining. Beim ersten hochpulsigem Schießen wird's evtl. eine "Talfahrt" geben - dann ist Motivationsarbeit angesagt. Ende April wird der Junge seinen ersten Wettkampf bestreiten. :thumbsup:

    Ohne Mut zur Niederlage - keine Sternstunde.

  • Die Balkenscheiben können aber auch noch etwas anders, als bisher beschrieben, eingesetzt werden. Am besten geht dass, wenn man statt der Scheiben besser gleich ein großes Stück alte Tapete nimmt und dieses mit einem Balken versieht. So kann sich der Schütze nicht mehr am äußeren Rahmen der Scheibe orientieren und so bewusst oder auch unbewusst den Schuss in die Mitte setzen. Der Schütze soll sich dabei jeweils auf die Aufgabe konzentrieren, den entweder waagerecht oder senkrecht angebrachten Balken mittig zu treffen. Da der Schütze dabei aber keine Orientierung bzw. keinen Anhaltepunkt mehr für die jeweils andere Ebene hat, zeigen sich sehr gut Nullpunktverschiebungen oder Nullpunktverlagerungen, nur eben für die Ebene, die vordergründig nicht das vermeintliche Trainingsziel ist.


    Ich versuche mal, den den Sachverhalt hier noch etwas zu verdeutlichen. Der Schütze, welcher den Balken schon leidlich trifft, erhält die Aufgabe, auf den senkrecht ausgerichteten Balken zu schießen. Der Schütze kann jetzt seine seitlichen Abweichungen vom Ziel, anhand des Balkens kontrollieren. Aber er hat keinen Anhaltspunkt mehr für die richtige Höhe. So ergeben sich mehre Möglichkeiten für die Trefferlage. Erstens, die Schüsse liegen alle in der Mitte. Dann ist der Schütze zumindest für die Scheibenhöhe auf diesem Stand perfekt ausgerichtet. Zweites, die Schüsse liegen zwar alle zusammen, aber entweder zu tief oder zu hoch. Dann muss der Anschlag bzw. die Einstellung des Gewehrs noch etwas an die Scheibenhöhe angepasst werden. Drittens, die Schüsse liegen zwar alle recht mittig auf dem Balken, aber in der Höhe gestreut. Dann fehlt es dem Schützen noch am gleichmäßigen Anschlagsaufbau bzw. er hat noch nicht das nötige Gefühl (Anschlagsgedächtnis) für einen gleichmäßigen Anschlag entwickelt.


    Das oben gesagte gilt natürlich auch analog für für die andere Ebene.


    Wenn man die Übung ganz optimal machen will, ist es vielleicht sogar noch sinnvoller, hinter der Tapete eine entsprechende schwarze Gummimatte zu kleben, damit der Schütze möglichst auch seine Einschusslöcher nicht mehr sieht und sich so auch nicht an diesen orientieren kann.



    Mit bestem Schützengruß


    Frank

  • Hallo


    Denk' nicht nur an Techniktraining. Versuche Interesse - oder besser Begeisterung am Schiesssport an sich zu wecken.


    Z.B. durch das Erzählen was es für Diziplinen gibt, inclusive zugucken bei anderen (sportlich orientierten) Schützen im Verein. Erzähl von Wettkämpfen, wie das funktioniert mit den Rundenwettkämpen und der Meisterschaftsrunde. Geh mit deinen Jungschützen zum Weltcup um die besten zu sehen und zur DM um Ziele aufzubauen. U.s.w.


    Nur mit Begeisterung und Ziele kann man der Gefahr eine Strohfeuers begegnen.


    Gruss Axel

  • Genau darum ging es mir auch, dass man nicht nur Technik, sondern auch Spaß vermitteln muss. Daher die Frage am Anfang des Threads wie ich am besten eine neue junge Schützin, die talentiert ist, einführen kann.


    Die Diskussion hat sich danach etwas wegbewegt. Daher würde ich mich noch über weitere Anregungen zu meiner Eingangsfrage freuen.

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo

  • Bei uns im Jugendtraining verwenden wir verschiedene Ausbildungsscheiben und auch gezielt Jux-Scheiben, die lustig aussehen. Zum einen macht es den Kids mehr Spaß als auf normale zu schießen und zum anderen haben sie trotzdem ein bestimmtes zu treffen und das ist zum Teil schwieriger als auf einer normalen zu treffen und anzuvisieren.


    Wenn die Jungschützen eine Weile dabei sind nehme ich sie zu ihrem ersten Wettkampf mit. Vor Ostern das Ostereierschießen und vor Weihnachten das Lebkuchenschießen. Beide Veranstaltungen werden von unterschiedlichen Vereinen, aber mit ähnlichem Modus geschossen. Jeder Schuss ins Schwarze ein Ei/ Lebkuchen, jeder Zehner zwei Eier/ Lebkuchen.


    In dieser Phase mache ich auch gerne Showkämpfe auf unseren Stand für Fünfschüßige Luftpistole. Geschossen wird auf Ansage und im KO-System. Die besseren schießen z.B. ohne Hose oder Jacke, um den neueren eine Chance zu geben. Macht richtig Spaß!!

  • also bei uns im verein
    fangen die meisten erst mal mit dem liegendschießen an also aufgelegt liegend
    damit sie erst mal ein gefühl fürs abziehen und zum zielen bekommen....
    und wenn sie das so in etwa können kommt das stehend aufgelegt drann...


    in meinem alten verein haben wir immer auf diese glücksscheiben schießen dürfen so ab und zu
    oder nach fasching (da im schützenhaus immer faschingsveranstaltungen vom ganzen ort waren)
    durften wir immer auf luftballons schießen die noch nicht abgehängt wurden also die wir dann vorne ans
    ziel gehängt haben usw...


    ich weiß nich ob das weiter hilft aber welche scheiben auch gut sind sind die
    schwarzen ohne ringzahlen drauf
    dadurch lernen sie auch erst mal nur das schwarze zu treffen und wollen ncih
    von anfang an schon die 10 treffen

  • Halli hallo
    was vielleicht auch noch eine möglichkeit ist sind spiele einzubauen .z.b mensch ärgere dich nciht. also einfach das spielbrett kopieren und mit reißnägeln an ner pinnwand festmachen, das heißt es können auch schützen auf unterschiedlichem niveau mitschießen und ein zweier kann auch mal nützlich sein. ein ähnliches spiel geht so: man nimmt sich eine zahl vor z.b 21 die es gilt zu erreichen man nimmt schützen die ungefähr das gleiche niveau haben. einer (spieler 1) startet: hat z.b eine 7 spieler2 trifft eine 5 und spieler 3 wieder eine 7 --> punkte von spieler 1 werden gelöscht und er muss wieder von vorne beginnen .. also auch so eine art mensch ärgere dich nicht usw geht halt so lange bis der erste 21 hat, wenn er drüber is z.b bei 25 muss er halt beim nächsten mal eine 4 treffen bis er genau die zahl getroffen hat. Das sind vor allem spiele die mit leuten mit unterschiedlichem niveau gespielt werden können und eine menge spaß machen und man nicht auf die 10 fixiert ist sondern vll acuh mal ne 2 gezielt schießen muss.
    liebe grüße
    lisa

  • Danke für eure Tipps. Werde die mal mit ins Training einbauen. Die Übung mit den schwarzen Scheiben habe ich auch schon mal durchgeführt. Ist zwar nicht so beliebt, wie z.B. Spiele, bringt aber vor allem nicht ganz so starke Schützen deutlich weiter.


    lisa: Habe mich schon gewundert, dass mir dein Name so bekannt vorkommt, dann habe ich weitergelesen und jetzt weiß ich auch warum. Ich wohne in der Nähe von Waldkraiburg und habe daher eure Wettkämpfe aufmerksam im Internet verfolgt. War schon des öfteren als Zuschauer in Waldkraiburg (als noch Bundesliga angesagt war) und möchte auch kommende Saison zu eurem Heimkampf kommen.
    Drücke euch auf alle Fälle die Daumen!!

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo

  • Ich habe in Trainingslagern folgendes Schießspiel kennengelernt.
    Ich hoffe, daß ich die Regeln hier richtig wiedergebe (für Korrekturen/Ergänzungen wäre ich dankbar)


    Contra-Match
    Jeder Schütze gibt genau einen Schuß ab, dann ist der rechts von ihm stehende an der Reihe.Ist die Reihe durch, wird wieder links begonnen.
    Der, der gerade „dran“ ist, soll/muß mindestens die gleiche Ringzahl wie sein Vorgänger erzielen.
    Die Differenz zum Vorgänger wird wie folgt gewertet (und aufgeschrieben):
    - gleiche Ringzahl: weder Vorgänger noch Schütze bekommen Abzüge
    - höhere Ringzahl als Vorgänger: Vorgänger bekommt Differenz abgezogen
    - niedrigere Ringzahl: Schütze bekommt Differenz abgezogen.
    - Der „Einsatz“ kann verdoppelt werden, wenn der Schütze vor seinem Schuß „Contra!“ ruft.
    Wenn ein Schütze einen vorher festgelegten Wert an Minuspunkten gesammelt hat, scheidet er aus dem Spiel aus.
    Sieger ist der, der zuletzt übriggeblieben ist.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)